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Sherab

Mitglied
Buddh. Richtung:
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Mich würde mal interessieren was die User hier so unter (buddhistischer) Praxis verstehen. Das tibetische Wort für Praxis ist "in die (eigene) Erfahrung bringen". Demnach ist Studium/ Lesen an sich noch keine "Praxis". Sondern erst dann wenn das Gelernte im eigenen Geist "in die Erfahrung gebracht wird".
Unterscheidet ihr zwischen formaler ("Kissen") und "Alltags" Praxis?
Idealerweise sollte die formale Praxis und die Alltagspraxis sich gegenseitig befruchten.
Mir ist klar dass es viele verschiedene "Praktiken" im Buddha Dharma gibt.
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus dem Blickwinkel verschiedener Rollen, die mein jetziges Leben prägten. Als Sohn, als Ehemann, als Arbeitnehmer, als Volkswirt und vor allem als Schüler der buddhistischen Philosophie, wobei ich versuche, diese in mein Leben zu integrieren.
Re: Dharma Praxis
Lieber @Sherab,
Unterscheidet ihr zwischen formaler ("Kissen") und "Alltags" Praxis? ...
Für mich ist beides gelebter Dharma, ... ( :unsure: im Prinzip auch das Erlernen der Theorie, ... das Debattieren)
Idealerweise sollte die formale Praxis und die Alltagspraxis sich gegenseitig befruchten.
M.E. greift es ineinander:
a.) den Dharma vermittelt bekommen, zuhören, Unklares erfragen, "sacken lassen" => Theorie / Grundlage der Praxis
b.) Erlerntes in der stillen Kammer wiederholen (ggf. mit der eigenen Praxis abschließen) => meditatives Festigen
c.) das Erlernte anwenden - stets so gut, wie möglich im Jetzt und Jetzt und Jetzt ... => den Dharma (achtsam) leben
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Praxis
Ganz allgemein bedeutet für mich "Praxis" die Anwendung der 4 Unermesslichen (liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut) und der 6 "Vollkommenheiten" (Freigebigkeit, Ethik, Geduld, Tatkraft, Meditation und Weisheit).
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe aus dem Blickwinkel verschiedener Rollen, die mein jetziges Leben prägten. Als Sohn, als Ehemann, als Arbeitnehmer, als Volkswirt und vor allem als Schüler der buddhistischen Philosophie, wobei ich versuche, diese in mein Leben zu integrieren.
Re: Dharma Praxis
Bemühen um Heilsames zu fördern und Unheilsames zu beenden, das bedeutet Praxis für mich. Heilsam ist die Entwicklung von Sittlichkeit, Weisheit und Sammlung, unheilsam die Entwicklung von Unsittlichkeit, Unwissenheit und Zerstreuung.

Sittlichkeit ist das Einhalten der fünf Sila: Nicht Töten, Stehlen, kein Sex der mit Leid verbunden ist, nicht lügen und nicht berauschen. Das lässt sich jeweils verfeinern bzw. vervollkommnen, z.B. aufpassen nicht auf kleine Tiere zu treten, nicht eine Station ohne Kontrolle mit Öffis schwarzfahren, usw. Jede Sinneslust ist im Grunde mit Dukkha verbunden, Jede Unaufrichtigkeit ist Lüge, alles was den Geist trübt Berauschung. Weiters Wohlwollen kultivieren und das richtige Maß einhalten beim Essen, Schlafen, Kleidung usw.
Weisheit ist die Auseinandersetzung mit der Lehre, lesen, diskutieren, Vorträge besuchen, kontemplieren, allgemein rechtes Handeln.
Sammlung ist formale Meditation und allgemeine Achtsamkeit .

Das sind einige wenige Stichworte zur Praxis, im Grunde ist es ein Fulltime-Job der alle Bereiche des Lebens betrifft, zu jeder Zeit. Viel zu tun auf einem langen Weg.
 
Re: Dharma Praxis
Da wir nur unser Leben haben gibt es nichts als Praxis. Die Frage ist, ob wir uns dabei auf die buddhistische Lehre stützen und sie bestmöglich umsetzen.

