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traditionsübergreifend
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ich kann damit leben, kein Problem.
Ich gebe mir Mühe, den Dalai-Lama zu zitieren:

„Für die Prasangikas liegen die Dinge anders. Für sie ist die Existenz rein etwas Begriffliches. Ihr eignet unter keinen Umständen eine objektive Komponente. Die Texte des Mittleren Weges geben hier sehr häufig das Beispiel von Seil und Schlange. Im Halbdunkel eines Raumes liegt zusammengerollt ein gesprenkeltes Seil. Jemand könnte dieses Seil für eine Schlange halten, doch in diesem Fall würde die gedachte Schlange in der Wirklichkeit nicht existieren, auch wenn die entsprechende Person sie deutlich wahrnimmt. Doch das gefleckte Seil besaß niemals die Natur einer Schlange. Dasselbe gilt für die Aggregate, denen wir die Bezeichnung „Ich“ zuordnen.“
Also, wenn es keine objektive Komponente gibt, alles rein Begriffliches ist, dann kann man nur über etwas reden, das nur durch die Kraft der Benennung existiert, aber so nicht wirklich existiert. Ich meine real.


Ich mache da mein eigenes Beispiel.


Wenn meine Katze das Wort „Krebs“ sieht, bedeutet das für sie nur Linien auf dem Monitor.


Wenn aber ich das lese, entstehen sehr viele Assoziationen, also wie die Krankheit und der Tod.


Auf entlegenen Inseln, also etwa bei den Schamanen, wenn ein Mensch nur verflucht wurde, dann hat er dahingesiecht und starb. Wegen nur eines Wortes, das keiner realen Existenz in der Wirklichkeit entspricht. Begriffe, also wie diese Magie der Sprache, erschaffen die Wirklichkeit, die nicht auffindbar ist, aber sie wirkt, in dem Sinne, dass der Mensch wegen des Fluches stirbt.


Kann sein, das ist ein plumpes und ungeschicktes Beispiel, aber für das Verständnis ist es gut geeignet. Oder?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Das ist aber nicht alles. @Helmut , schauen wir auf die Harvard-Vorlesungen, S. 264.
Dort oben lese ich, dass das Phänomen „nur durch die Kraft anderer Umstände existiert“.


Und weiter: „Welche Umstände sind das? Es sind die Zustände begrifflichen Denkens, mit denen die Phänomene benannt werden. Daraus folgt eindeutig, dass Phänomene kraft der Benennung durch das begriffliche Bewusstsein existieren. Sie existieren nur in Abhängigkeit von den gedanklichen Benennungen.


Na gut, ich versuche, die ganze Passage selbst mit einfachen Wörtern zu erklären. Der Fluch hat eigentlich keine Grundlage, wie die Skandhas für das Ich oder das Selbst, aber dieser Fluch bewirkt den realen Tod. Kann man hier wahrscheinlich nur über die abhängige Benennung ohne Grundlage sprechen, scheint mir.


Das ist nicht nur verdammt subtil, sondern echt im Sinne von Ludwig Wittgenstein.


Lieber @Helmut , was verstehe ich hier nicht korrekt? Ich markiere die Wörter, um mich im ganzen Text besser zu orientieren.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
So wie man durch körperliche Fortbewegung nicht das Ende der Welt erreichen kann, kann man es auch nicht durch geistige Fortbewegung erreichen und bleibt im Samsara . Wenn der Geist zur Ruhe kommt, kann er die Wahrheit erfahren.
Und vielleicht ist es sogar so: Wenn der Geist wirklich vollständig zur Ruhe kommt, erfährt er Wahrheit, ob er das will oder nicht. Aber gut möglich, daß es auch Fälle gibt, wo das nicht passiert - wer weiß.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Und vielleicht ist es sogar so: Wenn der Geist wirklich vollständig zur Ruhe kommt, erfährt er Wahrheit,
Ja, lieber @Hajo, das entspricht genau der Waldkloster-Tradition. Sie legen die besondere Bedeutung bzw. das Hauptmerk auf die Jnana, im traditionellen Theravada ist es ein wenig anders.

