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traditionsübergreifend
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
. @mukti hat ja beschrieben, dass er auf eine andere Art und Weise zum Dhamma gekommen ist.
@mukti sagte auch noch etwas:

In einigen Menschen erwacht die Zuversicht, dass es eine Lösung gibt, eine befreiende Wahrheit die über die gewöhnliche Sinneswahrnehmung hinausgeht und so entwickelt sich ein Interesse an entsprechenden Lehren.
Und das stimmt total:

Im Gegensatz zum Weltling ist dieser Gestaltungsprozess beim Arahant, der beim „Gesehenen, Gehörten, usw. nicht die geringste (aus der) Wahrnehmung abgeleitete Ansicht/Konzeption hat“, erloschen. (Sn 802)
Sn 732: „Denn seine Gestaltungen sind zur Ruhe gebracht (sabbasankhārasamathā) und seine Wahrnehmungen beendet (saññānam uparodhanā) und dukkha aufgehoben wurde (dukkhakkhayo)“.
Saññā und atta - Lug und Trug.
BGM 2023.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
In einigen Menschen erwacht die Zuversicht, dass es eine Lösung gibt, eine befreiende Wahrheit die über die gewöhnliche Sinneswahrnehmung hinausgeht und so entwickelt sich ein Interesse an entsprechenden Lehren. So habe ich es selber erlebt und auch Menschen getroffen, bei denen das ebenso war.
Warum das bei manchen so ist und bei anderen nicht, lässt sich vorerst nicht erkennen, ich nehme an, dass die Ursache für diese Veranlagung in vorigen Leben liegt. Man ist wohl schon länger auf der Suche nach der Wahrheit.
Die Wege wie man zum Dhamma kommt sind sicherlich vielfältig...
Dass man in diesem Leben mit dem Dhamma zusammentrifft kann seinen Grund auch darin haben, dass man in vorherigen Leben viele positive karmische Prägungen durch heilsame Handlungen angesammelt hat. Durch vielfältige Ursachen und Bedingungen auf die man jetzt in diesem Leben trifft, reifen diese karmischen Prägungen heran und man erlebt ihre Wirkungen derart, dass man auf Dhamma-Schriften und Lehrerinnen und Lehrer trifft und von ihnen Dhamma-Unterweisungen erhält. So kann man sich dann selbst auf dem Pfad weiterentwickeln.

Daß es so ist, kann weder bewiesen, noch widerlegt werden. Ob jemand glaubt, daß es so ist oder glaubt, daß es nicht so ist, läuft in jedem Fall auf dasselbe hinaus, beides ist ein Glaube. Für mich hat sich dieser Glaube jedoch schon längst zur Gewißheit gewandelt. Je älter ich werde und auf mein Leben zurückschaue, wird unschwer erkennbar, daß die Leiderfahrung als Motivation Buddhas Wegweisung zu folgen, keinesfalls ausreichend sein kann. Bis zu jenem Zeitpunkt, an welchem mein Interesse an Religion begann, war kein wirklicher Leidensdruck vorhanden, im Gegenteil. Aufgewachsen in einem atheistischen Elternhaus war mein Leben bis zum vierzigsten Lebensjahr alles andere als leidvoll. Es war anfangs reine Neugierde, mich mit einem Thema zu befassen, welches bis dahin weitab des bisherigen Interesses war. Helmut Uhligs Buch "Buddha" war (nach langer Suche) mein Türöffner und bei der Lektüre wurde mir unmittelbar klar, daß nur der Theravada für mich in Frage kommt. Nach Herrn Uhligs Hinweis auf das Buddhistische Seminar war mir, als sei ich endlich am Ziel meiner Suche angekommen, was sich bis heute nicht geändert hat. Daß "nach Haus kommen" und "zu Hause sein" zwei verschieden Seiten der Medaille sind, wurde mir freilich erst im Nachhinein bewußt. Die Frage Karma - ja oder nein - ist für mich jedenfalls schon lange keine Frage, über die es sich lohnt zu streiten, jeder, der es will, kann es unmittelbar beobachten und erfahren.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Die Frage Karma - ja oder nein - ist für mich jedenfalls schon lange keine Frage, über die es sich lohnt zu streiten, jeder, der es will, kann es unmittelbar beobachten und erfahren.
Na ja, lieber @Hajo , ich sehe es so wie Nyanatiloka, denn ich erschaffe Karma in jedem Augenblick durch meine eigene bewusste Absicht. Deshalb kann man hier nichts rein Mystisches sehen, sondern etwas, das sich praktisch umsetzen lässt. Die Lehre ist zeitlos und im gegenwärtigen Moment zugänglich – jetzt erfahrbar.
Deshalb stelle ich mir keine Fragen über Karma oder Wiedergeburt, sondern bemühe mich vielmehr, Dukkha zu mildern und zu verringern. Reine Metaphysik ist nicht meine Domäne, denn sie ist bloßes Kopf-Wissen, aber keine Befreiung. Diese entsteht nur durch die unmittelbare Erfahrung.

