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Sherab

Mitglied
Buddh. Richtung:
Rime
Wie würdet ihr Projektionen definieren?

Und wie erkennt ihr Eure eigenen Projektionen?
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus dem Blickwinkel verschiedener Rollen, die mein jetziges Leben prägten. Als Sohn, als Ehemann, als Arbeitnehmer, als Volkswirt und vor allem als Schüler der buddhistischen Philosophie, wobei ich versuche, diese in mein Leben zu integrieren.
Re: Praxis Projektionen
Ich antworte jetzt nur für mich persönlich, also auf der Basis, wie ich damit arbeite und umgehe.
Wie würdet ihr Projektionen definieren?
Für die Arbeit mit meinem Geist relevant sind Projektionen Eigenschaften/Geistesfaktoren, die ich an mir selbst ablehne, weil ich sie als negativ definiere. Dennoch sind diese Geistesfaktoren/Eigenschaften ja in meinem Geist vorhanden und wirken. Weil sie aber nicht in mein Bild von mir selbst passen, übertrage ich sie auf andere.
Und wie erkennt ihr Eure eigenen Projektionen?
Eigentlich kann man Projektionen nicht selbst erkennen, weil man diese Eigenschaften so sehr für sich ablehnt. Deswegen ist da eine fachliche Begleitung sicher das Mittel der Wahl. Ehrlich gesagt hoffe ich immer auf furchtlose Freund*innen, die mir das sagen. Aber darauf verlassen kann man sich nicht, Höflichkeit und so.

Wie ich versuche, sie zu erkennen: Achtsamkeit ist dabei die Grundlage. Und Vers 36 der 37 Übungen eines Bodhisattva : Schaue unablässig auf den Zustand deines Geistes.
Das ist die Basis.
Und dann hat sich mit ein Spruch von Oliver Petersen in einem Arbeitskreis eingeprägt: "Was Hänschen über Hans sagt, sagt mehr über Hänschen als über Hans."
Wenn ich also jemandem eine schlechte Eigenschaft oder etwas Negatives zuschreibe, begebe ich mich mit einem hoffentlich ausreichendem Maß an Achtsamkeit an die Stelle des Hänschens und suche in meinem Geist nach der schlechten Eigenschaft. Ich werde dann auch meistens fündig.
Mir hilft das, seit ich den Spruch gehört habe.

Durch die Trump- und Merz-Regierung kursiert in politischen Diskussionen auch der Spruch "Every accusation is confession." Der wäre kürzer und knackiger und man käme mit den verschiedenen Hans-Hüten nicht durcheinander, die man sich ja aufsetzen müsste. 😁

--------------------

Edit: Ich habe mal in meinen Arbeitskreis-Notizen nachgeschaut, in welchem Zusammenhang Oliver das gesagt hat. Es ging um reine Wahrnehmung und - tadaaaaa - Projektionen. 😁

Da du nach einer Definition gefragt hattest, hier ist die von Oliver:
Projektion: man sieht etwas im anderen – dies muss aber nicht richtig sein, weil es aus dem eigenen Innern kommt

------
Noch ein Edit: Wenn ich sage "ich werde meistens fündig" heißt das nicht, dass die Sache erledigt ist. Die Ablehnung bleibt ja. Aber dann weiß ich zumindest, wo ich regelmäßig hinschauen und daran arbeiten muss.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Praxis Projektionen
Danke @Mopsa (Deinen neuen Profilnamen finde ich noch gewöhnungsbedürftig).
Den "Hans Spruch" muss ich mir merken, wahrscheinlich kann man das aber auch nicht
verallgemeinern, weil Hans ja auch mitfühlend über Hänschen sprechen kann.

Die Definition finde ich auch super.

