• Wichtige Änderungen an der Datenschutzerklärung. Mit der fortgesetzten Nutzung des Forums bestätigst Du die neuen Datenschutzrichtlinien. Bisher waren eingeschränkt Einbettungen in Posts möglich, teilweise wenn man zuvor explizit in den Einstellungen zugestimmt hat. Mit jeder Änderung der Soziale-Medien-Landschaft wird es schwieriger, alles mit eigenen Codes up-to-date zu halten und zusätzliche Dienste zu aktivieren. Ich habe daher standardmäßig über s9e eine Reihe an Diensten aktiviert - s9e aktualisiert die Codes, wenn sich etwas an den Diensten ändert. Folgende Drittanbieter sind nun also aktiv: s9e.github.io (Github), Youtube, Vimeo, Bluesky, Mastodon, Threads und Facebook. Details in der Datenschutzerklärung. (Dieser Hinweis kann über das X oben rechts ausgeblendet werden)
traditionsübergreifend
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wenn der gewöhnliche Weltmensch Befriedung in sinnlichen Dingen sucht und deshalb das endlose Elend, das diese sinnlichen Befriedigungen darstellen, nicht imstande ist zu durchschauen, wie ist es ihn dann möglich, das Elend als Elend zu durchschauen?
Ja, aber es kommt extrem selten vor. Ich zitiere besser, um es zu verdeutlichen:

4. Wenn er häufig die Abwendung vollzieht bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Gestaltungen und beim Bewußtsein; und wenn er deren Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Ichlosigkeit betrachtet, dann durchschaut er die Körperlichkeit, durchschaut er das Gefühl, durchschaut er die Wahrnehmung, durchschaut er die Gestaltungen, durchschaut er das Bewußtsein.


5. Diese durchschauend, wird er befreit von der Körperlichkeit, befreit vom Gefühl, befreit von der Wahrnehmung, befreit von den Gestaltungen, befreit vom Bewußtsein, wird er befreit von Geburt, Altern und Sterben, von Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er befreit vom Leiden, so künde ich."
S.22.39.-42.

Das Schlüsselwort hier ist ‚Abwendung‘ – also die Abkehr vom gewöhnlichen, alltäglichen Leben, in normaler Sprache ausgedrückt.

Das bedeutet, unmittelbar zu erkennen, dass alle bedingten Phänomene vergänglich, leidvoll und ohne Selbst sind. Intellektuell ist das nicht schwer zu verstehen, aber enorm schwer direkt zu erfahren.

Was ist dir hier nicht klar, @Helmut ?

  1. Als vergänglich betrachtet er es, nicht als etwas Beständiges.
  2. Als elend betrachtet er es, nicht als Glück.
  3. Als unpersönlich betrachtet er es, nicht als etwas Persönliches.
  4. Er wendet sich davon ab, findet keine Lust mehr daran.
  5. Er löst sich davon los, giert nicht mehr danach.
  6. Er bringt es zum Erlöschen, läßt es nicht mehr entstehen.
  7. Er läßt es fahren, hält nicht mehr daran fest.




  • Es aber als vergänglich betrachtend, überwindet er die Vorstellung der Beständigkeit.
  • Es als elend betrachtend, überwindet er die Vorstellung des Glücks.
  • Es als unpersönlich betrachtend, überwindet er die Vorstellung der Persönlichkeit.
  • Sich davon abwendend, überwindet er die Lust.
  • Sich davon loslösend, überwindet er die Gier.
  • Es zum Erlöschen bringend, überwindet er die Entstehung.
  • Es fahren lassend, überwindet er das Festhalten.
Vis. XXI. 2. Die in Betrachtung der Auflösung bestehende Erkenntnis (bhangānupassanā-ñāna)


Das sieht für den Weltmenschen wie ein 'Abgrund' aus, und darüber habe ich auch früher geschrieben, oder?

Wir als Hausleute, o ehrwürdiger Ānanda, genießen die Sinnendinge, finden an den Sinnendingen Freude, Gefallen und Entzücken. Uns Hausleuten aber, o Ehrwürdiger, die wir die Sinnendinge genießen, an den Sinnendingen Freude, Gefallen und Entzücken finden, uns dünkt die Entsagung gleichsam ein Abgrund.
A.IX.41 Der Abgrund der Entsagung - 10. Tapussa Sutta

So auch übersetzt Mettiko Bhikkhu MN 118 mit dem Wort „Ent-reiz-ung“. Wenn die Dinge für uns ihren gewöhnlichen Reiz verlieren, gleichsam entblößt werden, bleibt nichts anderes übrig als die Abwendung.

