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Re: Praxis Was sagt man dazu?
Ich wollte irgendwann wissen, wer sich an Dinge dranhängen kann. Wer stirbt und wer geboren wurde. Wer Befreiung erlangt und wer nicht befreit ist.
Im Körperlichen und Geistigen fand ich kein stabiles Ich, da ist alles unsicher, veränderlich und vergänglich. Also habe ich ein Selbst jenseits von Körper und Geist gesucht. Um es zu finden, bin ich nach Indien gereist und habe ein halbes Jahr in einem hinduistischen Ashram, wo es auch westliche Schüler gab, mit einem Lehrer zusammengelebt. Das hat mein Leben komplett umgekrempelt, aber nach zehn Jahren mit dieser Praxis schien es mir unmöglich, dieses Selbst zu finden. Also habe ich mich nur mehr darauf konzentriert, was ich nicht bin und so habe ich zur Lehre des Buddha gefunden.

Bis heute hat sich daran nichts geändert, es geht im Grunde nur darum, nichts von dem, was ich nicht bin, als Ich oder Mein anzunehmen - nirgends dranhängen. Wenn die Verblendung 'dies bin ich, jenes gehört mir' einmal ganz erlischt, ist Nibbana , jenseits des Verstandes, nicht erklärbar. Den achtfachen Weg dorthin hat der Buddha erklärt und er ist verstehbar und praktizierbar. Mehr braucht es nicht, die Frage nach dem wahren Ich entsteht aufgrund des unheilsamen Daseinsdurstes. Das möchte ich nie mehr vergessen und immer weiter praktizieren und vertiefen.
 
Re: Praxis Was sagt man dazu?
Ich dachte immer, dass das was denkt ich bin, und habe jenes ignoriert, dass nicht denkt.
Die Wolken am Himmel sind manchmal weiß und manchmal Dunkel. Sie kommen und verschwinden. Ich erfreute mich an ihnen oder ich fürchtete sie, aber ich habe nie wirklich an den Hintergrund gedacht, an die Bühne.
Das scheint mir wesentlich zu sein. In unserer Kultur hat das Denken ein sehr hohen Stellenwert, als wäre es der Maßstab aller Dinge - "Ich denke also bin ich" ist das Credo nach dem Zeitalter des Glaubens geworden. Aber Credo bedeutet wörtlich auch Glaubensbekenntnis, wir glauben, dass das Denken das einzige legitime Mittel ist, um Wissen zu erlangen und die Wahrheit über alles herauszufinden.

Es gibt aber eine höhere Geisteskraft, welche erst das Erwachen zur Wirklichkeit tatsächlich ermöglicht. Sammlung, Meditation , Geistesentfaltung bringt sie hervor, wenn der Verstand an seine Grenzen stößt. Da spielt zunächst das Vertrauen eine wichtige Rolle. Etwa das Vertrauen, dass der Buddha nur das gelehrt hat, was er selber erfahren hat. Der Verstand hat mir gesagt: 'Warum sollte es in der Weltgeschichte keinen Menschen gegeben haben, der die höchste Wahrheit, nach der so viele gesucht haben, tatsächlich gefunden hat?' Das ist doch möglich und wenn man sich mit der Lehre befasst und praktiziert, erscheint es immer wahrscheinlicher: "Dies ist der Erhabene, vollkommen Erwachte, Kenner der Welten, Lehrer der Götter und Menschen." Was liegt da näher, als Zuflucht zu ihm, seiner Lehre und seinen erwachten Schülern zu nehmen und die Zuflucht zum eigenen kleinen Geist aufzugeben? "Seid euch selber die Zuflucht", sagt der Buddha zwar, aber im selben Atemzug sagt er: "Mit der Lehre als Zuflucht". Ohne Lehre lässt sich der Weg nach innen, zu dem was nicht denkt, sondern erfährt und weiß, kaum finden.

So gestaltet sich die rechte Ansicht nicht nur durch logische Schlussfolgerung, sondern auch durch begründetes Vertrauen und bestätigt sich in der rechten Sammlung. Durch Betrachtung und Konzentration, die Ausrichtung des Geistes auf dasjenige, das hinter dem Denken, Fühlen und Wollen ist und alles erfährt wie es wirklich ist, wird alles immer klarer. Ich bin da immer noch am Anfang, aber die Zuversicht und Gewissheit soll nicht nur durch Nachdenken, sondern besonders durch Erfahrung unerschütterlich werden.
 
Re: Praxis Was sagt man dazu?
So gestaltet sich die rechte Ansicht nicht nur durch logische Schlussfolgerung, sondern auch durch begründetes Vertrauen und bestätigt sich in der rechten Sammlung.
Hier würde ich leider nicht absolut zustimmen, denn ohne weises Erwägen (yoniso manasikāra) würde es nicht funktionieren. Auch der Buddha hebt die enorme Wichtigkeit des bedingten Zusammenentstehens (paṭiccasamuppāda) hervor und wie es funktioniert – Schritt für Schritt, hin und zurück. Den Verstand auszuschalten kann nur vorübergehend helfen, um die kilesa zu unterdrücken. Aber ein Arahat ist sehr aktiv; er kann besser als wir alle im Alltag funktionieren und trifft die richtigen Entscheidungen und benutzt den Verstand und seine Funktionen im vollen Umfang. Das alles kann man sehr gut in der neuen Version von Buddhadhamma erfahren. Wenn wir die Dinge so sehen, wie sie sind, aber nicht, wie sie uns erscheinen, dann hat das enorme Konsequenzen, etwa in der Erziehung und in der Bildung; die ganze Gesellschaft kann anders funktionieren, der konkrete Mensch setzt andere Prioritäten, und das alles dank dem Verstand, den er jetzt anders benutzen kann, und dies wird sehr ausführlich an vielen Beispielen aus dem Alltag aufgezeigt und veranschaulicht.


