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Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Der Dalai Lama antwortete auf die Frage was denn das wichtigste in der Praxis sei,der Humor (was gleich herzliches Lachen bei ihm und im Saal auslöste)
Über die eigene Dummheit zu lachen ist nicht verkehrt ;)
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Der Dalai Lama antwortete auf die Frage was denn das wichtigste in der Praxis sei,der Humor (was gleich herzliches Lachen bei ihm und im Saal auslöste)
Über die eigene Dummheit zu lachen ist nicht verkehrt ;)
Das ist prima ausgedrückt. Zurück zum Thema. Ich habe irgendwo über einen Menschen gelesen, der sich immer in den eigenen Sarg hingelegt hat, als ob er noch im Leben wäre. Und alle haben gelacht. Dann, als er starb, lachten die Leute wieder.
In diesem Buch über den Buddha hatte er gesagt, die Leute sollten eigentlich feiern, wenn er verscheidet. Denn wenn sie ihn alle mit dem vergänglichen Körper identifizieren, dann haben sie den Sinn der Lehre nicht erfasst. Macht doch Sinn, scheint mir.
Ich denke, es lohnt sich, so zu praktizieren. Ich lebe jetzt den letzten Tag, dann die letzte Stunde, aber dann die letzte Minute. Was ist also wirklich wichtig im Leben, wenn es so vergänglich, flüchtig, verflogen ist... wie ein Wimpernschlag,- bumm!-, und es ist schon weg... Gute Übung. Manche machen das erst so, wenn es zu spät ist.
Ich denke inzwischen, es ist immer! zu spät.

Das Leben ist kurz und kann jeden Moment enden und daher vergeuden wir unsere kostbaren Gelegenheiten, die wir haben, nicht mehr, um etwas Sinnvolles zu tun solange wir noch die Chance dazu haben.
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Ich lebe jetzt den letzten Tag, dann die letzte Stunde, aber dann die letzte Minute. Was ist also wirklich wichtig im Leben, wenn es so vergänglich, flüchtig, verflogen ist..
Es geht um noch mehr: um die absolute Essenz der gesamten Lehre – nicht mehr und nicht weniger. Ich zitiere hier kurz Anālayo und verlinke noch eine Seite.

Zuerst analysiert und erörtert der Autor sehr ausführlich, warum wir alle diese Wahrheit über den Tod verdrängen oder rationalisieren, was ich mir im Moment hier erspare. Dann schließt er daraus – schauen wir uns das mal an:
Auf diese Weise breitet die Angst vor dem Tod ihre Fangarme wie ein
Polyp aus, wodurch das eigene Identitätsgefühl gestärkt und gefestigt wird.
Dies bildet den Hintergrund für den in frühen buddhistischen Texten
hergestellten Zusammenhang zwischen dem Gedenken an den Tod und
dem Erwachen – der Verwirklichung des Todeslosen. Die Angst vor dem
Tod ist eng mit dem Festhalten an einem Persönlichkeitsgefühl,
sakkāya, verknüpft. Wer die Wahrheit des „Nicht-Selbst“ vollständig erkannt hat, überwindet damit die Angst vor dem Tod.
Das ist wirklich faszinierend! Die Verwirklichung des Todlosen ist überhaupt nur dann möglich, wenn der Mensch keine Angst vor dem Tod hat.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn ich Angst vor dem Altern, vor Krankheit und vor dem Sterben habe und diese Prozesse nicht ohne Wenn und Aber akzeptiere, dann kann man tausend Reden halten oder Sutren zitieren – es wäre alles für die Katz. Es gäbe keine innere Transformation, sondern nur theoretisches Kopfwissen.
Das Heilmittel, das für diese Genesung erforderlich ist, ist erstaunlich
einfach: Man lenkt seine Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit, dass der
eigene Tod genau hier und jetzt eintreten könnte.
Es genügt, sich der
eigenen Sterblichkeit im gegenwärtigen Augenblick bewusst zu werden.
Eine solche Praxis kann eine beachtliche transformative Wirkung entfalten –
nicht nur für einen selbst, sondern auch im Umgang mit anderen. Wie
Kübler-Ross betont: Wenn wir alle uns ernsthaft darum bemühen würden,
über unseren eigenen Tod nachzudenken, uns mit unseren Ängsten im
Zusammenhang mit dem Tod auseinanderzusetzen und anderen dabei zu
helfen, sich mit diesen Gedanken vertraut zu machen, gäbe es vielleicht
weniger Destruktivität um uns herum.
Weniger Destruktivität klingt für mich besonders bestechend, wenn wir uns vergegenwärtigen, in welcher wirren Zeit wir leben. Dazu gibt es den anderen Faden über die Politik, deswegen lasse ich das einfach.