Ich wünsche dir alles Gute in Metta , @Helmut .


P.S. Ich habe bei Volker Zotz gelesen, dass der Prinz Siddhartha in einer Nacht in allen schönen Frauen nur die Eingeweide, Kot, Urin usw. sah und darüber verzweifelt war.


Wer die Welt genauso sieht, hat eine Chance – wer es nicht so sieht, für den geht es um nur "Wellness-Buddhismus ".

Ob das gut oder schlecht ist, entscheidet jeder selbst. Punkt.

Das Glück, das wir in Samsara

Es gibt kein Glück im Samsara, nur das „Pissige“. Bitte schön! Kein Problem. Viel Glück damit!
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Was hier noch nicht erklärt worden ist, ist doch, wie kommt der Weltmensch dazu, das Elend als Elend zu erkennen, um sich dann der Abwendung zuzuwenden, nachdem er sich über lange Zeit an sinnlichen Befriedigungen erfreut hat. Er muss ja zu einer völlig gegenteiligen Sicht kommen, bevor er sich in der Abwendung schulen kann. Diese gegenteilige Sicht, die es ihm ermöglicht, die Abwendung zu üben, fällt ja nicht vom Himmel, sondern ist durch Ursachen und Bedingungen entstanden, die hier aber noch nicht genannt wurden. Auch nicht in den Zitaten.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Bisher hab’ ich nur wenige „Weltmenschen“ (eine echte Beleidigung) erlebt, die bei der Ignoranz ihrer Gewissensbisse und Schuldgefühle geblieben sind. Die nicht dazu gekommen sind, sich den Tugenden zu näher und wenigstens einige umzusetzen, um ihren Leidensdruck zu vermindern. Ich weiß, Buddhismus ist größtenteils esoterisch und geheimnisvoll verschleiert, aber auch Buddhisten kommen meistens darauf, der Lehre des Buddhas zu folgen und nicht mehr den Dogmen des Buddhismus oder anderen Religionen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Was hier noch nicht erklärt worden ist, ist doch, wie kommt der Weltmensch dazu, das Elend als Elend zu erkennen,
Durch den klaren Blick – wie sonst? (Vipassana ). Ein-sicht usw.