Sehen wir hier, echt spannend:
Essenz
Aber trotz aller Unterschiede im Detail, wenn es um das Sagen schwer sagbarer
Dinge aus dem Bereich der Meditation geht, sind sich alle Meister der
Waldtradition in einem Punkt einig: ohne Samádhi läuft nichts.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Und vielleicht ist es sogar so: Wenn der Geist wirklich vollständig zur Ruhe kommt, erfährt er Wahrheit, ob er das will oder nicht. Aber gut möglich, daß es auch Fälle gibt, wo das nicht passiert - wer weiß.
Mit Geistesruhe ist Einsicht verbunden, man kann auf einer niedrigeren Ebene der Einsicht stehenbleiben und diesen Zustand genießen, oder erkennen, dass er auch zeitweilig und zusammengesetzt ist und so immer höhere Stufen erreichen, bis zu Nibbana .
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Sorry, aber mit Prasangika hat das alles nichts zu tun.
Ich habe nur etwas zum Thema bemerkt, bei Prasangika kann ich nicht mitreden. Es ist sehr komplex und detailliert habe ich gemerkt, als ich mal kurz in diese fortgeschrittenen Studien hineingelesen habe: Prasangika

Da müsste man zuerst zu klaren Begriffen gelangen, indem man ihren Bedeutungsumfang und die Zusammenhänge in denen sie stehen, in der Originalsprache studiert. Wenn man sich dann mit den "Varianten und Ebenen der Wahrnehmung der Leerheit" befasst, müsste man sie anhand der eigenen Erfahrung verifizieren, sonst wäre es nur eine theoretische Auseinandersetzung, die nicht wirklich von Unwissenheit befreit. Diesen Weg zu beschreiten wäre eine Lebensaufgabe.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Da müsste man zuerst zu klaren Begriffen gelangen, indem man ihren Bedeutungsumfang und die Zusammenhänge in denen sie stehen, in der Originalsprache studiert. Wenn man sich dann mit den "Varianten und Ebenen der Wahrnehmung der Leerheit" befasst, müsste man sie anhand der eigenen Erfahrung verifizieren, sonst wäre es nur eine theoretische Auseinandersetzung, die nicht wirklich von Unwissenheit befreit. Diesen Weg zu beschreiten wäre eine Lebensaufgabe.
Da hast du recht. Aber wenn ich die Fragen an Tivagaro Bhikkhu gestellt habe, dann weiß ich, dass er die Sprache des Originals beherrscht, und nicht jeder kann den Pali -Kanon im Original lesen. Inwiefern ich mich erinnere, benutzt du die Übersetzung. Oder?


Prasangika war für mich einfach interessant, wie der Dalai Lama es erklärt. Das macht mir Freude. Darum geht es im ganzen Faden: Warum studieren wir das alles? Brauchen wir das oder nicht? Ich präsentiere meine eigene Version.


Ob es korrekt ist oder nicht, weiß ich am Ende nicht. Aber ohne gründliches Studium geht es meiner Meinung nach nicht. Und interpretieren kann man immer anders.


Zum Beispiel schauen wir hier:

Ausführlich behandelt Rahula die Lehre von Anatta – keine Existenz hat ein festes, unveränderliches und unabhängiges Selbst. Daraus folgert er, dass es keine Wiedergeburt gibt, sondern nur eine Fortdauer von Energien. Ziel des Weges ist Nirvana, was schon innerhalb dieses Lebens erreicht werden kann.
Walpola Rahula Was der Buddha lehrt
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Inwiefern ich mich erinnere, benutzt du die Übersetzung. Oder?
Ja, die deutschen Übersetzungen des Palikanon . Bei Unklarheiten schaue ich in den Wörterbüchern nach, besonders von Nyanatiloka und Klaus Mylius. Manchmal übersetze ich eine Textstelle so gut es eben geht, oder ich frage jemanden. Das reicht schon aus.

Prasangika war für mich einfach interessant, wie der Dalai Lama es erklärt. Das macht mir Freude. Darum geht es im ganzen Faden: Warum studieren wir das alles? Brauchen wir das oder nicht? Ich präsentiere meine eigene Version.

