Lieber Helmut, offen gestanden verstehe ich nicht recht, wie du das meinst.
Wessen Sache ist es dann, wenn nicht meine? Oder ist dieses Wissen ohne Bezug zu einer Person? Dann würde man aber nicht sagen, ich weiß es. Wenn man das sagt, hat man eine Identität als Wissender.
Wenn man keine eigenständige Person ist, dann ist man wohl eine abhängige Person. Wovon hängt man ab, von den khandha? Die bin ich nicht und sie gehören mir nicht, sagt der Buddha. Demnach wäre man ja auch keine abhängige Person?
Die Aussage "man macht Erkanntes zu seiner Sache" scheinen wir unterschiedlich zu interpretieren. Wenn man Erkanntes zu seiner Sache macht, bedeutet dies für mich, man identifiziert sich mit dem Erkannten. Ich bin aber nicht das was ich erkannt habe. Ich bin nicht identisch mit meinem erlernten
Dharma -Wissen. Das sind zwei verschiedene Phänomene, die in gegenseitiger Abhängigkeit existieren.
Weil wir keine eigenständige Person sind, sind wir eine abhängige Person. In Abhängigkeit von den Khandhas sind wir als Person benannt. Auch dies ist eine gegenseitige Abhängigkeit. Gibt es keine Khandhas, dann gibt es auch keine Grundlage in Bezug auf die wir von einer Person sprechen können. Die Khandhas existieren aber auch nicht losgelöst von der Person, so für sich, selbstexistierend. Besteht zwischen zwei Phänomenen eine gegenseitige Abhängigkeit, dann existieren sie stets gleichzeitig.
Eine weitere Abhängigkeit von Person und Khandhas besteht darin, dass sich die Person verändert, wenn sich die Khandhas verändern. Verändert sich unser Bewusstsein durch Lernen, dann verändern wir uns auch als Person. Aber das durch Lernen veränderte Bewusstsein und die dadurch veränderte Person werden nicht identisch.
Die kausale Ursache-Wirkungs-Abhängigkeit ist dagegen eine andere Abhängigkeit. Ursache und Wirkung existieren nicht gleichzeitig. Deshalb trifft diese Abhängigkeitsbeziehung nicht auf die gegenseitige Abhängigkeit von Khandhas und Person zu.
Wenn der Buddha im Zusammenhang mit den Khandhas sagt: "Das bin ich nicht", dann negiert er meines Erachtens die falsche Auffassung, dass das Ich oder Selbst identisch wäre mit den Khandhas. Indem er diese falsche Auffassung negiert, negiert er nicht, dass die Person abhängig existiert. Wenn der Buddha weiterhin sagt: "Die Khandhas gehören mir nicht", dann negiert er damit die falsche Auffassung, die Person wäre der Besitzer der Khandhas so wie ein Landwirt Besitzer von Rindern ist.
Indem der Buddha diese beiden falschen Auffassungen über die Beziehung zwischen Person und Khandhas negiert, negiert er weder die Khandhas noch die Person, sondern nur falsche Auffassungen. Und weil das abhängige Entstehen die grundlegende Philosophie des Buddha-Dharma ist, sind sowohl Khandhas als auch Person abhängige Phänomene. Die nicht ganz einfache Aufgabe ist halt, die Abhängigkeit anhand der Beziehungen zwischen den Phänomenen zu bestimmen und aufzuzeigen.