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Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Rechte Anstrengung gehört bei der Dreiteilung des achtfachen Pfades zu "Sammlung". Es geht dabei nicht nur um die Bemühung den Geist auf ein einziges Objekt zu konzentrieren, sondern den Geist allgemein vor Zerstreuung zu bewahren.
Was unter rechter Anstrengung zu verstehen ist, hat Sariputta in M.141.29 kurz und bündig dargelegt.

"Und was, Freunde, ist Richtige Anstrengung? Da erweckt ein Bhikkhu Eifer um das Nichtentstehen noch nicht entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Er erweckt Eifer um das Überwinden bereits entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Er erweckt Eifer um das Entstehen noch nicht entstandener heilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Er erweckt Eifer um das Beibehalten, das Nicht-Verschwinden, die Stärkung, das Anwachsen, die Entfaltung und Vervollkommnung bereits entstandener heilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Dies wird Richtige Anstrengung genannt."

M.141 ist eine etwas ausführlichere Zusammenfassung von S.56.11, Buddhas erster Lehrrede, und enthält im Grunde die gesamte Lehre im Überblick. Mir scheint: Nicht ohne Grund steht die rechte Anstrengung (das rechte Mühen) an 7. Stelle auf dem Achtpfad, denn der ist ein Weg. Sariputta erwähnt es ausdrücklich in M.141.23:
"Und was, Freunde, ist die Edle Wahrheit vom Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt?"

Jeder Weg beginnt am Anfang und solange Richtige Ansicht, Richtige Absicht, Richtige Rede, Richtiges Handeln, Richtige Lebensweise nicht verwirklicht sind, entbehrt die Rechte Anstrengung der nötigen Basis, sie hängt quasi in der Luft. Der Weg besteht aus allen Schritten aber nicht allen Schritten im gleichen Augenblick.
Ich weiß, daß diese Ansicht umstritten ist aber sooft ich darüber nachdenke und meine eigene Wegstrecke betrachte, komme ich immer wieder zu diesem Schluß.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Zu Beitrag #49 von @Igor07 :

Die konventionelle Wahrheit der Person besteht darin, dass die Person abhängig von den Skandhas existiert. Sie ist deshalb aber nicht die Skandhas, aber die Person existiert auch nicht losgelöst von den Skandhas. Weil die Person abhängig von den Skandhas existiert, verändert sich die Person auch, wenn sich die Skandhas wandeln.

Die letztgültige Wahrheit der Person ist, dass sie keine eigenständig-substantielle Bestehensweise hat, also kein Eigenwesen besitzt.

Die Person ist nur deshalb ein abhängig bestehendes Phänomen, weil sie kein Eigenwesen besitzt; und weil sie kein Eigenwesen besitzt, ist sie ein abhängiges Phänomen.

Das sind die Bedingungen und Umstände aufgrund derer wir als Personen handeln, erfahren und erleben. Mehr als diese Bedingungen sind nicht notwendig für die Existenz einer Person.

Nur weil eine Person durch ihre konventionelle und ihre letztgültige Wahrheit bestimmt ist, kann sie sich wandeln, verändern. Diese beiden Wahrheiten der Person bilden die Grundlage dafür, dass wir lernen können; dass wir mit Anstrengung den achtfachen Pfad üben können und dadurch die wahren Beendigungen erlangen können; dass wir Befreiung, also die Arhatschaft erlangen können.

Dass die Person in Abhängigkeit der Skandhas existiert, ist ja mehr eine allgemeine Definition der Person. Sie trifft auf alle Menschen zu; sei er ein Mörder oder ein Sravaka oder gar ein Buddha. Wenn uns ein Kind fragt was ein Buddha ist, dann antworten wir ja nicht mit der Definition der Person. Dann benennen wir die körperlichen und geistigen Qualitäten des Buddha, die er durch seine Praxis verwirklicht hat. Aber auch die Qualitäten des Buddha existieren nur in Abhängigkeit seines Körpers und seines Geistes.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Nicht ohne Grund steht die rechte Anstrengung (das rechte Mühen) an 7. Stelle auf dem Achtpfad,
Sorry, lieber @Hajo :

  1. ist die Erkenntnis der Wahrheit (siehe sacca) vom Leiden, von der Leidensentstehung, von der Leidenserlöschung und von dem zur Leidenserlöschung führenden Pfade.
  2. ist entsagende, haßlose, friedfertige Gesinnung (siehe vitakka).
  3. ist Vermeidung von Lüge, Zwischenträgerei, roher Rede und törichter Rede.
  4. ist Vermeidung von Töten, Stehlen und Ehebrechen.
  5. ist Vermeidung eines die anderen Wesen schädigenden Berufes.
  6. ist die Anstrengung karmisch unheilsame, üble Dinge zu vermeiden oder zu überwinden und heilsame Dinge zu erwecken und zu erhalten (siehe padhāna)
  7. ist die beständige Achtsamkeit auf Körper, Gefühl, Bewußtsein und die geistigen Objekte (siehe sati, satipatthāna).
  8. ist die in den vier Vertiefungen (siehe jhāna) ihren Gipfelpunkt erreichende Sammlung (siehe samādhi).
magga


