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Re: Achtsamkeit Schopenhauers Geistesruhe
Bei all seiner Verstandesleistung hat Schopenhauer doch die überragende Bedeutung der Herzensgüte erkannt, hier hat er geradezu ein Hohelied auf Metta verfasst, wie man es auch vom Buddhismus kennt:

Ein entschieden edler Charakter, bei gänzlichem Mangel intellektueller Vorzüge und Bildung, steht da, wie Einer, dem nichts abgeht; hingegen wird der größte Geist, wenn mit starken moralischen Fehlern behaftet, noch immer tadelhaft erscheinen. – Denn wie Fackeln und Feuerwerk vor der Sonne blaß und unscheinbar werden, so wird Geist, ja Genie, und ebenfalls die Schönheit, überstrahlt und verdunkelt von der Güte des Herzens. Wo diese in hohem Grade hervortritt, kann sie den Mangel jener Eigenschaften so sehr ersetzen, daß man solche vermißt zu haben sich schämt. Sogar der beschränkteste Verstand, wie auch die groteske Häßlichkeit, werden, sobald die ungemeine Güte des Herzens sich in ihrer Begleitung kund gethan, gleichsam verklärt, umstrahlt von einer Schönheit höherer Art, indem jetzt aus ihnen eine Weisheit spricht, vor der jede andere verstummen muß. Denn die Güte des Herzens ist eine transcendente Eigenschaft, gehört einer über dieses Leben hinausreichenden Ordnung der Dinge an und ist mit jeder andern Vollkommenheit inkommensurabel. Wo sie in hohem Grade vorhanden ist, macht sie das Herz so groß, daß es die Welt umfaßt, so daß jetzt Alles in ihm, nichts mehr außerhalb liegt; da sie ja alle Wesen mit dem eigenen identificirt. Alsdann verleiht sie auch gegen Andre jene gränzenlose Nachsicht, die sonst Jeder nur sich selber widerfahren läßt. Ein solcher Mensch ist nicht fähig, sich zu erzürnen: sogar wenn etwan seine eigenen, intellektuellen oder körperlichen Fehler den boshaften Spott und Hohn Anderer hervorgerufen haben, wirft er, in seinem Herzen, nur sich selber vor, zu solchen Aeußerungen der Anlaß gewesen zu seyn, und fährt daher, ohne sich Zwang anzuthun, fort, Jene auf das liebreichste zu behandeln, zuversichtlich hoffend, daß sie von ihrem Irrthum hinsichtlich seiner zurückkommen und auch in ihm sich selber wiedererkennen werden. - Was ist dagegen Witz und Genie? was Bako von Verulam? (Francis Bacon, Gelehrter, Philosoph und Staatsmann).

Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 2, Kap.18
 
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Re: Achtsamkeit Schopenhauers Geistesruhe
Doch bei manchen Themen fehlte ihm wohl schlicht die Geistesruhe .
In den Parerga und Paralipomena genannten kleinen philosophischen Schriften lässt er sich "Über die Weiber" aus.
Da fällt einem glatt das Buch aus der Hand. o_O

Diese kleinen philosophischen Schriften sind jedoch überaus lesenswert und leicht verständlich.
 
Re: Achtsamkeit Schopenhauers Geistesruhe
Doch bei manchen Themen fehlte ihm wohl schlicht die Geistesruhe.
In den Parerga und Paralipomena genannten kleinen philosophischen Schriften lässt er sich "Über die Weiber" aus.
Da fällt einem glatt das Buch aus der Hand. o_O
Ja, er war halt auch kein Heiliger und manchmal wohl vom Zeitgeist beeinflusst. Gewisse Ansichten hat er schonungslos herausgesagt, weil er finanziell unabhängig war und nicht wegen Geld oder Ansehen schreiben musste. Er scheint schon etwas aggressiv gewesen zu sein, aber dass er ein Misanthrop und Frauenhasser war, glaube ich nicht.
 
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Re: Achtsamkeit Schopenhauers Geistesruhe
dass er ein Misanthrop und Frauenhasser war, glaube ich nicht.
Mir liegt es fern, Schopenhauer hier zu beurteilen. Ich kannte ihn nicht, und dafür habe ich zu viel Achtung vor seiner Person und Lebensleistung.
Deswegen habe ich den Text des Kapitels auch nicht verlinkt.
 
Re: Achtsamkeit Schopenhauers Geistesruhe
Ja, er war halt auch kein Heiliger und manchmal wohl vom Zeitgeist beeinflusst.
Ha ha ha, @mukti, er war der echte Buddhist, wer weiß? Achtung, Ironie.

9. "Wie sollen wir uns, Verehrungswürdiger, den Frauen gegenüber verhalten?" - "Nicht sehen, Ānanda." - "Wenn wir sie aber sehen, Erhabener, wie sollen wir uns dann verhalten?" - "Nicht (mit ihnen) reden, Ānanda." - "Bei einem Gespräch, Verehrungswürdiger, wie sollen wir uns dann verhalten?" - "Dann soll man sich, Ānanda, die Achtsamkeit vergegenwärtigen."
Kapitel 5, DN16
 
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