Sprachlich, insbesondere bei Beiträgen unterscheide ich dann ggf. noch etwas anders. Je nach Kontext meine ich dann mit dem Begriff Praxis nur die formelle Praxis, oder auch das gezielte auseinander setzten, wie in einem Studium, oder im Austausch mit anderen.
 
| Mein Blickwinkel: Soto
Re: Dharma Praxis
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Praxis
Mich würde mal interessieren was die User hier so unter (buddhistischer) Praxis verstehen. Das tibetische Wort für Praxis ist "in die (eigene) Erfahrung bringen". Demnach ist Studium/ Lesen an sich noch keine "Praxis". Sondern erst dann wenn das Gelernte im eigenen Geist "in die Erfahrung gebracht wird".
Unterscheidet ihr zwischen formaler ("Kissen") und "Alltags" Praxis?
Idealerweise sollte die formale Praxis und die Alltagspraxis sich gegenseitig befruchten.
Mir ist klar dass es viele verschiedene "Praktiken" im Buddha Dharma gibt.
Ich gehe seit ein paar Jahren nicht mehr auf Retreats und habe auch keine Sangha mehr. Ich mache ziemlich viel Gehmeditation, eigentlich immer wenn ich wo hin muss. Ich habe noch einen Altar zu Hause. Auf längeren Autofahrten oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln höre ich öfters mal ein Hörbuch zu dem Thema Buddhismus .
Mein Alltag ist sozusagen meine Praxis .
Mir selbst fällt es gar nicht mehr auf, dass ich mich noch mit der buddhistischen Lehre beschäftige. Es ist zu meinem Alltag geworden.
Aber mein Umfeld spricht mich manchmal darauf an.
Rückblickend ist die Praxis für mich, wie ein heimkommen und wenn man heimkommt, muss man nicht mehr irgendwo hin. Ich habe keine Erwartungen an die buddhistische Lehre, keine Ziele mehr. Es passt wie es ist.

Ehrlicherweise könnte ich diese ganzen teilweise harten Retreats auch nicht mehr machen, weil der Körper hier und da öfters mal nein sagt 😂

Zumindest gefühlt sind die Zeiten härter geworden, und ich versuche jetzt durch meine ruhige Präsenz meinem Umfeld die Sorgen und Ängste zu nehmen.

Mögen wir alle Frieden finden 🙏
 
Re: Dharma Praxis
. Ich mache ziemlich viel Gehmeditation, eigentlich immer wenn ich wo hin muss.
Als seine Freunde im Krieg in Vietnam verhaftet wurden und Tausende Boat People im Meer ertranken, war Thich Nhat Hanh kurz vor dem Verzweifeln. Aber Verzweiflung nützt niemandem, sie verwirrt den Geist und raubt Kraft. Also machte er Gehmeditation. Jeden Tag, viele Stunden. Bis er so ruhig war, dass er wieder denken und planen konnte. Bis ihm die Idee kam, ein eigenes Schiff zu chartern und sich mit Freunden auf das Meer zu wagen, wo sie Dutzende Boat People aufsammelten und retteten.

Mach eine Gehmeditation. Sie hilft, sie wirkt, sie öffnet Räume im Geist.
Gehen als Meditation
 
Re: Dharma Praxis
Was man eigentlich immer und überall üben kann, ist Achtsamkeit (sati). Das beginnt bei den Handlungen, auf das achten oder konzentrieren, was man gerade tut. Z.B. landet dann der Hammer nicht auf dem Daumen, wenn man einen Nagel einschlägt. Alles gelingt besser wenn man achtsam ist, man macht alles so wie es die Situation erfordert und im richtigen Maß, nicht zu viel und nicht zu wenig. Das finde ich gar nicht so einfach, der Geist tendiert dazu, während der Handlungen irgendwo anders herumzuschweifen. In gefährlichen Situationen kann das leicht zu Unfall und Leid führen.

Dann die Achtsamkeit bei der Interaktion mit anderen, Menschen und auch nichtmenschlichen Lebewesen, die Bemühung sich stets an Metta als grundlegende Haltung zu erinnern, eine Bedeutung von Sati ist ja Erinnerung.
Achtsamkeit hängt eigentlich mit dem ganzen Pfad zu sammen, ist also bei den übrigen sieben Pfadgliedern immer dabei. Der Zweck ist, künftiges Leid zu verhindern und vorhandenes Leid zu beseitigen. So ist sie auf verschiedene Weise eine Erinnerung an den Dharma.