@Helmut. Ich möchte dem Kind so antworten, dass es das Ganze verstehen und nachvollziehen kann, aber nicht in Begriffen, die nur in der buddhistischen Philosophie verwendet werden. Bitte erlaube mir das. Vielen Dank, es ist bestimmt nicht "persönlich" gemeint.. LG.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
@Helmut. Ich möchte dem Kind so antworten, dass es das Ganze verstehen und nachvollziehen kann, aber nicht in Begriffen, die nur in der buddhistischen Philosophie verwendet werden. Bitte erlaube mir das. Vielen Dank, es ist bestimmt nicht "persönlich" gemeint.. LG.
Wie du einem Kind erklärst was ein Buddha ist, ist doch deine persönliche Entscheidung. Wenn man die Qualitäten eines Buddha beschreibt, um dem Kind verständlich zu machen, was ein Buddha ist, hat dies doch mit Philosophie nichts zu tun.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Was die Aufzählung der Aspekte des achtfachen Pfades angeht, sind unterschiedliche Reihenfolgen überliefert. Die Reihenfolge der Aufzählung ist wohl nicht entscheidend. In MN 117.38 steht die Richtige Anstrengung in der Aufzählung an fünfter Stelle.

In MN 117 wird ja der strukturelle Zusammenhang zwischen den Gliedern des achtfachen Pfades aufgezeigt. Nach der Darstellung was rechte Ansicht und was falsche Ansicht ist (MN 117.4-8) heißt es dann:
So kreisen diese drei Zustände um Richtige Ansicht und treffen sich mit ihr, nämlich Richtige Ansicht, Richtige Anstrengung und Richtige Achtsamkeit.
Diese Aussage findet man man stets am Ende jeder Erklärung der Aspekte des achtfachen Pfades. Rechte Anstrengung ist also nicht nur ein Aspekt des achtfachen Pfades, sondern er ist genauso wie die Richtige Ansicht und die Richtige Achtsamkeit mit jedem Aspekt des achtfachen Pfades verbunden.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Was unter rechter Anstrengung zu verstehen ist, hat Sariputta in M.141.29 kurz und bündig dargelegt.

"Und was, Freunde, ist Richtige Anstrengung? Da erweckt ein Bhikkhu Eifer um das Nichtentstehen noch nicht entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Er erweckt Eifer um das Überwinden bereits entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Er erweckt Eifer um das Entstehen noch nicht entstandener heilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Er erweckt Eifer um das Beibehalten, das Nicht-Verschwinden, die Stärkung, das Anwachsen, die Entfaltung und Vervollkommnung bereits entstandener heilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein. Dies wird Richtige Anstrengung genannt."

Danke für den Hinweis, das sind die vier rechten Kämpfe: Vermeidung, Überwindung, Entfaltung und Erhaltung.

"Vier rechte Kämpfe gibt es, ihr Mönche. Welche vier?
Da erzeugt, ihr Mönche, der Mönch in sich den Willen, nicht aufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen zu lassen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum.
Er erzeugt in sich den Willen, aufgestiegene üble, unheilsame Dinge zu überwinden; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum.
Er erzeugt in sich den Willen, nicht aufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen zu lassen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum.
Er erzeugt in sich den Willen, aufgestiegene heilsame Dinge zu festigen, nicht schwinden zu lassen, sondern sie zu Wachstum und voller Entfaltung zu bringen; er strebt danach, setzt seine Willenskraft ein, spornt seinen Geist an und kämpft darum." (A.IV.13.-14)


Jeder Weg beginnt am Anfang und solange Richtige Ansicht, Richtige Absicht, Richtige Rede, Richtiges Handeln, Richtige Lebensweise nicht verwirklicht sind, entbehrt die Rechte Anstrengung der nötigen Basis, sie hängt quasi in der Luft. Der Weg besteht aus allen Schritten aber nicht allen Schritten im gleichen Augenblick.
Ich weiß, daß diese Ansicht umstritten ist aber sooft ich darüber nachdenke und meine eigene Wegstrecke betrachte, komme ich immer wieder zu diesem Schluß.

Der Buddha ist anscheinend auch zu diesem Schluss gekommen:
  • Dem recht Erkennenden, ihr Mönche, entsteht rechte Gesinnung,
  • dem recht Gesinnten rechte Rede,
  • dem recht Redenden rechte Handlungsweise,
  • dem recht Handelnden rechter Lebensunterhalt,
  • dem rechten Lebensunterhalt Erwerbenden rechtes Streben,
  • dem recht Strebenden rechte Achtsamkeit,
  • dem in rechter Weise Achtsamen rechte Sammlung,
  • dem recht Gesammelten rechtes Wissen,
  • dem recht Wissenden entsteht rechte Befreiung. (A.X.103)
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Diese Aussage findet man man stets am Ende jeder Erklärung der Aspekte des achtfachen Pfades. Rechte Anstrengung ist also nicht nur ein Aspekt des achtfachen Pfades, sondern er ist genauso wie die Richtige Ansicht und die Richtige Achtsamkeit mit jedem Aspekt des achtfachen Pfades verbunden.
Das stimmt . Ich hatte mich auf den Beitrag 51 bezogen.
Im MN 141 man sieht die standardisierte Reihenfolge, und zwar:

29. "Und was, Freunde, ist Richtige Anstrengung? 30. "Und was, Freunde, ist Richtige Achtsamkeit? 31. "Und was, Freunde, ist Richtige Konzentration?
Bei Nyanatioka steht es an der sechsten Stelle:

6. Rechte Anstrengung (sammā-vāyāma)​


92​


Was aber ist rechte Anstrengung?


