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traditionsübergreifend
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ich meinte, dass sowohl das „Ich“ als auch das, was wir „Bewusstsein“ nennen oder bezeichnen, selbst als eher wie Er-schein-ungen im "Feld der Wahrnehmung "/ eher als Allegorie/auf-tauch-en.
Daraus ergibt sich unmittelbar die Frage, was wir überhaupt als sogenannte „Realität“ betrachten.
Das sehe ich so: Die khandha betrachten wir als Realität, ob sie nun "eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, ferne oder nahe" sind. (S.22.48) Aufgrund von Verblendung nehmen wir khandha als Ich oder zu einem Ich gehörend wahr. Ein unverblendeter Geist nimmt die khandha nur als khandha wahr: Das Bewusstsein als das eine khandha, welches die übrigen vier khandha erfährt und das Ich als Teil der khandha, nämlich als eine geistige Gestaltung, eine Vorstellung.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ich als Teil der khandha, nämlich als eine geistige Gestaltung, eine Vorstellung.

Aber der Arahat handelt bewusst und absichtlich. Seine geistigen Funktionen sind nicht beeinträchtigt, und er lebt nicht in einer Traumwelt. Das habe ich schon früher geschrieben und auch entsprechende Passagen dazu zitiert.


Es erinnert mich an Arthur Schopenhauer und sein Werk :"Die Welt als Wille und Vorstellung". Aber die reale Welt ist keine bloße Imagination, und auch das Leiden ist real. Als ich daher sagte, es sei Idealismus, hast du das verneint.


Der Arahat benutzt wohl eigenes Cetanā (Willen/Absicht), und er weiß sehr genau, was das sogenannte „Ich“ tut, spricht oder denkt. Andernfalls wäre er wie ein kopfloser Roboter, der in einer Traumwelt lebt und nicht imstande ist zu unterscheiden.


Das ist doch offensichtlich, oder?


Leider sehe ich es alles anders. Deswegen habe ich dir gesagt, dass es dazu eine Grafik gibt, die zeigt, wie der Arahat die Welt wahrnimmt.
So drehen wir uns im Kreis. Entschuldige, das ist wirklich subtil – ich habe es selbst auch nicht sofort verstanden.


Die bedingt entstandenen Prozesse bestehen auch beim Arahat weiter. Er benutzt sozusagen dieses „Ich“ als Konvention – gewissermaßen wie eine „Schaltzentrale“, die Entscheidungen trifft, ohne dass es ein wirkliches, unabhängiges Ich gibt. Andernfalls könnte er in der realen Welt da draußen nicht überleben. Und diese Welt ist keine bloße Imagination.

Siehe hier:


""Alle Weltgegenden im Geiste durchwandernd Findet man doch nirgends etwas, was lieber wäre als das eigene Selbst. So lieb ist den anderen, jedem sein eigenes Selbst. [313] Darum soll, wer das eigene Selbst lieb hat, den andern nicht verletzen."

S.3.8. Mallikā - 8. Mallikā Sutta

P.S.

Etwas falsch gedrückt, das Zitieren geht im Moment nicht.

Und? Es gibt also so etwas wie kein „Selbst“. Wie erklärst du das?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Gerade deswegen muss man das Dhamma studieren. Wenn ein Arahat handelt und weiter plant, aber keine innere Identifikation mit den Skandhas besteht, also kein „Ich“ vorhanden ist, WIE? sollte? er funktionieren. Hm?


Ich spreche jetzt über falsche und verkehrte Lösungsansätze für dieses Problem.
Edward Conze hatte eine Zeit lang versucht, vollständig ohne das Wort „Ich“ auszukommen. Wie er selbst in seinem Buch über das buddhistische Denken schreibt, bekam er dabei Zustände der Derealisation, eine Art Entfremdung von den eigenen Gedanken und Gefühlen. Schließlich musste er damit aufhören.


Ñāṇavīra Thera verstand es so, als ginge es um "das Ende der Wahrnehmung". Also darum, dass man wie sofort „kopflos“ weiterlebt, wie in einem Trancezustand, in höhere Sphären versunken. Ähnlich wie Yogis, die sich sogar lebendig begraben ließen – das ist dokumentiert.


Klar, darum geht es nicht.


In dieselbe Richtung geht auch das buddhistische Seminar. Hellmuth Hecker schreibt sinngemäß, dass ein Arahat Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich sieht, wie auf einem Gemälde. Kaum vorstellbar – und wieder keine wirklich praktische Lösung.


Nur dank und durch das Werk Buddhadhamma von Phra Ajahn Payutto gibt es eine sehr feine, absolut praktische und nachvollziehbare Erklärung, wie ein Arahat ohne Atman weiterlebt – in höchster Qualität und sogar sehr glücklich.

Damit mache ich wieder etwas wie Werbung – aber im guten Sinne – für die deutsche Übersetzung von Tivagaro Bhikkhu aus dem Thailändischen.


Sobald die gedruckten Bücher erscheinen, wird die jetzige Version im Netz verschwinden.