So die Zitate:

Mit Hinsicht auf den karmischen Willen (d.i. den heilsamen oder unheilsamen) heißt es (A.VI.63):


»Den Willen, ihr Mönche, nenne ich die Tat (kamma , Wirken; siehe Karma), denn ist der Wille aufgestiegen, so wirkt man die Tat, sei's in Werken, Worten oder Gedanken. Hierüber siehe paticcasamuppāda (X).
cetanā

Und:

SN 35.70: „Erhabener, man sagt, ‚hier-und-jetzt sichtbarer Dhamma‘, ‚hier-und-jetzt sichtbarer Dhamma‘. Inwiefern aber, Erhabener, ist der Dhamma hier-und-jetzt sichtbar, zeitlos, einladend, zutreffend, dem Verständigen von selbst verständlich?“
„Hat da, Upavana, ein Mönch mit dem Auge eine Form (Körper) gesehen, so empfindet er die Form und die Begierde nach Formen. Und von dieser inneren Begierde nach Formen versteht er: ‚In mir ist die Begierde nach Formen.ˈ Eben deshalb, Upavana, ist der Dhamma hier-und-jetzt sichtbar, zeitlos, einladend, zutreffend, dem Verständigen von selbst verständlich.“
(Gleiches für die weiteren Sinne)
„Hat da, Upavana, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehen, so empfindet er diese bloß, ohne Begierde danach. Wenn er innerlich keine Begierde danach hat, dann weiß er: ‚In mir ist keine Begierde danach‘. Eben deshalb, ist der Dhamma hier-und-jetzt sichtbar, zeitlos, einladend, anwendbar, dem Verständigen von selbst verständlich.“
Und:

Der Buddha sagt in mehreren Sutten, der Dhamma ist „sanditthiko“, das bedeutet „sichtbar in diesem Leben“ oder „hier-und-jetzt sichtbar“. Obwohl der Buddha über vergangene und manchmal sogar über zukünftige Leben sprach, die er durch seine höheren Geisteskräfte unmittelbar schaute und erkannte, verstand er unter sanditthiko, dass der Dhamma bereits in diesem Leben, ohne Kenntnis vorhergehender Leben oder höherer Geisteskräfte, erkennbar ist. Das ist äußerst wichtig, denn es bedeutet, dass ein gewöhnlich intelligenter Mensch ohne höhere Geisteskräfte den Dhamma verstehen kann.
Weiter sagt er, der Dhamma ist „akaliko“, d.h. „nicht zeitabhängig, zeitlos, unmittelbar“. Das bedeutet, der Dhamma ist immer zutreffend, ungeachtet der Zeit, nicht an Zeit gebunden.
Ajahn Dhammavuddho Thera
Bedingtes Entstehen des Leidens.


Ich war mehr als glücklich, im alltäglichen Sinne, als ich jung und kerngesund war, aber etwas fehlte immer. Jeder hat seinen eigenen Weg zum Dharma , und das ist gut so, scheint mir.🙏
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Nochmals zur Karma, denn in dem anderen Faden über die bedingte Entstehung wurde Buddhadasa Bhikkhu empfohlen – es ist also nicht meine eigene Meinung. Das Zitat ist sehr kurz, danach verlinke ich die Quelle:

Soweit es kamma betrifft, ist das Prinzip „tue Gutes, erhalte Gutes, tue Schlechtes und erhalte Schlechtes" ein Prinzip, das nicht nur vor der Zeit des Buddha existierte, sondern auch von praktisch jeder großen Religion akzeptiert wird. Es ist daher absurd zu behaupten, dass dieses Prinzip in dieser vereinfachten Form ein buddhistisches Prinzip sei. Zwar spricht der Buddhismus in der Tat von kamma, aber sein Zweck ist es, über diese Lehre hinauszugehen; zu zeigen, dass die Früchte von kamma maya - substanzlos - sind und weiter, dass es eine dritte Kategorie von Handlungen gibt, welche die Schubkraft der guten und schlechten Taten neutralisieren können, so dass man über oder jenseits von kamma leben kann. Diese dritte Art von Handlungen ist die Praxis, die zu Nibbāna führt. Dies also ist die wahre buddhistische Lehre von kamma, weil das Ziel des Buddhismus darin besteht, die Menschen aus der Knechtschaft von kamma zu befreien.


Auf den Punkt gebracht. Texte zu „Ich und Mein“

Kategorie(n): Nicht-Ich

veröffentlicht März 2015

Buddhadasa Bhikkhu

Auf den Punkt gebracht. Texte zu „Ich und Mein“

Kategorie(n): Nicht-Ich

veröffentlicht März 2015



Apropos, ich hatte mit dem Übersetzer kommuniziert – mein Respekt an BGM, der so viele Texte dieses Autors ins Deutsche übersetzt hat.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
"Obwohl der Buddha über vergangene und manchmal sogar über zukünftige Leben sprach, die er durch seine höheren Geisteskräfte unmittelbar schaute und erkannte, verstand er unter sanditthiko, dass der Dhamma bereits in diesem Leben, ohne Kenntnis vorhergehender Leben oder höherer Geisteskräfte, erkennbar ist. Das ist äußerst wichtig, denn es bedeutet, dass ein gewöhnlich intelligenter Mensch ohne höhere Geisteskräfte den Dhamma verstehen kann."
Ajahn Dhammavuddho Thera
Für die Triebversiegung braucht es aber schon die höhere Geisteskraft, die über das Verstehen hinausgeht.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
@mukti .