A.IV.13f

DAS WORT DES BUDDHA
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
@Igor07 Ja lieber Igor, Du hast Recht, ich habe mich verzählt - soviel Zeit muß sein :)

@mukti Danke für den Hinweis auf A.X.103, das hatte ich gesucht und vergessen, wo es steht.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Der Buddha ist anscheinend auch zu diesem Schluss gekommen:
Lieber @mukti, man weiß es nicht genau; wahrscheinlich wäre es nur eine Art Zugeständnis. Siehe hier:

S.55.53. Dhammadinno -Dhammadinna Sutta​





Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Benares am Seherstein im Wildparke. Da begab sich der Anhänger Dhammadinno mit 500 Anhängern zum Erhabenen, begrüßte ihn und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend, wandte sich der Anhänger Dhammadinno an den Erhabenen:


"Belehren möge uns, o Herr, der Erhabene, anleiten möge uns, o Herr, der Erhabene, damit es uns lange zum Wohle, zum Heile gereiche".


"Da habt ihr euch denn, Dhammadinno, also zu üben: 'Mit jenen vom Vollendeten verkündeten Lehrreden, den tiefen, tiefsinnigen, überweltlichen, mit der Leerheit verbundenen, wollen wir uns von Zeit zu Zeit erfüllen'. So habt ihr euch, Dhammadinno, zu üben".


"Nicht leicht ist es für uns, o Herr, die wir mitten im Gedränge von Kinderscharen leben, gern feinstes Sandelholz aus Benares verwenden, uns mit Kränzen, Parfüms und Salben schmücken, an Gold und Silber Gefallen haben, uns von Zeit zu Zeit mit den vom Vollendeten verkündeten Lehrreden, zu erfüllen, den tiefen, tiefsinnigen, überweltlichen, mit der Leerheit verbundenen. Gut wäre es, o Herr, wenn der Erhabene uns, die wir in den fünf Tugendschritten feststehen, die Lehre darüber hinaus zeigt".


"Da habt ihr euch, Dhammadinno, also zu üben:



'Mit unbeirrbarer Klarheit wollen wir dem Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft nachfolgen, und den Tugenden, die den Edlen lieb sind, wollen wir nachfolgen'. So habt ihr euch, Dhammadinno, zu üben".


"Was da, o Herr, diese vom Erhabenen gezeigten vier Glieder des Stromeintritts betrifft, so finden sich diese Eigenschaften bei uns und können bei uns gesehen werden. Wir sind, o Herr, dem Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft mit unbeirrbarer Klarheit nachgefolgt und sind den Tugenden, die den Edlen lieb sind, nachgefolgt".


"Ein Gewinn ist es für euch, Dhammadinno, wohl getroffen habt ihr es, Dhammadinno: Die Frucht des Stromeintritts ist erklärt".
Zuerst wollte Buddha also nur die Leerheit als die Lösung darstellen, aber später entschied er sich anders. Tja, ich persönlich finde das schade. Wie gesagt, ich war nicht dabei. Ich hätte dann versucht, Buddhas "Meinung" nicht zu ändern (Ironie)
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Die vier rechten Kämpfe treffen genau den Punkt, rechte Anstrengung bedeutet sich auf diese vierfache Weise anzustrengen.

A.IV.14 Die vier rechten Kämpfe II - 4. Saṃvara Sutta
Klaus Mylius übersetzt Saṃvara mit Selbstbeherrschung.

Vier Kämpfe gibt es, ihr Mönche.
Cattārimāni, bhikkhave, sammappadhānāni

Mylius: sammappadhāna - rechte Anstrengung

Welche vier?
Den Kampf zur Vermeidung, den Kampf zur Überwindung, den Kampf zur Entfaltung, den Kampf zur Erhaltung.


Das wird dann in dieser Lehrrede genau erklärt. Damit der Beitrag nicht zu lang wird, meine Zusammenfassung:
Vermeidung: Aufpassen dass bei den Wahrnehmungen über die sechs Sinne nicht Begehren, Mißstimmung, üble, unheilsame Einflüsse entstehen.
Überwindung: vorhandene Begierden, Hass, üble, unheilsame Dinge vertreiben, vernichten, zum Schwinden bringen.
Entfaltung: Loslösung durch das Entfalten der Erleuchtungsglieder Achtsamkeit, Wirklichkeitsergründung, Willenskraft, Verzückung, Ruhe, Sammlung und Gleichmut.
Erhaltung: Einen Gegenstand der Sammlung im Geist festhalten, als Beispiel ist die Leichenbetrachtung angegeben.

Das ist wieder eine Lehrrede an die Mönche im damaligen Indien. Als Laie in dieser Zeit und Gegend lässt es sich auch praktizieren, z.B. darauf achten wen man aufsucht und womit man sich befasst, damit keine latenten unheilsamen Neigungen erweckt werden. Schlechte Angewohnheiten vermindern, gute Gewohnheiten entwickeln und pflegen, etwa die Sila, Großzügigkeit, Achtsamkeit, Sammlung, gute Gemeinschaft, Ergründung der Lehre, es gibt viel heilsames das man tun und viel unheilsames das man lassen kann.
 
