Hab heute einen sehr inspirierenden Vortrag auf der Muttodaya Website gehört,gegeben von Mettiko am 24.3.2018.
Wann ist Jetzt
@Monkey Mind .
Da ist soooo ein echt verdammt cooler Vortrag, danke sehr noch mal.
Der passt eigentlich zu dem
existenziellen oder, wie
phänomenologischen Zugang zum
Dharma .
Mettiko Bhikkhu versucht hier, die strukturelle – also auf vielen Ebenen
gleichzeitig verlaufende – Beschaffenheit unseres Erlebens zu entschlüsseln-und zu erkären, klar.
Er greift dabei die Ideen von Sāmaṇera Bodhesako und Ñāṇavīra
Thera auf, Letzteren betrachtet er ja als den besten Dharma-Lehrer überhaupt.
Dabei verspottet regelrecht Mettiko Bhikkhu die Idee von
Flux, so sagt er selbst dazu (ich würde nicht extra zitieren, um den ganzen Beitrag kompakt zu gestalten): „
Der Daseinsstrom, Daseinsgliederstrom oder so ähnlich wird das wörtlich übersetzt. Bhavanga ist so der Kitt, mit dem man die Risse in den löcherigen Konzepten kittet, und das ist der Kitt, mit dem man die Geistmomente zusammenklebt.“
So, man spricht heutzutage meistens über diesen Strom, der sozusagen wie objektiv (also unabhängig von uns) still dahinplätschert, von einem Leben ins andere. Wer das Buch „Gegen den Strich“ durchstudiert hat (ich nicht, sollte wieder immer lesen …), kann diese Ironie, die im Vortrag gut erkennbar ist, fast wie zwischen den Wörtern spüren.
Nicht umsonst zitiert der Autor auch Martin Heidegger über die Zeit, die sich selbst
zeitigt oder gleichsam gebärt.
Ich versuche, das Ganze einmal so zu erklären, wie ich es bis heute verstanden habe: In der Dīgha Nikāya 33 geht es im Kern um die drei Zeiten, nämlich den vergangenen Zeitraum, den zukünftigen Zeitraum und den
gegenwärtigen Zeitraum (addhā).
Die Zeit kann man als ein Hologramm nachvollziehen, das auf verschiedenen Ebenen anders verläuft. Ein Lied geht zu Ende, aber das Konzert nicht. Die Symphonie geht zu Ende, aber das Konzert nicht. Und wenn das Konzert zu Ende geht, dann geht die ganze
Veranstaltung im Theater weiter. Das ist dieses Prinzip des
Dukkha , das immer auf der Ebene der
Beständigkeit bestehen bleibt. Aber wir sehen es nicht. Genau das bleibt vor uns verborgen. Genau in diesem Sinne sind
alle Glieder der Kette wie von Dukkha infiziert. Deswegen kann man das ganze Modell über drei Leben im Visuddhi-Magga auch direkt in die Mülltonne werfen.
Warum aber sehen wir das nicht?
Der Autor sagt dazu: „
Begehren ist der Wunsch, die
Lücke zwischen dem gefühlten, ewigen Selbst, das wir zu sein scheinen, und der Tatsache, dass wir nichts vorzuweisen haben, was wir denn nun ewig und auf Dauer und für alle Zeiten sind, zu schließen.“
Für mich ist hier das Wort „Lücke“ ausschlaggebend. Diese Lücke – oder das existenzielle Vakuum in den Begriffen der existenziellen Philosophie – versuchen wir alle verzweifelt aufzufüllen. Wir erschaffen Atta oder diesen
Atman in jedem Augenblick immer wieder neu. Aber dann reden wir alle über
Anatta , was bei mir nur ein Schmunzeln auslöst. Denn dieses Ich ist als Schatten immer real, und deswegen läuft das ganze Leiden brav weiter (Ironie), weil ich einfach nicht imstande bin, das zu sehen.
Anders ausgedrückt: Wenn das Problem auf allen Ebenen zugleich existiert, verarscht sich der normale Mensch sozusagen selbst. Er flieht immer auf die andere Ebene, die dauert. Oder die
immer wieder andauert. Diese Ebene wirkt nicht vergänglich – ansonsten wären wir alle schon längst erwacht, wenn wir rein intellektuell das Prinzip von Anatta verstehen würden.
Ich lasse das ganze dazu passende Problem mit der sogenannten Wiedergeburt jetzt mal in Ruhe. Irgendwann ein anderes Mal. Im nächsten Leben. Als Katze. (Ironie, oder?).
P.S. Mettiko Bhikkhu ist wirklich total begeistert von der ganzen existenziellen Philosophie, die er fast überall zitiert – wie etwa von Ñāṇavīra, welcher wiederum so heftig und unerbittlich von Anālayo und Bhikkhu Bodhi kritisiert wurde. Dabei geht er auf ihre Kritik ein und lässt sie beide nicht gelten – sehr nüchtern und sachlich. Ich habe mir echt fast den Kopf zerbrochen, denn ich wollte die ganze Argumentation verstehen.
Ñāṇavīra war wirklich genial; das denke ich nach allem, was ich überhaupt über den Buddhismus weiß. Keine
Mystik , keine paranormalen Wunder, die im
Pali-Kanon wie in der Bibel mehr als genug zu finden sind. Und das Buch liest doch fast kein Mensch, denn was suchen wir alle in der Religion? Trost. Trost, dass es weitergeht. Dass wir alle glimpflich davonkommen. Jemand anderer (
man-M.Heidegger) wird alt, krank und stirbt – aber
nicht ich. Ich bin etwas Besonderes.
So entsteht immer wieder das Ergreifen nach dem Vergänglichen, nach dem Bedingten. Das kann man mit dem Kratzen von juckenden Wunden am Körper vergleichen: Am Ende wird es nur noch mehr schmerzen. Mehr noch: Wer diese ganze Kette, die sozusagen immer auf verschiedenen Etagen im JETZT! verläuft, nicht durchschaut, wird zwangsläufig ge-täuscht, dann ent-täuscht und als Folge ver-zweifelt. Er wird immer sehnsüchtig nach etwas begehren, denn andere Lösungen kennt die Mehrheit der Menschen nicht – und diese Sehn-sucht entartet darin, dahin-zu-
siechen. Und genau das ist das Wesen von Samsara.
Alter, Krankheit und Tod“ ist eine Formulierung, die in der Lehre des Buddha, wie sie in den Pali-Suttas aufgezeichnet ist (und in der Tat auch in den späteren Sanskrit-, chinesischen und tibetischen Texten), immer wieder vorkommt. Das Zitieren selbst eines kleinen Teils solcher Textverweise [1] würde den Rahmen dieser kurzen Diskussion weit sprengen: Die Tatsache der Sterblichkeit des Menschen – eine ständige Gefahr in einer unbeständigen Welt – ist eine Erkenntnis, die für die von der Lehre des Buddha präsentierte Lebensperspektive absolut grundlegend ist.
Der Buddha und die Catch-22
von Sāmanera Bodhesako
pathpress.org