Auch wenn die Person eine geistige Gestaltung ist, also eine Beifügung, die wir kraft der Sprache und des Denkens den Khandhas hinzufügen, ist sie dennoch keine Einbildung.
"Einbildung" ist mir eingefallen, weil die Begriffe Gestaltung und Bildung eine ähnliche Bedeutung haben - es bildet sich etwas. In diesem Sinn existiert die Person. Ich würde aber nicht sagen, dass "wir" sie hinzufügen, eher dass sie sich aufgrund von Triebkräften bildet. Sie ist den Khandhas hinzugefügt und dem bewussten Erleben als Erstes vorangestellt, also wortwörtlich eine Vorstellung, durch die alles wahrgenommen wird: Ich sehe, höre, rieche, so bin ich, fühle ich, erkenne ich die Welt und mich selber. Das wirkt sehr real, obwohl in Wirklichkeit alles nur unpersönliche Phänomene sind: Elemente, Sinnesorgane, Sinnesobjekte, Gefühle, Gedanken und der Wille, der die Ich-Vorstellung gebildet hat. Es ist eigentlich nicht
mein Wille, er ist eine Naturkraft, die alles hervorbringt. Wenn das durchschaut ist, verliert die Person bzw. das Ich seine vorrangige Bedeutung. Es existiert weiter, weil es sich nun mal zusammen mit den Khandha zu einem menschlichen Wesen gebildet hat, aber es gibt keine Anhaftung mehr daran, es ist unwichtig geworden, der Daseinstrieb ist versiegt.
Wäre sie eine Einbildung, dann würde die Person nicht existieren, denn Einbildungen sind etwas Nicht-Existierendes. Da Buddha Sakyamuni in seinen Lehrreden oft über Ich, Selbst, Person gesprochen hat, zeigt ja, dass die Person etwas Existierendes ist. Man kann nur über existierende Phänomene Aussagen machen.
Naja eine Fata Morgana ist auch ein Phänomen über das man Aussagen machen kann. Z.B. sehen alle einen Teich, das Bild ist vorhanden, aber es hat keine Substanz, es ist nur ein Bild.
Der schwierige Punkt ist: Von welcher Art ist die Beziehung zwischen Person und Khandhas. Wir finden in den Lehrreden meist Darlegungen, die beschreiben wie Person und Khandhas nicht zusammenhängen wie: Sie sind nicht identisch, sie existieren nicht getrennt voneinander, die Person befindet sich nicht in den Khandhas, die Khandhas befinden sich nicht in der Person usw.
Die Person wird von den Khandha gebildet, würde ich sagen. Dann sind die Beiden nicht identisch und nicht getrennt voneinander, die Person ist nicht in den Khandha drinnen und die Khandha sind nicht in der Person drin.
Positiv formuliert kann man vielleicht sagen: Person bezeichnet auf der Grundlage der Khandhas den handelnden, erlebenden, empfindenden Menschen.
Das dürfte auf jeden Fall stimmen.
Man kann diese Dinge wohl auf verschiedene Weise verstehen. In der praktischen Erfahrung existiert man als Person und es geht einfach darum, die leidverursachenden Unreinheiten, die aus Begierde und Hass stammen, loszuwerden. Und die Verblendung - wenn ich durchschaut habe was ich nicht bin, wird sich ja zeigen was übrig bleibt.