Heute hatte ich wieder mal Muskelkrämpfe in den Beinen und habe konzentriert beobachtet, wie sich ein Muskel zu verkrampfen beginnt, mit bestimmten, vorsichtigen Bewegungen sowie Entspannung im richtigen Augenblick lässt sich das abmildern. Manchmal funktioniert es nicht und man kommt aus dem Krampf nicht mehr heraus, das ist ziemlich schmerzhaft. Dann bleibt nur noch die Achtsamkeit auf das Gefühl - ein Gefühl ist da, das bin ich nicht, das gehört mir nicht. Durch das Beobachten entsteht eine Distanz, der Beobachter ist nicht das Beobachtete, nimmt es nur wahr ohne involviert zu sein.

Diese Instanz die alles nur wahrnimmt ist eigentlich immer da, aber wegen der Identifikation, dem Begehren und Hassen, achtet man gewöhnlich nicht darauf. Möglichst oft darauf zu achten sehe ich sozusagen als die Krönung von Sati. Es ist eine sehr wirkungsvolle Übung, die zu höherer Einsicht führt und ein Tor zu Befreiung. Weil das aber gegen die eingewurzelten Gewohnheiten des Geistes läuft, vergesse ich es oft oder vernachlässige es absichtlich. Jetzt, wo der Körper alt wird und der Tod näher rückt, muss ich das unbedingt mehr üben. Die Vorstellung, es zur Hauptbeschäftigung zu machen, ist sehr attraktiv. Den ganzen Krempel an dem ich hänge aufgeben, den ganzen Tag mit solcher Achtsamkeit im Wald sitzen und gehen, ja das ist so einfach und doch so schwierig.
 
Re: Dharma Praxis
Was man eigentlich immer und überall üben kann, ist Achtsamkeit (sati). Das beginnt bei den Handlungen, auf das achten oder konzentrieren, was man gerade tut. Die Vorstellung, es zur Hauptbeschäftigung zu machen, ist sehr attraktiv.
Das ist ist auch meine bevorzugte Praxis, weil man sie immer praktizieren kann, egal wo. Sich der aufsteigenden Gedanken im täglichen Leben bewußt zu sein, verhindert nicht selten Handlungen, die ansonsten in Folge der Jahrzehnte alten Konditionierungen entstanden wären. Der Gewinn dieser Praxis scheint mir ein vielfacher zu sein: Sowohl unheilsame Gedanken, als auch unheilsame Handlungen werden weniger und das Leiden geringer. Außerdem führt es zu mehr Einsicht in die Wirkungsweise der Khandas und dem daraus entstandenen ICH.
Es ist für mich die praktischste aller Praktiken, was könnte attraktiver sein? Nirvana vielleicht aber dahin ist noch ein weiter Weg für Unsereinen. ;)
 
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Re: Dharma Praxis
Es ist für mich die praktischste aller Praktiken, was könnte attraktiver sein?
Manchmal ist dieses Beobachten ziemlich klar, aber die Kilesa sind sehr mächtig und ziehen immer wieder hinein in das altgewohnte Ich und Mein mit den Anhaftungen. Das ist ja sehr subtil und das Bewusstsein kann wieder eine Zeitlang so getrübt sein, dass man da gar nicht raus will. Wenn dann irgendwelche Leiden kommen, wird die Sache wieder dringlich. So gesehen ist das Leid eigentlich gut und der Genuss schlecht, weil er in der Illusion gefangenhält. Aber sag' das dem Geist, wenn's mir gerade gut geht, will er davon nichts wissen. Deshalb finde ich es wichtig täglich zu üben, mich mindestens an die Theorie zu erinnern. Wenn sie sich auch nicht immer gleich gut in die Praxis umsetzen lässt, so darf dieses Dhamma doch niemals in Vergessenheit geraten.

Es ist schon erstaunlich, eine kleine Änderung im Geist, ein Nachhängen unheilsamer Gefühle und Gedanken und das Unheil nimmt seinen Lauf. All die schrecklichen Dinge die ständig passieren, bis hin zu den großen Kriegen, das hat alles seinen Ursprung in einem Gefühl, an das sich Gedanken reihen, die schließlich zu Taten werden. Nur diese eine kleine Erinnerung - 'Ich muss ja nicht auf dieses Gefühl reagieren' - und die Kette wäre unterbrochen, das Unheil am Entstehen gehindert. Ist das nicht vollkommen klar? Und doch achten die Menschen kaum darauf und schaffen sich lieber ihre eigene Hölle. So mächtig ist die Verblendung.
 
