Guten Abend,
Ich denke irgendwie das "Studium und Praxis" eine Art untrennbare Einheit bilden. Und das aktives studieren ja auch irgendwie Praxis ist.
Tatsächlich habe ich feststellen dürfen, dass ich bereits ziemlich viel von dem, was im Buddhismus vorkommt, dort gelehrt wird, als Studium und als Praxis gesehen/verstanden wird, bereits lebe.
(Ohne mir vorher dessen bewusst zu sein, dass es "buddhistisch" ist).
Natürlich mal mehr mal weniger aktiv, weil ich eben echt üben und dran bleiben muss, wegen des "Wegrutschens" ins "Alltags-Unbewusstsein."
Meine "Praxis" sah bisher z.B. so aus und wird stets immer wieder überprüft, angepasst, mir neu bewusst gemacht.
Also bspw. folgendes zu leben:
Mit dem natürlichen Rhythmus und Kreislauf der Natur zu leben, sogut dies für mich umsetzbar ist.
Mir tut es außerdem wahnsinnig gut
(auch sehr reizarm, essentiell für meinen autistischen Teil)
mich mit dem Rhythmus der Natur zu verbinden, viel in der Natur zu sein, (und auch einfach mal wirklich nur DA ZU SEIN und zu schauen) im Alltag innezuhalten.
Bewusstes denken und fühlen:
Mich bewusst zu entscheiden, (für einen Gedanken, ein Gefühl, einen Fokus, eine Sichtweise auf etwas)
Bspw. gestern so passiert:
Da wollte ich vorn in unseren Hauseingang hinein aber das Türschloss klemmte und ich konnte nicht aufschließen.
(Passiert in letzter Zeit öfter, die Genossenschaft hat das Problem noch nicht gut lösen können)
Jedenfalls habe ich mich zuerst echt geärgert, dass ich nun einmal ganz um den Häuserblock gehen musste um über die Tür vom Hinterhof rein zu kommen. Habe dann aber sogleich laut gesagt: "Halt. Ich kann mich jetzt darüber ärgern, ich KANN mich aber auch dazu entscheiden, den Gang um den Block bewusst zu genießen."
Was ich dann auch tat und diese kleine Situation total zum Positiven verändert hat.
Die Lehre lernen:
Mich mit einer Lehre, mit Themen aktiv und intensiv zu befassen, auseinanderzusetzen.
(Gehört zu meinen Spezialinteressen mich mit Themen stark zu befassen. Somit habe ich ein Spezialinteresse, dass in diesem Bereich geistiger Natur ist.)
Die Dinge in der Tiefe so gut ich immer kann verstehen zu wollen, erfahren, selbst erfahren zu wollen und dabei zu eigenem Verständnis und neuen Erkenntnissen zu gelangen, die mich "wachsen" lassen, sodass ich mich weiter entwickeln kann.
Vom Geistigen in Materielle, von innen nach außen.
Mich aktiv geistig mit etwas "denkerisch" auseinandersetzen IST für mich auch eine Art der Praxis, sofern ich dies ja bewusst tue, meinen Gedanken über etwas also nicht unkontrolliert ausgeliefert bin, sondern aufmerksam beobachte, was da in mir entsteht und auch bewusst zu lenken, wenn mir eine Idee kommt.
Ich liebe dies. Bei mir war es schon immer so, dass ich "gedankliche Puzzleteile" zusammensetze und so Stück für Stück ein immer klareres Bild vom "Ganzen" bekomme.
Die.Lehre des Buddha
enpfinde ich persönlich als ein wunderbar zentrales "Werkzeug" zur Geistesschulung im Hier und Jetzt.
Mein "Lehrer/ Zugang" dazu, wenn man das so nennen kann war im Beginn vor Jahren übrigens Eckhart Tolle, falls es jemanden interessiert.
Befreiung vom Leiden:
Ich nutze buddhistische Achtsamkeit und Meditation, um Egomechanismen und Leid im Alltag aufzuspüren und zu lösen und die Stille des zugrundeliegenden Gewahrseins zu erfahren.
Dienst am Ganzen:
Da wir aus meiner aktuellen Draufsicht alle "Teile desselben Gesamtgewahrsein" sind, ist praktiziertes Mitgefühl (Metta) keine moralische Pflicht, sondern eine logische Konsequenz für mich. Es optimiert die Qualität der Information, die ich in das kosmische Gesamtfeld einspeise.
