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Re: Theravada Vom Menschen Gautama
Du sagst "Ich bin der Körper", der Buddha sagt "Das bin ich nicht, das gehört mir nicht, das ist nicht mein Selbst". Ist da nicht ein fundamentaler Unterschied?
 
Re: Theravada Vom Menschen Gautama
Du sagst "Ich bin der Körper", der Buddha sagt "Das bin ich nicht, das gehört mir nicht, das ist nicht mein Selbst". Ist da nicht ein fundamentaler Unterschied?

Was du gerade machst, ist einen einzelnen Satz aus dem Zusammenhang zu nehmen, um mich zu widerlegen. Du weisst aber genau, dass ich meine Position ausführlich begründet habe. Ich stelle es hier nochmal zum Nachlesen rein:

Der Leib, wie er wirklich waltet​

Bis hierher habe ich nachgesprochen, was der Erwachte gelehrt hat, und es stehen lassen, wie es steht. Nun aber will ich selbst reden. Denn die Lehre hat uns den Leib gezeigt, wie er zerfällt, auf dem Leichenfeld, als geliehene Mengung, als Sack ohne Kern. Das ist wahr, und doch ist es nicht der ganze Leib. Eh ich ihn vor den Richterstuhl der Erfahrung führe, muss ich ihn ansehen, wie er nicht im Tode liegt, sondern im Leben waltet. Denn nur, wer gesehen hat, was dieser Leib vermag, wird begreifen, warum ich ihn und keine andere Macht zum Zeugen nehme.

Sieh zuerst auf das, was in dir geschieht, ohne dass du es heißt. Dein Herz schlägt, und du hast es nie schlagen geheißen; es schlug, ehe du wusstest, dass du eines hast, und es wird schlagen, wenn du längst an anderes denkst. Das Blut geht seine Runde, die Speise wird zerlegt und an tausend Orte verteilt, die Wunde schließt sich von selbst, der gebrochene Knochen fügt sich wieder, ohne dass du wüsstest, wie das zugeht. Müsstest du es selber tun, du wärst verloren; du wüsstest nicht einmal, wo anzufangen. Und doch geschieht es in dir, Tag und Nacht, dein Leben lang, ohne Fehl. Das ist das Mühlwerk, das im Stillen seine Räder dreht und die Last des Daseins trägt, ohne dass der stolze Geist es je bemerkt.

Steig nun eine Stufe höher, zu dem, was der Leib dir vor die Augen und Ohren stellt. Du meinst, du sähest die Welt, wie sie ist, und hörtest sie geradeheraus. Doch was geschieht, eh du auch nur hinblickst? Ein Licht fällt ins Auge, und der Leib macht dir daraus Farbe und Ferne, Gestalt und Ding. Ein Zittern der Luft trifft das Ohr, und er macht dir daraus Klang und Wort und Stimme. Ein Druck auf die Haut, und er macht dir daraus die ganze feste Welt, an die du dich lehnen kannst. Keines davon hast du getan. Der Leib hat dir die Welt schon gebaut und hingestellt, fertig, ehe dein Wille auch nur erwacht. Du wohnst in einem Haus, das er dir aufrichtet, und hältst es für die nackte Welt.

Und nun sieh auf dein Tun. Du greifst nach dem Becher, und deine Hand weiß tausend Griffe, ohne dass du einen Finger eigens lenkst. Du gehst über den Hof, und deine Beine tragen dich, während dein Sinn ganz woanders weilt. Du sprichst, und die Worte liegen dir auf der Zunge, gefügt und geordnet, ehe du sie gesucht hast. Was du einst mühsam lerntest, Schritt um Schritt, das tut der Leib nun von selbst, und je besser er es kann, desto weniger weißt du noch davon. Dein Wille reicht ihm nur die Richtung; den ganzen Vollzug, das tausendfache Gefüge der Glieder und Muskeln, besorgt er allein. Du befiehlst das Ziel, und er kennt den Weg.