Der Stil von Phra Ajahn Payutto ist sehr kühl, sachlich und nüchtern. Das Buch wird daher wohl nur von wenigen gelesen werden, und auch die Auflage wird vermutlich nicht besonders groß sein.


Trotzdem bin ich sehr dankbar dafür. Mal sehen.

Ich drücke dem Autor auf jeden Fall die Daumen.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Es erinnert mich an Arthur Schopenhauer und sein Werk :"Die Welt als Wille und Vorstellung". Aber die reale Welt ist keine bloße Imagination, und auch das Leiden ist real. Als ich daher sagte, es sei Idealismus, hast du das verneint.
Ich habe nicht behauptet, dass die Welt eine bloße Imagination ist.

Es gibt also so etwas wie kein „Selbst“. Wie erklärst du das?
So etwas wie kein Selbst? Meintest du ein Selbst?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Meintest du ein Selbst?
Dann die Gegenfrage: Was meinte das Sutra ?

""Alle Weltgegenden im Geiste durchwandernd Findet man doch nirgends etwas, was lieber wäre als das eigene Selbst. So lieb ist den anderen, jedem sein eigenes Selbst. [313] Darum soll, wer das eigene Selbst lieb hat, den andern nicht verletzen."
Beitrag #52.

Gute Nacht – aber die Erklärung ist eigentlich gar nicht so kompliziert.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
. Ein unverblendeter Geist nimmt die khandha nur als khandha wahr: Das Bewusstsein als das eine khandha, welches die übrigen vier khandha erfährt und das Ich als Teil der khandha, nämlich als eine geistige Gestaltung, eine Vorstellung.
Das alles hat keinen unmittelbaren und direkten Zugang zum realen Leben im Hier und Jetzt.


Kannst du mir erzählen, was ein unverblendeter Geist sieht, wenn er eine schöne Blume auf der Wiese wahrnimmt?


Und dann sollte man den Unterschied zu verblendeten Menschen beschreiben.


So, dass ein kleines Kind alles verstehen kann.
+ Mit sehr einfachen Wörtern.


Nur dann wird Dharma real und erfahrbar.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Dann die Gegenfrage: Was meinte das Sutra?

""Alle Weltgegenden im Geiste durchwandernd Findet man doch nirgends etwas, was lieber wäre als das eigene Selbst. So lieb ist den anderen, jedem sein eigenes Selbst. [313] Darum soll, wer das eigene Selbst lieb hat, den andern nicht verletzen."

Gute Nacht – aber die Erklärung ist eigentlich gar nicht so kompliziert.
Vermutlich bedeutet das jetzt, dass du ein Selbst meintest und kein Selbst war nur ein Verschreiber. Demnach fragst du wie ich es erkläre, dass es so etwas wie ein Selbst gibt. Das habe ich ja schon getan und deine Reaktion war:
Leider sehe ich es alles anders.

Das alles hat keinen unmittelbaren und direkten Zugang zum realen Leben im Hier und Jetzt.

Kannst du mir erzählen, was ein unverblendeter Geist sieht, wenn er eine schöne Blume auf der Wiese wahrnimmt?

Und dann sollte man den Unterschied zu verblendeten Menschen beschreiben.

So, dass ein kleines Kind alles verstehen kann.
+ Mit sehr einfachen Wörtern.

Nur dann wird Dharma real und erfahrbar.
Ich kann dir den Dharma, so wie er für mich der direkte Zugang zum realen Leben im Hier und Jetzt ist, nicht erklären. Es läuft nur darauf hinaus wie in dem Beispiel mit den Blinden und dem Elefanten: "Es ist ein Wedel" "Nein, es ist eine Säule". Wir sehen nicht die ganze Wahrheit, nur unseren eigenen Zugang. Möge er uns zur ganzen Wahrheit führen.

Auch wenn man andere nicht immer versteht, kann man ja jeden so schreiben lassen, wie er es selber versteht. Die verschiedenen Teile ergeben dann ein Ganzes.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ich kann dir den Dharma, so wie er für mich der direkte Zugang zum realen Leben im Hier und Jetzt ist, nicht erklären
Doch – und zwar sehr gut sogar. Und diese enorme Zahl an Beispielen aus dem realen Leben und dem Alltag kann man im Buddhadhamma von Phra Ajahn Payutto nachlesen und das Prinzip sehr gut verstehen.


Ok, kein Problem mehr.


P.S. Sehr gute Beispiele gibt es in der Waldkloster-Tradition – ohne sehr komplizierte Begriffe und direkt aus dem Leben, wie es ist.

Für mich macht das Studium nur dann Sinn, wenn ich das Ganze einem kleinen Kind erklären kann. Aber ich würde es im Moment nicht weiter ausführen.

Und wenn es alles so abstrakt bleibt, wozu brauche ich das dann?


Nur wenn es mich innerlich transformieren kann – ansonsten war und bleibt es trockene Philosophie. Und der Buddha war ein "Heil-Pragmatiker".