Im Nachwort zum Buch von Aming Tu lese ich:

Während ich mich mit den entsprechenden Parallelen im Pali -Kanon befasste, stellte ich zudem fest, dass ein vergleichendes Studium der Texte mein Verständnis der Lehre vertiefte und mir dabei half, …...den Kern der Botschaft des Buddha zu erfassen.
Und dieser erfahrene Buddhist hatte Krebs, was er selbst beschreibt.
Er merkt:

Was ist der Kern der Lehre des Buddha? War es nicht die Begegnung mit Alter, Krankheit und Tod, die den Prinzen Siddhartha dazu veranlasste, seinen Palast zu verlassen und sich auf die Suche nach Befreiung von diesem Leiden zu begeben?
Erst da verstand ich wirklich die folgenden beiden Passagen: „Es gibt diese drei Dinge, über die die Welt nicht gerne nachdenkt. Was sind diese drei? Es sind Alter, Krankheit und Tod“ sowie: „Weil es diese drei Dinge in der Welt gibt, über die man nicht gerne nachdenkt – nämlich Alter, Krankheit und Tod –, erscheinen Buddhas, Tathāgatas, in der Welt, und die Welt erfährt von der Lehre, die von den Buddhas, den Tathāgatas, verwirklicht und [den Menschen] weithin vermittelt wurde.
Kein Kommentar ist hier nötig.

Der Buddha sagte zu Ananda, er sei sehr sorglos. Er selbst denke bei jedem Einatmen an den Tod. Er kontempliert, wenn er einatmet und nicht mehr ausatmet, dann würde er sterben. In ähnlicher Weise kontempliert er, wenn er ausatmet und nicht mehr einatmen kann, dann würde er sterben. So oft hat Buddha an den Tod, an die Vergänglichkeit gedacht. Dies ist eine ganz wichtige Lehre, die Buddha gegeben hat.

Nochmal: 25) Mindfully Facing Disease and Death, Compassionate Advice from Early Buddhist Texts, Cambridge: Windhorse, 2016. download

 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Es gibt eine schöne Passage von Anālayo, wo er klar und deutlich anmerkt: Wenn wir geboren werden, dann sterben wir auch – es kann gar nicht anders sein. Jede Geburt mündet unausweichlich im Tod. Und deswegen stellt auch die Wiedergeburt keine Lösung dar, sagt er weiter. Warum? Weil das Sterben bestehen bleibt. Nur das endgültige Ende der Wiedergeburten, also das Ende von Samsara , entspricht dem, was der Buddha lehrte.

Kann sein, dass der Buddha genau deswegen seine zwei ehemaligen Lehrer verlassen hat. Yoga sowie alle möglichen Stufen der Versenkung sind nicht ausreichend; diese Zustände können zwar so lange dauern, als ob sie ewig wären, aber so ist es nicht. Nibbana ist nicht bedingt, durch den Pfad nicht! -Erreichbar. Es ist immer schon da.

Um wiederum die Gegenargumente vorwegzunehmen, zitiere ich kurz aus „Buddhadhamma“:

Dem aufmerksamen Betrachter stellt sich daher die Frage, ob nibbāna nicht doch aus einer Ursache hervorgehen müsste, da nibbāna ja das Ergebnis des magga – der Praxis gemäß dem Pfad – ist.


Dieser Zweifel lässt sich mit einem kurzen Gleichnis beantworten: Vergleicht man die Praxis zur Verwirklichung des nibbāna mit einer Reise nach Chiang Mai, so wird deutlich, dass Chiang Mai als Ziel der Reise nicht das Ergebnis des Weges oder des Reisens ist. Ob es eine Straße oder eine Reise gibt oder nicht – Chiang Mai existiert gleichwohl. Die Straße und das Reisen sind die Ursache dafür, dass man Chiang Mai erreicht, nicht aber die Ursache von Chiang Mai selbst. Ebenso sind der Pfad (magga) und die Praxis gemäß dem Pfad die Ursache für die Verwirklichung des nibbāna, nicht aber die Ursache des nibbāna selbst.45
6.3.2 Textstellen, die den Zustand des Nibbāna beschreiben

Zu Anālayo-Quelle:

60) “Memento Mori: Recollection of Death in Early Buddhist Meditation ”, in From Local to Global, Papers in Asian History and Culture, K. Sheel, C. Willemen, K. Zysk (ed.), 2017, 581–599, Delhi: Buddhist World Press. download


P.S.