Zur Erkennung: Was meinst Du mit fachlicher Begleitung? Psychologe?
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus dem Blickwinkel verschiedener Rollen, die mein jetziges Leben prägten. Als Sohn, als Ehemann, als Arbeitnehmer, als Volkswirt und vor allem als Schüler der buddhistischen Philosophie, wobei ich versuche, diese in mein Leben zu integrieren.
Re: Praxis Projektionen
Den "Hans Spruch" muss ich mir merken, wahrscheinlich kann man das aber auch nicht
verallgemeinern, weil Hans ja auch mitfühlend über Hänschen sprechen kann.
Ist Mitgefühl denn etwas, was man bei sich ablehnt und es deswegen projizieren muss?
Zur Erkennung: Was meinst Du mit fachlicher Begleitung? Psychologe?
Ja, entweder ein*e Therapeut*in oder Lehrer*in.
 
Re: Praxis Projektionen
Projektionen würde ich so * definieren:

"eigentliches" Objekt + Vorstellungen* = "grobes" Objekt (was ich dann wahrnehme)

Erkennen tue ich das normalerweise nicht, weil "das" sich für mich einfach wahr anfühlt.

Durch Nachdenken kann/könnte ich die zwei Teile "trennen".

(die Bezeichnung "grobes" Objekt habe ich gelesen bei Andy Karr (Der Wirklichkeit auf der Spur), Kapitel Sautantrikas)
 
| Mein Blickwinkel: Zen-Schüler
Re: Praxis Projektionen
Wie würdet ihr Projektionen definieren?
Wie der Begriff „Schatten“ in der Psychoanalyse.
Und wie erkennt ihr Eure eigenen Projektionen?
Nicht einfach, sondern durch die Versprecher in der Kommunikation oder in der Symptomatik. Die Projektion kann meistens nicht bewusst werden; deswegen rationalisiert oder verdrängt der Mensch sie. Und gerade deswegen leidet er, ohne es sogar! zu be-merken.
 
Re: Praxis Projektionen
Wir gehen im Park spazieren.
Die Familie meiner Frau hatte einen Hund. Wenn uns ein Hund entgegen kommt, sieht sie einen süßen Hund.
Unser Sohn wurde schon von einem Hund in den Finger gebissen, er sieht (und fühlt) einen gefährlichen Hund.
Und ich frage mich, ob der Hund die Buddhanatur hat.
 
| Mein Blickwinkel: Zen-Schüler
Re: Praxis Projektionen
Jeder Mensch ist unser Spiegel. Wir Projizieren immer zu auf andere Menschen.
Der erste Schritt ist zu akzeptieren, dass man genau das selbe ist/in sich hat was man an dem anderen so verurteilt. Genau so erkennt man Projektionen auch ganz einfach.
Sobald mich etwas an jemanden stört, kann ich davon ausgehen, dass ich etwas von mir auf ihn projiziere.

In der PoV gibt es auch eine tolle Übung dazu, es geht darum auszusprechen was man verurteilt, einzugestehen, dass man genau das selber ist und sich selber dafür zu vergeben und sich bei dem anderen (innerlich) zu bedanken, dass er einen ein Lehrer ist und auf dem Weg weiter geholfen hat.
Das ist so ein kleiner Schritt das Urteil aufzuheben und sich dessen erst einmal bewusst zu werden.

Der nächste Schritt ist dann natürlich zu schauen woher diese Urteile kommen, oft sind es ja Glaubenssätze auf Grundlage von Erfahrungen aus der Kindheit und diesen Teil in sich zu heilen.

Das bringt mir jedes Mal ein Stückchen mehr inneren Frieden.
 
Re: Praxis Projektionen
Ja, ich sehe es ähnlich, genau gesagt: letztendlich ist alle Wahrnehmung Projektion.
In der Psychologie versteht man unter Projektion "das Übertragen und Verlagern innerpsychischer Inhalte oder eines innerpsychischen Konfliktes, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt." (Wikipedia).

Also eine faktisch falsche Benennung, die den Sinn des Selbstschutzes hat. Und leider funktioniert solch ein Schutz nicht, ist also keiner, sondern ist eher Ausdruck von Gestörtsein - obwohl es normal ist, denn es gibt kaum jemanden, der nicht projiziert.

Was den Unterschied ausmacht, ist ob man sich selber hinterfragen kann oder ungebremst andere für die eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich macht.

