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traditionsübergreifend
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
In einem Vortrag sagt er, dass er seine vorigen Leben gesehen hat, so viele, dass man ganz Thailand damit bedecken könnte. Dann hat er gesehen, wie alle Wesen auf den fünf Daseinsfährten durch das Samsara wandern. Er sagt, dass er nicht lügt und dass er über 50 Jahre gewartet hat, bis er das öffentlich mitgeteilt hat.
Ich denke ein Ajahn, der so lange und so intensiv praktiziert hat, lügt tatsächlich nicht und erliegt auch keinen Fantasievorstellungen. Dieser Vortrag hat mich äußerst beeindruckt, es kpmmt wohl selten vor, dass ein Ajahn so offen über seine Erfahrungen spricht.
Das wollte ich auch loswerden.


Warum sollte er lügen? Das macht doch keinen Sinn, sogar die Frage danach.


Der Fokus, so wie ich es sehe, liegt darin, das ganze Phänomen aus der richtigen Perspektive zu betrachten.


Und zwar:


Typisches Missverständnis: Man könnte es für eine rein mythologische oder folkloristische Darstellung halten, die für den modernen Menschen wenig Relevanz hat. In Wahrheit ist das Lebensrad eine aufschlussreiche Infografik des menschlichen Geistes. Jeder Bereich des Rades repräsentiert nicht nur einen kosmologischen Ort, sondern auch einen psychologischen Zustand, den wir hier und jetzt erfahren können – von „himmlischer“ Freude bis zu „höllischer“ Qual. Es ist eine Landkarte unserer inneren Welt und eine ständige Erinnerung an die Mechanismen, die unser Leiden erzeugen.

Das kann jeder nachvollziehen. Oder wie Ajahn Chah sagt: Diese Wiedergeburt mit all den möglichen Bereichen passiert tausendmal pro Tag. Nur-Geist-Schule schildert es so genau wie die moderne Neurowissenschaft, denn alles, was wir als die Welt "da draußen" wahrnehmen, existiert in unserem Geist. Wenn er von den Geistesgiften verblendet ist, dann sehen wir alles so verzerrt und greifen nach den Dingen, die uns am Ende nur noch mehr Leiden bescheren. Der ganze Mechanismus besteht darin, die Kette der bedingten Entstehung korrekt zu verstehen. Und sie verläuft auch nicht linear, also zuerst A, dann B als Folge, sondern ist sich selbst erhaltend oder wie selbst durch, also unsere Unwissenheit perpetuiert den Kreislauf. Und es liegt in unserer Kraft, diese Kette zu durchbrechen. Noch ein sehr tief verankertes Missverständnis ist, dass alles Leiden ohne Ende ist. So kann einigen die Lust zu leben und das Leben zu genießen regelrecht vergehen. Für depressive Menschen dient der Buddhismus dann als Schlupfloch, sie fühlen sich bestätigt und leiden brav weiter. Was ich echt fatal finde. Die ganze Liste kann man hier Hier finden.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
. Ajahn Maha Buah sprach davon, dass er seine vergangenen Leben gesehen hat, nicht von seinen Geisteszuständen in diesem Leben.
Das ist korrekt. Aber wo entstehen all diese vergangenen Leben? Das wäre dann die richtige Frage.
Ajahn Sumedho pflegte zu sagen: „Die Welt ist in eurem Geist“. Nicht woanders.
Und was steht im Pali -Kanon?



"In diesem klafterlangen Körper, mit seinen Gedanken und Wahrnehmungen, dort ist die Welt, der Ursprung der Welt, das Aufhören der Welt und der Pfad, der zum Aufhören der Welt führt. Und jemand, der die Welt erkennt, erreicht das Ende der Welt. Mit dem Erreichen des Endes der Welt begehrt er weder nach dieser Welt noch nach einer anderen."
(SN 2, 26)


Wo entstehen diese ganzen Wahrnehmungen? Das ist die Frage. Nicht, ob es das Leben davor oder danach gibt, denn ich kann sowieso das Ende der Welt nur im eigenen Geist erlangen.
Und was sagt Ajahn Chah? Das klingt nach Zen , aber nicht nach dem Yoga und den ganzen Upanishaden, die all diese Gedanken hervorbrachten.

Er sagt:

"Das Buddha-Dhamma findet sich weder im Voranschreiten noch im Zurückgehen noch im Stillstehen. Dies ist dein Ort des Nicht-Verweilens."
Ajahn Chah, Zitat aus Die Insel (2021).


WO? Befindet sich das Ort des Nicht-Verweilens?


Die ganze Welt, all diese Wiedergeburten, wo passieren sie? Warum passieren sie? Und wann können wir dukkha beseitigen?
Nur im Jetzt, so zitiert Ajahn Amaro wieder Zen:

"In diesem Moment ist nichts, das beginnt zu sein. In diesem Moment ist nichts, das aufhört zu sein. In diesem Moment also gibt es weder Geburt noch Tod, die beendet werden müssten."

Und das wäre für mich das korrekte Verstehen, ansonsten sehe ich da keinen Unterschied, was früher war.
Jeder kann es anders sehen, also ist es nicht mein Problem.

Die Quelle war:

Ajahn Amaro
"Auf den Geist kommt’s an
Der phänomenologische Zugangzur Lehre des Buddha"
aus dem Englischen vonBernd Golz



Und was erzählte uns @Martin1980 ?

"Da ist dann nichts mehr was geboren wird und nichts mehr was sterben könnte."

Genau das!