Es ist interessant und bemerkenswert, dass Bhikkhu Anālayo Bhikkhu Bodhi zitiert. Ich habe recherchiert, es geht um diesen Satz:

„Es ist interessant festzustellen, dass die Achtsamkeit auf den Tod in der Todlosigkeit gipfelt.“
Auf Englisch (Original):

“It is interesting to note that mindfulness of death culminates in the deathless.”
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Ich habe mich immer zu sehr auf jenes konzentriert, was scheinbar denkt, geboren wurde und sterben wird. Mit dem habe ich mich identifiziert und jenes was nicht denkt, nicht geboren wurde und sterben kann, habe ich ignoriert.
Erziehung, Bildung, Umfeld war meine Garantie für die Urne, für Kummer und Sorgen.

Im Buddhismus gibt es ja den Stromeintritt, aber es kommt mir so vor, als müsste man gegen den Strom der anerzogenen, angelernten Ansichten ankämpfen, um an der Quelle zu erkennen, dass da kein Ich ist, aber ein ungeborener , todloser stiller Frieden, der unabhängig von jenem ist, was wir als unser Leben bezeichnen würden.

Ich dachte immer, dass die Meditation den Stress entfernt und mich glücklich macht, aber sie entfernt eine Idee und einen Glauben (von einem Ich) und dadurch entsteht Freiheit und Frieden.

Mögen wir alle Frieden finden
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Das ist prima ausgedrückt. Zurück zum Thema. Ich habe irgendwo über einen Menschen gelesen, der sich immer in den eigenen Sarg hingelegt hat, als ob er noch im Leben wäre. Und alle haben gelacht. Dann, als er starb, lachten die Leute wieder.


Ich war mal sozusagen der Diener oder Assistent von einem Lehrer. In dieser Zeit musste ich so kleine Arbeiten in seinem Büro und seiner Hütte erledigen.
Er hat vor dem schlafen gehen noch mal geschaut ob alles ordentlich war. Ich sagte ihm manchmal, dass ich das morgen erledige. Er sagte dann zu mir dass wir morgen vielleicht nicht mehr am Leben sind, und er seine Hütte ordentlich hinterlassen wollte.
Damals verstand ich das noch nicht ganz…

Lg Martin
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Ich habe mich immer zu sehr auf jenes konzentriert, was scheinbar denkt, geboren wurde und sterben wird. Mit dem habe ich mich identifiziert und jenes was nicht denkt, nicht geboren wurde und sterben kann, habe ich ignoriert.
Erziehung, Bildung, Umfeld war meine Garantie für die Urne, für Kummer und Sorgen.
Das ist echt sehr gut erfasst, Martin. Ich sollte jemand sein, dem Ruhm, Ansehen oder Anerkennung gehört, der alle Frauen kriegt und immer jung bleibt.
Also, es geht um diese Konditionierungen oder Muster, so wie Patterns, die wir nicht hinterfragen. Ich sollte einfach glücklich sein. Wer bitte schön hatte mir das versprochen? Ich werde niemals krank und alt. Und wenn es doch so passieren würde, dann kann mich die moderne Medizin immer retten. Das alles ist eigentlich Schwachsinn, aber wir alle klammern uns an diese Vorstellungen. Dann irgendwann wird der Mensch ernsthaft krank und es gibt keinen anderen Ausweg, als das alles in die Mülltonne wegzuschmeißen und so das Leben und den Tod zu sehen, wie sie wirklich sind.

Im Buddhismus gibt es ja den Stromeintritt, aber es kommt mir so vor, als müsste man gegen den Strom der anerzogenen, angelernten Ansichten ankämpfen, um an der Quelle zu erkennen, dass da kein Ich ist, aber ein ungeborener , todloser stiller Frieden, der unabhängig von jenem ist, was wir als unser Leben bezeichnen würden.
Dieser stille Frieden ist nur dann eigentlich möglich, wenn jemand wirklich diese "angelernten Ansichten", wie du es ausdrückst, loslässt. Das ist genau das Spielchen von Mara , also der blendende Schein der Dinge wie Schönheit, Jugend oder die Gesundheit. Das alles sind vergängliche Dinge. Ich verliere das alles früher oder später, da hilft nichts, null.
Und wenn ich bereit werde, alles zu verlieren, dann bleibt dieser innere Frieden oder diese Ruhe. Dieser Geschmack gehört mir nicht, deswegen ist er nicht geboren und kann auch nicht sterben.