Was fördert das Gute, das mich heilt, und was behindert das? Ohne sehr klaren Verstand und einwandfreie Logik geht es nicht; alle drei Stufen gehen immer zusammen, aber ohne gründliches Kontemplieren würde sich die Weisheit, also Paññā, nicht im vollen Umfang entfalten.

@mukti – Nur meine Gedanken, also bitte nicht persönlich und nicht übelnehmen, danke.


P.S.

Kinder können noch nicht meditieren, aber die Eltern können durch gerade richtig eingestelltes logisches Denken sie zu guten Menschen erziehen.

Auch Schwerbehinderte oder auch Kriminelle, wie die Politiker oder Unternehmer, brauchen eine andere Kultur, sie haben keinen blassen Schimmer über den Buddhismus und alle diese Begriffe. Der Autor ist zuversichtlich, warum die ganze Gesellschaft davon profitieren kann.
 
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Re: Praxis Was sagt man dazu?
Lieber @Igor07 , soweit liegen wir doch gar nicht auseinander.

Der Buddha hat gelehrt, dass alle Phänomene ohne Ausnahme in Abhängigkeit existieren. Die abhängigen Phänomene lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:
  • beständige, unbedingte Phänomene. Sie sind dadurch charakterisiert, dass sie sich nicht von Moment zu Moment verändern. Ein Beispiel ist das Nibbana.
  • unbeständige, bedingte Phänomene. Sie wandeln sich von Moment zu Moment. Beispiele sind unsere Skandhas , insbesondere unserer Geist.
Was ist Nibbana? In SN 38.1 heißt es:
"Nirvana, Nirvana, Bruder Sariputto, sagt man. Was ist nun, Bruder, Nirvana?
Was da, Bruder, das Versiegen von Gier, das Versiegen von Hass, das Versiegen von Verblendung ist, das nennt man Nirvana."


Wenn eine Quelle versiegt, dann kommt aus ihr kein Wasser mehr hervor. Wenn Gier, Hass und Verblendung versiegen, dann gibt es keine Ursachen und Bedingungen mehr, die diese hervorbringen können. Nibbana bedeutet also, Gier, Hass und Verblendung sind versiegt und entstehen deshalb nicht mehr in unserem Geist.

Nibbana entsteht nicht aus kausalen Ursachen und Bedingungen. Nibbana ist erlangt, wenn wir mittels des achtfachen Pfades Gier, Hass und Verblendung aus unserem Geist entfernt haben.

Nibbana verneint also etwas. Der Begriff ist eine Negation. Das macht ihn schwierig. Mit Nibbana wird also ausgedrückt, es gibt etwas nicht mehr, nämlich Gier, Hass und Verblendung im eigenen Geist. Er bezeichnet keine existierenden Phänomene.

Weil Nibbana das Versiegen von Gier, Hass und Verblendung in unserem Geist ist, existiert es in Abhängigkeit von unserem Geist und befindet sich nicht irgendwo außerhalb unseres Geistes. Nibbana ist kein äußerer Ort zu dem man mit dem Auto oder der Bahn hinfahren kann oder mit dem Flugzeug hinfliegen kann.

Steht unser Geist unter der Macht von Gier, Hass und Verblendung, dann befinden wir uns im Geisteszustand von Samsara . Da ist es völlig egal an welchem Ort in Deutschland wir uns aufhalten. Sind Gier, Hass und Verblendung versiegt, befinden wir uns im Geisteszustand des beständigen, unbedingten Nibbana, egal ob wir uns in Hamburg, Berlin oder München usw. aufhalten.
 
Re: Praxis Was sagt man dazu?
Hier würde ich leider nicht absolut zustimmen, denn ohne weises Erwägen (yoniso manasikāra) würde es nicht funktionieren.
Klaus Mylius übersetzt yoniso manasikāra mit "Gebührende Aufmerksamkeit", ich denke man kann es auch mit "gründliche Achtsamkeit " übersetzen. Yoniso - gründlich, manas - Geist, kāra - bewirken. Das Erwägen ist sicher unverzichtbar, aber weises Erwägen bezieht sich wohl nicht ausschließlich auf logisches Schlussfolgern, sondern auch auf meditatives Betrachten. Etwa die vier Betrachtungen des Satipatthana - Körper, Gefühle, Geistesverfassung und Lehrglieder. Oder die zehn Betrachtungen: Buddha, Dhamma , Sangha , Sittlichkeit, Freigebigkeit, Himmelswesen, Tod, Körper, Atmung und Frieden. Das lässt sich auch als Meditationsobjekte bezeichnen.

Ohne sehr klaren Verstand und einwandfreie Logik geht es nicht; alle drei Stufen gehen immer zusammen, aber ohne gründliches Kontemplieren würde sich die Weisheit, also Paññā, nicht im vollen Umfang entfalten.
Ich sehe es ähnlich, der Verstand ist wichtig, man sollte ihn nicht etwa ausschalten, aber seine Grenzen erkennen.
Als ich sehr viel gelesen habe, hat das zu der Vorstellung geführt, dass ich etwas wüsste., es hat das Ego aufgeblasen. Oder wenn ich auf Widersprüche gestoßen bin, bin ich in Verwirrung geraten.
Es interessiert mich immer weniger, was alles über das Dhamma gesagt und geschrieben wird.

Logisches Verstehen ist der erste Schritt, durch tiefgründige Betrachtung beruhigt, sammelt und klärt sich der Geist. Dazu genügt ein Satz oder ein Gedanke. Ach ja, wie der Satz "Was auch immer genau jetzt da ist, nicht dranhängen." Damit könnte man Jahre verbringen, bis es tatsächlich gelingt.
 
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