Ein kleiner Trick, wenn ich irgendwas Unangenehmes über andere denke, ist dass ich mich frage:
  • Wann habe ich mich schonmal so gefühlt? Oder
  • Warum passiert MIR sowas?

Dann wird mir oft viel klarer, dass diese Wahrnehmung extrem viel mit mir selbst zu tun hat.
 
| Mein Blickwinkel: Lebenserfahrung, Lamrim, Shantideva
Re: Praxis Projektionen
Hallo, :)

das ist ein spannendes Thema mit dem ich mich im Alltag eigentlich ständig auseinandersetze.

Eigentlich bewerten die Menschen Dinge, Personen und Situation zumeist auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen im Leben. Selbst wenn man glaubt, auf der Metaebene zu sein, würde ich denken, dass man davor nicht gefeit ist.

Ich merke Projektionen oft erst, wenn ich mich ärger. Aber manchmal denke ich auch bei positiven Bewertungen darüber nach, dass meine Bewertung durch Projektion geschieht.

Ich würde denken, dass Projektion nur nicht geschieht beim achtsamen, wertfreien Beobachten/Teilnehmen/Beschreiben... wenn dies ausreichend geübt wurde. Aber sobald diese Übung verlassen wird, vermute ich, dass Projektionen geschehen. Das Gehirn ist auf ständige Bewertungen ja angewiesen, um das Überleben zu sichern. Vielleicht ist es nicht möglich, es komplett abzulegen, aber ich halte es für möglich, dass man lernen kann, sich dem unentwegt bewusst zu sein und sein eigenes Denken und Handeln zu hinterfragen.


Liebe Grüße
Nae Mi
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus meiner Erfahrung mit Traumatherapie, Achtsamkeit aus der dialektisch behavioralen Therapie und dem, was ich neu im MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) lerne. Ich bin unwissend bezogen auf die buddhistischen Lehren; möchte aber lernen.
Re: Praxis Projektionen
Mir hilft manchmal die Vorstellung, was wäre, wenn ich weiß, ich verlasse gleich diese Welt, z.Bspl. indem ich sterbe, mit all meinen Projektionen, Anhaftungen, Ängsten, Dunkelheit, Dünkel usw.
Dann bekomme ich manchmal auch eine Ahnung, wie befreiend es sein kann, all das nicht mehr mit mir rumzutragen. Was muss das für ein tiefer Frieden sein...
 
Re: Praxis Projektionen
Mir hilft manchmal die Vorstellung, was wäre, wenn ich weiß, ich verlasse gleich diese Welt, z.Bspl. indem ich sterbe, mit all meinen Projektionen, Anhaftungen, Ängsten, Dunkelheit, Dünkel usw.
Dann bekomme ich manchmal auch eine Ahnung, wie befreiend es sein kann, all das nicht mehr mit mir rumzutragen. Was muss das für ein tiefer Frieden sein...
Das ist eine gute Methode, um die Furcht vor dem Tod zu überwinden.
In der tiefen Meditation gelingt es manchmal auch, die Projektionen und Anhaftungen abzulegen und trotzdem einfach weiter zu leben, mit dem was da ist, nicht nur den eigenen Vorstellungen. ❤️
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Praxis Projektionen
Eigentlich bewerten die Menschen Dinge, Personen und Situation zumeist auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen im Leben. Selbst wenn man glaubt, auf der Metaebene zu sein, würde ich denken, dass man davor nicht gefeit ist.
Ich denke wir sind immer nur in unserem eigenen Geist unterwegs, der alles eifrigst sortiert und bewertet. Es braucht viel Übung, das zu erkennen und abzulegen.
Das Gehirn ist auf ständige Bewertungen ja angewiesen, um das Überleben zu sichern. Vielleicht ist es nicht möglich, es komplett abzulegen, aber ich halte es für möglich, dass man lernen kann, sich dem unentwegt bewusst zu sein und sein eigenes Denken und Handeln zu hinterfragen.
Vielleicht hat das alles auch mit Angst zu tun. Angst vor Ablehnung, Angst vor Verlust, oder Angst vor Überforderung.
Ich glaube auch nicht, dass ich das jemals komplett ablegen kann. Ich habe nur Momente erlebt, in denen das ganz weg war, und je mehr ich das übte, desto länger wurden sie. :)
 
