mukti
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Buddh. Richtung:
Theravada
Theravada
Vielleicht mag jemand etwas dazu sagen, jedenfalls finde ich es so genial und im Wesentlichen buddhistisch, dass ich es hier mitteilen wollte.
Dieses Herausheben aus dem Strom des Willens (Begehrens), muss wohl nicht zufällig durch äußeren Anlass oder innere Stimmung geschehen. Es kann durch Sammlung und achtsames Beobachten entstehen und der dazu nötige Wille fällt von selber weg, wenn es erreicht ist.
Alles Wollen entspringt aus Bedürfnis, also aus Mangel, also aus Leiden. Diesem macht die Erfüllung ein Ende; jedoch gegen einen Wunsch, der erfüllt wird, bleiben wenigstens zehn versagt: ferner, das Begehren dauert lange, die Forderungen gehen ins Unendliche; die Erfüllung ist kurz und kärglich gemessen. Sogar aber ist die endliche Befriedigung selbst nur scheinbar: der erfüllte Wunsch macht gleich einem neuen Platz: jener ist ein erkannter, dieser noch ein unerkannter Irrthum. Dauernde, nicht mehr weichende Befriedigung kann kein erlangtes Objekt des Wollens geben: sondern es gleicht immer nur dem Almosen, das dem Bettler zugeworfen, sein Leben heute fristet, um seine Qual auf Morgen zu verlängern. - Darum nun, solange unser Bewusstsein von unserm Willen erfüllt ist, solange wir dem Drange der Wünsche, mit seinem steten Hoffen und Fürchten, hingegeben sind, solange wir Subjekt des Wollens sind, wird uns nimmermehr dauerndes Glück, noch Ruhe. Ob wir jagen, oder fliehen, Unheil fürchten, oder nach Genuss streben, ist im Wesentlichen einerlei: die Sorge für den stets fordernden Willen, gleichviel in welcher Gestalt, erfüllt und bewegt fortdauernd das Bewusstsein; ohne Ruhe aber ist durchaus kein wahres Wohlsein möglich. So liegt das Subjekt des Wollens beständig auf dem drehenden Rade des Ixion, schöpft immer im Siebe der Danaiden, ist der ewig schmachtende Tantalus.
Wann aber äußerer Anlass, oder innere Stimmung, uns plötzlich aus dem endlosen Strome des Wollens heraushebt, die Erkenntnis dem Sklavendienste des Willens entreißt, die Aufmerksamkeit nun nicht mehr auf die Motive des Wollens gerichtet wird, sondern die Dinge frei von ihrer Beziehung auf den Willen auffasst, also ohne Interesse, ohne Subjektivität, rein objektiv sie betrachtet, ihnen ganz hingegeben, sofern sie bloß Vorstellungen, nicht sofern sie Motive sind: dann ist die auf jenem ersten Wege des Wollens immer gesuchte, aber immer entfliehende Ruhe mit einem Male von selbst eingetreten, und uns ist völlig wohl. Es ist der schmerzenslose Zustand, den Epikuros als das höchste Gut und als den Zustand der Götter pries: denn wir sind, für jenen Augenblick, des schnöden Willensdranges entledigt, wir feiern den Sabbath der Zuchthausarbeit des Wollens, das Rad des Ixion steht still. [...] Es ist dann einerlei, ob man aus dem Kerker oder aus dem Palast die Sonne untergehen sieht.
Arthur Schopenhauer , Die Welt als Wille und Vorstellung I, § 38.
Dieses Herausheben aus dem Strom des Willens (Begehrens), muss wohl nicht zufällig durch äußeren Anlass oder innere Stimmung geschehen. Es kann durch Sammlung und achtsames Beobachten entstehen und der dazu nötige Wille fällt von selber weg, wenn es erreicht ist.