Es kommt darauf an, wie der Begriff 'Nibbana ' definiert wird. Für diesen Autor ist es die 'Kühle', die wir alle erleben, wenn der Geist vollkommen ruhig und gelassen ist. Kinder besitzen Nibbana, im Allgemeinen ausgedrückt, wir jedoch nicht.


Anders gesagt, wenn ich nicht blind re-agiere, sondern bewusst und angemessen der Situation entsprechend handle,- -a-giere- wäre es möglich, Augenblicke der Befreiung zu erfahren.


All dies demonstriert erneut meine bescheidene Meinung, dass viele Wörter unterschiedlich interpretiert werden können. Darüber zu streiten ergibt keinen Sinn; jeder geht seinen eigenen Weg. LG.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Na ja, ich sehe es so wie Nyanatiloka, denn ich erschaffe Karma in jedem Augenblick durch meine eigene bewusste Absicht. Deshalb kann man hier nichts rein Mystisches sehen, sondern etwas, das sich praktisch umsetzen lässt.
Was hat das oben von mir Geschriebene mit Mystik zu tun?
Daß man Karma mit seinem Denken und Tun in jedem Augenblick schafft und gleichzeitig erlebt, hat doch niemand bestritten. Für jeden, der das Thema Karma auch nur halbwegs verstanden hat, dürfte das vollkommen klar sein, würde ich meinen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Was hat das oben von mir Geschriebene mit Mystik zu tun?
Mit dem Jenseits, allgemein ausgedrückt. Das Leben nach dem Tod, usw.

Nibba - na ist ein natürlicher Zustand. Es ist der kühle Geisteszustand ohne jegliche
Herzenstrübungen (Kilesa). Dieser Zustand wird zweifach unterteilt: in den ersten
Geisteszustand, der frei von Herzenstrübungen ist und deshalb kühl; bei dem jedoch das
System der Körpersinne, das die Sinneseindrücke empfängt, noch nicht kühl ist; und in den
zweiten Geisteszustand, dessen Körpersinne bereits ebenfalls kühl sind. Die erste Art eines
kühlen Geistes kann mit einem hellbrennenden Kohlestück verglichen werden, welches,
wenn es gelöscht wird, immer noch zu heiß zum Anfassen ist. Wir müssen eine Weile
warten, bis es völlig kühl ist, damit wir es anfassen können.
Ajahn Buddhadasa:
NIBBA NA FÜR JEDERMANN.

Thema Karma auch nur halbwegs verstanden hat, dürfte das vollkommen klar sein, würde ich meinen.
@Hajo , das war nicht meine persönliche Meinung, oder? Aber von dem Meister der Tradition.

Buddhadasa Bhikkhu (Thai: พุทธทาสภิกขุ, RTGS: Phutthathat Phikkhu, Aussprache: [pʰúttʰətʰâːt pʰíkkʰùʔ] Geburtsname: Ngueam Phanit (เงื่อม พานิช); * 27. Mai 1906 in Phumriang (พุมเรียง), Amphoe Chaiya, Südthailand; † 25. Mai 1993 in Chaiya) war einer der einflussreichsten buddhistischen Theravada-Mönche des 20. Jahrhunderts.
Wikipedia.

Ich zitiere noch ihn:


Was die Lehre der Reinkarnation anbelangt, so gibt es sie in der buddhistischen Lehre nicht, oder genauer, es handelt sich dabei nicht um eine echte buddhis-tische Lehre, weil sie mit der vorupanishadischen kamma-Lehre verbunden ist. Zu dieser Zeit lehrte man, dass Lebewesen ständig sterben und wiedergeboren werden, dass es eine ewige Seele gibt, die fortwährend in Samsara , dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, kreist und dass sie dabei eine Vielzahl von Bestimmungsorten (unterschiedlich, je nach Lehrmeinung), entsprechend der guten und schlechten Taten des Individuums durchwandert. Es ist absurd zu behaupten, dass es sich dabei um eine buddhistische Lehre handelt. Das Erwachen des Buddha bestand in der Entdeckung, dass es in Wahrheit so etwas wie eine Person oder ein Selbst nicht gibt; dass es einfach nur Unwissen-heit und Anhaften sind, die im Geist aufsteigen und zu der falschen Annahme führen, dass da ein Selbst wäre. Diese Annahme erzeugt enorme Probleme und führt zu Leiden.
Texte zu „Ich-und-Mein“ von Buddhadāsa Bhikkhu

"Halbwegs" also gehört nicht mir, @Hajo .

Noch dazu:

Es ist mehr in Mode, tiefgreifende, weitreichende und endlose Theorien zu studieren, um Philosophen zu werden, als sich auf das Problem des Auslöschens des Leidens zu konzentrieren. Statt die Vier Edlen Wahrheiten zu lehren, zu diskutieren oder auch nur zu erwähnen, sprechen sie von Omen und Vorzeichen, Themen die der Buddha als Zeitverschwendung verbot. Sie diskutieren die Fragen der Wiedergeburt, als ob das die Essenz des Buddhismus wäre. Sogar ihre Erklärungen zu kamma, anattā und Nibbāna stützen sich auf die Lehren anderer Religionen statt auf den Buddhismus.