"Inwiefern aber gilt das in Betrachtung der Auflösung bestehende Wissen beim Nachdenken über die Objekte als Hellblick-Erkenntnis?"
Sieh dir die Quelle doch aufmerksam an. Ich entschuldige mich – dort steht mehr als genug.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Was hier noch nicht erklärt worden ist, ist doch, wie kommt der Weltmensch dazu, das Elend als Elend zu erkennen,
Durch den klaren Blick – wie sonst? (Vipassana). Ein-sicht usw.
Den klaren Blick hat der Weltmensch aber noch nicht so lange er das Elend nicht als Elend erkennt. Was veranlasst ihn, den klaren Blick zu entwickeln? Dieser ist ja nicht plötzlich einfach so da.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Es gibt kein Glück im Samsara, nur das „Pissige“. Bitte schön! Kein Problem. Viel Glück damit!
Wenn es kein Glück in Samsara gibt, dann kann es auch kein pissiges Glück in Samsara geben. Gibt es pissiges Glück in Samsara, dann gibt es auch Glück in Samsara.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Den klaren Blick hat der Weltmensch aber noch nicht so lange er das Elend nicht als Elend erkennt. Was veranlasst ihn, den klaren Blick zu entwickeln? Dieser ist ja nicht plötzlich einfach so da.
Richtig, aber es gibt bestimmte Veranlagungen („Spuren“, Eindrücke") im Geisteskontinuum, so zur Frage nach Ursachen und Bedingungen . Deshalb praktiziere ich oder sehe alles anders – es fällt nicht vom Himmel. Aber bedingt entstanden.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wenn es kein Glück in Samsara gibt, dann kann es auch kein pissiges Glück in Samsara geben. Gibt es pissiges Glück in Samsara, dann gibt es auch Glück in Samsara.
Wie du willst, es ist doch alles nicht mehr als das subtile Leiden, mehr nicht. Deshalb hat der Autor es so übersetzt. Unedles, grobes Glück, das nur zu Enttäuschung und Leiden führt. Was hier so schwer zu verstehen ist, ist mir echt ein Rätsel. Na ja.. LG.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Was hier noch nicht erklärt worden ist, ist doch, wie kommt der Weltmensch dazu, das Elend als Elend zu erkennen, um sich dann der Abwendung zuzuwenden, nachdem er sich über lange Zeit an sinnlichen Befriedigungen erfreut hat. Er muss ja zu einer völlig gegenteiligen Sicht kommen, bevor er sich in der Abwendung schulen kann. Diese gegenteilige Sicht, die es ihm ermöglicht, die Abwendung zu üben, fällt ja nicht vom Himmel, sondern ist durch Ursachen und Bedingungen entstanden, die hier aber noch nicht genannt wurden. Auch nicht in den Zitaten.
Wenn der Weltmensch mit der rechten Lehre in Kontakt kommt und die Fähigkeit hat sie zu verstehen, kann er zu dieser Sicht kommen.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Man ist also auf einen äußeren Lehrer und seine Lehre als auch auf innere Veranlagungen, die irgendwann mal im eigenen Geisteskontinuum durch heilsame Handlungen angesammelt wurden, angewiesen, um den Klarblick zu erlangen. Fehlt eines von beiden, dann klappt es nicht mit der Entwicklung des Klarblicks.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wobei die Lehre und das Verstehen erst die richtige Sichtweise ermöglicht, dann braucht es noch die Fähigkeit zur praktischen Umsetzung, die Schulung zur Erlangung des Klarblicks.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Man ist also auf einen äußeren Lehrer und seine Lehre als auch auf innere Veranlagungen, die irgendwann mal im eigenen Geisteskontinuum durch heilsame Handlungen angesammelt wurden, angewiesen, um den Klarblick zu erlangen. Fehlt eines von beiden, dann klappt es nicht mit der Entwicklung des Klarblicks.
Na ja, aber so wie der „äußere“ Lehrer, so auch die „inneren Veranlagungen“ sind karmisch bedingt. Das akzeptieren praktisch alle Richtungen, oder? Ohne die abhängige Entstehung zu verstehen und ohne Metaphysik über das Wesen der Realität zu betreiben, ich entschuldige mich, es geht nicht weiter.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Karma, Zufall oder die Willkür eines Gottes, Karma macht da wohl am meisten Sinn.
Ja, so fällt mir dazu ein:

---
8. "Warum habe ich jenes unverkündet gelassen? Weil es nicht förderlich ist, weil es nicht zu den Grundlagen des heiligen Lebens gehört, weil es nicht zur Ernüchterung, zur Lossagung, zum Aufhören, zum Frieden, zur höheren Geisteskraft, zur Erleuchtung , zu Nibbāna führt. Deswegen ist es von mir nicht verkündet worden."


9. "Und was ist von mir verkündet worden? 'Dies ist Dukkha ' ist von mir verkündet worden. 'Dies ist der Ursprung von Dukkha' ist von mir verkündet worden. 'Dies ist das Aufhören Dukkha' ist von mir verkündet worden. 'Dies ist der Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt' ist von mir verkündet worden."


10. Warum ist jenes von mir verkündet worden? Weil es förderlich ist, weil es zu den Grundlagen des heiligen Lebens gehört, weil es zur Ernüchterung, zur Lossagung, zum Aufhören, zum Frieden, zur höheren Geisteskraft, zur Erleuchtung, zu Nibbāna führt. Deswegen ist es von mir verkündet worden."


"Daher, Māluṅkyāputta, nimm das, was ich unverkündet gelassen habe, als unverkündet hin, und nimm das, was ich verkündet habe, als verkündet hin."
Die kürzere Lehrrede an Māluṅkyāputta - Cūḷamāluṅkya Sutta