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Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Zuerst wollte Buddha also nur die Leerheit als die Lösung darstellen, aber später entschied er sich anders. Tja, ich persönlich finde das schade. Wie gesagt, ich war nicht dabei. Ich hätte dann versucht, Buddhas "Meinung" nicht zu ändern (Ironie)
Zuerst wollte der Buddha gar nicht lehren, dann hat er Asketen belehrt und dann auch Haushälter. Anscheinend kann man auch ohne direkte Ausrichtung auf die Leerheit den Stromeintritt erreichen, indem man "mit unbeirrbarer Klarheit dem Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft nachfolgt, und den Tugenden, die den Edlen lieb sind". Das sind die vier Glieder des Stromeintritts, die in mehreren Lehrreden genannt werden. Da kann man darüber nachdenken, was die vier Glieder alles umfassen.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Zuerst wollte der Buddha gar nicht lehren, dann hat er Asketen belehrt und dann auch Haushälter. Anscheinend kann man auch ohne direkte Ausrichtung auf die Leerheit den Stromeintritt erreichen, indem man "mit unbeirrbarer Klarheit dem Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft nachfolgt, und den Tugenden, die den Edlen lieb sind". Das sind die vier Glieder des Stromeintritts, die in mehreren Lehrreden genannt werden. Da kann man darüber nachdenken, was die vier Glieder alles umfassen.
Das mag sein, lieber @mukti, aber es gibt auch andere Interpretationen, und man kann das Ganze auch anders sehen:

13. „Welcher Praxis-Weg stellt den normalen Weg dar und welcher den kürzesten und schnellsten Weg?“
Wir können antworten: „Der Edle Achtfache Pfad“ - von dem ihr schon gehört habt - nämlich, Rechte Ansicht, Rechte Gesin-nung, Rechte Rede, Rechte Tat, Rechter Lebenserwerb, Rechte Anstrengung, Rechte Achtsamkeit und Rechte Sammlung. Das nennt man den Edlen Achtfachen Pfad. Er hat eine äußerst me-thodische Gliederung, die man unter den Aspekten der Moral, der Konzentration und der Einsicht gruppieren kann. Er stellt ein großes Praxis-System dar, von dem wir als dem „normalen Weg“ sprechen. Er ist für Leute, die den schnelleren Weg nicht gehen können. Er ist kein falscher Weg, er ist der rechte Weg, aber er ist auf der gewöhnlichen Stufe und dauert lange. Der Buddha lehrte aber auch eine Abkürzung.24 Er sagte, wenn wir nicht an den sechs Wahrnehmungsbereichen (saḷāyatana) und den damit verbundenen Dingen haften, als wä-ren sie ein Selbst oder Teil eines Selbst, dann entsteht im glei-chen Augenblick der Edle Achtfache Pfad mit allen acht Aspek-ten ganz von allein. Das ist ein äußerst wichtiges und grundle-gendes Prinzip des Dhamma .
So das Sutra :

M 137: „Die sechs inneren Grundlagen sollten verstanden werden. Die sechs äußeren Grundlagen sollten verstanden werden. Die sechs Bewußt-seinsklassen sollten verstanden werden. Die sechs Klassen des Kontakts soll-ten verstanden werden. Die achtzehn Arten des geistigen Untersuchens soll-ten verstanden werden. Die sechsunddreißig Lagen der Lebewesen sollten verstanden werden; darin, unterstützt von diesem, überwindet jenes. Es gibt drei Grundlagen der Achtsamkeit, die der Edle pflegt; indem er sie pflegt ist der Edle ein Lehrer, der geeignet ist, eine Gruppe zu unterweisen; unter den Lehrern der Übung ist er derjenige, der unvergleichlicher Führer bezähmba-rer Menschen genannt wird. Dies ist die Zusammenfassung der Darlegung der sechsfachen Grundlage (saḷāyatana).“


Wenn man über die Belehrung des Bâhiya nachdenkt, kann man erkennen, dass die drei Aspekte des Pfades – Sila (Tugend), Samadhi (Konzentration) und Pañña (Weisheit) – in der Vipassana-Praxis vereint werden. Der Praktizierende sollte lernen, die Sinne zu zügeln und die richtige Konzentration zu entwickeln, um die Phänomene so zu sehen, wie sie wirklich sind. Dies kann als Verwirklichung der Leerheit betrachtet werden, da man durch das klare Sehen das wahre Wesen der Dinge (Phänomene) erkennt.

Suññatā ist also ein Synonym für Nibbāna. Nibbāna ist Leerheit. Wenn der Geist die Leerheit erkennt, gibt es keine geistigen Befleckungen mehr. Gibt es keine Befleckungen, wird der Geist nicht mehr erhitzt. Wo keine Hitze ist, da ist „Kühle“, Nibbāna.


@Helmut . Zum Beitag 52:

Ein Auto besteht aus sehr vielen Teilen, und im absoluten Sinne lässt sich kein „Auto“ als ein inhärentes Ding finden. Ähnlich wie ein 1000-Dollar-Schein für einen Aborigine auf einer Insel keinen Wert hätte, außer als etwas zum Abwischen, ist auch der Begriff „Präsident“ nur dann gültig, wenn die entsprechende Person aktuell als Präsident anerkannt wird. Doch selbst wenn man im absoluten Sinne weder Buddha, noch Leerheit, noch irgendetwas anderes bis ins Unendliche finden kann, würde daraus nicht folgen, dass diese Dinge auf der relativen Ebene nicht real ( wirk-lich) sind. Im Falle des Autos könnte es mich überfahren, wenn ich nicht aufpasse, oder?
 
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Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Das mag sein, lieber @mukti, aber es gibt auch andere Interpretationen, und man kann das Ganze auch anders sehen:

"Der Buddha lehrte aber auch eine Abkürzung. Er sagte, wenn wir nicht an den sechs Wahrnehmungsbereichen (saḷāyatana) und den damit verbundenen Dingen haften, als wären sie ein Selbst oder Teil eines Selbst, dann entsteht im gleichen Augenblick der Edle Achtfache Pfad mit allen acht Aspekten ganz von allein. Das ist ein äußerst wichtiges und grundlegendes Prinzip des Dhamma ."