ch dachte immer, dass die Meditation den Stress entfernt und mich glücklich macht, aber sie entfernt eine Idee und einen Glauben (von einem Ich) und dadurch entsteht Freiheit und Frieden.
Ja, der totale Verlust des „Ich“ als die Illusion. Als fest im eigenen Inneren verankerter Glaube, dass es etwas Festes oder Solides gibt, das mir quasi gehört und das ich steuern kann. Das ist der normale, also gewöhnliche Wahnsinn, in dem wir alle leben.
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Er hat vor dem schlafen gehen noch mal geschaut ob alles ordentlich war. Ich sagte ihm manchmal, dass ich das morgen erledige. Er sagte dann zu mir dass wir morgen vielleicht nicht mehr am Leben sind, und er seine Hütte ordentlich hinterlassen wollte.
Hm, sieh hier:
Du hast keine Zeit, mein Freund, keine Zeit. Niemand von uns hat Zeit“, sagte er.
„Ich stimme dir zu, Don Juan, aber...“
„Stimme mir nicht nur einfach zu“, schnitt er mir das Wort ab. „Anstatt so leicht zuzustimmen, solltest du besser entsprechend handeln. Nimm die Herausforderung an, ändere dich.“ „Du denkst, du hast viel Zeit, aber das ist ein Irrtum. Du hast keine Zeit. Der Tod ist der einzige weise Ratgeber, den wir haben.
Carlos Castaneda.

Aus dem Vortrag von Ajahn Cattamalo, Kloster Muttodaya, 30.10.2021: „Jedem seinen Ajahn Chah“:

Weil du die Wahrheit siehst, besteht kein Zweifel mehr daran, dass dieser Körper, der Natur gemäß, verfaulen muss. Vertiefe dich, so sehr du kannst, in diese Reflexion, bis Fäulnis wahrzunehmen, fest im Geist verankert ist. Wo du in jedem, den du anschaust, eine Leiche siehst, ob Mann, ob Frau, du siehst nur Leichen, siehst sie in dir selbst. So wird am Ende jeder eine Leiche, die verfault. Wenn du dich richtig reinhängst, ist es wirklich amüsant. Bemühe dich, bis es dir übergeht in Fleisch und Blut.
Krass!
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Heute ist Allerheiligen und morgen Allerseelen, man schmückt die Gräber der Verwandten und Freunde mit Kerzen und Blumen. In jeder Kultur gibt es einen Brauch des liebevollen Gedenkens an die Abgeschiedenen, möge es ihnen zugute kommen.
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
einen Brauch des liebevollen Gedenkens an die Abgeschiedenen, möge es ihnen zugute kommen.
Als mein Dad gestorben war, war sein Foto immer auf dem Bettrand. Ich habe ihn in den Gedanken begleitet und Metta gesendet. Kann sein, es hat mir mehr geholfen als ihm, mit dem Verlust umzugehen. Das ist der Sinn dieser Bräuche. Sie haben die Funktion, uns selbst zu trösten.
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Das passt verdammt gut zu den Reflexionen über den Tod. Das Buch gibt es zwar auf Deutsch, aber es ist leider vergriffen und teuer.

So:

Die Kunst des letzten Augenblicks: Todesgedichte japanischer Zenmeister (HERDER spektrum)



1793892939689.png
toaikhanh.com
https://www.toaikhanh.com › resources › Death_P...



PDF

JAPANESE. EATH. POMS. Written by Zen Monks and Haiku Poets on the Verge of Death compiled with an Introduction and commentary bv YOEL HOFFlvlANN. -'. CHARLES E ...
183 Seiten
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
@Igor07 ,falls das hier nicht reinpasst kann man es gerne löschen:)

Hab heute einen sehr inspirierenden Vortrag auf der Muttodaya Website gehört,gegeben von Mettiko am 24.3.2018.

Wann ist Jetzt

Der Titel hat mich neugierig gemacht,ich wurde nicht enttäuscht :wrose:
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Hab heute einen sehr inspirierenden Vortrag auf der Muttodaya Website gehört,gegeben von Mettiko am 24.3.2018.

Wann ist Jetzt
@Monkey Mind .

Da ist soooo ein echt verdammt cooler Vortrag, danke sehr noch mal.
Der passt eigentlich zu dem existenziellen oder, wie phänomenologischen Zugang zum Dharma .
Mettiko Bhikkhu versucht hier, die strukturelle – also auf vielen Ebenen gleichzeitig verlaufende – Beschaffenheit unseres Erlebens zu entschlüsseln-und zu erkären, klar.
Er greift dabei die Ideen von Sāmaṇera Bodhesako und Ñāṇavīra Thera auf, Letzteren betrachtet er ja als den besten Dharma-Lehrer überhaupt.

