Das Thema war für mich ganz am Anfang eine schier unüberwindbare Hürde.
Ein Buch, das mir sehr geholfen hat, war Ian Stevensons "Reinkarnation - Der Mensch im Wandel von Tod und Wiedergeburt".
Darin sind 20 mit wissenschaftlicher Akribie recherchierte Fälle von Rückerinnerungen von Kindern an frühere Existenz veröffentlicht, die teilweise in eindrucksvoller Weise verifiziert werden konnten. Am Ende blieb mir gar keine andere Wahl, als es als Tatsache zu akzeptieren. Und nicht zuletzt finden sich (wie schon oben von mkha erwähnt) im Sutta Pitaka unzählige eindeutige Aussagen des Buddha. Mit dem in all den Jahren gewachsenen Vertrauen in die Integrität des Lehrers, ist für mich ein Streit über dieses Thema verschwendete Lebenszeit.
Dem Thema bin ich irgendwann natürlich auch begegnet. Ich habe am Anfang an eine Wiedergeburt geglaubt.
Aber natürlich war es nur ein Glaube.
Ich habe auch ein ganzes Leben lang an ein Ich geglaubt.
Unabhängig von meinen späteren Erfahrungen mit der
Meditation gab es noch Erfahrungen aus meiner Kindheit die mich sehr geprägt hatten.
Ich hatte erstens Erinnerungen an einen Vorfall , von dem meine Mutter nichts wusste.
Es war jetzt keine abenteuerliche Geschichte, aber ich habe seit meiner Kindheit eine Szene im Kopf, die nichts mit meinem Leben zu tun hatten.
Naiv und unschuldig wie ich war habe ich meine Mutter darauf angesprochen, aber sie konnte mir nicht weiterhelfen.
Ein paar Jahre später verweilte ich öfters in einem Zustand, den ich heute als angrenzende Sammlung bezeichnen würde. Das war 16/17 Jahre bevor ich zum
Buddhismus kam.
Es gab da später im Kloster noch ein anderes Erlebnis. In meinem Kloster lernte ich zwei junge Frauen aus meiner Heimat kennen. Wir sind alle im selben Alter (+/-1 jahr) und haben alle eine ähnliche Jugend erlebt. In Österreich leben wir nur etwa 50 Kilometer von einander entfernt.
Wir sind seitdem befreundet.
In Thailand waren wir wie eine Familie und weil mich das so fasziniert hatte, habe ich meinen Lehrer gefragt wie das sein könnte.
Zu dem Lehrer möchte ich noch sagen, dass er sich sehr gut mit dem tibetischen Buddhismus auskannte, obwohl er nie etwas mit den anderen buddhistischen Traditionen zu tun hatte.
Er sagte mir dann folgendes: In diesem Leben kennen wir uns erst seit kurzem, aber wir haben uns schon in unzähligen Leben getroffen und zusammen praktiziert.
Natürlich ist das kein Beweis, aber alles was ich so in meiner Praxis erlebt habe, geht in diese Richtung.
Ich stehe mit meiner Meinung inzwischen ziemlich alleine da im Westen, und das ist völlig okay.
In meiner Praxis habe ich folgendes für mich entdeckt: Mein Glaube an ein Ich hat Gedanken,Handlungen mit sich gebracht, und diese Handlungen haben Konsequenzen.
Tagtäglich und unzählige Male entsteht eine Wiedergeburt in meinem Herzen.
Ich erschaffe himmlische und höllische bereiche .
Das Wort Wiedergeburt ist für mich eine ungünstige Benennung. Ich werde nicht wieder geboren. Meine Unwissenheit hat Konsequenzen und die kommen wieder.
Früher dachte ich, dass die Menschen unter einem schlechten
Karma leiden und manche Menschen einfach ein gutes Karma haben.
Aber all die Tragöden treffen uns in erster Linie, weil wir hier sind . Die Geburt, bedingt durch meine Unwissenheit ist der Grund, warum ich diesen Tragöden überhaupt ausgesetzt bin.