Für mich ist das kein entweder-oder, nicht ein kurzer und ein langer Weg. Die sogenannte Abkürzung ist eine der Bemühungen auf dem achtfachen Pfad.
Wenn ich z.B. irgendwo eine Geldbörse liegen sehe, fällt mir sofort ein: 'Nichts nehmen was nicht gegeben wurde'. Warum nicht? Als tugendhafter Mensch fühlt man sich wohl, ein gutes Gewissen fördert Geistesruhe und inneren Frieden. Wohlwollen und Mitgefühl mit dem Besitzer der Börse. "Begehren ist die Ursache von Leid" ist eine erfahrbare Wahrheit. Sittlichkeit und Erkenntnis fördert die Loslösung und vermindert das "Ich und Mein", was zusammen mit Achtsamkeit und Sammlung in der Anatta -Verwirklichung gipfelt. Alles hängt zusammen, Bemühung die Sila einzuhalten, Lehr- und Wirklichkeitsergründung, Achtsamkeit und Sammlung.

Einfach nur ununterbrochen bei sämtlichen Wahrnehmungen zu üben 'das bin ich nicht, das gehört mir nicht', oder 'sehen ist nur sehen' usw. wie der Bahiyer, geht beim besten Willen nicht. Kannst du das? Ich schaffe es keine halbe Minute, ganz rein ohne andere Gedanken und Gefühle. Oder, wie Nyanatiloka sagt, auftauchende Gedanken sofort wieder zum Objekt des reinen Beobachtens machen. Das übe ich auch, aber rein ist es nicht und wird es auch nicht, nur durch diese eine Übung.
 
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Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Hellmuth Hecker hat - meiner Ansicht nach sehr zu Recht - in "Wegweiser zu den Lehren des Buddha" auf einen Punkt hingewiesen, der immer wieder zu Kontroversen führt, weil er unbekannt- oder unbeachtet bleibt. Zitat:

"Bei den ersten Forschungswochen in der Lüneburger Heide wurde im August 1949 der die ganze Lehre durchziehende Unterschied von wahnhafter und wahnloser rechter Erkenntnis (M 117) klar herausgearbeitet. Die wahnhafte rechte Erkenntnis bezog sich auf die Erhellung des Daseinstraumes, wahnlose auf das Erwachen aus ihm.
Die wahnhafte (triebhafte) Betrachtung lässt Ich und Welt stillschweigend als vorhanden gelten und lehrt, wie das geläuterte Ich sich ein günstiges Erleben schafft, d.h. wie es Süßwasser für den Durst erzeugt. Das geschieht durch tugendhaftes Verhalten, das im Diesseits und Jenseits das Dasein unvorstellbar heller machen kann und dass vor allem zur Vertiefung tauglich macht. Dies alles war die Lehre von den Tendenzen (Trieben), von ihrer Sublimierung durch gutes Wirken und dessen Folgen (Verdienst, Wiedergeburt im Himmel). Das alles war bezogen auf den Aufstieg innerhalb des Daseinskreislaufs. Und darin stimmte der Buddha mit vielen Weisen überein.
Die wahnlose (trieblose) Betrachtung geht allen Voraussetzung auf den Grund und erkennt, dass Ich und Welt nur Inhalte des Bewusstseins sind, das selber das Produkt seines Neigungsgefälles ist. Diese damals sogenannte „Bewussthaftigkeit‟ war auf das Nirvana als der einzigen Realität bezogen, dem gegenüber der ganze Samsàra ein Traum ist. Dieser ichlose Anblick bedarf an sich einer ichlosen Ausdrucksweise. Längere Zeit versuchte ich, im Stile Heideggers eine solche Sprache zu benutzen, in der das Sein ,anweste" und die Zeit sich „zeitigte‟. Ich wollte hierin den Buddha übertreffen. Irgendwann aber merkte ich, dass das nicht ging. Der Buddha benutzte die wahnlose Sprache nur ganz selten, wie z.B. in der Nidàna-Reihe, drückte sich sonst aber konventionell im Subjekt-Objekt-Schema der Sprache aus. Es ist gerade seine besondere Weisheit, dass er Wahnloses auch in der wahnhaften Sprachc auszudrücken vermag.
Wenn man diese Unterscheidung zwischen den beiden Ebenen nicht berücksichtigte, verwirrt man sich in den Lehrreden in hoffnungslose Widersprüche. Daher sagt Nagarjuna, wie ich damals las, mit Recht:

>Zweifache Wahrheit gibt es nach des Buddhas Meinung: Die höchste Wahrheit und die Wahrheit der Erscheinung. Die diesen Unterschied zutiefst heraus nicht fanden, die haben auch den Sinn der Lehre nicht verstanden.<

Diese doppelte Wahrheit scheint uns nur auf den ersten Blick fremd. In Wirklichkeit benutzen wir sie dauernd, z.B. wenn wir sagen, dass die Sonne aufgehe, obwohl doch die Erde sich dreht; oder wenn wir im Sinne der klassischen Physik von Materie sprechen, obwohl diese nur als Spannungen von Atomen besteht." Zitat Ende
(ebenda S. 29-30)