Re: Dharma Praxis
Viele, oder vermutlich die meisten, der unheilsamen Gedanken, Handlungen usw.
sind ja durch oft unbewusste Dinge geprägt.
D.h. ich versuche auch mal unter die "Fassade" gehen, tiefer zu tauchen.
Also, warum habe ich jetzt dieses Gefühl, diesen Gedanken?

So sieht zumindest meine aktuelle Praxis der Achtsamkeit aus.
Vielleicht ist das auch nicht unbedingt nötig;
vielleicht reicht es, wenn man es nur weiß, daß man oft unbewusst denkt, fühlt und handelt.
 
Re: Dharma Praxis
Manchmal ist dieses Beobachten ziemlich klar, aber die Kilesa sind sehr mächtig und ziehen immer wieder hinein in das altgewohnte Ich und Mein mit den Anhaftungen..... All die schrecklichen Dinge..., das hat alles seinen Ursprung in einem Gefühl, an das sich Gedanken reihen, die schließlich zu Taten werden. Nur diese eine kleine Erinnerung - 'Ich muss ja nicht auf dieses Gefühl reagieren' - und die Kette wäre unterbrochen, das Unheil am Entstehen gehindert. Ist das nicht vollkommen klar? Und doch achten die Menschen kaum darauf und schaffen sich lieber ihre eigene Hölle. So mächtig ist die Verblendung.
Ja, das innere Getriebe - das getrieben-sein - die Leidenschaften, die so viele Leiden schaffen, sind eine mächtige Kraft in uns aber sie sind etwas Gewordenes und lassen sich auf eben dem Wege, auf dem sie entstanden sind, auch wieder mindern und schließlich auflösen, nämlich Schritt für Schritt durch beharrliches Üben. Manchmal meint man, es ginge nicht vorwärts oder auch scheinbar wieder zurück aber auf längere Sicht ist dann doch erkennbar, daß man vorangekommen ist. Paul Debes hat bezüglich der Schwungkraft dieses inneren Triebehaushalts gerne die Metapher eines riesigen Schwungrades verwendet, wie sie früher an den ersten Dampfmaschinen angebracht waren. Eine solche tonnenschwere Masse kann nur allmählich in Schwung kommen und auch ebenso nur allmählich wieder gebremst werden. Mit Gewalt ist nichts zu machen, man würde sich die Hände verbrennen, wollte man sie gewaltsam abbremsen wollen. Abgesehen von den in die gegenwärtige Existenz mitgebrachten Neigungen, sind die meisten ja irgendwie im Laufe des Lebens erworben worden und demnach auch nur schrittweise wieder auflösbar. Nur mit Geduld und Beharrlichkeit kann es gelingen, scheint mir.
Vielleicht ist das auch nicht unbedingt nötig; vielleicht reicht es, wenn man es nur weiß, daß man oft unbewusst denkt, fühlt und handelt.
Ich weiß nicht aber mir scheint, man muß schon Hand anlegen, damit das Schwungrad langsamer wird. Nur zu wissen, daß die Masse sich dreht, reicht vielleicht doch nicht zum Bremsen. :unsure:
 
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Re: Dharma Praxis
Viele, oder vermutlich die meisten, der unheilsamen Gedanken, Handlungen usw.
sind ja durch oft unbewusste Dinge geprägt.
D.h. ich versuche auch mal unter die "Fassade" gehen, tiefer zu tauchen.
Also, warum habe ich jetzt dieses Gefühl, diesen Gedanken?