"Denn wisse:
außerhalb deiner meta-psychischen Projektionen gibt es weder
Götter noch Dämonen noch den Richter des Todes
– nicht
einmal das sogenannte „Bardo“. Begreife dies endlich und
werde frei."

Aus: Paul Debes, "Die Lehrreden des Buddha", Band 7, Seite 6224- https://www.buddhistisches-seminar.de/


So sehen wir genau dieselben Gedanken. In einer anderen Verkleidung, aber der Sinn dahinter ist gleich.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ajahn Maha Bua hat also seine vergangenen Leben gesehen, er lügt nicht sagst du. Andererseits sagst du, nach dem Tod ist alles vorbei und die fünf Daseinsfährten beziehen sich nur auf Geisteszustände im gegenwärtigen Leben. Wie kann man denn gleichzeitig zwei einander widersprechende Ansichten haben?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Andererseits sagst du, nach dem Tod ist alles vorbei und die fünf Daseinsfährten beziehen sich nur auf Geisteszustände im gegenwärtigen Leben. Wie kann man denn gleichzeitig zwei einander widersprechende Ansichten haben?
Für mich als Igor wird es vorbei sein, denn der Grundpfeiler des Buddhismus ist anatta , kein atman oder atta.

Was für dich widersprüchlich klingt, weil du dich an die Idee des Lebens nach dem Tod wie an einen Strohhalm klammerst, aber ich mache kein Drama daraus.

Karma kann genau deswegen funktionieren, weil es kein Atman gibt, ansonsten wäre die Welt wie eingefroren.

Wenn der historische Buddha seine ehemaligen Existenzen erinnerte, dann war kein Atman darin.

Er benutzte einfach das Wort „Ich“ als reine Konvention.

So sinngemäß war die Antwort auf meine Frage von Tivagaro Bhikkhu ..Der Begriff „persönliche Wiedergeburt“ ist Nonsens, ein Unsinn, denn wer? sollte wiedergeboren werden?

Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir das von Nyanatiloka ein:

Der Buddha nämlich bediente sich bei Darlegung seiner Lehre bisweilen der zwecks gegenseitiger Verständigung im gewöhnlichen Verkehr gebräuchlichen 'konventionellen Ausdrucksweise', bisweilen aber der der Wahrheit im höchsten Sinne entsprechenden philosophischen Ausdrucksweise.


Im höchsten Sinne (paramattha) nämlich, so lehrt der Buddhismus, ist das sog. Dasein ein bloßer Prozess von beständig wechselnden körperlichen und geistigen Phänomenen, und weder innerhalb noch außerhalb dieses Werdeprozesses ist irgend eine beharrende Ich-Einheit oder Persönlichkeit anzutreffen.


Wenn also in den Texten von einem Wesen, einer Person, einem Selbst oder gar von der Wiedergeburt eines Wesens die Rede ist, so ist das selbstverständlich nicht im absoluten und höchsten Sinne (paramattha) gesagt, sondern als bloße 'konventionelle Ausdrucksweise' (vohāra-vacana)aufzufassen.
Paramattha-sacca, -dhamma, -vacana, -desanā


Weiter können wir es lassen, denn auf reine persönliche Auseinandersetzungen darüber, wer recht hat oder wer nicht, habe ich keine Lust und keine Zeit, also sorry.

P.S.

„Es ist der Fehler deines Geistes und deiner Augen, dass du an den
Zyklus von Tod und Wiedergeburt gebunden bist. Ich frage dich jetzt:
Wo genau sind dein Geist und deine Augen?“
~ Das Ṡūrangama Sūtra (BTTS 2003 edn)
Also:
"keine bleibende Stätte für eine
unabhängige Identität.
"
S.74, nochmal:


Für das beste Verständnis wäre es auch lehrreich, das Herz-Sutra zu lesen, das auch die Autoren der Anthologie über Nibbana sowie MMK zitieren. Mit dem Tod ist für die konkrete Person alles vorbei; wenn die Skandha-s wegfallen, dann ist es aus.
Und auch für einen Arahat , wenn der Körper stirbt, ganz gleich, ob er sich an etwas erinnern kann oder nicht, spielt es für Dukkha und sein Ende keine Rolle.

Die ganze Verwirrung entsteht deswegen, denn diese Wiedergeburt können sehr viele wirklich erinnern, also es ist real. Aber es gibt kein „mein Selbst“ dabei, denn alles, was bedingt entstanden ist, ist vergänglich.


Sie alle reden über die ehemaligen Existenzen, aber es gibt keine feste, unabhängige Identität darin, nur der Strom der Ursachen und Bedingungen. Das ist die bedingte Entstehung (pratītyasamutpāda / paṭiccasamuppāda), ein Naturgesetz im Buddhismus, vergleichbar mit der Gravitation.


Im Umkehrschluss: Wenn man über die persönliche Existenz nach dem Tod spricht, kann man zwar vieles behaupten, aber nicht im Sinne des Buddhismus. Es kann sein, dass es auch so möglich ist, wie in anderen Religionen, aber ich sehe darin keinen Widerspruch.


Mettiko Bhikkhu wie auch Ñāṇavīra Thera sagen, dass Wiedergeburt wirklich existiert, aber der ganze Mechanismus nicht vollständig erklärbar ist. Die ganze Sache mit dem "himmlischen Musikanten" habe ich woanders sehr ausführlich behandelt. Das war die Reaktion des Buddha auf bestimmte Ansichten der damaligen Brahmanen. Dazu gibt es einen sehr interessanten Artikel von Bhikkhu Anālayo, aber ich würde es einfach dabei belassen.

Viel Spaß.:)
 
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