Ob es korrekt ist oder nicht, weiß ich am Ende nicht. Aber ohne gründliches Studium geht es meiner Meinung nach nicht. Und interpretieren kann man immer anders.
Es gibt verschiedene Interpretationen. Z.B. wurde Anatta mit Nicht-Selbst übersetzt und das leuchtet mir ein: "Das bin ich nicht, gehört mir nicht, ist kein Selbst", ist im Kanon ein oft wiederholter Standardsatz über die Khandha. Später habe ich woanders gelesen, Anatta würde gar nicht Nicht-Selbst bedeuten. Da mache ich mir dann nicht die Mühe die ganze Argumentation dahinter zu studieren. Die Khandha umfassen alle Phänomene die es gibt und nichts davon ist ein Selbst, das ist durch Nachdenken und Introspektion nachvollziehbar und wesentlich für die Befreiung von Leid, das genügt mir. Dukkha bedeutet nicht Leid, liest man auch. Es ist aber beschrieben als Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram, Verzweiflung, getrennt sein von Lieben, vereint sein mit Unlieben und nicht erlangen was man wünscht - was ist das anderes als Leid?
So geht das dauernd, man versteht etwas und praktiziert es mit einigem Erfolg, dann stößt man auf eine andere Interpretation, manchmal mit der Behauptung, dieser oder jener Begriff wurde länger als zwei Jahrtausende falsch verstanden. Dieses Wirrwarr brauche ich nun wirklich nicht, andere individuelle Zugänge zur Lehre interessieren mich nur mäßig. Es gibt genug Meister und Schüler, die meinen eigenen Zugang bestätigen.

Zum Beispiel schauen wir hier:
"Ausführlich behandelt Rahula die Lehre von Anatta – keine Existenz hat ein festes, unveränderliches und unabhängiges Selbst. Daraus folgert er, dass es keine Wiedergeburt gibt, sondern nur eine Fortdauer von Energien. Ziel des Weges ist Nirvana, was schon innerhalb dieses Lebens erreicht werden kann."

Walpola Rahula Was der Buddha lehrt
Manche wollen das Wort Wiedergeburt nicht verwenden, verneinen aber nicht die Fortsetzung des Daseins in verschiedenen Lebensformen. Das hält mich nicht davon ab dieses Wort zu verwenden, sonst müsste man ja sehr viele Worte im Sinne der Anattalehre vermeiden wie Geburt, Tod, Dasein, Wesen usw. Wenn man das Prinzip einigermaßen verstanden hat, weiß man was gemeint ist, wenn im Zusammenhang mit der Buddhalehre von Wiedergeburt die Rede ist.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
„Nibbána ist anattá, Nicht-Selbst.“) darauf hingewiesen hat, dass Nibbána
jenseits von attá und anattá ist, ganz in Übereinstimmung mit den Suttas
(z.B. M44, S.43,14 ff.), wenn man das scholastische Spätwerk Paþisambhidhámagga
einmal ausklammert.
Es ist egal, anatta oder nicht, lieber @mukti

Die Quelle:

GRUNDLOSES HERZ
Geschichte und Gedichte der Tradition
thailändischer Waldmönche
Herausgeber, Übersetzer, Autor:
Mettiko Bhikkhu


 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Es ist egal, anatta oder nicht, lieber @mukti
Ich weiß jetzt nicht in welchem Zusammenhang dein Zitat aus "Grundloses Herz" steht. Was mir gerade mal dazu einfällt ist, dass Anatta nicht die Vernichtung eines Selbst bedeutet. Nibbana ist ohne Begehren nach Dasein oder Nichtsein.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
@Igor07 zitiert zunächst aus "Grundloses Herz":
„Nibbána ist anattá, Nicht-Selbst.“) darauf hingewiesen hat, dass Nibbána
jenseits von attá und anattá ist, ganz in Übereinstimmung mit den Suttas
(z.B. M44, S.43,14 ff.), wenn man das scholastische Spätwerk Paþisambhidhámagga
einmal ausklammert.
und kommentiert:
Es ist egal, anatta oder nicht, lieber @mukti
Das ist Beliebigkeit. Die hilft uns bei der Dharmapraxis aber nicht weiter. Gültige Erkenntnis ist aber ein wesentliches Mittel, um die Befreiung zu erreichen. Nibbana ist nicht atta, denn es besitzt kein Eigenwesen. Deshalb ist es anatta, frei von einem Eigenwesen, ein abhängiges Phänomen. Für alle Phänomene gilt, entweder trifft für das Phänomen atta zu oder anatta. Es gibt kein Phänomen, auf das sowohl atta als auch anatta zutreffen würde. Es gibt aber auch kein Phänomen, auf das weder atta noch anatta zutreffen würde.