Reifestufen:
Das Erkennen, dass sich das kosmische Gewahrsein auf verschiedenen Stufen der Reife ausdrückt, hilft mir tiefes Verständnis, Mitgefühl und radikalen Frieden mit dem aktuellen Ist-Zustand der Welt zu entwickeln.
Integraler Perspektivismus:
Radikale Akzeptanz aller Wege:
Ich lehne keine spirituellen Strömungen, Philosophien oder Religionen ab. Für mich ist jedes Glaubenssystem und jede Wissenschaft eine legitime Draufsicht, ein spezifischer Blickwinkel und eine Facette des einen Gesamt-Gewahrseins. Jede Praxis erfüllt zu ihrer Zeit und auf ihrer jeweiligen "Bewusstseinsstufe" einen Zweck. Sie sind allesamt Wege, über die sich das große Ganze in seiner unendlichen Vielfalt selbst erforscht, lernt, wächst und sich entfaltet.
Diese Einstellung zu entwickeln, empfinde ich ebenso als einen Teil der Praxis, da meine Geisteshaltung zu den Dingen, meinem Reden und Handlungen voraus geht.
Und nun bezogen auf die gängige buddhistische Praxis:
Anmerkung: Die Fachbegriffe habe ich recherchiert um sie möglichst korrekt zuordnen zu können. Eine wertvolle Fähigkeit von mir ist, dass ich mir Wissen sehr fix auch in der Tiefe aneignen und mit anderem oder auch Vorkenntnis und persönlicher Erfahrung verknüpfen kann. So baut bei mir dann immer alles quasi aufeinander auf.
Die 5 Tugenden (Die ethische Basis)
Diese Regeln schützen mein System vor negativem Karma und Unruhe im Geist. Ich nehme sie freiwillig an, um Leid im großen Ganzen zu verhindern und übe mich darin.
1. Leben schützen und bewahren (Ahimsa )
Praxis Beispiel: Kein fühlendes Wesen verletzen oder töten (wird von mir bspw. auch durch meinen Veganismus gelebt).
2. Nichts nehmen, was nicht freiwillig gegeben wurde
Praxis Beispiel: Kein Diebstahl, kein Betrug und kein Ausnutzen der Zeit, Energie oder Ressourcen anderer Menschen.
(Was ich sowieso natürlich finde und nicht üben brauche. Verbesserung ist evtl. darin zu finden, bewusster und gezielter zu konsumieren, wegen Ausbeutung usw. )
3.Respektvolle Beziehungen pflegen
Praxis Beispiell: Sexualität und Partnerschaft nicht nutzen, um zu manipulieren, zu hintergehen oder emotionalen Schaden anzurichten.
(Für mich auch sowieso klar. Aber ich habe erlebt wie es ist, "Opfer" eines solchen Verhaltens zu werden.)
4. Heilsam und wahrhaftig sprechen
Praxis Beispiel: Nicht lügen, keine Gerüchte verbreiten und Worte so wählen, dass sie Frieden stiften, anstatt Spaltung zu erzeugen.
(Hier übe ich noch in den Bereichen, wo ich mich über das Verhalten anderer sehr ärgere zunächst, wie ich dahingehend mein Denken, fühlen, reden weiser und Frieden stiftender lenken kann.)
5. Die Klarheit des Geistes bewahren
Praxis Beispiele: Verzicht auf berauschende Mittel (Alkohol/Drogen), die die Wahrnehmung vernebeln und dazu führen, die anderen Tugenden zu brechen.
Ganz Abstinent bin ich noch nicht. Da und dort konsumiere ich schon noch Alkohol. Aber dolle "Rauschzustände" mag ich eh nicht besonders, allein schon deshalb, weil ich lieber die Kontrolle über mein Inneres und mein Handeln habe.
Ein Erfolg ist zu vermelden: Seit einer überlebten Beinvenenthrombose, habe ich wieder mit dem Rauchen aufgehört und darf mich nun seit 4 Monaten wieder "Nichtraucherin" nennen. Das ist doch auf jeden Fall ein Fortschritt würde ich meinen.
Als gelebte Praxis empfinde ich ausserdem, dass ich mich bewusst für einen Job entscheide, der anderen nicht schadet, sie ausbeutet und dergleichen.
