Auch wenn man den Geist nicht durch zu viel Studium und Nachdenken überanstrengt, etwa indem man die Lehre in vernünftigem Maß auf einer Akademie studiert, erreicht man ohne Meditation nicht viel. Bücher, die von solchen Gelehrten verfasst wurden, lese ich gar nicht.
Dazu fällt mir eine Geschichte aus meinem monastischen Leben ein. Mein Upajjaya der mich Ordiniert hat, ist ein Mönch der sozusagen nicht meditiert. In meinem damaligen Tempel war die Halle für die Ordination noch nicht fertig, und so habe ich die höhere Ordination in Bangkok erhalten. Diese Mönche studieren die buddhistischen Schriften. Sie gehen teilweise auf eine Universität und erhalten nach dem Abschluss einen zusätzlichen Titel .
Für mich war die Meditation am Anfang ehrlicherweise nicht immer so einfach und eines Tages fragte ich meinen Lehrer ob ich mich nicht mehr auf das Studium konzentrieren sollte.
In seiner (unserer tradition) lag der Schwerpunkt auf der Meditation.
Er fragte mich was ich mir von der buddhistischen Lehre erwarte. Damals war meine Antwort darauf, dass ich glücklicher und zufriedener werden möchte.
Er sagte mir dann folgendes: Ich bin wie jemand der in einen Hundehaufen hinein getreten ist, und von ihm jetzt einen Raumspray kaufen möchte. Ich beklage mich über den üblen Geruch, aber ich möchte nicht meine Schuhe waschen, sondern von ihm einen Raumspray bekommen.
Ich kann mir jetzt unzählige Bücher über gute Gerüche kaufen, aber solange ich meine Schuhe nicht reinige, werde ich den üblen Geruch nicht los.
Unsere Lehrer waren aber keine Gegner von dem Studium.
Aber wir durften zum Beispiel am Anfang nur sehr wenig lesen und manche Fragen wurden nicht beantwortet. (Zum Beispiel: Wie oft kommt ein Sotapanna noch zurück, oder hat ein
Arahat noch Kopfschmerzen)
Eines Tages erhielt ich die englische Biografie von Luang por Tate.
Ich wollte dann auf Wanderschaft gehen und so praktizieren wie dieser Mönch.
Mein Lehrer lachte dann und sagte mir dass ich erstmal
Samadhi im Alltag kultivieren und halten sollte und endlich mal meine Kutti (Hütte) sauber halten soll.
Der Faulpelz möchte jetzt wie die Arahats praktizieren weil er durch die Bücher plötzlich inspiriert wurde
Später durfte ich dann auf Wanderschaft gehen und mir wurde klar, dass ich keine Woche in einem Thailändischen Wald überstanden hätte .
Ich arbeite ja mit einem Mantra , und manchmal entstand die Idee, dass ich dieses oder jenes Buch lesen müsste um endlich weiter zu kommen. Mein zweiter Lehrer konnte sozusagen die Gedanken der Menschen lesen (hier im Westen kommen solche Geschichten nicht sehr gut an) und eines Tages während der
Kontemplation über das Essen las er meine Gedanken.
Ich war hungrig und genervt von der Hitze. Ich wollte essen und endlich meine Körperposition verändern dürfen. Es war ein sehr striktes Kloster.
Ich folgte nicht mehr meinem Mantra .
Als die Kontemplation und die Zeremonie vorbei war, nahm er sein Essen und ging an mir vorbei. Er drehte sich um und sagte etwas zu seinem Assistenten. Er übersetzte die Worte für mich: “Egal wo wir sind, wir müssen hier in unserem Herzen eine Lösung für das Leiden finden, der Buddha ist nicht in den Büchern und auch nicht in den Statuen hier im Tempel zu finden. Der Buddha ist hier in unseren Herzen“
Ich glaube in einem anderen Thread habe ich schon mal was zum Thema “Bücher“ geschrieben.
Lg Martin