Dabei verspottet regelrecht Mettiko Bhikkhu die Idee von Flux, so sagt er selbst dazu (ich würde nicht extra zitieren, um den ganzen Beitrag kompakt zu gestalten): „Der Daseinsstrom, Daseinsgliederstrom oder so ähnlich wird das wörtlich übersetzt. Bhavanga ist so der Kitt, mit dem man die Risse in den löcherigen Konzepten kittet, und das ist der Kitt, mit dem man die Geistmomente zusammenklebt.“
So, man spricht heutzutage meistens über diesen Strom, der sozusagen wie objektiv (also unabhängig von uns) still dahinplätschert, von einem Leben ins andere. Wer das Buch „Gegen den Strich“ durchstudiert hat (ich nicht, sollte wieder immer lesen …), kann diese Ironie, die im Vortrag gut erkennbar ist, fast wie zwischen den Wörtern spüren.

Nicht umsonst zitiert der Autor auch Martin Heidegger über die Zeit, die sich selbst zeitigt oder gleichsam gebärt.

Ich versuche, das Ganze einmal so zu erklären, wie ich es bis heute verstanden habe: In der Dīgha Nikāya 33 geht es im Kern um die drei Zeiten, nämlich den vergangenen Zeitraum, den zukünftigen Zeitraum und den gegenwärtigen Zeitraum (addhā).

Die Zeit kann man als ein Hologramm nachvollziehen, das auf verschiedenen Ebenen anders verläuft. Ein Lied geht zu Ende, aber das Konzert nicht. Die Symphonie geht zu Ende, aber das Konzert nicht. Und wenn das Konzert zu Ende geht, dann geht die ganze
Veranstaltung im Theater weiter. Das ist dieses Prinzip des Dukkha , das immer auf der Ebene der Beständigkeit bestehen bleibt. Aber wir sehen es nicht. Genau das bleibt vor uns verborgen. Genau in diesem Sinne sind alle Glieder der Kette wie von Dukkha infiziert. Deswegen kann man das ganze Modell über drei Leben im Visuddhi-Magga auch direkt in die Mülltonne werfen.

Warum aber sehen wir das nicht?

Der Autor sagt dazu: „Begehren ist der Wunsch, die Lücke zwischen dem gefühlten, ewigen Selbst, das wir zu sein scheinen, und der Tatsache, dass wir nichts vorzuweisen haben, was wir denn nun ewig und auf Dauer und für alle Zeiten sind, zu schließen.“

Für mich ist hier das Wort „Lücke“ ausschlaggebend. Diese Lücke – oder das existenzielle Vakuum in den Begriffen der existenziellen Philosophie – versuchen wir alle verzweifelt aufzufüllen. Wir erschaffen Atta oder diesen Atman in jedem Augenblick immer wieder neu. Aber dann reden wir alle über Anatta , was bei mir nur ein Schmunzeln auslöst. Denn dieses Ich ist als Schatten immer real, und deswegen läuft das ganze Leiden brav weiter (Ironie), weil ich einfach nicht imstande bin, das zu sehen.

Anders ausgedrückt: Wenn das Problem auf allen Ebenen zugleich existiert, verarscht sich der normale Mensch sozusagen selbst. Er flieht immer auf die andere Ebene, die dauert. Oder die immer wieder andauert. Diese Ebene wirkt nicht vergänglich – ansonsten wären wir alle schon längst erwacht, wenn wir rein intellektuell das Prinzip von Anatta verstehen würden.

Ich lasse das ganze dazu passende Problem mit der sogenannten Wiedergeburt jetzt mal in Ruhe. Irgendwann ein anderes Mal. Im nächsten Leben. Als Katze. (Ironie, oder?).


