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traditionsübergreifend

Sherab

Mitglied
Buddh. Richtung:
Rime
Mich würde mal interessieren was die User hier so unter (buddhistischer) Praxis verstehen. Das tibetische Wort für Praxis ist "in die (eigene) Erfahrung bringen". Demnach ist Studium/ Lesen an sich noch keine "Praxis". Sondern erst dann wenn das Gelernte im eigenen Geist "in die Erfahrung gebracht wird".
Unterscheidet ihr zwischen formaler ("Kissen") und "Alltags" Praxis?
Idealerweise sollte die formale Praxis und die Alltagspraxis sich gegenseitig befruchten.
Mir ist klar dass es viele verschiedene "Praktiken" im Buddha Dharma gibt.
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus dem Blickwinkel verschiedener Rollen, die mein jetziges Leben prägten. Als Sohn, als Ehemann, als Arbeitnehmer, als Volkswirt und vor allem als Schüler der buddhistischen Philosophie, wobei ich versuche, diese in mein Leben zu integrieren.
Re: Dharma Praxis
Lieber @Sherab,
Unterscheidet ihr zwischen formaler ("Kissen") und "Alltags" Praxis? ...
Für mich ist beides gelebter Dharma, ... ( :unsure: im Prinzip auch das Erlernen der Theorie, ... das Debattieren)
Idealerweise sollte die formale Praxis und die Alltagspraxis sich gegenseitig befruchten.
M.E. greift es ineinander:
a.) den Dharma vermittelt bekommen, zuhören, Unklares erfragen, "sacken lassen" => Theorie / Grundlage der Praxis
b.) Erlerntes in der stillen Kammer wiederholen (ggf. mit der eigenen Praxis abschließen) => meditatives Festigen
c.) das Erlernte anwenden - stets so gut, wie möglich im Jetzt und Jetzt und Jetzt ... => den Dharma (achtsam) leben
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Praxis
Ganz allgemein bedeutet für mich "Praxis" die Anwendung der 4 Unermesslichen (liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut) und der 6 "Vollkommenheiten" (Freigebigkeit, Ethik, Geduld, Tatkraft, Meditation und Weisheit).
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus dem Blickwinkel verschiedener Rollen, die mein jetziges Leben prägten. Als Sohn, als Ehemann, als Arbeitnehmer, als Volkswirt und vor allem als Schüler der buddhistischen Philosophie, wobei ich versuche, diese in mein Leben zu integrieren.
Re: Dharma Praxis
Bemühen um Heilsames zu fördern und Unheilsames zu beenden, das bedeutet Praxis für mich. Heilsam ist die Entwicklung von Sittlichkeit, Weisheit und Sammlung, unheilsam die Entwicklung von Unsittlichkeit, Unwissenheit und Zerstreuung.

Sittlichkeit ist das Einhalten der fünf Sila: Nicht Töten, Stehlen, kein Sex der mit Leid verbunden ist, nicht lügen und nicht berauschen. Das lässt sich jeweils verfeinern bzw. vervollkommnen, z.B. aufpassen nicht auf kleine Tiere zu treten, nicht eine Station ohne Kontrolle mit Öffis schwarzfahren, usw. Jede Sinneslust ist im Grunde mit Dukkha verbunden, Jede Unaufrichtigkeit ist Lüge, alles was den Geist trübt Berauschung. Weiters Wohlwollen kultivieren und das richtige Maß einhalten beim Essen, Schlafen, Kleidung usw.
Weisheit ist die Auseinandersetzung mit der Lehre, lesen, diskutieren, Vorträge besuchen, kontemplieren, allgemein rechtes Handeln.
Sammlung ist formale Meditation und allgemeine Achtsamkeit .

Das sind einige wenige Stichworte zur Praxis, im Grunde ist es ein Fulltime-Job der alle Bereiche des Lebens betrifft, zu jeder Zeit. Viel zu tun auf einem langen Weg.
 
Re: Dharma Praxis
Da wir nur unser Leben haben gibt es nichts als Praxis. Die Frage ist, ob wir uns dabei auf die buddhistische Lehre stützen und sie bestmöglich umsetzen.

Sprachlich, insbesondere bei Beiträgen unterscheide ich dann ggf. noch etwas anders. Je nach Kontext meine ich dann mit dem Begriff Praxis nur die formelle Praxis, oder auch das gezielte auseinander setzten, wie in einem Studium, oder im Austausch mit anderen.
 