So sieht zumindest meine aktuelle Praxis der Achtsamkeit aus.
Vielleicht ist das auch nicht unbedingt nötig;
vielleicht reicht es, wenn man es nur weiß, daß man oft unbewusst denkt, fühlt und handelt.
Es ist wohl sehr gut, über die Ursachen der Gefühle und Gedanken bewusst zu werden. Im Prinzip sind es Sinnesobjekte die Gefühle hervorrufen, so steht es auch im Palikanon : Sinne - Sinnesobjekte - Kontakt - Gefühle - Wahrnehmung - Gedankliches Ausufern - Bedrängnis.
Oft entstehen Gefühle durch den Kontakt des Geistsinns mit Geistobjekten, dann reagiert man auf sie mit Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen, Plänen, Konzepten und Handlungen, die mit Begehren, Aversion und Unwissenheit verbunden sind, was wiederum Gefühle hervorruft, usw. Das geschieht eher unbewusst, wie automatisch, aus Gewohnheit.
Die Entstehung der Gefühle kann man nicht verhindern, sie sind immer da, aber man kann erkennen warum sie entstehen, warum man auf eine bestimmte Weise darauf reagiert und was die Konsequenzen sind.

Mir fällt es oft leichter, einfach nur den Geist zu beobachten, ohne im Detail nachzuforschen warum genau diese und jene Bewegung zustandekommt. Dann kann es zu einer übergeordneten Perspektive kommen - ständig entsteht und vergeht etwas, wenn ich es nur beobachte, bin ich nicht darin involviert. Das gerlingt freilich nur unvollkommen und relativ kurz, es werden dabei aber auch so manche unbewusste Impulse bewusster.
 
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Re: Dharma Praxis
Paul Debes hat bezüglich der Schwungkraft dieses inneren Triebehaushalts gerne die Metapher eines riesigen Schwungrades verwendet, wie sie früher an den ersten Dampfmaschinen angebracht waren. Eine solche tonnenschwere Masse kann nur allmählich in Schwung kommen und auch ebenso nur allmählich wieder gebremst werden. Mit Gewalt ist nichts zu machen, man würde sich die Hände verbrennen, wollte man sie gewaltsam abbremsen wollen.
Der Vergleich mit dem Schwungrad trifft es recht gut, finde ich. Ja, nur langsam und mit Geduld lässt es sich allmählich stoppen, das habe ich auch erst lernen müssen. Das ist ja auch ein Zeichen von Fortschritt, nicht mehr zu glauben, dass sich die Erleuchtung sozusagen hinter der nächsten Straßenecke finden lässt. In der Praxis ist es halt nicht so einfach, wie es in der Theorie erscheinen mag. Da bin ich oft auf die Nase gefallen, als ich sofort ganz hoch hinaus wollte und dann kam es zu Phasen der Entmutigung. Dieses Auf und Ab pendelt sich mit der Zeit ein zu einem kontinuierlichen, beharrlichen und besonnenen Vorgehen.
 
Re: Dharma Praxis
Ich finde den Vergleich mit dem Schwungrad auch sehr gut😊

Die Dinge hochkommen lassen, um sie dann anzunehmen um sie dann loslassen zu können.
Und gleichzeitig muss ich aufpassen, mich nicht zu sehr darin zu verstricken.
Da ist dann die Achtsamkeit gefragt.
Da ist noch Luft nach oben bei mir😊.
Was mir dabei dann auch hilft, über mich selbst, über meine Ego-Wichtigkeit zu schmunzeln. Das nimmt mir sofort die Anspannung, und ich kann wieder gleichmütiger sein.
 
Re: Dharma Praxis
Ich finde den Vergleich mit dem Schwungrad auch sehr gut😊

Die Dinge hochkommen lassen, um sie dann anzunehmen um sie dann loslassen zu können.
Und gleichzeitig muss ich aufpassen, mich nicht zu sehr darin zu verstricken.
Da ist dann die Achtsamkeit gefragt.
Da ist noch Luft nach oben bei mir😊.
Was mir dabei dann auch hilft, über mich selbst, über meine Ego-Wichtigkeit zu schmunzeln. Das nimmt mir sofort die Anspannung, und ich kann wieder gleichmütiger sein.
Das Ego mag es gar nicht gern, wenn man es nicht ernst nimmt 😅😂
 
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Re: Dharma Praxis
Guten Abend,
Ich denke irgendwie das "Studium und Praxis" eine Art untrennbare Einheit bilden. Und das aktives studieren ja auch irgendwie Praxis ist.

Tatsächlich habe ich feststellen dürfen, dass ich bereits ziemlich viel von dem, was im Buddhismus vorkommt, dort gelehrt wird, als Studium und als Praxis gesehen/verstanden wird, bereits lebe.