Salopp und scherzhaft könnte man vielleicht formulieren: Die "Triebhafte" ist der Weg der Hausleute und die "Trieblose" die der Mönche.
Wie wir wissen, ist eine solche Unterteilung natürlich nur bedingt statthaft aber daß diese beiden Ebenen wirklich bestehen, ist ganz klar. Man kann sie auch nicht eindeutig voneinander abgrenzen, sie gehen nahtlos ineinander über, denn in Wahrheit gibt es nur eine Wahrheit. ;) Aber in der Diskussion mache ich es mir so oft wie möglich bewußt, denn die Nichtbeachtung führt tatsächlich - wie Hecker schreibt - zu heillosen (oder besser heilslosen) Widersprüchen.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Danke für den Beitrag, lieber @Hajo . H. Hecker war doch persönlich mit Heidegger bekannt und berichtet darüber. Es gibt sogar ein Buch dazu. Bhikkhu Kaṭukurunde Ñāṇananda betont ebenfalls die Rolle der Sprache, die unvermeidlich zu Papañca verleitet. Deshalb war der Buddha gezwungen, die konventionelle Logik oder eine duale Logik (Wahn-Sprache / Dharma -Sprache) zu verwenden, denn wie kann man überhaupt anders die unmittelbare innere Erfahrung ausdrücken? So wird die innere Wirklichkeit unvermeidlich verzerrt; es geht also um das Qualia-Problem, das in der Philosophie des Geistes noch ungelöst ist, genauso wie das Leib-Seele-Problem.

Dieses Problem wurde bereits von Ludwig Wittgenstein erkannt, im Sinne von: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ H. Hecker war zudem ein sehr guter Kenner des tibetischen Buddhismus und zitiert daraus viel, was ich persönlich sehr beeindruckend finde. LG.

 
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Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Hellmuth Hecker hat - meiner Ansicht nach sehr zu Recht - in "Wegweiser zu den Lehren des Buddha" auf einen Punkt hingewiesen, der immer wieder zu Kontroversen führt, weil er unbekannt- oder unbeachtet bleibt. Zitat:

"Bei den ersten Forschungswochen in der Lüneburger Heide wurde im August 1949 der die ganze Lehre durchziehende Unterschied von wahnhafter und wahnloser rechter Erkenntnis (M 117) klar herausgearbeitet. Die wahnhafte rechte Erkenntnis bezog sich auf die Erhellung des Daseinstraumes, wahnlose auf das Erwachen aus ihm."

In M.117 heißt es:
"Richtige Ansicht, sage ich, ist von zweifacher Art: es gibt richtige Ansicht, die von den Trieben beeinträchtigt wird, die an Verdiensten teilhat, die auf der Seite der Vereinnahmung zur Reife gelangt; und es gibt Richtige Ansicht, die edel, triebfrei, überweltlich, ein Pfadfaktor ist."

Diese zweifache Art wird bis zum fünften Glied des achtfachen Pfades beschrieben, danach geht es wieder um die stufenweise Entwicklung, die auch in A.X.103 kurz erwähnt ist:
"In jemandem mit Richtiger Ansicht entsteht Richtige Absicht; in jemandem mit Richtiger Absicht entsteht Richtige Rede; in jemandem mit Richtiger Rede entsteht Richtiges Handeln; in jemandem mit Richtigem Handeln entsteht Richtige Lebensweise; in jemandem mit Richtiger Lebensweise entsteht Richtige Anstrengung; in jemandem mit Richtiger Anstrengung entsteht Richtige Achtsamkeit; in jemandem mit Richtiger Achtsamkeit entsteht Richtige Konzentration; in jemandem mit Richtiger Konzentration entsteht Richtiges Wissen; in jemandem mit Richtigem Wissen entsteht Richtige Befreiung."

Hier geht es dann also um die triebfreien Pfadfaktoren, die zur Befreiung führen und nicht bloß zu einem angenehmen Dasein.
Nyanatiloka schreibt im Pali -Handbuch über magga:
"Man unterscheidet einen 'weltlichen' (lokiya) und einen mit den 4 Stufen der Heiligkeit (siehe ariya-puggala) verbundenen 'überweltlichen' (lokuttara) achtfachen Pfad."

Die Unterscheidung von weltlich und überweltlich ist mir klar, die Bezeichnung als zwei Wahrheiten mag eine Hilfe zum Verständnis der Lehrreden sein, ich kenne allerdings keine Stelle im Palikanon wo der Buddha von zwei Wahrheiten spricht. Vielleicht gibt es solche Stellen, jedenfalls ist es gut, wenn es hilfreich ist.
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Die Unterscheidung von weltlich und überweltlich ist mir klar, die Bezeichnung als zwei Wahrheiten mag eine Hilfe zum Verständnis der Lehrreden sein, ich kenne allerdings keine Stelle im Palikanon wo der Buddha von zwei Wahrheiten spricht. Vielleicht gibt es solche Stellen, jedenfalls ist es gut, wenn es hilfreich ist.
Im buddhistischen Wörterbuch von Nyanatiloka:

Paramattha-sacca

und in

Visuddhi Magga


Bloß Leiden gibt es, doch kein Leidender ist da.
Bloß Taten gibt es, doch kein Täter findet sich.
Erlösung gibt es, doch nicht den erlösten Mann.
Den Pfad gibt es, doch keinen Wand'rer sieht man da.


Das widerspricht nicht dem Pali-Kanon, inwiefern ich es verstehe.