Karma macht Sinn, im Sinne dessen, dass ich es in jedem Augenblick selbst gestalte, durch Cetanā. Ich kann mein 'Schaff-Sal" bestimmen, aber ich bin kein Opfer des Schick-sals. In diese Richtung bedeutet es, immer rund um die Uhr geistiges Training zu betreiben, im Sinne von Bhāvanā.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Man ist also auf einen äußeren Lehrer und seine Lehre als auch auf innere Veranlagungen, die irgendwann mal im eigenen Geisteskontinuum durch heilsame Handlungen angesammelt wurden, angewiesen, um den Klarblick zu erlangen. Fehlt eines von beiden, dann klappt es nicht mit der Entwicklung des Klarblicks.
Ein äußerer Lehrer ist erst dann vonnöten, um damit klarzukommen, wie man zukünftige Gewissensbisse und Schuldgefühle vermeiden kann. Die Mitmenschen sind die Lehrer und die zeigen hoffentlich auf die Lehre Buddha. Komm her und sieh selbst.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Den klaren Blick hat der Weltmensch aber noch nicht so lange er das Elend nicht als Elend erkennt. Was veranlasst ihn, den klaren Blick zu entwickeln? Dieser ist ja nicht plötzlich einfach so da.
Ha, nochmal: Das sollte klar werden – das Leiden, nichts anderes. Das ist der Grund der "Veranlassung". Man kann es anders ausdrücken: der unersättliche Durst, der niemals gestillt werden kann, hält das dukkha aufrecht oder nährt es ständig.

Das Glück klingt in diesem Zusammenhang eher irreführend, wenn alle bedingten Phänomene leidhaft sind, usw.

Ach, noch ein Gedanke: Der Mensch kann nicht nicht wollen, doch das Wollen – eher der Wille – entsteht durch die innere Identifikation mit den Khandha. Genau deshalb geht es um das existenzielle Problem – den inneren Abgrund, der mich schon an F. Nietzsche erinnert. Diese gähnende Schlucht, so wie innere "Leere" kann nur vorübergehend durch das Wollen (also das Begehren) ausgefüllt werden, doch der Mangel bleibt bestehen.--noch mehr Leid. Es gibt viele Gründe, dem Pfad zu folgen. Warum ist es nicht selbstverständlich? Hm?
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Den klaren Blick hat der Weltmensch aber noch nicht so lange er das Elend nicht als Elend erkennt. Was veranlasst ihn, den klaren Blick zu entwickeln? Dieser ist ja nicht plötzlich einfach so da.
Ha, nochmal: Das sollte klar werden – das Leiden, nichts anderes. Das ist der Grund der "Veranlassung".

Wenn nur das Leiden der Anlass wäre und nichts anderes, wäre jeder Weltmensch dazu veranlasst, den klaren Blick zu entwickeln. Weil sich aber die Allermeisten nicht darum kümmern, muss es noch einen anderen Anlass geben.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
muss es noch einen anderen Anlass geben.
Und welchen? Was ist deine Meinung?

Warum das bei manchen so ist und bei anderen nicht, lässt sich vorerst nicht erkennen, ich nehme an, dass die Ursache für diese Veranlagung in vorigen Leben liegt

Das kann sein, aber es ist nicht direkt erfahrbar, also sollte man daran glauben. Das würde nicht bedeuten, dass man diese Ursache ignorieren oder abstreiten kann. Ich bitte nur darum, mich korrekt zu verstehen.


Ich kann die ganze Angelegenheit weiter ausführen: Viele existenzielle Philosophen wie A. Camus, Sartre oder M. Heidegger haben das Problem genauso erfasst wie der frühe Buddhismus.

Allerdings sind sie, sozusagen, nicht bis zum Ende gegangen, sondern auf der rein intellektuellen Ebene steckengeblieben. Bhikkhu Anālayo vergleicht die Erfahrung von Nibbāna mit dem Verlust der Identität – in modernen Begriffen ausgedrückt.

Deshalb komme ich wieder zu meinem Grundgedanken in diesem Faden zurück: Dukkha hat nicht nur einen universellen Charakter, sondern entfaltet sich auf allen Ebenen des Erlebens. Doch der Beobachter als Subjekt kann sich selbst nicht sehen – so wie das Auge sich selbst nicht sehen kann.


Lange Rede, kurzer Sinn: Die unmittelbare Erfahrung( der Leerheit, eher die Allegorie hier)--und das ist doch eigentlich "der Klare Blick"-- zeigt, dass es kein „Ich“ gibt – und in erster Linie auch kein „Mich“. Mein Körper, meine Frau, meine Krankheit, mein Sterben und sogar mein Tod existieren in diesem Sinne nicht wirklich.