(Ohne mir vorher dessen bewusst zu sein, dass es "buddhistisch" ist).

Natürlich mal mehr mal weniger aktiv, weil ich eben echt üben und dran bleiben muss, wegen des "Wegrutschens" ins "Alltags-Unbewusstsein."

Meine "Praxis" sah bisher z.B. so aus und wird stets immer wieder überprüft, angepasst, mir neu bewusst gemacht.

Also bspw. folgendes zu leben:

Mit dem natürlichen Rhythmus und Kreislauf der Natur zu leben, sogut dies für mich umsetzbar ist.

Mir tut es außerdem wahnsinnig gut

(auch sehr reizarm, essentiell für meinen autistischen Teil)

mich mit dem Rhythmus der Natur zu verbinden, viel in der Natur zu sein, (und auch einfach mal wirklich nur DA ZU SEIN und zu schauen) im Alltag innezuhalten.

Bewusstes denken und fühlen:

Mich bewusst zu entscheiden, (für einen Gedanken, ein Gefühl, einen Fokus, eine Sichtweise auf etwas)

Bspw. gestern so passiert:

Da wollte ich vorn in unseren Hauseingang hinein aber das Türschloss klemmte und ich konnte nicht aufschließen.

(Passiert in letzter Zeit öfter, die Genossenschaft hat das Problem noch nicht gut lösen können)

Jedenfalls habe ich mich zuerst echt geärgert, dass ich nun einmal ganz um den Häuserblock gehen musste um über die Tür vom Hinterhof rein zu kommen. Habe dann aber sogleich laut gesagt: "Halt. Ich kann mich jetzt darüber ärgern, ich KANN mich aber auch dazu entscheiden, den Gang um den Block bewusst zu genießen."
Was ich dann auch tat und diese kleine Situation total zum Positiven verändert hat.

Die Lehre lernen:

Mich mit einer Lehre, mit Themen aktiv und intensiv zu befassen, auseinanderzusetzen.

(Gehört zu meinen Spezialinteressen mich mit Themen stark zu befassen. Somit habe ich ein Spezialinteresse, dass in diesem Bereich geistiger Natur ist.)

Die Dinge in der Tiefe so gut ich immer kann verstehen zu wollen, erfahren, selbst erfahren zu wollen und dabei zu eigenem Verständnis und neuen Erkenntnissen zu gelangen, die mich "wachsen" lassen, sodass ich mich weiter entwickeln kann.

Vom Geistigen in Materielle, von innen nach außen.

Mich aktiv geistig mit etwas "denkerisch" auseinandersetzen IST für mich auch eine Art der Praxis, sofern ich dies ja bewusst tue, meinen Gedanken über etwas also nicht unkontrolliert ausgeliefert bin, sondern aufmerksam beobachte, was da in mir entsteht und auch bewusst zu lenken, wenn mir eine Idee kommt.

Ich liebe dies. Bei mir war es schon immer so, dass ich "gedankliche Puzzleteile" zusammensetze und so Stück für Stück ein immer klareres Bild vom "Ganzen" bekomme.

Die.Lehre des Buddha
enpfinde ich persönlich als ein wunderbar zentrales "Werkzeug" zur Geistesschulung im Hier und Jetzt.

Mein "Lehrer/ Zugang" dazu, wenn man das so nennen kann war im Beginn vor Jahren übrigens Eckhart Tolle, falls es jemanden interessiert.

Befreiung vom Leiden:
Ich nutze buddhistische Achtsamkeit und Meditation, um Egomechanismen und Leid im Alltag aufzuspüren und zu lösen und die Stille des zugrundeliegenden Gewahrseins zu erfahren.

Dienst am Ganzen:
Da wir aus meiner aktuellen Draufsicht alle "Teile desselben Gesamtgewahrsein" sind, ist praktiziertes Mitgefühl (Metta) keine moralische Pflicht, sondern eine logische Konsequenz für mich. Es optimiert die Qualität der Information, die ich in das kosmische Gesamtfeld einspeise.

Reifestufen:
Das Erkennen, dass sich das kosmische Gewahrsein auf verschiedenen Stufen der Reife ausdrückt, hilft mir tiefes Verständnis, Mitgefühl und radikalen Frieden mit dem aktuellen Ist-Zustand der Welt zu entwickeln.