Plus dazu:

Konvention und Befreiung
Die Dinge dieser Welt sind lediglich Konventionen oder Übereinkommen,
die wir selbst etabliert haben. Danach verlieren wir uns in ihnen
und weigern uns, loszulassen, was dazu führt, dass wir an persönlichen
Ansichten und Meinungen festhalten. Dieses Festhalten hört nie auf, es ist
saṃsāra, der endlos weiter fließt. Er hört nie auf. Aber wenn wir uns mit
der konventionellen Realität auskennen, dann kennen wir auch Befreiung.
Und wenn wir klar erkennen, was Befreiung ist, dann kennen wir Konventionen.
Dies bedeutet, den Dhamma zu erkennen. Genau hier gibt es
Vollendung.
Nehmt zum Beispiel Menschen. In Wirklichkeit haben die Menschen keine
Namen, wir werden nackt in die Welt geboren. Unsere Namen entstehen
nur durch Konvention. Ich habe das kontempliert und mir wurde klar,
dass es wirklich schaden kann, wenn man diese Wahrheit nicht erkennt.
Es ist einfach etwas, das wir aus Zweckmäßigkeit verwenden. Ohne Konventionen
könnten wir nicht kommunizieren, es gäbe nichts zu sagen, es
gäbe keine Sprache.
von Ajahn Chah

 
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Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung

Anhänge

Auszug__Führer zum Tipiṭaka.pdf
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| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Wir vergessen vielleicht manchmal, daß Sprache ein Hilfsmittel ist, daß Grenzen hat. Wir können uns ja nur mit den bekannten Worten verständigen und auf beiden Ebenen haben die gleichen Worte oft völlig andere Bedeutungen. Herz ist z.B. ein solches Wort oder Achtsamkeit u.s.w. Auch der Buddha war gezwungen, sich der Alltagssprache zu bedienen und nicht zu vergessen, auch die Übersetzer der Lehrreden. Es kann also nicht um Wortklauberei gehen, sondern darum, den Sinn hinter den Worten und der Lehre zu erfassen. Und jeder nimmt auf und versteht in eben dem Maße seines Kenntnis- und Erfahrungsstandes.

@Igor07 Danke für den Hinweis auf den Text, er scheint mir sehr interessant zu sein, werde ihn baldmöglichst studieren.

@mukti Mir scheint, daß gerade M.117 ein gutes Beispiel für das Thema ist. Zitat M.117.16-21:

16. "Darin, ihr Bhikkhus, kommt Richtige Ansicht an erster Stelle. Und auf welche Weise kommt Richtige Ansicht an erster Stelle? Jemand versteht falsche Rede als falsche Rede, und jemand versteht Richtige Rede als Richtige Rede: dies ist seine Richtige Ansicht."
17. "Und was, ihr Bhikkhus, ist falsche Rede? Unwahre Rede [9], böswillige Rede, der Gebrauch grober Worte und Geschwätz: dies ist falsche Rede."
18. "Und was, ihr Bhikkhus, ist Richtige Rede? Richtige Rede, sage ich, ist von zweifacher Art: es gibt richtige Rede, die von den Trieben beeinträchtigt wird, die an Verdiensten teilhat, die auf der Seite der Vereinnahmung zur Reife gelangt; und es gibt Richtige Rede, die edel, triebfrei, überweltlich, ein Pfadfaktor ist. ...."


Wenn das nicht deutlich ist...

Der Kommentar weiter unten faßt es meiner Ansicht nach gut zusammen:

[10] Hier wird klar erkennbar, daß der weltliche und überweltliche Aspekt der jeweiligen Pfadfaktoren durch den Zustand des Praktizierenden bestimmt wird. Ein Weltling hat nicht die Wahl zwischen der weltlichen oder überweltlichen Variante, sondern er praktiziert solange auf dem weltlichen Level, bis er mindestens Stromeintritt erlangt hat. Danach praktiziert er automatisch den Edlen Achtfachen Pfad.

Das Praktizieren beinhaltet ja die Sprache auch (Denken, Reden, Handeln)

@mkha' Danke auch Dir für den kurzen Text. Im Abhidhamma kenne ich mich nicht aus. Bemerkenswert fand ich die beiden Sätze:

(c) Konventionelle Wahrheit (Sammuti Sacca) und Höchste Wahrheit (Paramattha Sacca)
Zwei Arten von Wahrheit werden im Abhidhamma anerkannt.


Vielleicht sollte man sich doch mal etwas näher damit befassen - nur woher die Zeit nehmen. :)
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
Ja danke, hat er vermutlich aus dem Abhidhamma. Das ist mehr was für Gelehrte.

Nein, ich denke nicht. Ich hatte bereits die rein praktische Methode aus dem Buch Nur Sehen ... zitiert. Es gibt auch zwei sehr empfehlenswerte Bücher von Bhante Suvija über die Meditation . Auch Nyanatiloka und Nyanaponika waren hervorragende Kenner des Abhidhamma. Im buddhistischen Wörterbuch und im Buch Der Weg zur Erlösung gibt es ebenfalls zahlreiche Hinweise auf Abhidhamma und den Visuddhimagga . Diese Werke lohnen sich zu lesen, nicht nur wegen der Theorie, sondern vor allem für die Praxis, lieber @mukti.

https://www.abhidhamma.de/Fusspfade_kl.pdf

(das kann man bestellen)