Ich bitte sehr, andere Meinungen oder Schulen einfach zu respektieren. Das ist doch nicht viel verlangt. Danke!
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
@mukti .

Es kommt darauf an, wie der Begriff 'Nibbana' definiert wird. Für diesen Autor ist es die 'Kühle', die wir alle erleben, wenn der Geist vollkommen ruhig und gelassen ist. Kinder besitzen Nibbana, im Allgemeinen ausgedrückt, wir jedoch nicht.

Anders gesagt, wenn ich nicht blind re-agiere, sondern bewusst und angemessen der Situation entsprechend handle,- -a-giere- wäre es möglich, Augenblicke der Befreiung zu erfahren.

All dies demonstriert erneut meine bescheidene Meinung, dass viele Wörter unterschiedlich interpretiert werden können. Darüber zu streiten ergibt keinen Sinn; jeder geht seinen eigenen Weg. LG.

Da bevorzuge ich die Definition von Ajahn Fuang:

„Manche reden von ‘zeitweiligem Nibbana, zeitweiligem Nibbana’, aber wie kann Nibbana zeitlich sein? Wenn es Nibbana ist, muss es beständig sein. Wenn es keinen Bestand hat, ist es auch nicht Nibbana.“
Das Wahrnehmen selbst

Aber wie du sagst, darüber zu streiten ergibt keinen Sinn. Jeder weiß selber, was ihm hilft im Dhamma voranzukommen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Da bevorzuge ich die Definition von Ajahn Fuang:
Toll! Danke!

Erinnert mich an das:

Das ist etwas, das wir selbst erkennen müssen, es ist sehr tief. Vielleicht
üben wir, weil wir nibbāna* erreichen wollen – aber so kommen wir niemals
zu nibbāna! Es ist natürlich, Frieden zu wollen, aber es ist nicht wirk-
lich angemessen. Wir müssen üben, ohne irgendetwas zu wollen. Wenn
wir überhaupt nichts wollen, was bekommen wir dann? Wir bekommen
nichts. Was immer ihr bekommt, ist ein Grund für Leiden, also üben wir,
nichts zu bekommen.
Das Ende des Willens ist sehr schwer zu verwirklichen, also zu realisieren. Das sagte Ajahn Chah – er hatte bestimmt Arthur Schopenhauer nicht gelesen.

Ich erinnere mich, dass er seine Schüler immer fragte: Du solltest dein Leiden akzeptieren, nur dann kannst du es loslassen. Sieh deinem eigenen Leiden direkt ins Gesicht, fliehe nicht.


Das hat mich so verdammt beeindruckt. Denn wer würde das schon tun? Ich würde deinen Text sehr aufmerksam lesen, @mukti .
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Daß es so ist, kann weder bewiesen, noch widerlegt werden. Ob jemand glaubt, daß es so ist oder glaubt, daß es nicht so ist, läuft in jedem Fall auf dasselbe hinaus, beides ist ein Glaube. Für mich hat sich dieser Glaube jedoch schon längst zur Gewißheit gewandelt. Je älter ich werde und auf mein Leben zurückschaue, wird unschwer erkennbar, daß die Leiderfahrung als Motivation Buddhas Wegweisung zu folgen, keinesfalls ausreichend sein kann. Bis zu jenem Zeitpunkt, an welchem mein Interesse an Religion begann, war kein wirklicher Leidensdruck vorhanden, im Gegenteil. Aufgewachsen in einem atheistischen Elternhaus war mein Leben bis zum vierzigsten Lebensjahr alles andere als leidvoll. Es war anfangs reine Neugierde, mich mit einem Thema zu befassen, welches bis dahin weitab des bisherigen Interesses war. Helmut Uhligs Buch "Buddha" war (nach langer Suche) mein Türöffner und bei der Lektüre wurde mir unmittelbar klar, daß nur der Theravada für mich in Frage kommt. Nach Herrn Uhligs Hinweis auf das Buddhistische Seminar war mir, als sei ich endlich am Ziel meiner Suche angekommen, was sich bis heute nicht geändert hat. Daß "nach Haus kommen" und "zu Hause sein" zwei verschieden Seiten der Medaille sind, wurde mir freilich erst im Nachhinein bewußt. Die Frage Karma - ja oder nein - ist für mich jedenfalls schon lange keine Frage, über die es sich lohnt zu streiten, jeder, der es will, kann es unmittelbar beobachten und erfahren.