Ich kann das anschaulich mit einem Zitat aus dem Buch von Wettimuny verdeutlichen:

Im Upasena Sutta 92 wird der Fall geschildert, daß eine
Schlange auf den Körper des Arahats Upasena fiel. Upasena bat
dann seine Mitmönche seinen Körper auf eine Bahre zu legen
und ins Freie zum „Auseinanderfallen“93 zu tragen. Man sagte
ihm daraufhin, daß keine Verschlimmerung seines Zustandes erkennbar
sei, der solch eine Handlung nötig machen würde. Die
daraufolgende Reaktion des Arahats Upasena ist sehr aufschlußreich:
„„Freund S¤riputta, wer da denkt, „Ich bin das Auge“, oder
„das ist mein Auge“, „Ich bin die Zunge“, oder „das ist meine
Zunge“, „Ich bin der Geist“ oder „das ist mein Geist“ - an dem
mag sich ein Anderswerden des Körpers und eine Verschlimmerung
des Zustandes zeigen (viparin¤mo). Aber bei mir, Freund
S¤riputta gibt es solche Gedanken wie „Ich bin das Auge“, oder
„das ist mein Auge“, „Ich bin die Zunge“, oder „das ist meine
Zunge“, „Ich bin der Geist“, oder „das ist mein Geist“, nicht. Wie
sollte sich da bei mir, Freund S¤riputta, ein Anderswerden des
Körpers zeigen, oder eine Verschlimmerung des Zustandes?“
Daraufhin legten die bhikkhus den Körper des ehrwürdigen
Upasena auf eine Bahre und trugen ihn nach draußen. Dort ist
dann der Körper auseinander gefallen.“
Hier scheint mir, dass man das Wesen des Arhats sehr gut erkennen kann. Für ihn gibt es keinen Tod im herkömmlichen Sinne. Er ist in diesem Leben wahrhaftig todlos geworden.
So lese ich:

Der gewöhnliche Gebrauch der Wörter „Alter“ und „Tod“ beinhaltet
jedoch immer die bestimmte Bedeutung von „nicht-willkommen“ und
„Leiden“. Für den Arahat ist diese Bedeutung gänzlich und komplett
abwesend. Daher werden diese Veränderungen im Körper eines Arahat
nicht „Alter“ und das Ablegen des Lebens nicht „Tod“ genannt. Der
Arahat ist alters- und todlos.
S.35.69 Upaseno - 7. Upasenaāsīvisa Sutta
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wenn nur das Leiden der Anlass wäre und nichts anderes, wäre jeder Weltmensch dazu veranlasst, den klaren Blick zu entwickeln. Weil sich aber die Allermeisten nicht darum kümmern, muss es noch einen anderen Anlass geben.
Wenn ein Weltmensch im Sterben liegt, erkennt er den einen Anlass und kümmert sich um die Befreiung vom Leid. Er wird es kommunizieren können, wenn nur einer ihm vor dem Zerfallen zuhört, nur zuhört. Frieden kommt mit Sicherheit, dann werden Sekunden zu Jahren.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Und welchen? Was ist deine Meinung?
In einigen Menschen erwacht die Zuversicht, dass es eine Lösung gibt, eine befreiende Wahrheit die über die gewöhnliche Sinneswahrnehmung hinausgeht und so entwickelt sich ein Interesse an entsprechenden Lehren. So habe ich es selber erlebt und auch Menschen getroffen, bei denen das ebenso war.
Warum das bei manchen so ist und bei anderen nicht, lässt sich vorerst nicht erkennen, ich nehme an, dass die Ursache für diese Veranlagung in vorigen Leben liegt. Man ist wohl schon länger auf der Suche nach der Wahrheit.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wenn ein Weltmensch im Sterben liegt, erkennt er den einen Anlass und kümmert sich um die Befreiung vom Leid. Er wird es kommunizieren können, wenn nur einer ihm vor dem Zerfallen zuhört, nur zuhört. Frieden kommt mit Sicherheit, dann werden Sekunden zu Jahren.
Wer stirbt?❓
So Bhikkhu Anālayo:
Für den richtigen Umgang mit dem tatsächlichen Moment des Todes – dieser unvermeidlichen und doch herausforderndsten aller menschlichen Erfahrungen – bietet das Anāthapiṇḍikovādasutta und seine Saṃyukta-āgama-Parallele hilfreiche Anweisungen.


