Aus meinem Post in Beitrag #130 zitiert
@Igor07 in Beitrag #131 unvollständig: "... die unbegrifflich, neu und unwiderlegbar ist" und fragt dann "Warum aber ist sie unwiderlegbar? Denn die Wahrnehmung durch die Sinne kann uns doch auch täuschen, oder?"
Mein Satz, aus dem
@Igor07 zitiert, lautet vollständig: " Eine gültige Erkenntnis zum Beispiel in Form einer unmittelbaren Sinneswahrnehmung ist eine Erkenntnis, die unbegrifflich, neu und unwiderlegbar ist."
Eine gültige Erkenntnis - egal ob es eine unmittelbare Sinneswahrnehmung oder eine Schlussfolgerung ist - ist dadurch definiert, dass sie unwiderlegbar ist. Eine gültige Erkenntnis in Form einer unmittelbaren Wahrnehmung ist zudem unbegrifflich, während die Schlussfolgerung im Gegensatz dazu begrifflich ist.
Eine gültige Erkenntnis in Form einer unmittelbaren Sinneswahrnehmung entsteht, wenn die Vase, die auf dem Tisch steht, auch als Vase wahrgenommen wird. Wenn das Objekt auf dem Tisch eine Vase ist und sie auch korrekt als Vase wahrgenommen wurde, kann diese Wahrnehmung nicht widerlegt werden. Deshalb ist sie eine gültige Erkenntnis.
Die gültige Wahrung der Vase ist allerdings mit einem bestimmten Makel verbunden, nämlich dass sie als mit Eigenwesen versehen erfasst wird. Dieses Eigenwesen besitzt die Vase nicht, aber dieser Makel führt in der Wahrnehmung ja nicht dazu, dass die Vase nicht mehr als Vase wahrgenommen wird.
So lange man noch kein
Arhat ist, ist die Wahrnehmung der Phänomene immer mit diesem Makel versehen. Für diejenigen, die noch nicht die Stufen der Heiligkeit erreicht haben, ist es oft schwer diese beiden Aspekte, die gültige Erkenntnis und der Makel des Eigenwesens, zu trennen. Mittels schlussfolgernder Erkenntnis können sie aber immer besser begrifflich verstehen, dass die Phänomene kein Eigenwesen haben.
Selbst auf den Stufen der Heiligkeit ist dieser Makel noch vorhanden, weil noch nicht alle Leidenschaften restlos überwunden sind. Die Ariyas haben aufgrund ihrer unmittelbaren Einsicht in die Selbstlosigkeit allerdings erkannt, dass es diesen Makel des Eigenwesens nicht gibt. Er erscheint ihnen aber in ihrer Wahrnehmung immer noch, aber sie glauben nicht mehr daran, dass die Phänomene ein Eigenwesen besitzen.
Erst der Arhat hat diesen Makel vollständig überwunden.
@Igor07 : "Denn die Wahrnehmung durch die Sinne kann uns doch auch täuschen, oder?" Natürlich gibt es viele Arten getäuschter Wahrnehmungen. Aber nicht alle Wahrnehmungen sind Täuschungen. Am Ende meines Beitrags (Beitrag#130) ging es aber nur um die gültigen Erkenntnisse in Form einer unmittelbaren Wahrnehmung. Die Formen getäuschten Gewahrseins wären ein anderes Thema.