| Mein Blickwinkel: Soto
Re: Dharma Praxis
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Praxis
Mich würde mal interessieren was die User hier so unter (buddhistischer) Praxis verstehen. Das tibetische Wort für Praxis ist "in die (eigene) Erfahrung bringen". Demnach ist Studium/ Lesen an sich noch keine "Praxis". Sondern erst dann wenn das Gelernte im eigenen Geist "in die Erfahrung gebracht wird".
Unterscheidet ihr zwischen formaler ("Kissen") und "Alltags" Praxis?
Idealerweise sollte die formale Praxis und die Alltagspraxis sich gegenseitig befruchten.
Mir ist klar dass es viele verschiedene "Praktiken" im Buddha Dharma gibt.
Ich gehe seit ein paar Jahren nicht mehr auf Retreats und habe auch keine Sangha mehr. Ich mache ziemlich viel Gehmeditation, eigentlich immer wenn ich wo hin muss. Ich habe noch einen Altar zu Hause. Auf längeren Autofahrten oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln höre ich öfters mal ein Hörbuch zu dem Thema Buddhismus .
Mein Alltag ist sozusagen meine Praxis .
Mir selbst fällt es gar nicht mehr auf, dass ich mich noch mit der buddhistischen Lehre beschäftige. Es ist zu meinem Alltag geworden.
Aber mein Umfeld spricht mich manchmal darauf an.
Rückblickend ist die Praxis für mich, wie ein heimkommen und wenn man heimkommt, muss man nicht mehr irgendwo hin. Ich habe keine Erwartungen an die buddhistische Lehre, keine Ziele mehr. Es passt wie es ist.

Ehrlicherweise könnte ich diese ganzen teilweise harten Retreats auch nicht mehr machen, weil der Körper hier und da öfters mal nein sagt 😂

Zumindest gefühlt sind die Zeiten härter geworden, und ich versuche jetzt durch meine ruhige Präsenz meinem Umfeld die Sorgen und Ängste zu nehmen.

Mögen wir alle Frieden finden 🙏
 
Re: Dharma Praxis
. Ich mache ziemlich viel Gehmeditation, eigentlich immer wenn ich wo hin muss.
Als seine Freunde im Krieg in Vietnam verhaftet wurden und Tausende Boat People im Meer ertranken, war Thich Nhat Hanh kurz vor dem Verzweifeln. Aber Verzweiflung nützt niemandem, sie verwirrt den Geist und raubt Kraft. Also machte er Gehmeditation. Jeden Tag, viele Stunden. Bis er so ruhig war, dass er wieder denken und planen konnte. Bis ihm die Idee kam, ein eigenes Schiff zu chartern und sich mit Freunden auf das Meer zu wagen, wo sie Dutzende Boat People aufsammelten und retteten.

Mach eine Gehmeditation. Sie hilft, sie wirkt, sie öffnet Räume im Geist.
Gehen als Meditation
 
Re: Dharma Praxis
Was man eigentlich immer und überall üben kann, ist Achtsamkeit (sati). Das beginnt bei den Handlungen, auf das achten oder konzentrieren, was man gerade tut. Z.B. landet dann der Hammer nicht auf dem Daumen, wenn man einen Nagel einschlägt. Alles gelingt besser wenn man achtsam ist, man macht alles so wie es die Situation erfordert und im richtigen Maß, nicht zu viel und nicht zu wenig. Das finde ich gar nicht so einfach, der Geist tendiert dazu, während der Handlungen irgendwo anders herumzuschweifen. In gefährlichen Situationen kann das leicht zu Unfall und Leid führen.

Dann die Achtsamkeit bei der Interaktion mit anderen, Menschen und auch nichtmenschlichen Lebewesen, die Bemühung sich stets an Metta als grundlegende Haltung zu erinnern, eine Bedeutung von Sati ist ja Erinnerung.
Achtsamkeit hängt eigentlich mit dem ganzen Pfad zu sammen, ist also bei den übrigen sieben Pfadgliedern immer dabei. Der Zweck ist, künftiges Leid zu verhindern und vorhandenes Leid zu beseitigen. So ist sie auf verschiedene Weise eine Erinnerung an den Dharma.

Heute hatte ich wieder mal Muskelkrämpfe in den Beinen und habe konzentriert beobachtet, wie sich ein Muskel zu verkrampfen beginnt, mit bestimmten, vorsichtigen Bewegungen sowie Entspannung im richtigen Augenblick lässt sich das abmildern. Manchmal funktioniert es nicht und man kommt aus dem Krampf nicht mehr heraus, das ist ziemlich schmerzhaft. Dann bleibt nur noch die Achtsamkeit auf das Gefühl - ein Gefühl ist da, das bin ich nicht, das gehört mir nicht. Durch das Beobachten entsteht eine Distanz, der Beobachter ist nicht das Beobachtete, nimmt es nur wahr ohne involviert zu sein.

Diese Instanz die alles nur wahrnimmt ist eigentlich immer da, aber wegen der Identifikation, dem Begehren und Hassen, achtet man gewöhnlich nicht darauf. Möglichst oft darauf zu achten sehe ich sozusagen als die Krönung von Sati. Es ist eine sehr wirkungsvolle Übung, die zu höherer Einsicht führt und ein Tor zu Befreiung. Weil das aber gegen die eingewurzelten Gewohnheiten des Geistes läuft, vergesse ich es oft oder vernachlässige es absichtlich. Jetzt, wo der Körper alt wird und der Tod näher rückt, muss ich das unbedingt mehr üben. Die Vorstellung, es zur Hauptbeschäftigung zu machen, ist sehr attraktiv. Den ganzen Krempel an dem ich hänge aufgeben, den ganzen Tag mit solcher Achtsamkeit im Wald sitzen und gehen, ja das ist so einfach und doch so schwierig.
 
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