Der Hintergrund dieses Diskurses ist, dass der Hausvater Anāthapiṇḍika schwer krank ist und Sāriputta gebeten hat, ihn zu besuchen. Nachdem er festgestellt hat, dass der Hausherr kurz vor dem Tod steht, gibt Sāriputta ihm die folgenden Anweisungen:


Du solltest dich so üben:
„Ich hänge nicht am Auge und erzeuge keinen Bewusstseinszustand mit Begierde und Verlangen in Abhängigkeit vom Augenelement. Ich klammere mich nicht an das Ohr … die Nase … die Zunge … den Körper … den Geist und erzeuge keinen Bewusstseinszustand mit Lust und Verlangen in Abhängigkeit vom Geistelement.
Ich hänge nicht an Formen und erschaffe keinen Bewusstseinszustand mit Lust und Begierde in Abhängigkeit vom Formelement. Ich hänge nicht an Klängen … Gerüchen … Geschmäckern … Berührbarem … Geistesobjekten und erzeuge keinen Bewusstseinszustand mit Lust und Begierde in Abhängigkeit vom Geistobjektelement.
Ich hänge nicht an dem Element …“
Perspectives
on
Satipaṭṭhāna
Anālayo
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wenn ein Weltmensch im Sterben liegt, erkennt er den einen Anlass und kümmert sich um die Befreiung vom Leid. Er wird es kommunizieren können, wenn nur einer ihm vor dem Zerfallen zuhört, nur zuhört. Frieden kommt mit Sicherheit, dann werden Sekunden zu Jahren.

Naja, häufig kümmert er sich dann um die Befreiung von Leid durch medikamentöse Betäubung oder auch Sterbehilfe und wünscht sich nur einen schnellen und möglichst schmerzlosen Tod.
Ohne Vorbereitung während des Lebens wird man sich im Sterben wahrscheinlich nicht loslösen können, wie das auch in der Betrachtung über den Tod nahegelegt wird:

Da hat nun, ihr Mönche, der Mönch bei sich also zu überlegen: "Finden sich in mir wohl noch unüberwundene üble, unheilsame Eigenschaften, die mir, wenn ich in der heutigen Nacht - am heutigen Tage sterben sollte, zum Schaden gereichen könnten?" Wenn nun, ihr Mönche, der Mönch bei seiner Betrachtung merkt, daß in ihm noch unüberwundene üble, unheilsame Eigenschaften anzutreffen sind, die ihm, wenn er stürbe, zum Schaden gereichen könnten, so hat eben jener Mönch äußersten Willensentschluß, Tatkraft, Streben, Ausdauer, Standhaftigkeit, Achtsamkeit und Geistesklarheit zu zeigen, um diese üblen, unheilsamen Eigenschaften zu überwinden.
A.VIII.74

Die Betrachtung über den Tod (maranānussati)
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Warum das bei manchen so ist und bei anderen nicht, lässt sich vorerst nicht erkennen, ich nehme an, dass die Ursache für diese Veranlagung in vorigen Leben liegt. Man ist wohl schon länger auf der Suche nach der Wahrheit.
Ich habe dazu ein wenig gefunden:

SN 12.2: „Was aber, ihr Mönche, ist Unwissenheit? Die Unkenntnis vom Leiden, die Unkenntnis von der Entstehung des Leidens, die Unkenntnis von der Aufhebung des Leidens, die Unkenntnis von dem Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt: das wird Unwissenheit genannt.“
Das ist Bedingung Nr. 1, die eigentliche Bedingung oder Ursache für das Entstehen des Leidens. Diese eigentliche Ursache ist Unkenntnis des Leidens, d.h. die Unkenntnis des Dhamma . Durch Unwissenheit haben die Lebewesen eine falsche Ansicht über das Leben. Der größte Wunsch der gewöhnlichen Lebewesen ist es, am Leben zu bleiben, d.h. der Wille wieder und wieder zu leben. Dieser Wunsch wird durch einen zweiten Wunsch unterstützt, das Leben mit allen fünf sinne zu genießen, insbesondere Sex (sich fortpflanzen, Leben schenken).

Obwohl wir überall Unbeständigkeit und Veränderung wahrnehmen, so wollen wir doch nicht darüber nachdenken oder es akzeptieren, denn das ist unangenehm, bis wir der Tatsache eines Tages ins Gesicht schauen müssen, bis es uns eines Tages deutlich vor Augen geführt wird, d.h. der Tod eines uns nahestehenden Menschen. Das Anhaften führt zu zwei Arten von Reaktionen. Der Dumme wird jammern, betrübt sein, verzweifeln und vielleicht verrückt werden, und nichts weiter. Der Intelligente wird betrübt sein, aber danach wird er anfangen Fragen zu stellen und nach Antworten suchen. Diese spirituelle Suche wird ihn eins Tages zum Dhamma des Erwachten führen und seine Unwissenheit wird ausgelöscht sein.
von Ajahn Dhammavuddho Thera