Doch das Höchste hat der Leib sich aufgespart, und es ist so erstaunlich, dass die meisten es für einen Gast aus einer anderen Welt halten. Dieser Leib bringt ein Ich hervor. Er bildet in sich einen, der „ich" sagt, der sich von der Stunde lösen kann, der Vergangenes heraufruft und Künftiges entwirft, der sinnt „wäre es so" und „täte ich dies", ohne dass ein Glied sich rührt. Kein Tier vermag das so wie der Mensch. Nimm ein Bild dafür, wie es ein jeder kennt, der mit Vieh gearbeitet hat. Der Leib ist wie ein Ochse, schwer und stark und von altem Triebe geführt, der seine gewohnten Pfade zieht und sich nicht überreden lässt. Das Ich aber ist wie ein Kundschafter, leicht und vorausgesandt, der dem Ochsen den Weg erspäht, ehe der ihn geht.

Sieh, was dieser Kundschafter vermag. Er geht den Pfad voraus, den der Ochse noch nie gegangen ist, schreitet ihn ab im bloßen Sinnen, prüft, wo er trägt und wo er in den Abgrund führt, und das alles, ohne dass der Ochse einen Huf gerührt hätte. Hat er einen guten Weg gefunden, so führt er den schweren Ochsen hin, ein ums andere Mal, mit Mühe erst, denn der Ochse will zurück auf seine alten Pfade. Doch führt er ihn oft genug, so wird aus dem neuen Weg ein gegangener, und zuletzt geht der Ochse ihn von selbst, als wäre er nie anders gegangen. So legt der Leib sich neue Bahnen an. Nicht der Kundschafter trägt die Last, der Ochse trägt sie; aber der Kundschafter hat ihm den Weg gewiesen. Was der Leib nicht kann, das kann ich ihm beibringen, indem ich vorausgehe und ihn nachziehe, bis er es selber kann.

Und nun geschieht das Seltsamste von allem, das kein Tier vermag. Der Kundschafter kann sich umwenden und auf den Ochsen zurückblicken, der ihn ausgesandt hat. Er kann den Leib betrachten, der ihn trägt, kann seine eigenen Antriebe ansehen, das Greifen und das Stoßen, und kann sie benennen. Er wird sich selbst zum Gegenstand. Und wendet er sich weit genug zurück, so muss er erkennen, was ihm zuerst nicht in den Sinn will: dass er nicht der Herr des Ochsen ist, der ihn ritte und besäße, sondern selbst nur ein Spähen dieses Ochsen, von ihm ausgeschickt und wieder einzuholen. Nicht der Kundschafter hat den Ochsen, der Ochse hat den Kundschafter. Das Ich sitzt nicht im Leibe wie ein Herr in seinem Hause; es ist ein Werk des Leibes, sein feinstes, das er hervortreibt und wieder einzieht.

Und kann der Leib das Ich hervortreiben, so kann er es auch wieder einziehen. Der Kundschafter kehrt heim und schweigt, der Ochse aber bleibt und atmet weiter; im Schlaf ist es so, in der tiefen Stille ist es so. Das Ich ist nicht das Leben; es ist ein Vermögen des Lebens, das sich einschalten und auch wieder ablegen lässt. Der Leib aber bleibt unter allem, das Erste und das Letzte.

Das also ist der Leib, den die Lehre nur zerfallen sah: nicht ein Sack ohne Kern, sondern das, was verdaut und heilt, was mir die Welt baut, was sich selbst schult und mein Ich hervorbringt und wieder zurücknimmt. Auf ihm ruht alles, was ich bin; nichts an mir, das nicht durch ihn geschähe. Darum, und nur darum, nehme ich ihn zum Zeugen und zum Richter. Nicht weil er ohne Fehl wäre, sondern weil es nichts gibt, das tiefer läge als er. Was sich vor ihm nicht verantworten kann, hat keinen Boden. Und nun will ich die Lehre vor ihn führen.
 
Re: Theravada Vom Menschen Gautama
🤗

Sorry, dass ich diesen Textlappen posten musste, aber mir blieb keine andere Wahl. Du gingst ja auch nicht wirklich auf meine Posts ein.

Dich interessiert einfach nichts anderes, als dass man dir immer wieder bestätigt, auf dem rechten Weg zu sein. Ja, bist du, auch wenn ich noch Verbesserungsvorschläge hätte. 🤣🙈
 
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