Aber das gute an der Sache ist, dass ich in diesem Leben (wieder) der buddhistischen Lehre begegnet bin.
Niemand in meinem näheren Umfeld ist in diesem Leben ein buddhist geworden.
Niemand von denen hat sich auf die Suche nach einer Lösung gemacht.
Ich bin nach China und Thailand geflogen um dort zu praktizieren.
Ich habe in diesem Leben Frieden gefunden weil mir gezeigt wurde wie ich mich selbst an das Leiden gefesselt habe.
Das Problem mit dem Thema ist das folgende:
Wir können heute alle Bücher der Meister lesen und wir glauben, dass wir diese Meister verstehen.
Aber diese Menschen haben das andere Ufer erreicht. Und von deren Seite aus sieht es so aus, als ob es keine Wiedergeburt gibt. Es gibt einen Pfad in die Freiheit, aber wenn man Freiheit erlangt hat, dann erkennt man, dass es niemanden gibt der ihn beschreiten könnte.
Ich dachte eine Zeit lang , dass ich dieses und jenes tun müsste, damit ich in einer Zukunft die Befreiung erlangen könnte.
Aber die Wahrheit/Befreiung/Nibbana ist immer nur hier und jetzt im Herzen zu finden.
Was ich damals gemacht habe war, dass ich für mein erdachtes Ich, eine erdachte Zukunft erschaffen habe , wo das zukünftige erdachte ich dann Befreiung erlangen würde.
Und durch diese falsche Vorstellung, habe ich neue fesseln erschaffen.
Und durch diese Fesseln war ich dem Leben mit all seinen Gefahren ausgesetzt.
Wenn ich nun sagen würde, dass es eine Wiedergeburt gibt, dann wäre das nicht ganz richtig.
Wenn ich nun sagen würde, dass es keine Wiedergeburt gibt, dann wäre dies auch nicht ganz richtig.
Ich komme nicht wieder, aber weil ich die Dinge nicht so gesehen habe wie sie sind, habe ich bedingt durch meine Unwissenheit, Handlungen begangen, die Konsequenzen mit sich bringen.
Meine Unwissenheit ist der Grund für diesen Körper und der Grund dafür, dass dieser Körper dem Leben mit all seinen Dingen ausgesetzt ist.
Dieser Geist an sich ist komplett frei . Aber aus meiner Unwissenheit heraus binde ich mich an die vergänglichen Elemente, die seit unvorstellbarer Zeit durch meine Unwissenheit gefesselt werden.
Das Universum entsteht, weil ich nichts verstehe.
Ich liebe gutes Essen, sex , die Natur , meine Freunde und meine Familie, und ich versuche indirekt auch mein (erdachtes Ich) dadurch zu bestätigen und abzusichern.
Und wenn sich dieser Elementehaufen (aka Universum) verändert (weil unbeständig), dann trauere ich, dann fürchte ich mich, dann leide ich.
Aber wenn ich verstehe, dass ich nicht das Objekt bin, sondern die Bühne dafür, dann werde ich erkennen, dass Himmel und Hölle, Geburt und Tod, nur ein Geistesmoment ist, der mich gerade bewegt.
Den Himmel berührt es nicht, wenn eine Wolke entsteht und vergeht, und es verängstigt ihn nicht, wenn durch die Wolke Blitz und Donner entsteht.
Aber wenn der Himmel mangels besserer Erkenntnis, sich mit der Wolke identifiziert und sich versucht durch sie zu bestätigen, dann entsteht Leiden, Geburt und Tod.
Vor der
Erleuchtung gibt es Wiedergeburt, himmlische und höllische Bereiche
Aber nach der Erleuchtung gibt es niemanden mehr der dies erfährt.
Diese Bücher und Texte können uns inspirieren, aber auch verwirren.
Nur wer dieses Herz heilt, bewacht und befreit, der wird verstehen, warum es Wiedergeburt gibt , und nicht gibt.
Mögen wir alle Frieden finden