Der Mensch will nicht dem Leiden ins Gesicht schauen, er will nicht akzeptieren, dass die einzige sichere Tatsache im Leben der Tod ist. Er entscheidet sich, weiter zu leiden, aber er sieht es selbst nicht. Anders betrachtet, bevorzugt er das „pissige“ Glück, immer weiter. Das ist verdammt schmerzhaft, das "nackte "Leben ALS! (Leiden) zu sehen, ohne jegliche tröstende Illusionen und ohne rosa Brillen. Das tut weh und verstärkt das Gefühl der scheinbaren Identität. So läuft Samsara brav weiter. Tja, nichts zu machen, oder? Das war ein Scherz?
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Die Wege wie man zum Dhamma kommt sind sicherlich vielfältig. Was Dhammavuddho Thera beschreibt ist eine von vielen Möglichkeiten. @mukti hat ja beschrieben, dass er auf eine andere Art und Weise zum Dhamma gekommen ist. Ich bin auch nicht durch den Weg den Dhammavuddho Thera beschreibt zum Dhamma gekommen. Als Todesfälle in unserer Familie geschahen, hatte ich mich schon über längere Zeit mit dem Dhamma beschäftigt.

Dass man in diesem Leben mit dem Dhamma zusammentrifft kann seinen Grund auch darin haben, dass man in vorherigen Leben viele positive karmische Prägungen durch heilsame Handlungen angesammelt hat. Durch vielfältige Ursachen und Bedingungen auf die man jetzt in diesem Leben trifft, reifen diese karmischen Prägungen heran und man erlebt ihre Wirkungen derart, dass man auf Dhamma-Schriften und Lehrerinnen und Lehrer trifft und von ihnen Dhamma-Unterweisungen erhält. So kann man sich dann selbst auf dem Pfad weiterentwickeln.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Für Bhikkhu Anālayo wurde in jungen Jahren eine tödliche Krankheit diagnostiziert. Man sagte ihm, dass er nur noch etwa sechs Monate zu leben habe. Damals hatte er keinerlei Ahnung von früheren Leben, doch er hatte dem Tod ins Gesicht gesehen. Dies wurde zum Anlass für seine Suche.

Ich zitiere ihn kurz aus dem Buch Satipaṭṭhāna aus der Perspektive des frühen Buddhismus, deutsche Auflage, S. 145:

"Ach, noch lange wird dieser Körper auf der Erde liegen, leer und ohne jedes Bewusstsein – wie ein weggeworfener Holzklotz."


Die ernsthafte Auseinandersetzung mit dieser Reflexion bereitet einen auf das Unvermeidliche vor: dem eigenen Tod gegenüberzustehen. Dies ist der Kern der vorliegenden Satipaṭṭhāna-Übung – die Notwendigkeit, den Tod lebendig werden zu lassen.


Nur wenn der Tod zu einem natürlichen Teil des Lebens geworden ist, wird es möglich sein, den betäubenden Einfluss der Existenzangst zu überwinden und das Leben in seinem vollen Umfang zu erfahren – so, wie es sich im gegenwärtigen Augenblick entfaltet.


Darüber hinaus bietet die bewusste Konfrontation mit dem eigenen Tod, während man noch lebt, die beste Vorbereitung darauf, den tatsächlichen Moment des Sterbens in Würde und Achtsamkeit zu erleben.
Noch dazu, dieselbe Quelle:

Schmidt-Leukel (1984: 166) erklärt, dass aus buddhistischer Sicht die existenzielle Frage, die der Tod dem Menschen stellt, im Leben gelöst werden kann – tatsächlich kann sie nur im Leben gelöst werden. Sie kann nicht nur gelöst werden, sie muss gelöst werden. Wayman (1982: 289) stellt fest, dass Achtsamkeit gegenüber dem Tod „eine Art Umkehr des Geistes, einen 'Tod' früherer Denkweisen durch die Betrachtung des Todes“ bedeutet:


„Ach, bald wird dieser Körper
auf der Erde liegen,
leer und des Bewusstseins beraubt,
wie ein weggeworfener Holzklotz.“

Wer sich ernsthaft mit solchen Überlegungen auseinandersetzt, ist gut darauf vorbereitet, dem Unvermeidlichen entgegenzutreten: dem eigenen Tod.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben Unten