Ein Grund für meine Wahrheitssuche war die Leiderfahrung, aber viele Menschen erfahren noch mehr Leid und suchen trotzdem nie nach der Wahrheit. Gerade in der Generation meiner Eltern habe ich es gesehen, kaum war der schreckliche Krieg vorbei, wollten die Meisten alles vergessen und nur mehr weltliches Glück und Wohlstand erreichen. Manchen erscheint das sinnlos, denn alle möglichen Leiden können jederzeit eintreten und am Ende steht der Tod. So versuchen sie entweder möglichst viel Genuss aus dem Leben herauszuholen, so lange es eben geht, oder fühlen sich zu höheren Lehren hingezogen. Das kann eigentlich nur an der Veranlagung liegen, als etwas, das man in dieses Leben mitgebracht hat. Es kommen ja nicht alle mit den gleichen Fähigkeiten auf die Welt. Zufall ist keine ausreichende Erklärung, alles geschieht nach Gesetzmäßigkeiten: "Erben ihrer Taten sind die Wesen".
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Zufall ist keine ausreichende Erklärung, alles geschieht nach Gesetzmäßigkeiten: "Erben ihrer Taten sind die Wesen".
Na ja, ich war jahrelang in der Schule malträtiert und wurde dort jeden Tag schikaniert und körperlich geschlagen. In meiner Kindheit wurde ich sehr wahrscheinlich sexuell missbraucht. Dann kam mein Medizinstudium, in dem ich direkt mit dem Tod konfrontiert wurde. Das war mein Weg zum Buddhismus. Ich frage mich immer: Ist das die Strafe für meine Taten in früheren Leben? Das würde auch bedeuten, dass alles vorbestimmt ist. Wenn ich also eine unheilbare Krankheit bekäme, müsste ich glauben, dass sie aus einem früheren Leben stammt? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Volker Zotz schreibt, dass es kein Karma ist," wenn Sie zum Beispiel im Wald spazieren gehen, zufällig auf eine giftige Kakerlake treten und daran sterben."( Zitat) Hm?
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Das Ende des Willens ist sehr schwer zu verwirklichen, also zu realisieren. Das sagte Ajahn Chah – er hatte bestimmt Arthur Schopenhauer nicht gelesen.

Ich erinnere mich, dass er seine Schüler immer fragte: Du solltest dein Leiden akzeptieren, nur dann kannst du es loslassen. Sieh deinem eigenen Leiden direkt ins Gesicht, fliehe nicht.

Das hat mich so verdammt beeindruckt. Denn wer würde das schon tun? Ich würde deinen Text sehr aufmerksam lesen, @mukti .

Du liest ja Texte von Ajahn Chah sehr aufmerksam, die sind viel besser als meine. Ich verstehe das so:
Vor den Leiden kann man gar nicht fliehen, sie werden einen immer wieder einholen. Man kann aber den Willen anstrengen um zu erkennen, dass sie aufgrund der Verblendung von "Ich und Mein" entstehen. Wenn das ganz erkannt ist, fällt auch dieser Wille weg, es gibt dann ja nichts mehr zu erreichen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Man kann aber den Willen anstrengen um zu erkennen, dass sie aufgrund der Verblendung von "Ich und Mein" entstehen. Wenn das ganz erkannt ist, fällt auch dieser Wille weg, es gibt dann ja nichts mehr zu erreichen.
Wahrscheinlich meinen wir dasselbe. Denn den Willen kann man als Begehren definieren – als Durst (Trishna, der innere Durst). Die Unwissenheit darüber, dass es eigentlich nicht mir gehört( Verblendung--"Ich und "Mein"), und die Lust nach sinnlicher Befriedigung bedingen einander wechselseitig, also reziprok.

Wenn ich die gesamte Struktur durchschaue, kann ich loslassen, denn Nichts! ist absolut sicher. Weiß ich nicht. Echt.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Na ja, ich war jahrelang in der Schule malträtiert und wurde dort jeden Tag schikaniert und körperlich geschlagen. In meiner Kindheit wurde ich sehr wahrscheinlich sexuell missbraucht. Dann kam mein Medizinstudium, in dem ich direkt mit dem Tod konfrontiert wurde. Das war mein Weg zum Buddhismus. Ich frage mich immer: Ist das die Strafe für meine Taten in früheren Leben? Das würde auch bedeuten, dass alles vorbestimmt ist. Wenn ich also eine unheilbare Krankheit bekäme, müsste ich glauben, dass sie aus einem früheren Leben stammt? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Volker Zotz schreibt, dass es kein Karma ist," wenn Sie zum Beispiel im Wald spazieren gehen, zufällig auf eine giftige Kakerlake treten und daran sterben."( Zitat) Hm?