Oder auch, dass ich mich dem Minimalismus in der Art zugewandt habe, dass ich meine Wohnung und mein "Hab und Gut" immer wieder darauf überprüfe, ob die Dinge die ich gerade habe, mir nützen oder mir Freude machen. Und alles das, was dies nicht erfüllt, ist überflüssig.
Zudem gehe ich mit dem Gedicht:
"Es ist alles nur geliehen" konform.
Die 6 Paramitas (Die evolutionären Tugenden)
Diese Qualitäten kann ich aktiv im Alltag nutzen, um mich weiter zu entwickeln und "höherwertige Daten in das kosmische Feld einzuspeisen."
1. Großzügigkeit (Dana )
Praxis: Teilen von Materiellem, aber vor allem das Schenken von angstfreier Aufmerksamkeit, Zeit, Trost und Liebe.
2. Ethik & Disziplin (Sila)
Praxis: Das konsequente, freudige Ausrichten des eigenen Lebens an den oben genannten 5 Tugenden.
3. Geduld & Nachsicht (Kshanti)
Praxis: Die Fähigkeit, bei Widerständen, Fehlern oder anstrengenden Menschen gelassen zu bleiben, ohne mit Wut oder Frust zu reagieren.
4. Tatkraft & freudige Anstrengung (Virya)
Praxis: Die innere Begeisterung und Ausdauer, kontinuierlich an der eigenen Bewusstseinsentwicklung und am Dienst für das Ganze zu arbeiten.
5. Meditation & Geistesruhe (Dhyana )
Praxis: Das regelmäßige Training der Aufmerksamkeit, um den Geist stabil, fokussiert und im Hier und Jetzt zu verankern.
6. Weisheit (Prajna )
Praxis: Das tiefe, intuitive Verständnis der Wirklichkeit, das Erkennen, dass alles miteinander verbunden und Teil des einen Gesamt-Gewahrseins ist.
Das ist je nach aktueller Lebenssituation und dem was mir im Moment begegnet ein fortwährender Übungsprozess denke ich.
Der Edle Achtfache Pfad
Bereich 1: Weisheit (Prajna)
Wie ich die Welt sehe
1. Rechte Erkenntnis (Rechte Ansicht):
Die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, vergänglich und miteinander verbunden. Für mich bedeutet das: Das Erkennen, dass alles aus dem einen Gesamt-Gewahrsein entspringt.
2. Rechter Entschluss (Rechte Gesinnung):
Die bewusste Absicht, das Leben von gutem Willen, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit (wie meinem Veganismus z.B) leiten zu lassen, statt von Gier oder Ärger.
Bereich 2: Ethik (Sila)
Wie ich im Außen handle
3. Rechte Rede:
Keine Lügen, keine hasserfüllten Worte oder sinnloses Gerede. Worte nutzen, die heilen und verbinden.
4. Rechtes Handeln:
Das Leben nach den Tugenden ausrichten, kein Leben verletzen, nicht stehlen, respektvoll mit anderen umgehen usw.
5. Rechter Lebensunterhalt:
Einen Beruf ausüben, der der Welt und anderen Lebewesen nicht schadet (z. B. keine Waffenproduktion, kein Handel mit Giften oder Ausbeutung, wie bereits kurz erwähnt.)
Bereich 3: Geistesschulung (Samadhi )
Wie ich mein Gehirn trainiere
6. Rechte Anstrengung (Rechtes Streben):
Die bewusste Steuerung meiner Gedanken. Unheilsame Gedanken (wie Neid oder Wut) gar nicht erst groß werden lassen; heilsame Gedanken (wie meine Metta-Praxis) aktiv nähren.
7. Rechte Achtsamkeit:
Ganz im Hier und Jetzt sein. Den eigenen Körper, die Gefühle und die Gedanken im aktuellen Moment wertungsfrei beobachten.
8. Rechte Sammlung (Rechte Meditation):
Den Geist durch regelmäßige Praxis so weit beruhigen und fokussieren, dass er stabil und klar wie ein stiller Bergsee wird.
So, dass war mal wieder recht viel. Aber ja nun, so ist das mit meinem AuDHS Hirn, vor allem mit dem ASS Teil, der überwiegt. Aber, dieser Teil von mir hat auch so seine Talente und Vorteile, die ich mittlerweile immer besser zu nutzen verstehe.
Also, all das ist für mich in meinem Verständnis davon bspw. gelebte Praxis. Reicht auch erstmal. Lach