P.S. Mettiko Bhikkhu ist wirklich total begeistert von der ganzen existenziellen Philosophie, die er fast überall zitiert – wie etwa von Ñāṇavīra, welcher wiederum so heftig und unerbittlich von Anālayo und Bhikkhu Bodhi kritisiert wurde. Dabei geht er auf ihre Kritik ein und lässt sie beide nicht gelten – sehr nüchtern und sachlich. Ich habe mir echt fast den Kopf zerbrochen, denn ich wollte die ganze Argumentation verstehen.
Ñāṇavīra war wirklich genial; das denke ich nach allem, was ich überhaupt über den Buddhismus weiß. Keine Mystik , keine paranormalen Wunder, die im Pali-Kanon wie in der Bibel mehr als genug zu finden sind. Und das Buch liest doch fast kein Mensch, denn was suchen wir alle in der Religion? Trost. Trost, dass es weitergeht. Dass wir alle glimpflich davonkommen. Jemand anderer (man-M.Heidegger) wird alt, krank und stirbt – aber nicht ich. Ich bin etwas Besonderes.
So entsteht immer wieder das Ergreifen nach dem Vergänglichen, nach dem Bedingten. Das kann man mit dem Kratzen von juckenden Wunden am Körper vergleichen: Am Ende wird es nur noch mehr schmerzen. Mehr noch: Wer diese ganze Kette, die sozusagen immer auf verschiedenen Etagen im JETZT! verläuft, nicht durchschaut, wird zwangsläufig ge-täuscht, dann ent-täuscht und als Folge ver-zweifelt. Er wird immer sehnsüchtig nach etwas begehren, denn andere Lösungen kennt die Mehrheit der Menschen nicht – und diese Sehn-sucht entartet darin, dahin-zu-siechen. Und genau das ist das Wesen von Samsara.


Alter, Krankheit und Tod“ ist eine Formulierung, die in der Lehre des Buddha, wie sie in den Pali-Suttas aufgezeichnet ist (und in der Tat auch in den späteren Sanskrit-, chinesischen und tibetischen Texten), immer wieder vorkommt. Das Zitieren selbst eines kleinen Teils solcher Textverweise [1] würde den Rahmen dieser kurzen Diskussion weit sprengen: Die Tatsache der Sterblichkeit des Menschen – eine ständige Gefahr in einer unbeständigen Welt – ist eine Erkenntnis, die für die von der Lehre des Buddha präsentierte Lebensperspektive absolut grundlegend ist.
Der Buddha und die Catch-22
von Sāmanera Bodhesako


 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Wir erschaffen Atta oder diesen Atman in jedem Augenblick immer wieder neu
Mir scheint, ich habe das Problem korrekt verstanden. Ich zitiere also Mettiko Bhikkhu selbst und hänge die Datei an. Wer mitdiskutieren möchte, den bitte ich, sie sehr aufmerksam zu lesen.


Unwissenheit findet
sich beim Weltling dabei auf jeder Stufe. Egal wie weit er "zurückgeht", um Unwissenheit oder Nicht-
Selbst zu betrachten, er nimmt dabei immer das betrachtende unwissende "Selbst" mit.
Deshalb spricht der Autor über die rückbezüglichen Schleifen.
 

Anhänge


Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Danke @Igor07
Ich kann dir da nur Recht geben,ich würde manches nur nicht so radikal formulieren.
Das drei Leben Modell würde ich nicht gleich in die Mülltonne treten:giggle:
Wenn man dieses Floß(diesen Körper der in meinem Fall 1958 geboren wurde)nicht in dieser Lebenspanne zur Befreiung genutzt hat
wird die Unwissenheit wieder nach dem allseits gefürchteten Tod Form annehmen.

Dieses Floß lässt erst der Arhath los.

Mettiko hat am Schluss seines Vortrags, als er die Reakionen auf das Dargelegte sah,auf die Wichtigkeit von Samadhi und rechte Achtsamkeit hingewiesen.
Eine objektive Sichtweise ist schwer zu erlangen,die Flucht in das Subjekt ,sprich in die neue Geburt ist nicht leicht zu erkennen,
sie findet ohne Unterbrechen statt.

Wenn man das ganze Intellektuell erfasst hat,dann kann die zielführende Praxis beginnen.
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Das kontemplieren der Vergänglichkeit muss in jedem Moment geschehen. Und wenn man genau hinschaut, dann wird man irgendwann feststellen , was da entsteht und vergeht.
Und wenn man versteht was entsteht und vergeht, dann öffnet man die Tür zum Todlosen.

Meine Lehrer waren und sind nicht nur Nonnen und Mönche, sondern alles was mir im Alltag begegnet ist.

Mögen wir alle Frieden finden!
IMG_7059.jpeg
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
@Martin Du schreibst hier: Und wenn man genau hinschaut,dann wird man irgendwann feststellen,was da entsteht und vergeht

Magst du das benennen,was da entsteht und vergeht?
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
@Martin Du schreibst hier: Und wenn man genau hinschaut,dann wird man irgendwann feststellen,was da entsteht und vergeht

Magst du das benennen,was da entsteht und vergeht?
Es gibt eine kurze Antwort, die aber falsch interpretiert werden könnte, und eine lange ausführliche Antwort.
Vielleicht schreibe ich irgendwann mal eine ausführliche Antwort dazu.