Ich kann nicht glauben, dass irgendetwas zufällig geschieht und denke, dass es außer den physikalischen Naturgesetzen auch geistige Naturgesetze gibt, die sich nur mit dem Geistsinn erkennen lassen. Bezüglich des Karmagesetzes hat diese Annahme auch den Vorteil, dass ich nicht anderen die Schuld an meinen Leiden geben muss. Wenn ich es so sehe, dass ich Leiden die von anderen Lebewesen kommen selber verursacht, sozusagen verdient habe, kommt kein Hass auf, kein Streit und Kampf, keine Rachegefühle. Vielmehr werde ich versuchen, selber keine bösen Taten mehr zu begehen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Bezüglich des Karmagesetzes hat diese Annahme auch den Vorteil, dass ich nicht anderen die Schuld an meinen Leiden geben muss. Wenn ich es so sehe, dass ich Leiden die von anderen Lebewesen kommen selber verursacht, sozusagen verdient habe, kommt kein Hass auf, kein Streit und Kampf, keine Rachegefühle. Vielmehr werde ich versuchen, selber keine bösen Taten mehr zu begehen.
Dem allen kann ich zustimmen, aber es würde trotzdem nicht bedeuten, dass absolut alles (ALLES!) vorbestimmt ist.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Es gibt gar kein Phänomen, dass vorbestimmt ist, weil alle Phänomene ausschließlich in Abhängigkeit bestehen. Wenn ein Phänomen vorbestimmt ist, das ist es unabhängig und könnte somit nichts bewirken, aber es wäre auch nicht beeinflussbar durch irgendetwas.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Dem allen kann ich zustimmen, aber es würde trotzdem nicht bedeuten, dass absolut alles (ALLES!) vorbestimmt ist.
Nicht vorherbestimmt, ich selber bestimme mein Schicksal. Wenn ich wegen einer vergangenen schlechten Handlung schweres Leid erfahren müsste, kann ich es durch gutes Handeln wesentlich verringern. So wie der Buddha zu Angulimala gesagt hat, dass er Beschimpfungen und Schläge dulden soll, weil er viel mehr wegen der Morde die er begangen hat, hätte leiden müssen. Weil er aber Bikkhu geworden ist, sind die Auswirkungen dieser Taten nur mehr sehr gering. In einer anderen Lehrrede, ich weiß jetzt nicht welche, vergleicht das der Buddha mit Gift, das mit Wasser verdünnt ist und deshalb nicht mehr viel Schaden anrichten kann. Das Gift sind die schlechten, das Wasser die guten Handlungen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Nicht vorherbestimmt, ich selber bestimme mein Schicksal.
Ha, dann sind wir uns einig. Ich hatte doch früher geschrieben: Ich gestalte selbst meinen "Schaff-Sal", aber nicht mein Schicksal.
Wenn ich dem Pfad folge.

Irgendwo steckt etwas dazu.

Aha:
Nein, o König. Nicht alle Schmerzen wurzeln im (früheren) Wirken (kamma). Aus acht Gründen nämlich mögen Schmerzen entstehen, und zufolge dieser haben viele Menschen Schmerzen zu leiden. Und welche sind diese acht? Einige Krankheiten, o König, entstehen zufolge der körperlichen Gase, einige zufolge der Galle, einige zufolge des Schleimes, einige zufolge der Zusammenwirkung der drei letzteren, einige zufolge des Temperaturwechsels, einige zufolge ungeregelter Lebensweise, einige zufolge von Verletzungen, einige als Ergebnis (früheren) Wirkens. Aus diesen acht Gründen, o König, haben so viele Menschen Schmerzen zu erleiden. Diejenigen Leute, die da sagen möchten, es sei (nur das frühere) Wirken, das die Wesen bedrückt, diese verwerfen die anderen sieben Gründe, und deren Aussage ist falsch."
Und weiter:

Die Schmerzen des Erhabenen, o König, die damals entstanden, als sein Fuß durch einen Felsensplitter verletzt wurde, sind weder durch körperliche Gase hervorgerufen, noch durch Galle oder Schleim, auch nicht durch das Zusammenwirken dieser drei, noch durch Temperaturwechsel oder ungeregelte Lebensweise, noch auch sind sie eine Wirkung früherer Werke. Bloß infolge einer Verletzung sind sie entstanden.
Und abschließend:

<Einige Schmerzen, Sīvaka, entstehen infolge der Galle, einige infolge des Schleimes, einige infolge der körperlichen Gase, einige infolge des Zusammenwirkens dieser drei, einige infolge des Temperaturwechsels, einige infolge ungeregelter Lebensweise, einige infolge von Verletzungen, einige infolge früherer Werke. Und man kann es selber erkennen, daß es so ist. Auch in der Welt ist es anerkannt, daß die Schmerzen auf solche Art entstehen. Wenn da nun Sīvaka, gewisse Asketen und Brahmanen behaupten und der Ansicht sind, daß die sämtlichen Gefühle, die ein Mensch empfindet - angenehme, unangenehme oder indifferente durch früheres Wirken bedingt seien (dies ist eine der Lehren der Jainas), so gehen eben diese über die Erfahrung hinaus, und über das in der Welt als wahr Anerkannte setzen sie sich hinweg. Darum, sage ich, sind jene im Unrecht.>
Mil. 4.1.15. Krankheitsursachen - 4.1.8. Akusalacchedanapañho

Der "Kompromiss" liegt in der goldenen Mitte:

7. ,Alles Ist', das, Kaccāyana, ist das eine Ende. ,Alles ist nicht, das ist das andere Ende. Diese beiden Enden vermeidend, verkündet in der Mitte der Tathāgata seine Lehre:





8. Aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein usw. usw. Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der Gestaltungen; aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins usw., usw. Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zustande."

S.12.15. Der Sproß aus dem Hause Kaccāyana - 5. Kaccānagotta Sutta
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
ür jeden, der das Thema Karma auch nur halbwegs verstanden hat, dürfte das vollkommen klar sein, würde ich meinen.
So noch dazu.


Wie ich schon erwähnt habe, ich habe alle Bücher des buddhistischen Seminars und lese dort sehr viel – mehr als genug, um zu verstehen, dass alles, was mit uns geschieht, das Ergebnis von früheren Leben ist. Punkt. Aber diese Aussage würde dem mittleren Weg von Buddha im Pali -Kanon widersprechen. Oder anders ausgedrückt: Sie würde dem Prinzip der bedingten Entstehung widersprechen, wie auch @Helmut es anders formuliert hat. Dazu gibt es noch A.III.62.