Wie @mukti sagt:
Nibbana ist ohne Begehren nach Dasein oder Nichtsein.
Und deshalb ist es frei von der Auffassung von atta. Denn nur aus der Auffassung von atta entsteht das Begehren nach Dasein oder Nicht-Sein.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Und deshalb ist es frei von der Auffassung von atta. Denn nur aus der Auffassung von atta entsteht das Begehren nach Dasein oder Nicht-Sein.
Stimmt!

@Helmut , mit "egal", war nicht korrekt ausgedrückt, ich habe eher diese Anhaftung an die Modelle gemeint, aber die ganze Lehre stellt nicht mehr als das Floß dar, das Vehikel, eher wieder im Sinne von Zen .
Apropos, Tivagaro Bhikkhu betont das besonders. Denn die ganze Lehre ist nicht mehr als mentale Karten, aber kein Territorium, kein Land, das ich mit den eigenen Füßen berühre und betrete.
Loszulassen, am Ende zählt es nicht. Nur die innere Qualität der lebendigen Erfahrung, alles andere ist eher Stoff für den Kopf, das ist gut, aber nicht ausreichend.
Oder noch anders: Das Erwachen ist jenseits all dieser Fragen angelangt. Es hinterlässt keine Spuren.


Dōgen Zenji:


Die Spuren des Erwachens lösen sich auf und die aufgelösten Spuren des Erwachens führen endlos fort.

Hier


Im Buch „Über die Katze“ lese ich auf Seite 288:

„Die Modelle sind unverzichtbare Hilfsmittel. Aber wer die Modelle auswendig kennt, hat damit noch nicht verwirklicht. Nibbana ist – selbst zu sehen – und von den Weisen selbst zu erfahren. Es ist eine Sache der direkten Verwirklichung, nicht des Verstehens.“
Das gerade war von mir gemeint.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
@Helmut , mit "egal", war nicht korrekt ausgedrückt, ich habe eher diese Anhaftung an die Modelle gemeint, aber die ganze Lehre stellt nicht mehr als das Floß dar, das Vehikel, eher wieder im Sinne von Zen.
Das Festhalten an Modellen oder Konzepten ist ja nicht per se Anhaftung. Wäre es so, dann wäre der größte Teil unserer Wissenschaft Anhaftung. Anhaftung beinhaltet ja immer einen mehr oder weniger großen Anteil von Täuschung. Anhaftung ist immer mit Täuschung über bestimmte Aspekte der Realität verbunden.

Das Festhalten an den vier edlen Wahrheiten oder die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens sind ja nicht mit Täuschung verbunden. Deshalb ist das Festhalten an diesen beiden Konzepten keine Anhaftung. Halte ich dagegen an der Auffassung fest, dass die Personen und die anderen Phänomene ein Eigenwesen besitzen, dann ist dies eine Anhaftung, weil dies eine getäuschte Ansicht ist, die nicht mit bestimmten Aspekten der Realität übereinstimmt.

Die Metapher der Lehre als Floss stammt ja nun bereits vom Buddha selbst her und ist somit nicht spezifisch Zen. Was natürlich nicht ausschließt, dass diese Metapher auch im Zen benutzt wird wie in den indischen Traditionen.

... ich habe eher diese Anhaftung an die Modelle gemeint, aber die ganze Lehre stellt nicht mehr als das Floß dar, das Vehikel, eher wieder im Sinne von Zen.
Apropos, Tivagaro Bhikkhu betont das besonders. Denn die ganze Lehre ist nicht mehr als mentale Karten, aber kein Territorium, kein Land, das ich mit den eigenen Füßen berühre und betrete.
Die Metapher oder Analogie vom Floss verstehe ich etwas anders. Eine Landkarte bildet auf eine bestimmte Art die äußere Wirklichkeit ab und man benutzt sie dann, um sich in der äußeren Wirklichkeit zu orientieren. Das Floss in dieser Analogie ist der verbale oder schriftliche Dharma . Dieser ist wie eine äußere Landkarte, in den Suttas und Sutras tradiert, die uns aufzeigt, wie wir uns schulen müssen, um den Dharma in unserem eigenen Geist verwirklichen.