Ich habe keine weiteren Fragen. Schönen Tag.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ich kann dir den Dharma, so wie er für mich der direkte Zugang zum realen Leben im Hier und Jetzt ist, nicht erklären. Es läuft nur darauf hinaus wie in dem Beispiel mit den Blinden und dem Elefanten: "Es ist ein Wedel" "Nein, es ist eine Säule"
Aber immer wenn ich es versuche widersprichst du, oft mit einem Haufen widerlegender Zitate.
Zuerst sagst du, dass es nicht möglich ist, Dharma zu vermitteln, und dann machst du mich dafür verantwortlich.

Aber ich kann alles mit eigenen Worten beschreiben, ohne Fachbegriffe zu verwenden.

Wenn ich als normaler Mensch eine Blume auf der Wiese wahrnehme, ergreife ich sie sofort. Ich verhalte mich wie ein geistiger Konsument: Ich denke, wie schön sie ist, und deshalb meine ich, ich sollte sie abschneiden und jemandem schenken. Das ist das sogenannte normale Verhalten des Menschen.


Der erwachte Geist hingegen würde in dieser Blume die allumfassende Bedingtheit sehen (Ursachen und Bedingungen der verschiedenen Faktoren), wie etwa den Nährboden, das Wasser, wie viel davon vorhanden ist usw. – also ihre Leerheit, wie es die Texte ausdrücken. Die Blume besteht aus vielen Teilen, und zusätzlich bezeichnen wir sie als „Blume“.


Beim erwachten Geist würde dies ein allumfassendes Mitgefühl hervorrufen – nicht nur gegenüber dieser Blume, sondern gegenüber allem Lebendigen. Denn er sieht alles wie im Indra -Netz: nichts ist getrennt. Das ist eine völlig andere Sichtweise als das bloße Konsumieren oder "Auskosten" der Welt, als ob sie mir gehören würde.


Denn es gibt nichts, was mir gehört oder mich ausmacht. Alles ist Teil eines Netzes von Bedingungen, in dem kein Ding letztlich fest verortet oder wirklich auffindbar ist.


Das würde vermutlich Demut hervorrufen, ebenso wie Verwunderung darüber, dass all diese Schönheit – sowohl die Wiese als auch die Blumen – überhaupt möglich ist.


So, das war auf die Schnelle mein erster Versuch.


Die zweite Geschichte gehört zur Waldklostertradition und wurde früher aufgeschrieben. Schauen wir mal.


Einmal waren im Kloster junge, hübsche und schlanke Frauen, um etwas über das Dhamma zu erfahren. So viele Männer – und dazu noch Mönche. Ha ha ha, weiter möchte ich das nicht ausführen.

Nach der Veranstaltung fragte Ajahn Chah Ajahn Sumedho: „Wie war es?“
Und Ajahn Sumedho antwortete: „Ich mag sie wirklich sehr – ich habe es genossen, aber ich will es nicht.“

Auf den ersten Blick erscheint diese Antwort nicht besonders einleuchtend. Und doch: Durch Kontakt entsteht ein Gefühl, auch Begehren entsteht – aber kein Anhaften mehr. Jeder Kontakt enthält sogar die ganze Kette in sich.

Es geht niemals darum, die Augen zu verschließen, sondern im Gesehenen nur das Gesehene zu sehen, im Gehörten nur das Gehörte – und so weiter. Das kann man als eine Art grundlegende „Technologie des Erwachens“ verstehen.

Der normale Mensch würde begehren und sofort zugreifen. Das läuft wie ein Konditionierungsmuster ab – Menschen verhalten sich tatsächlich oft wie durch Hormone gesteuert, also kopflos, im wahrsten Sinne des Wortes.

Deswegen kann man alles genießen – für einen normalen Menschen gehört auch Sexualität dazu –, aber ohne daran zu haften. Denn alles ist vergänglich.

Ich denke, dafür braucht man sehr lange Praxis. Am Ende kann man es so verstehen, dass alles mit einem innerlich verbunden erscheint. Diese schwer zu fassende Leere und das unermessliche Mitgefühl sind wie zwei Seiten derselben Medaille. Die Parallelen vom tibetischen Buddhismus bis hin zum Zen sind kaum zu bestreiten.

Noch mehr: Es stellt sich dann nicht mehr die Frage, ob es ein Atman gibt oder nicht. Weg mit der ganzen Metaphysik und der komplizierten Kette der bedingten Entstehung. Zurück ins Leben: genießen – aber nicht daran festkleben.


Also, schon zwei Geschichten – und nicht aus den Sutren oder heiligen Texten.


Versuche es auch.


Dharma ist nur dann lebendig, wenn ich es im Hier und Jetzt anwenden kann. Ansonsten bleibt es wie eine Plastikblume im Album – aber keine lebendige Blume auf der Wiese.


Ich klammere mich an keine Texte. Ich kann sie alle verbrennen – sogar „den Buddha töten“. Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint, sondern so, wie es im Zen verstanden wird.


Denn alle Texte sind nur Modelle, Schemata, Karten – aber nicht die Realität selbst.
 
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