Lg Martin
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Magst du das benennen,was da entsteht und vergeht?
Genau da liegt der Haken, denn Ñāṇavīra sieht darin keine zeitliche Struktur, sondern einen Verlauf, der sich immer im Jetzt abspielt. Für die Wiedergeburt im traditionellen Sinne bleibt da kein Platz.

Einem Buddha ist es zweifellos möglich, die Wiedergeburt zu sehen, die in jedem Augenblick auf ein lebendes Individuum wartet, das noch taṇhā hat – die Wiedergeburt sozusagen, die jetzt auf das Individuum wartet, das jetzt taṇhā hat.
So Ñāṇavīra,
Und weiter:
dann ist der Bedingungszusammenhang von Wiedergeburt und taṇhā für einen Buddha eine Angelegenheit direkter Schauung, ohne zeitlichen Ablauf.
Also ohne diese Achse der Zeit, im Sinne von der Vergangenheit in die Zukunft. Gerade deswegen kann der normale Mensch diese Hologramm-Struktur der zurückbezogenen Schleifen nicht sehen. Das wurde von Samanera Bodhesako sehr gut erklärt, und Metiko Bhikkhu hat auch sein Buch übersetzt.
Tolle Leistung!
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
die aber falsch interpretiert werden könnte
Folglich fehlt eine sachliche Argumentation, lieber @Martin .

Noch der Autor:
Der puthujjana, der sein anscheinend vorhandenes „Selbst“ für bare Münze nimmt, sieht nicht, dass er ein Opfer von upādāna ist; er sieht nicht, dass „ein Selbst sein“ von „den Glauben an ein Selbst festhalten“ abhängt (upādānapaccayā bhavo); und er sieht nicht, dass Geburt und Tod von seinem „ein Selbst sein“ abhängen (bhavapaccayā jāti und so weiter). Der ariyasāvaka dagegen sieht diese Dinge und er sieht auch ihr Aufhöfhöören (auch wenn er es vielleicht noch nicht vollständig verwirklicht hat); und sein Sehen dieser Dinge ist unmittettaelbar. Ganz klar, die Idee von Wieder-Geburt ist hier völlig irrelevant.
Das ist ja gerade der Punkt, den ich zu erklären versuchte

S.40, PDF( Deutsch).

Und wenn man genau hinschaut, dann wird man irgendwann feststellen , was da entsteht und vergeht.
@Martin, das widerspricht total dem, was Mettiko Bhikkhu sagt und immer erklärt.

Ich habe dich doch gefragt: Hast du sein Buch "Gegen den Strich" vollständig durchstudiert? Ich nicht. Denn nur Bodhesako zu verstehen fällt schwer. Er benutzt Begriffe aus der Informatik, genau wie bei den Fußnoten zur Mittleren Sammlung von Kay Zumwinkel.
@Monkey Mind -
Meine eigene Position besteht darin, dass es schon zu viel ist, wenn ich die ganze Struktur durchschaue – und zwar immer im Alltag. Aber es ist kaum möglich, was dann wiederum eine andere Frage wäre.
Blindheit – so behaupten die Lehrreden des Buddha immer wieder – hat im Kern mit unserem Unvermögen zu tun, die Natur der Vergänglichkeit zu sehen und zu erkennen. Und doch sagt uns unsere eigene Erfahrung, wohin wir auch blicken, sehen wir, dass die Dinge in der Tat vergänglich sind. Falls der Buddha Recht hat, was ist uns dann entgangen?

Also wir alle fliehen uns unbewusst auf diese Ebene, die beständig bleibt. Wie im Beispiel mit dem Konzert am Abend. Wir bleiben immer als Atta – das ist echt krass. Deswegen mein höchster Respekt, sowohl für das Buch als auch für die ganzen Vorträge von Mettiko Bhikkhu, der sich so viel Mühe gibt, diesen ganzen Mechanismus zu erklären.


Danke für dein Feedback, @Monkey Mind. Ich bin etwas jünger als du.🙏
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Wenn ich die Frage die ich an @Martin gestellt habe,zu beantworten versuche,würde ich sagen,die Veränderung auf die es ankommt,
wäre zu erkennen das dieses Selbst der Hintergrund ist vor dem alle Bewegungen hier in Raum und Zeit ablaufen.
Dieser Atman der als scheinbar unbeweglicher Hintergrund diese Beobachtungen ermöglicht.

Also es gilt dieses Ich,diese grundlegende Unwissenheit zu durchschauen und loszulassen.
Dann bricht das Kartenhaus zusammen.