Re: Praxis Projektionen
@Bubbles , :)

Ich dachte eher an die Amygdala und z.B. den Fall mit dem Säbelzahntiger. Eine Bewertung, die den Säbelzahntiger fest als Gefahr verankert, sorgt dafür, dass der Mensch ohne Zeitverzögerung reagieren kann. Außerdem entlastet das Schubladendenken das Gehirn, weil es nicht ständig neu analysieren muss.

Aber es wäre schon interessant, ob das Gehirn eines Menschen es tatsächlich leisten könnte, dauerhaft ohne Bewertungen und Projektionen zu leben. Gäbe es ohne Projektion überhaupt noch Mitgefühl? Wenn ich mich in mein Gegenüber hineinversetze, läuft das ja eigentlich auch über Projektionen.

Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr Verzahnungen entdecke ich zu unterschiedlichen Dingen. Das Thema ist noch spannender als gedacht. :giggle:

Liebe Grüße
Nae Mi
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus meiner Erfahrung mit Traumatherapie, Achtsamkeit aus der dialektisch behavioralen Therapie und dem, was ich neu im MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) lerne. Ich bin unwissend bezogen auf die buddhistischen Lehren; möchte aber lernen.
Re: Praxis Projektionen
Hallo, :)

Ich habe eben auf meinem Spaziergang einen Regenwurm gerettet und habe im Anschluss mal drüber nachgedacht.

Es war reine Projektion gewesen, die mich dazu veranlasst hat. Der Regenwurm wandt sich auf dem Pflasterstein schon sehr geschwächt. Meine Projektion:"Er kämpft verzweifelt um sein Überleben." Natürlich war sein Leben objektiv gefährdet, aber dass er sich verzweifelt fühlte, war meine Projektion.

Und dann fiel mir noch was auf: Dass ich ihn gerettet habe, war ja nicht reines Mitgefühl. Anderen Menschen oder Tieren aktiv zu helfen, erfüllt oft die Funktion, die eigene Hilflosigkeit zu beenden und sich selbstwirksam zu fühlen. Den "verzweifelten" Regenwurm zu sehen, hat sich schlecht angefühlt. Ihn zu retten und seine Hilflosigkeit zu beenden, hat meine eigene Hilflosigkeit beendet und mich wie die Heldin des Regenwurms fühlen lassen. :ROFLMAO:
Vermutlich wurde eine Menge Dopamin ausgeschüttet, als ich so stolz auf mich war, dass ich aufmerksam genug war, den armen Regenwurm zu entdecken und zu retten.

Aber was bedeutet das nun für das Thema Projektion? Ich vermute, es bedeutet vor allem, dass es als Antrieb zum Handeln dient. Ob nun im Reduzieren von Leid oder dem Mehren von Leid.

Liebe Grüße
Nae Mi
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus meiner Erfahrung mit Traumatherapie, Achtsamkeit aus der dialektisch behavioralen Therapie und dem, was ich neu im MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) lerne. Ich bin unwissend bezogen auf die buddhistischen Lehren; möchte aber lernen.
Re: Praxis Projektionen
Danke sehr, @Nae Mi für Deine mit uns geteilte Selbstbeobachtung. Das finde ich wirklich toll beschrieben.
Ein Regenwurm kann einen also eine Menge über sich selbst lehren. :)

Dieser Impuls, ihn zu retten, ist denke ich eine Folge des Mitgefühls mit allen fühlenden Wesen und auch ein wesentliches buddhistisches Prinzip.

Die Projektion sehe ich in dem Fall nicht im Wunsch, dem Wurm zu helfen, sondern eher darin, hinterher darauf stolz zu sein.
Eine hungrige Amsel hätte ihn vielleicht gerne gefressen?