Integraler Perspektivismus:
Radikale Akzeptanz aller Wege:

Ich lehne keine spirituellen Strömungen, Philosophien oder Religionen ab. Für mich ist jedes Glaubenssystem und jede Wissenschaft eine legitime Draufsicht, ein spezifischer Blickwinkel und eine Facette des einen Gesamt-Gewahrseins. Jede Praxis erfüllt zu ihrer Zeit und auf ihrer jeweiligen "Bewusstseinsstufe" einen Zweck. Sie sind allesamt Wege, über die sich das große Ganze in seiner unendlichen Vielfalt selbst erforscht, lernt, wächst und sich entfaltet.

Diese Einstellung zu entwickeln, empfinde ich ebenso als einen Teil der Praxis, da meine Geisteshaltung zu den Dingen, meinem Reden und Handlungen voraus geht.

Und nun bezogen auf die gängige buddhistische Praxis:

Anmerkung: Die Fachbegriffe habe ich recherchiert um sie möglichst korrekt zuordnen zu können. Eine wertvolle Fähigkeit von mir ist, dass ich mir Wissen sehr fix auch in der Tiefe aneignen und mit anderem oder auch Vorkenntnis und persönlicher Erfahrung verknüpfen kann. So baut bei mir dann immer alles quasi aufeinander auf.

Die 5 Tugenden (Die ethische Basis)

Diese Regeln schützen mein System vor negativem Karma und Unruhe im Geist. Ich nehme sie freiwillig an, um Leid im großen Ganzen zu verhindern und übe mich darin.

1. Leben schützen und bewahren (Ahimsa )
Praxis Beispiel: Kein fühlendes Wesen verletzen oder töten (wird von mir bspw. auch durch meinen Veganismus gelebt).

2. Nichts nehmen, was nicht freiwillig gegeben wurde
Praxis Beispiel: Kein Diebstahl, kein Betrug und kein Ausnutzen der Zeit, Energie oder Ressourcen anderer Menschen.
(Was ich sowieso natürlich finde und nicht üben brauche. Verbesserung ist evtl. darin zu finden, bewusster und gezielter zu konsumieren, wegen Ausbeutung usw. )

3.Respektvolle Beziehungen pflegen
Praxis Beispiell: Sexualität und Partnerschaft nicht nutzen, um zu manipulieren, zu hintergehen oder emotionalen Schaden anzurichten.
(Für mich auch sowieso klar. Aber ich habe erlebt wie es ist, "Opfer" eines solchen Verhaltens zu werden.)

4. Heilsam und wahrhaftig sprechen
Praxis Beispiel: Nicht lügen, keine Gerüchte verbreiten und Worte so wählen, dass sie Frieden stiften, anstatt Spaltung zu erzeugen.
(Hier übe ich noch in den Bereichen, wo ich mich über das Verhalten anderer sehr ärgere zunächst, wie ich dahingehend mein Denken, fühlen, reden weiser und Frieden stiftender lenken kann.)

5. Die Klarheit des Geistes bewahren
Praxis Beispiele: Verzicht auf berauschende Mittel (Alkohol/Drogen), die die Wahrnehmung vernebeln und dazu führen, die anderen Tugenden zu brechen.
Ganz Abstinent bin ich noch nicht. Da und dort konsumiere ich schon noch Alkohol. Aber dolle "Rauschzustände" mag ich eh nicht besonders, allein schon deshalb, weil ich lieber die Kontrolle über mein Inneres und mein Handeln habe.
Ein Erfolg ist zu vermelden: Seit einer überlebten Beinvenenthrombose, habe ich wieder mit dem Rauchen aufgehört und darf mich nun seit 4 Monaten wieder "Nichtraucherin" nennen. Das ist doch auf jeden Fall ein Fortschritt würde ich meinen.

Als gelebte Praxis empfinde ich ausserdem, dass ich mich bewusst für einen Job entscheide, der anderen nicht schadet, sie ausbeutet und dergleichen.