Loszulassen, am Ende zählt es nicht. Nur die innere Qualität der lebendigen Erfahrung, alles andere ist eher Stoff für den Kopf, das ist gut, aber nicht ausreichend.
Aber ohne diesen Stoff für den Kopf geht es auch nicht. Nicht umsonst spielt Erkenntnis eine wichtige Rolle im Dharma. Nicht nur die erste und die letzte Lehrrede des Buddha haben dies zum Inhalt. Nur auf dieser Grundlage kann dann zu den erforderlichen überbegrifflichen, unmittelbaren Verwirklichungen kommen, um die es letztlich im Dharma ja geht.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Die Metapher oder Analogie vom Floss verstehe ich etwas anders. Eine Landkarte bildet auf eine bestimmte Art die äußere Wirklichkeit ab und man benutzt sie dann, um sich in der äußeren Wirklichkeit zu orientieren. Das Floss in dieser Analogie ist der verbale oder schriftliche Dharma . Dieser ist wie eine äußere Landkarte, in den Suttas und Sutras tradiert, die uns aufzeigt, wie wir uns schulen müssen, um den Dharma in unserem eigenen Geist verwirklichen.

Ach, lieber @Helmut, da stimmt doch alles, meine Güte.
Ich meine aber etwas anderes.
Einmal wurde ein Rabbi gefragt, welches die wirkliche Sünde Adams war. Dann antwortete er: „Er sorgte sich um den folgenden Tag.“ Ha ha ha … Frei nach Martin Buber.
Wir wollen immer mehr wissen, mehr etwas erfahren, mehr praktizieren. Kann sein, dann glauben wir, dass wir schneller erleuchtet oder erwacht werden.
Wir vergessen, dass es überhaupt keine fassbare Zeit gibt. Die Vergangenheit ist schon nicht mehr da, die Zukunft ist noch nicht da, und wenn ich versuche, dieses „Jetzt“ zu finden, ist es schon weg.
Also leben wir eigentlich in der Zeit?
Das stellt für mich diese innere Art der Anhaftung dar, aber keine klare Aufmerksamkeit, die diese unfassbare Flüssigkeit des Lebens sieht und anerkennt, im Sinne dessen, dass alles in dieser Welt nur den Prozess des Werdens darstellt. Alles wandelt sich, ändert sich und hat keinen festen Kern. Es ist nicht zu verorten, sozusagen nicht festzunageln. So verpassen wir das Leben, das nur im Hier und Jetzt passiert.
Wir verirren uns in den Theorien und in diesen ganzen Konzepten. Immer wollen wir etwas beweisen, dass wir besser verstehen oder fortgeschrittener sind.
Das ist gerade Dünkel, also diese Wurzel der Verblendung, dass uns etwas gehört und wir selbst etwas beherrschen oder steuern können. Aber alles entgleitet und entzieht sich, denn es gibt kein „Ich“, und es gibt nichts, was mir gehört. Das alles ist Illusion, also eine Fata Morgana.
Das ist meine eigene Version des Dharma, aber nicht aus Büchern oder irgendwelchen heiligen Texten. Die sind alle nur die Schilder, aber kein verkörperter Weg in der Realität, den ich mit meinen eigenen Füßen gehe.
Der Buddhismus stellt, scheint mir, eine bestimmte Art der Wahrnehmung dar, diese Verflüssigung der Dinge zu sehen, die nicht auffindbar sind. Wenn diese Fähigkeit nicht anwesend ist, dann hilft kein Wissen.
Gerade deswegen sagt man im Zen, man solle den Buddha töten, was bis heute missverstanden wird, und alle Bücher verbrennen.
Weil sich das alles in unserem teilenden und bewertenden Verstand abspielt. Wir brauchen die innere Sicherheit und den Halt, aber tief im eigenen Inneren wissen wir, dass alles vergänglich ist. Tod-sicher, oder? Das Wort „Leben-s-sicher“ gibt es nicht.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Wollten die Leute noch Dharma studieren? Klar, meine Antwort lautet: Nein. Und warum? Ich verlinke mal die Playlist von Tivagaro Bhikkhu aus dem Buddhadhamma. Bei 16 Videos waren es nur 10 Aufrufe. Tja, kein Kommentar.