Also bitte, Karma nicht als etwas "Absolutes" und" Fatales "verstehen, das alles in unserem Leben bestimmt, und nicht alles als Schicksal betrachten – und genau das tut das buddhistische Seminar. Ich persönlich würde niemals zustimmen. Das wäre reiner Idealismus, wie alles nur im eigenen Bewusstsein zu sehen. Es passt sehr gut zur "Nur-Geist"-Schule des tibetischen Buddhismus.


So war eine schöne Frau, die Paul Debes als Lehrer hatte. Sie war fest davon überzeugt, dass alles nicht real ist. Man kann es bei Bhikkhu Ñāṇavīra Thera nachlesen, was mit ihr passiert ist. Die Arme...


Nimm es bitte nicht persönlich, @Hajo . Danke und liebe Grüße.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Nein, o König. Nicht alle Schmerzen wurzeln im (früheren) Wirken (kamma). Aus acht Gründen nämlich mögen Schmerzen entstehen, und zufolge dieser haben viele Menschen Schmerzen zu leiden. Und welche sind diese acht? Einige Krankheiten, o König, entstehen zufolge der körperlichen Gase, einige zufolge der Galle, einige zufolge des Schleimes, einige zufolge der Zusammenwirkung der drei letzteren, einige zufolge des Temperaturwechsels, einige zufolge ungeregelter Lebensweise, einige zufolge von Verletzungen, einige als Ergebnis (früheren) Wirkens. Aus diesen acht Gründen, o König, haben so viele Menschen Schmerzen zu erleiden. Diejenigen Leute, die da sagen möchten, es sei (nur das frühere) Wirken, das die Wesen bedrückt, diese verwerfen die anderen sieben Gründe, und deren Aussage ist falsch."

Da muss ich zugeben, dass ich nicht recht verstehe was eine Auswirkung von Kamma ist und was nicht. So nehme ich es jedenfalls an:
Eine Tat (kamma), ihr Mönche, die aus Gier getan wurde, aus Gier entsprungen, durch Gier bedingt, durch Gier entstanden ist - solche Tat wird dort zur Reife gelangen, wo immer die betreffende Person wiedergeboren wird; und wo immer jene Tat zur Reife gelangt, dort eben wird einem die Frucht jener Tat zuteil, sei es in diesem, sei es im nächsten oder in einem späteren Leben. A.III.34
Ebenso ist es mit Taten, die aus Hass oder Verblendung getan wurden. Oder hier:

Was aber ist die Verschiedenartigkeit des Wirkens?
  • Es gibt ein Wirken, das in der Hölle reift;
  • es gibt ein Wirken, das im Tierschoße reift;
  • es gibt ein Wirken, das im Gespensterreiche reift;
  • es gibt ein Wirken, das in der Menschenwelt reift;
  • es gibt ein Wirken, das in der Götterwelt reift.
Das, ihr Mönche, nennt man die Verschiedenartigkeit des Wirkens.
Was aber ist das Ergebnis des Wirkens? Dreierlei, sage ich, ihr Mönche, ist das Ergebnis des Wirkens: Es hat ein Ergebnis entweder in diesem Leben, oder im nächsten oder in einem späteren.
A.VI.63
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Da muss ich zugeben, dass ich nicht recht verstehe was eine Auswirkung von Karma ist und was nicht. So nehme ich es jedenfalls an:

Das ist schwer zu sagen. Es könnte auch rein erzieherische Ziele verfolgen. Im anderen Faden über den Willen und die Frage, ob alles vorbestimmt ist oder nicht, gibt es einen sehr guten Artikel dazu.


Für mich ist es klar: Wenn ich jemanden verletze oder ihm Schmerzen bereite, werde ich es bestimmt zurückbekommen. Wie man sät, so wird man ernten. Es gibt auch das Sprichwort: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

Dieser Gedanke ist in praktisch allen Religionen präsent – und so auch in der Bibel, mehr als genug:

„Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“


Aber was macht den Buddhismus so einzigartig und besonders? Also unikal? Anatta ..oder?
Die bedingte Entstehung, Dukkha, die vier edlen Wahrheiten und die drei Daseinsmerkmale – all das ist so offensichtlich und kommt ganz ohne Metaphysik aus. Die moderne Wissenschaft hat Anatta rein praktisch nachgewiesen.


Doch was nach dem Tod geschieht, bleibt reine Spekulation. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht existiert – ebenso wie Phänomene wie Poltergeister oder Medien, die mit Verstorbenen kommunizieren. All das kann man in buddhistischen Seminar mehr als genug finden.


Für den Buddha – zumindest so, wie es im Pali-Kanon überliefert ist und wie ich es bisher verstanden habe – war es absolut egal, das Wesen der Realität zu bestimmen oder zu beschreiben. Sein Ziel war es, Dukkha als "Leiden" zu erkennen und zu beenden. Die späteren Schulen haben viele Theorien dazu entwickelt, doch ich frage mich immer: Ist das für den Weg wirklich förderlich?