Aber was bedeutet das nun für das Thema Projektion? Ich vermute, es bedeutet vor allem, dass es als Antrieb zum Handeln dient. Ob nun im Reduzieren von Leid oder dem Mehren von Leid.

Projektionen sind sicher ganz oft der Antrieb zum Handeln.
Wenn es einem gelingt, ohne Selbst und ohne Projektionen zu handeln, ist man wahrscheinlich ganz nah an der Befreiung. 🧡
 
Re: Praxis Projektionen
Hallo @Bubbles , :)

ich sehe das tatsächlich noch ein bisschen anders. Meine Sorge war, dass der Regenwurm vertrocknet. Wäre er von einem Vogel gefressen worden, dann hätte er dem Vogel als Nahrung gedient. Das wäre für mich persönlich vertretbar gewesen.

Der Stolz war nicht die Intention meines Handelns, sondern die Projektion meiner Gefühle auf den Wurm. Ich dachte mir, dass wenn ich an seiner Stelle wäre, ich verzweifelt wäre. Also glaubte ich, dass auch der Regenwurm Verzweiflung fühlen würde. Dort fand die Projektion statt.

Vielleicht ist es leichter anhand eines anderen Beispiels zu verstehen. Es gab vor über 20 Jahren mal eine Situation, wo ich glaubte, eine Gruppe wäre ungerecht behandelt worden. Ich selbst war nicht betroffen. Aber weil ich es ungerecht fand, habe ich mich dafür eingesetzt, dass diese Gruppe gerecht behandelt wird. Am Ende habe ich damit aber nur Leid verursacht. In der Gruppe, wo ich drin war und in der Gruppe, denen ich helfen wollte. Niemand empfand sich nämlich als ungerecht behandelt dort. Ich war einfach total übergriffig gewesen, weil ich meine Gefühle auf diese Gruppe übertragen hatte.

Es ging mir nie darum, Anerkennung für meine Hilfe zu bekommen. Das war nicht mein Antrieb. So wie der Stolz nicht mein Antrieb war, dem Regenwurm zu helfen, sondern das Gefühl, er wäre verzweifelt.

Aber es ist bestimmt gut möglich, dass Stolz bei einigen Menschen ein Antrieb ist, z.B. wenn sie Bestätigung von Außen brauchen, um ihr Selbstwertgefühl stabil zu halten.

Dadurch, dass ich nicht nur auf fühlende Wesen, sondern auch auf Gegenstände meine Gefühle projiziere, habe ich auch mit diesen Mitgefühl. Ich bin Animistin und glaube daran, dass alles beseelt ist. Darum entschuldige ich mich auch bei Gegenständen, wenn ich mal versehentlich unachtsam mit ihnen umgegangen bin.

Ich würde sehr gerne wissen, wie es aussehen könnte, wenn jemand ohne Projektion handelt.
Also ich könnte mir vorstellen, dass ich dann aus ethischen Gründen handeln würde. Aber das entspräche dann vielleicht starren Prinzipien und... wäre das dann wieder Anhaftung?
Vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie man das Handeln ohne Projektion sonst noch umsetzen könnte.:giggle:

Liebe Grüße
Nae Mi
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus meiner Erfahrung mit Traumatherapie, Achtsamkeit aus der dialektisch behavioralen Therapie und dem, was ich neu im MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) lerne. Ich bin unwissend bezogen auf die buddhistischen Lehren; möchte aber lernen.
Re: Praxis Projektionen
Hallo, :)

Nun muss ich doch nochmal schreiben. Irgendwie komme ich auf meinen Spaziergängen immer wieder zu neuen Erkenntnissen. 😅

Mir ist jetzt aufgefallen, dass ich mit dem Regenwurm kein Mitgefühl, sondern Mitleid hatte. Ich habe das vermischt.

Ich hatte nämlich einmal geschafft, Wut in Mitgefühl zu transformieren und das fühlte sich komplett anders an.

Projektion führt dann vermutlich eher zu Mitleid und nicht Mitgefühl. Ich werde drauf achten, das besser auseinander zu halten.