aus dem Buddhadhamma
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
@Igor07 : Ich sehe beim ersten Video 63 Aufrufe und 62 Abonnenten, beim zweiten 246 Aufrufe, beim dritten 118 Aufrufe...
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Jetzt kann ich mich wieder mal freuen, dass ich kein Smartphone habe :)
Doch, ich freue mich, dass ich das Zeug habe. In der Nacht den Rechner einzuschalten, ist nicht besonders angenehm.


Also wieder zum Thema. Nach Paul Debes und dem ganzen Buddhistischen Seminar bedeutet Meditation eigentlich, sehr gründlich nachzudenken, und zwar besser rund um die Uhr: über Anatta oder die Skandha-s, die Vergänglichkeit usw. So kann man die Lehre verinnerlichen, sozusagen verkörpern, also im eigenen Körper. Was sagt dazu der Pali-Kanon? Bitte schön:

9." Ich behaupte aber auch nicht, Verehrter, daß es, ohne daß man das Ende der Welt [263] erreicht hat, möglich sei, dem Leiden ein Ende zu machen. Auch schon in diesem klaftergroßen mit Wahrnehmung und Denksinn ausgestatteten Körper, [264] Verehrter, tue ich kund der Welt Ursprung, der Welt Aufhebung und den zur Aufhebung der Welt führenden Pfad. [265]
S.2.26

Und Ajahn Amaro bemerkt dazu:

Es ist wert anzumerken, dass der hervorragende Übersetzer Bhikkhu Bodhi dies so kommentiert hat: „Dieser kernige Ausspruch des Buddha … ist vielleicht die tiefgründigste Behauptung in der Geschichte menschlichen Denkens.“19 – und Bhikkhu Bodhi ist nicht jemand, der zu Übertreibungen neigt.

Ha, das klingt nach der Untersuchung, oder?
Denn die ganze Welt entsteht und vergeht nur durch oder dank der Wahrnehmung. Ohne die Wahrnehmung wäre da keine Welt.
Es gibt doch keine Welt da draußen gegenüber dem "Ich". (via "Selbst").
Diese Tatsache ist aber unmöglich in den westlichen Sprachen adäquat widerzuspiegeln.
Immer sollten wir ein Subjekt haben plus ein Prädikat.
So sagen wir: „Es regnet“, aber es gibt nur den Prozess des Regnens, also den Strom von Bedingungen und Ursachen, die bestimmte Wirkungen auslösen.
Das wäre dann dieses Karma, also nur der separate Fall der bedingten Entstehung.
Weiter wird es aber echt interessant.
Wenn ich mit dem Stock eine Kugel im Billard anstoße, dann entsteht die Verkettungsreaktion, wobei viele Kugeln sich bewegen, die auch als Ursachen für die anderen Kugeln gelten.
Deswegen kann man rein persönliches Karma nicht entziffern, enträtseln, eigentlich. Das Ganze kann man mit Indras Netz vergleichen.
Lange Rede, aber kurzer Sinn. Wenn mir jemand sagt: „Das ist dein Karma, wenn du jetzt so leidest“, dann würde ich das Weite suchen und mich auf nichts darauf einlassen.
Wie kann man so wie im holografischen Universum etwas Festes und Unabhängiges finden? Das geht doch nicht.
Klar, ich kann jetzt zitieren bis zum „Ende der Welt“ – war ein Scherz –, aber das macht doch den Sinn aus, bestimmt!
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Doch, ich freue mich, dass ich das Zeug habe. In der Nacht den Rechner einzuschalten, ist nicht besonders angenehm.
In der Nacht schlafe ich wie ein Murmeltier.