Meine eigene Meinung: Nein, eher nicht. Aber es ist nur echt meine eigene Meinung. Mehr nicht.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
... zur "Nur-Geist"-Schule des tibetischen Buddhismus.
Von der Nur-Geist-Schule des tibetischen Buddhismus hast du ja schon mehrmals in verschiedenen Posts gesprochen. Nur, es gibt keine Nur-Geist-Schule des tibetischen Buddhismus.

Die Nur-Geist-Schule (Cittamatra / Yogacarin) ist eine Mahayanatradition des indischen Buddhismus. Traditionell gilt der indische Gelehrte Asanga als Begründer dieser Tradition.

Genauso wie mit dem Madhyamaka setzt sich der tibetische Buddhismus auch mit Cittamatra auseinander und stützt dich dabei auf die indischen Meister Buddhapalita, Candrakirti und Shantideva. Aber dadurch wird das indische Cittamatra nicht zu einer Schule des tibetischen Buddhismus.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Die Nur-Geist-Schule (Cittamatra / Yogacarin) ist eine Mahayanatradition des indischen Buddhismus.
Korrekt, so habe ich es gemeint, danke.


Die an die Nur-Geist-Schule anknüpfenden Theorien deuteten „Leerheit“ als geistigen Urgrund (alaya-vijnana). In der tibetischen Tradition unterscheidet man zudem zwischen einer Leerheit in sich selbst (rangton) und einer Leerheit bloß an äußeren Phänomenen (shängton) …
Hier
 
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Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Da muss ich zugeben, dass ich nicht recht verstehe was eine Auswirkung von Kamma ist und was nicht. So nehme ich es jedenfalls an:
@mukti

Was ich sagen wollte – ansonsten könnte man mich missverstehen – ist, dass ich nicht abstreite, dass all diese Bereiche des Daseins existieren. Sie existieren in unserem inneren geistigen Kosmos. Wenn sich der Mensch innerlich mit den Khandha identifiziert, also mit dem inneren Wollen, das durch Unwissenheit genährt wird, dann setzt sich der Prozess des Bhava, also des Werdens, fort. Dazu gehört auch die Wiedergeburt.


Allerdings verläuft dieser Prozess nicht linear – alles geschieht sozusagen immer im Jetzt, denn Zeit ist nicht mehr als ein Konstrukt. Man kann Modelle wie das holografische Universum oder Indras Netz verwenden, um dieses Prinzip zu verstehen.


Es ist klar, dass der Buddha all das mit seinem inneren Auge gesehen hat, doch die rein verbale Vermittlung reicht hier nicht aus. Es handelt sich sozusagen um eine andere Dimension, die nicht absolut mit unserer gewöhnlichen Art der Wahrnehmung erfasst werden kann. Vielmehr geht es um das Ende der Wahrnehmung.

Ein kleines Zitat zum Abschluss:

Im Bardo Thödol (das sogenannte Tibetanische
Totenbuch in der Urversion von Padma Sambhava,
ca. 749 n.Chr.) heißt es:
Nun stehst du vor dem Todesgott! Umsonst versuchst du deine
bösen Taten zu leugnen. Im Spiegel des obersten Richters erscheinen
die Gestalten deiner Handlungen alle. Wisse, dass
die sämtlichen Gestalten, die du in dem postmortalen Zustand,
genannt „Bardo“, betrachten kannst, unwirklich sind; von dir
selbst hervorgerufene Traumbilder sind, die du nun aussendest,
ohne sie als dein Werk zu erkennen, und die dich erschrecken.
Der Spiegel, in welchem der Totenrichter zu lesen
scheint, ist dein Gedächtnis, das dich an die Kette deiner vergangenen
Taten erinnert, die er nach den Begriffen, die du dir
selbst gebildet hast, beurteilt; also gemäß deinen eigenen Ansichten
über Gut und Böse. Du bist es, der dein Urteil ausspricht;
kein schrecklicher Gott treibt dich dazu. Denn wisse:
außerhalb deiner meta-psychischen Projektionen gibt es weder
Götter noch Dämonen noch den Richter des Todes – nicht
einmal das sogenannte „Bardo“. Begreife dies endlich und
werde frei.
Aus: Paul Debes, "Die Lehrreden des Buddha", Band 7, Seite 6224- https://www.buddhistisches-seminar.de/

@mukti Soweit ich das bislang sehe ist das Ich nicht wirklich sondern eine geistige Gestaltung die aufrecht erhalten wird durch Unwissenheit und Begehren, also auch nach dem Tode weiter existiert. Je nachdem mit welcher Daseinsform sich der Geist dann verbindet, gestaltet und entwickelt sich das Ich. Nur durch die Auflösung von Begehren und Unwissenheit löst sich die Ich-Gestaltung auf, andernfalls ist sie durchgehend immer in verschiedenen Formen vorhanden.

Klar ist, dass sich die Summe der Triebe so wie etwas wie der geistige Abdruck weiterwandeln. Diese, sozusagen karmische, Energie sucht einen anderen Körper – das ist offensichtlich, um das Problem korrekt zu erfassen.


Doch ich spreche eigentlich immer von der Metaebene, und diese lässt sich durch Sprache als Mittel nicht adäquat wiedergeben.


Zudem brauche ich das Ganze nicht für meinen Alltag, also praktisch gesehen. Dharma zu praktizieren bedeutet immer, es im Jetzt zu verwirklichen – Schritt für Schritt.
 
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