Was man eigentlich immer und überall üben kann, ist Achtsamkeit (sati). Das beginnt bei den Handlungen, auf das achten oder konzentrieren, was man gerade tut. Z.B. landet dann der Hammer nicht auf dem Daumen, wenn man einen Nagel einschlägt. Alles gelingt besser wenn man achtsam ist, man macht alles so wie es die Situation erfordert und im richtigen Maß, nicht zu viel und nicht zu wenig. Das finde ich gar nicht so einfach, der Geist tendiert dazu, während der Handlungen irgendwo anders herumzuschweifen. In gefährlichen Situationen kann das leicht zu Unfall und Leid führen.
Dann die Achtsamkeit bei der Interaktion mit anderen, Menschen und auch nichtmenschlichen Lebewesen, die Bemühung sich stets an Metta als grundlegende Haltung zu erinnern, eine Bedeutung von Sati ist ja Erinnerung.
Achtsamkeit hängt eigentlich mit dem ganzen Pfad zu sammen, ist also bei den übrigen sieben Pfadgliedern immer dabei. Der Zweck ist, künftiges Leid zu verhindern und vorhandenes Leid zu beseitigen. So ist sie auf verschiedene Weise eine Erinnerung an den Dharma.
Heute hatte ich wieder mal Muskelkrämpfe in den Beinen und habe konzentriert beobachtet, wie sich ein Muskel zu verkrampfen beginnt, mit bestimmten, vorsichtigen Bewegungen sowie Entspannung im richtigen Augenblick lässt sich das abmildern. Manchmal funktioniert es nicht und man kommt aus dem Krampf nicht mehr heraus, das ist ziemlich schmerzhaft. Dann bleibt nur noch die Achtsamkeit auf das Gefühl - ein Gefühl ist da, das bin ich nicht, das gehört mir nicht. Durch das Beobachten entsteht eine Distanz, der Beobachter ist nicht das Beobachtete, nimmt es nur wahr ohne involviert zu sein.
Diese Instanz die alles nur wahrnimmt ist eigentlich immer da, aber wegen der Identifikation, dem Begehren und Hassen, achtet man gewöhnlich nicht darauf. Möglichst oft darauf zu achten sehe ich sozusagen als die Krönung von Sati. Es ist eine sehr wirkungsvolle Übung, die zu höherer Einsicht führt und ein Tor zu Befreiung. Weil das aber gegen die eingewurzelten Gewohnheiten des Geistes läuft, vergesse ich es oft oder vernachlässige es absichtlich. Jetzt, wo der Körper alt wird und der Tod näher rückt, muss ich das unbedingt mehr üben. Die Vorstellung, es zur Hauptbeschäftigung zu machen, ist sehr attraktiv. Den ganzen Krempel an dem ich hänge aufgeben, den ganzen Tag mit solcher Achtsamkeit im Wald sitzen und gehen, ja das ist so einfach und doch so schwierig.