Der aus Malaysia stammende Theravada -Mönch und Vipassana-Lehrer Bhante Sujiva hat schon zahlreiche Bücher herausgebracht, die auf sehr kenntnisreiche und gründliche Weise die beiden, vom Buddha gelehrten Hauptformen der Meditation, Samatha und Vipassana, beschreiben. Etliche davon wurden ins Deutsche übersetzt und von kleinen Verlagen veröffentlicht. Im vergangenen Jahr erschien, zu seinem Abschied aus Europa (siehe Magazin Seite 80-81) sein jüngstes Buch: Fußpfade – durch die wilden Nebel des Berges der Illusion, vom Abhidhamma-Förderverein herausgegeben. Darin behandelt Bhante Sujiva jene Lehre des Pali-Buddhismus, die den beiden Meditationsformen Samatha und Vipassana zugrunde liegt, nämlich die Philosophie und Psychologie des Pali-Abhidhamma (nicht zu verwechseln mit der Tradition des Sanskrit-Abhidharma im Mahayana ).


Der Autor breitet hier die vom Buddha ausgehende und über 2 000 Jahre hinweg vertiefte Landkarte des menschlichen Bewusstseins vor uns aus, wie sie in enger Wechselbeziehung zwischen Lehre und Praxis des Dhamma im Theravada, insbesondere in Burma, erforscht und überliefert wurde. Zunächst geht es um die Analyse der Dhammas, der grundlegenden Phänomene menschlicher Erfahrung. Das sind 89 beziehungsweise 121 Arten von Bewusstsein (citta), 52 Arten begleitende Bewusstseinsfaktoren (cetasika), 28 Arten von Körperlichkeit (rupa). Die werden sodann auf synthetischem Weg über 24 Arten von Bedingungen miteinander in Beziehung gebracht. Die Achtsamkeits-, Vipassana- oder Satipatthana-Meditation ist somit Weg und Mittel, die Wirklichkeiten des Bewusstseins direkt zu erkennen und sich von ihrer Herrschaft über unser Dasein zu befreien.


Bhante Sujiva erzählt dies aber auch als Märchen auf höchst unterhaltsame, urkomische und skurrile Weise mit einer Vielzahl kaum erkennbar verfremdeter Protagonisten. So als würden wir auf buddhistische Art eintauchen in die fantastische Welt von Alice im Wunderland. Dabei orientiert er sich insbesondere an dem alten, klassischen, in China berühmten und beliebten Roman Die Reise in den Westen – wie Hsüan-tsang den Buddhismus nach China brachte. Insofern kehrt Bhante Sujiva hier auch zurück zu seiner kulturellen Herkunft, knüpft an seiner chinesischen Chan -Tradition an und überschreitet so erfrischend die Grenzen von Theravada- und Mahayana-Buddhismus.


Und dazu:


Baum der Weisheit, Fluss ohne Wiederkehr Praxis und Entwicklung der Einsichtsmeditation
 
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Achtsamkeit Rechte Anstrengung
@mukti Mir scheint, daß gerade M.117 ein gutes Beispiel für das Thema ist. Zitat M.117.16-21:

16. "Darin, ihr Bhikkhus, kommt Richtige Ansicht an erster Stelle. Und auf welche Weise kommt Richtige Ansicht an erster Stelle? Jemand versteht falsche Rede als falsche Rede, und jemand versteht Richtige Rede als Richtige Rede: dies ist seine Richtige Ansicht."
17. "Und was, ihr Bhikkhus, ist falsche Rede? Unwahre Rede [9], böswillige Rede, der Gebrauch grober Worte und Geschwätz: dies ist falsche Rede."
18. "Und was, ihr Bhikkhus, ist Richtige Rede? Richtige Rede, sage ich, ist von zweifacher Art: es gibt richtige Rede, die von den Trieben beeinträchtigt wird, die an Verdiensten teilhat, die auf der Seite der Vereinnahmung zur Reife gelangt; und es gibt Richtige Rede, die edel, triebfrei, überweltlich, ein Pfadfaktor ist. ...."
Richtige Ansicht ist demnach die Erkenntnis, was heilsam und was unheilsam ist. Lügen, Böswilligkeit und Rücksichtslosigkeit sind unheilsam, weil es Leiden verursacht. Wenn das klar ist, redet man auch nicht auf diese Weise und vermeidet damit viele Leiden. Worte können ja sehr mächtig sein, sie können sogar wesentlich dazu beitragen, die halbe Welt in Brand zu stecken. Durch Reden kommen ja manche Demagogen an die Macht.

Nun gibt es also weltlich und überweltlich Heilsames. Von Trieben beeinträchtigt, an Verdiensten teilhaben, vereinnahmt, das hängt mit der Ich-Verblendung zusammen - wenn ich heilsam handle geht es mir und anderen besser. Weniger Leiden, aber kein Ende der Leiden. Entweder gibt man sich damit zufrieden, oder man kultiviert Heilsames um das überweltliche Ziel zu erreichen. Überweltlich ist das Beenden der Ich-Verblendung, die endgültige Befreiung von allen Leiden. Nicht mehr vereinnahmt von den Khandha, weil sie nicht mehr als Ich oder Mein angesehen werden, das Erlöschen des Sinnlichkeitstriebes und des Daseinstriebes. Man nimmt es mit der rechten Rede noch genauer, kein weltliches Geschwätz, nur Rede im Rahmen des Dhamma. Als Mönch oder Nonne geht das natürlich besser, ohne weltliche Verpflichtungen und Zerstreungen lässt sich leichter die nötige Achtsamkeit und Sammlung entwickeln. So verstehe ich das.
 
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