Also wieder zum Thema. Nach Paul Debes und dem ganzen Buddhistischen Seminar bedeutet Meditation eigentlich, sehr gründlich nachzudenken, und zwar besser rund um die Uhr: über Anatta oder die Skandha-s, die Vergänglichkeit usw. So kann man die Lehre verinnerlichen, sozusagen verkörpern, also im eigenen Körper. Was sagt dazu der Pali-Kanon? Bitte schön:

9." Ich behaupte aber auch nicht, Verehrter, daß es, ohne daß man das Ende der Welt [263] erreicht hat, möglich sei, dem Leiden ein Ende zu machen. Auch schon in diesem klaftergroßen mit Wahrnehmung und Denksinn ausgestatteten Körper, [264] Verehrter, tue ich kund der Welt Ursprung, der Welt Aufhebung und den zur Aufhebung der Welt führenden Pfad."

Kann man mit dem Denksinn die Welt aufheben?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Bei SN 2.26 muss man meines Erachtens berücksichtigen, dass der Devaputta Rohitassa den Begriff Welt (=loka) anders benutzt als der Buddha. Rohitassa bezieht ihn auf die äußere Welt, während der Buddha ihn auf die Gestaltenden Taten bezieht. "Der Welt Aufhebung, ..." ist dann die Beendigung der Gestaltenden Taten. Die Aussage des Buddha bezieht sich somit eindeutig auf die vier edlen Wahrheiten . Der Buddha lehrt in diesem Sutta also nicht die Aufhebung der vielfältigen äußeren Welt, sondern dass die Leiden zu Ende gehen, wenn man die Gestaltenden Taten überwindet.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Die Aussage des Buddha bezieht sich somit eindeutig auf die vier edlen Wahrheiten . Der Buddha lehrt in diesem Sutta also nicht die Aufhebung der vielfältigen äußeren Welt, sondern dass die Leiden zu Ende gehen, wenn man die Gestaltenden Taten überwindet.
Ha, aber genau hier liegt der Hund begraben. Die äußere Welt gegenüber der inneren Welt, also wieder dieses duale Denken, das die Realität wie eine Torte "zerschneidet" und "vergewaltigt". Es gibt keine andere" Welt" als im eigenen Körper-Geist, sozusagen. Das ist eher der phänomenologische Zugang zur Lehre, was der Autor selbst ausdrücklich betont. Ich persönlich sehe eher die innere Verwandtschaft mit der Nur-Geist-Schule, und die Position des buddhistischen Seminars geht auch in diese Richtung. Aber, klar, du hast recht. Ich zitiere kurz:

Hier setzt der Buddha die Welt (loka*) mit Unzufriedenheit (dukkha) gleich und bringt dies in direkte Verbindung mit der Formulierung der vier Edlen Wahrheiten*: Es gibt die Unzufriedenheit (dukkha), den Ursprung der Unzufriedenheit, das Aufhöfhöören der Unzufriedenheit und den Weg, der zum Aufhöfhöören der Unzufriedenheit führt.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Rohatissa wollte das Ende der Welt erreichen "wo man nicht geboren wird, nicht altert, nicht stirbt, nicht aus dem Dasein scheidet, nicht wiedergeboren wird". Durch Wandern erreicht man das nicht, sagt der Buddha.
Darum wird wohl der Weise, der die Welt kennt, an der Welt Ende kommen, heiligen Wandel führend.
Hat er aber, zur Ruhe gelangt, der Welt Ende kennen gelernt, so begehrt er nimmer nach dieser Welt noch nach der jenseitigen.
Durch heiligen Wandel gelangt man also zur Ruhe und dem Erlöschen des Begehrens, eben zu Nibbana, dem Ende der Welt.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Durch heiligen Wandel gelangt man also zur Ruhe und dem Erlöschen des Begehrens, eben zu Nibbana, dem Ende der Welt.
Ich lese gerade Rahula, „Was der Buddha lehrt“. Er sagt etwas wie Ajahn Amaro: in diesem Leben, nichts woanders.


Ich würde das Zitieren ersparen.


Aus der rein existenziellen Sicht kann man sich das so vorstellen: Zeit ist eigentlich die Konstruktion des eigenen Denkens, in Richtung von Kant und dem Ding an sich selbst...


Oder ein anderer Gedanke: Man sollte so leben, als ob dieser Atemzug der letzte wäre.


Und genau deswegen studiere ich Dharma auch in der Nacht, denn die Uhr tickt immer. Wenn nicht jetzt, dann wann?
 
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