Oder auch, dass ich mich dem Minimalismus in der Art zugewandt habe, dass ich meine Wohnung und mein "Hab und Gut" immer wieder darauf überprüfe, ob die Dinge die ich gerade habe, mir nützen oder mir Freude machen. Und alles das, was dies nicht erfüllt, ist überflüssig.
Zudem gehe ich mit dem Gedicht:
"Es ist alles nur geliehen" konform.

Die 6 Paramitas (Die evolutionären Tugenden)

Diese Qualitäten kann ich aktiv im Alltag nutzen, um mich weiter zu entwickeln und "höherwertige Daten in das kosmische Feld einzuspeisen."

1. Großzügigkeit (Dana )
Praxis: Teilen von Materiellem, aber vor allem das Schenken von angstfreier Aufmerksamkeit, Zeit, Trost und Liebe.
2. Ethik & Disziplin (Sila)
Praxis: Das konsequente, freudige Ausrichten des eigenen Lebens an den oben genannten 5 Tugenden.
3. Geduld & Nachsicht (Kshanti)
Praxis: Die Fähigkeit, bei Widerständen, Fehlern oder anstrengenden Menschen gelassen zu bleiben, ohne mit Wut oder Frust zu reagieren.
4. Tatkraft & freudige Anstrengung (Virya)
Praxis: Die innere Begeisterung und Ausdauer, kontinuierlich an der eigenen Bewusstseinsentwicklung und am Dienst für das Ganze zu arbeiten.
5. Meditation & Geistesruhe (Dhyana )
Praxis: Das regelmäßige Training der Aufmerksamkeit, um den Geist stabil, fokussiert und im Hier und Jetzt zu verankern.
6. Weisheit (Prajna )
Praxis: Das tiefe, intuitive Verständnis der Wirklichkeit, das Erkennen, dass alles miteinander verbunden und Teil des einen Gesamt-Gewahrseins ist.

Das ist je nach aktueller Lebenssituation und dem was mir im Moment begegnet ein fortwährender Übungsprozess denke ich.

Der Edle Achtfache Pfad

Bereich 1: Weisheit (Prajna)
Wie ich die Welt sehe

1. Rechte Erkenntnis (Rechte Ansicht):
Die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, vergänglich und miteinander verbunden. Für mich bedeutet das: Das Erkennen, dass alles aus dem einen Gesamt-Gewahrsein entspringt.

2. Rechter Entschluss (Rechte Gesinnung):
Die bewusste Absicht, das Leben von gutem Willen, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit (wie meinem Veganismus z.B) leiten zu lassen, statt von Gier oder Ärger.

Bereich 2: Ethik (Sila)
Wie ich im Außen handle

3. Rechte Rede:
Keine Lügen, keine hasserfüllten Worte oder sinnloses Gerede. Worte nutzen, die heilen und verbinden.

4. Rechtes Handeln:
Das Leben nach den Tugenden ausrichten, kein Leben verletzen, nicht stehlen, respektvoll mit anderen umgehen usw.

5. Rechter Lebensunterhalt:
Einen Beruf ausüben, der der Welt und anderen Lebewesen nicht schadet (z. B. keine Waffenproduktion, kein Handel mit Giften oder Ausbeutung, wie bereits kurz erwähnt.)

Bereich 3: Geistesschulung (Samadhi )
Wie ich mein Gehirn trainiere

6. Rechte Anstrengung (Rechtes Streben):
Die bewusste Steuerung meiner Gedanken. Unheilsame Gedanken (wie Neid oder Wut) gar nicht erst groß werden lassen; heilsame Gedanken (wie meine Metta-Praxis) aktiv nähren.

7. Rechte Achtsamkeit:
Ganz im Hier und Jetzt sein. Den eigenen Körper, die Gefühle und die Gedanken im aktuellen Moment wertungsfrei beobachten.

8. Rechte Sammlung (Rechte Meditation):

Den Geist durch regelmäßige Praxis so weit beruhigen und fokussieren, dass er stabil und klar wie ein stiller Bergsee wird.

So, dass war mal wieder recht viel. Aber ja nun, so ist das mit meinem AuDHS Hirn, vor allem mit dem ASS Teil, der überwiegt. Aber, dieser Teil von mir hat auch so seine Talente und Vorteile, die ich mittlerweile immer besser zu nutzen verstehe.

Also, all das ist für mich in meinem Verständnis davon bspw. gelebte Praxis. Reicht auch erstmal. Lach
 
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