Es ist einfach aber nicht leicht:wrose:
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
das dieses Selbst der Hintergrund ist vor dem alle Bewegungen hier in Raum und Zeit ablaufen.
Genau! Echt! Aber wir sehen diesen Hintergrund sozusagen nicht, das ist ja das Problem. Es scheint wie der blinde Fleck, sozusagen.
Deswegen spricht Ñāṇavīra über den vertikalen Abgrund, also wie die gähnende Kluft, die uns aufsaugt.

Also es gilt dieses Ich,diese grundlegende Unwissenheit zu durchschauen und loszulassen.
Dann bricht das Kartenhaus zusammen.
Ja, wie Domino-Steine, die ganze Kette. Los-zu-lassen fällt besonders schwer, denn es fühlt sich so an, als ob man einfach nicht mehr existiert.
So wenigstens die Schilderungen von allen dieser Autoren.

Moment:

Nur in der vertikalen Betrachtung, geradewegs hinab in den Abgrund des eigenen persönlichen Daseins, ist der Mensch fähig, die gefährliche Unsicherheit seiner Situation zu erfassen; und nur ein Mensch, der diese tatsächlich erfasst, ist bereit, der Buddhalehre zuzuhören. Aber das menschliche Wesen, so scheint es, kann nicht sehr viel Wirklichkeit ertragen: Zum größten Teil ziehen sich die Menschen erschreckt und bestürzt von diesem schwindelerregenden Blick auf das Dasein zurück und suchen Zufluflaucht in Ablenkungen.

Gänsehaut Pur!


 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
@Martin, das widerspricht total dem, was Mettiko Bhikkhu sagt und immer erklärt.

Ich habe dich doch gefragt: Hast du sein Buch "Gegen den Strich" vollständig durchstudiert?

Ich habe vielleicht zwei seiner Bücher gelesen und werde kein weiteres Lesen. Warum? Weil der Lehrer von seinem Lehrer auch mein Lehrer war.

Ich habe eine ordentliche Einweisung in die Praxis bekommen und ich habe die Möglichkeit fragen zu stellen wenn es nötig ist.
Ich kenne aber seine Dhammatalks und ich kenne ihn. Und das genügt.
Mein Fokus lag seit jeher auf der Meditation.
Mir ist schon bewusst, dass der Westen inzwischen eine säkulare buddhistische Lehre bevorzugt, aber für mich ist das nichts.

Das Mantra Buddho reicht mir völlig aus.

Lg Martin
 
Re: Theravada Die Vergänglichkeit.
Mir nicht.

Ein wenig ausführlicher dazu: Einfach über die Vergänglichkeit zu kontemplieren, im Sinne von „alles entsteht und alles vergeht“, würde meistens niemals funktionieren. Denn wir alle wissen eigentlich, dass wir alt und krank werden und sterben. Mettiko Bhikkhu betont immer, dass dieses Entstehen wie Vergehen nicht so einfach klar zu sehen ist. Diese Ebene entzieht sich uns einfach, denn das Entstehen und Vergehen hat keine zeitliche Komponente.
Es ist nicht so, dass zuerst A entsteht und als Wirkung B vergeht, sondern das passiert zugleich. Wie ich früher versuchte zu erklären: Die Ursache und die Wirkung fallen zusammen. Was hier so paradox klingt, liegt daran, weil wir alle auf dieser Zeitachse leben und sie auch so wahrnehmen.
Manchmal zerbrechen eine schwere Krankheit, ein Unfall oder ein Verlust diese täuschende Struktur, die sich selbst aufrechterhält und wiederherstellt. Dann sieht der Mensch alles klar und wie durchsichtig. Und das ist der rein phänomenologische Zugang zu Buddhas Lehre.

Mein Lehrer, meine Praxis, mein Fokus – immer nur mein. Im Sinne von ‚Ich weiß alles besser als du‘. Aber bitte schön: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Mit Säkularismus hat das alles nichts zu tun. Das sollte geradegerückt werden.



„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist ein Spruch des antiken Sokrates"..,




Ajahn Mettiko Bhikkhu ist in Deutschland geboren. Er wurde 2004 in Wat Pa Nam Rin, Chiang Mai, Thailand von Phra Khru Dhammavarinurakkh ordiniert. Seine Ausbildungszeit verbrachte er in Wat Phra Dschau Ton Luang, Chiang Mai, bei Than Ajahn Thong Däng Varapañño, ein Jahr in Wat Pa Nanachat und zuletzt ein paar Monate im Kloster Vimutti nahe Auckland, Neuseeland. Er sammelte Thudong-Erfahrung in Thailand, Deutschland und Neuseeland.
 
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