Liebe Grüße
Nae Mi
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus meiner Erfahrung mit Traumatherapie, Achtsamkeit aus der dialektisch behavioralen Therapie und dem, was ich neu im MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) lerne. Ich bin unwissend bezogen auf die buddhistischen Lehren; möchte aber lernen.
Re: Praxis Projektionen
In der tiefen Meditation gelingt es manchmal auch, die Projektionen und Anhaftungen abzulegen und trotzdem einfach weiter zu leben, mit dem was da ist, nicht nur den eigenen Vorstellungen.
Ach, ja:
Du bist es, der dein Urteil ausspricht;
kein schrecklicher Gott treibt dich dazu. Denn wisse:
außerhalb deiner meta-psychischen Projektionen gibt es weder
Götter noch Dämonen noch den Richter des Todes – nicht
einmal das sogenannte „Bardo“. Begreife dies endlich und
werde frei.
Aus: Paul Debes, "Die Lehrreden des Buddha", Band 7, Seite 6224- https://www.buddhistisches-seminar.de/
 
Re: Praxis Projektionen
@Nae Mi , magst du erklären, was für dich der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl ist? :)

Mach es nicht so kompliziert, ich finde es sehr nett, dass du den Regenwurm gerettet hast...

Viele Grüße,
Wetering
👍
Ach, ja:

Aus: Paul Debes, "Die Lehrreden des Buddha", Band 7, Seite 6224- https://www.buddhistisches-seminar.de/
In diesem Zusammenhang ist das Wort "Projektion" eigentlich gängig. Die ganzen Daseinsbereiche sind letztlich Projektionen des Geistes. Tulku Thondup beschreibt zum Beispiel sehr schön, dass Yama, hier bei Debes der "Richter des Todes" genannt, auch eine geistige Projektion unseres Gewohnheitsmusters des Urteilens ist.

Ich glaube allerdings, dass @Sherab eher die Projektion in der Psychologie meinte, also etwas auf jemanden übertragen oder hineinverlegen.
 
Re: Praxis Projektionen
In diesem Zusammenhang ist das Wort "Projektion" eigentlich gängig. Die ganzen Daseinsbereiche sind letztlich Projektionen des Geistes. Tulku Thondup beschreibt zum Beispiel sehr schön, dass Yama, hier bei Debes der "Richter des Todes" genannt, auch eine geistige Projektion unseres Gewohnheitsmusters des Urteilens ist.
Na ja, aber ich sehe da keinen Widerspruch, denn alles, was wir eigentlich wahrnehmen, stellt am Ende nur die Projektionen des Geistes dar. Nicht Anderes.

So:

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Wikipedia:
die Wirklichkeit werde von unserem Gehirn konstruiert, nur diese vom Gehirn konstruierte Wirklichkeit sei für uns erfahrbar.
 
Re: Praxis Projektionen
Vielleicht ist es leichter anhand eines anderen Beispiels zu verstehen. Es gab vor über 20 Jahren mal eine Situation, wo ich glaubte, eine Gruppe wäre ungerecht behandelt worden. Ich selbst war nicht betroffen. Aber weil ich es ungerecht fand, habe ich mich dafür eingesetzt, dass diese Gruppe gerecht behandelt wird. Am Ende habe ich damit aber nur Leid verursacht. In der Gruppe, wo ich drin war und in der Gruppe, denen ich helfen wollte. Niemand empfand sich nämlich als ungerecht behandelt dort. Ich war einfach total übergriffig gewesen, weil ich meine Gefühle auf diese Gruppe übertragen hatte.
Da hast du wohl aus Deinem Ego heraus gehandelt. Du hast es selbst als ungerecht empfunden und nach deinem Gefühl gehandelt. Das ist normal.
Ich würde sehr gerne wissen, wie es aussehen könnte, wenn jemand ohne Projektion handelt.
Also ich könnte mir vorstellen, dass ich dann aus ethischen Gründen handeln würde. Aber das entspräche dann vielleicht starren Prinzipien und... wäre das dann wieder Anhaftung?
Vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie man das Handeln ohne Projektion sonst noch umsetzen könnte.:giggle:
Ich glaube dazu muss man sich selbst erstmal erkennen. Und wissen, welche Verletzungen, Eitelkeiten oder Wünsche man im Innersten herumträgt, die einem die Welt seinem eigenen Muster entsprechend erscheinen lässt.. Das ist gar nicht so leicht verstandesgemäss zu erfassen. Vieles ist ja im Unterbewusstsein abgespeichert.

Mir ist erst nach einigen Jahren Zazen aufgefallen, dass ich gar nicht so ein netter Mensch bin wie ich immer von mir dachte. Mir wurde plötzlich klar, wie stark ich von Gier, Hass und Verblendung bestimmt bin. Dafür bin ich heute noch dankbar, weil es mir jetzt oft leichter fällt, mich selbst zu durchschauen.
Ein Bodhisattva hat keine Geistesgifte, er handelt zum Wohle aller Wesen, ohne eigenes Interesse. Das ist mein Ideal.
Mach es nicht so kompliziert, ich finde es sehr nett, dass du den Regenwurm gerettet hast...
Das gefällt mir auch. Man sollte es nicht zu kompliziert machen. Doch hilft so eine Situation auch, sich über seine eigenen Motive klar zu werden.
Projektion führt dann vermutlich eher zu Mitleid und nicht Mitgefühl. Ich werde drauf achten, das besser auseinander zu halten.
Projektion kann auch zu Wut führen. Das erleben wir ja tagtäglich. Im Prinzip verstehe ich das so, dass ich in der Projektion meinen eigenen Anteil an meinen Gefühlen nicht wahrnehme, sondern denke, der Mitmensch will mir etwas Böses, oder halt auch, der Mitmensch leidet wie ich. Wenn es mir gelingt, den eigenen Anteil an der Situation zu durchschauen, sehe ich die Welt ohne Projektionen. Glaub ich zumindest. :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Praxis Projektionen
Hallo @Wetering, :)
danke für den Stopp-Reiz. Ich bin da in eine Analyse-Schleife geraten. 😅

Hallo @Mopsa , :)
Bei Mitleid, leide ich selbst. Bei Mitgefühl fühle ich, dass der andere gerade leidet, ohne dass ich selbst leide.
Beim Regenwurm fühlte ich Verzweiflung durch Projektion. Ich litt also selbst und hätte ich den Regenwurm liegenlassen, wäre das Leid in mir immer größer geworden. Ich denke, die Handlung war also auch dadurch bestimmt, dass ich mein eigenes Leid beenden wollte.

Bei dem Fall, wo ich Mitgefühl gespürt habe, war es so, dass jemand aus der Familie aus Wut und Enttäuschung sich destruktiv verhalten hat und sich damit zusätzlich geschadet hat. Erst war ich genervt vom aggressiven Verhalten dieser Person. Aber als ich darüber nachgedacht habe, dass ihr Verhalten nichts mit mir zu tun hat und diese Person gerade in ihrer Wut ihr Leid noch weiter vergrößert, spürte ich Mitgefühl. Und ich hatte nicht das Gefühl, verantwortlich dafür zu sein, das Leid beenden zu müssen (wie ich es beim Regenwurm hatte), sondern konnte diesen Menschen einfach so annehmen wie er gerade war. Ich hatte eine innere Distanz, weil meine Gefühle nicht involviert waren. Ich vermute, dass da keine Projektion stattgefunden hat.

Dass ich das so hinbekommen habe, war allerdings eine Seltenheit für mich. Das klappt sonst fast nie.

Hallo @Bubbles, :)
Dann ist es für mich persönlich, denke ich, am hilfreichsten, erstmal beim Entlarven zu bleiben, bevor ich versuche, das irgendwie zu beenden.

Ich danke Euch allen für Eure Anregungen.

Liebe Grüße
Nae Mi
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus meiner Erfahrung mit Traumatherapie, Achtsamkeit aus der dialektisch behavioralen Therapie und dem, was ich neu im MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) lerne. Ich bin unwissend bezogen auf die buddhistischen Lehren; möchte aber lernen.
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