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traditionsübergreifend
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ich lese gerade Rahula , „Was der Buddha lehrt“. Er sagt etwas wie Ajahn Amaro: in diesem Leben, nichts woanders.
Wo sollte man auch sonst den heilsamen Wandel praktizieren, als in dem Leben, das man gerade hat.

Aus der rein existenziellen Sicht kann man sich das so vorstellen: Zeit ist eigentlich die Konstruktion des eigenen Denkens, in Richtung von Kant und dem Ding an sich selbst...
Man kann viel darüber nachdenken und studieren, aber gibt es einen direkten Zugang zum Zeitlosen, jenseits von Vorstellung und Denken? Ich glaube schon. Es ist das Todlose wo nichts vergeht, weil nichts entsteht. Der Schlüssel ist die Loslösung, das Gewahrsein ohne irgendetwas aus dem ununterbrochenen Fluss der Sinneseindrücke (inclusive Geistsinn) zu ergreifen, zu begehren und daran zu hängen.

Es ist in uns, unberührt und unbewegt wie dieses Zentrum in einem Wirbelsturm. Nicht leicht zu finden, sogar ein so ungewöhnlicher Mensch wie der Buddha hat enorme Anstrengungen unternommen, um es zu finden. Ohne rechte Sittlichkeit und Gesinnung entsteht nicht die nötige Geistesruhe für diesen tiefen Einblick. Achtsames Gewahrsein und Sammlung fördern wiederum Sittlichkeit und Weisheit, alles greift ineinander auf diesem Pfad.

Das Beste wäre, die gesamte Zeit in diesem Leben darauf verwenden, das Zeitlose zu erreichen. Wenn da nicht die Verblendung wäre, die Unwissenheit, die andere Dinge wichtiger erscheinen lässt. Man besinnt sich halt so oft wie möglich auf das Wesentliche, langsam bessert sich alles und es erwächst einem, der noch in der Zeit gefangen ist, ein heilsamer und beruhigender Ausblick auf die Zukunft: Das noch nicht erreichte werde ich erreichen.

Ihr Bhikkhus, ich bin mit diesem Vorankommen zufrieden. Mein Geist ist mit diesem Vorankommen zufrieden. Also bringt noch mehr Energie auf, um das noch nicht Erlangte zu erlangen, um das noch nicht Erreichte zu erreichen, um das noch nicht Verwirklichte zu verwirklichen. M.118
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Man kann viel darüber nachdenken und studieren, aber gibt es einen direkten Zugang zum Zeitlosen, jenseits von Vorstellung und Denken? Ich glaube schon. Es ist das Todlose wo nichts vergeht, weil nichts entsteht. Der Schlüssel ist die Loslösung, das Gewahrsein ohne irgendetwas aus dem ununterbrochenen Fluss der Sinneseindrücke (inclusive Geistsinn) zu ergreifen, zu begehren und daran zu hängen.
Das Denken eigentlich stellt nicht mehr als ein gutes Werkzeug dar, um es weiter hinter sich zu lassen.


Aber auch Arahat -s und selbst der Buddha verwendeten die sprachlichen Mittel der Erklärung und Auslegung weiter. Oder?


Und wir schreiben hier, warum machst DU es dann? Deine eigene Motivation?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Das Denken eigentlich stellt nicht mehr als ein gutes Werkzeug dar, um es weiter hinter sich zu lassen.

Aber auch Arahat-s und selbst der Buddha verwendeten die sprachlichen Mittel der Erklärung und Auslegung weiter. Oder?

Und wir schreiben hier, warum machst DU es dann? Deine eigene Motivation?
Weil ich das Werkzeug des Denkens noch nicht hinter mir gelassen habe.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Weil ich das Werkzeug des Denkens noch nicht hinter mir gelassen habe.
Das würde ich niemals machen. Denn für das Studieren des Dharma braucht man das Denken bestimmt.


Der Buddha hatte so meisterhaft und geschickt argumentiert, dass wir alle von ihm lernen sollten. Also hatte er den Verstand und das Denken benutzt, und zwar mit Erfolg.


Bis heute lesen wir Suttas, und wieder und wieder eröffnen sich uns neue Bedeutungen. Es gibt sogar Geschichten, in denen ein Mensch den heiligen Text nur hört, also zum ersten Mal, und wird erwacht. Oder wenigstens bestimmt das sein ganzes Leben.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Das würde ich niemals machen. Denn für das Studieren des Dharma braucht man das Denken bestimmt.

Der Buddha hatte so meisterhaft und geschickt argumentiert, dass wir alle von ihm lernen sollten. Also hatte er den Verstand und das Denken benutzt, und zwar mit Erfolg.

Bis heute lesen wir Suttas, und wieder und wieder eröffnen sich uns neue Bedeutungen. Es gibt sogar Geschichten, in denen ein Mensch den heiligen Text nur hört, also zum ersten Mal, und wird erwacht. Oder wenigstens bestimmt das sein ganzes Leben.
Magst du näher erklären, was du mit dem Satz in Beitrag 77 gemeint hast: "Das Denken eigentlich stellt nicht mehr als ein gutes Werkzeug dar, um es weiter hinter sich zu lassen." ?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Magst du näher erklären, was du mit dem Satz in Beitrag 77 gemeint hast: "Das Denken eigentlich stellt nicht mehr als ein gutes Werkzeug dar, um es weiter hinter sich zu lassen." ?
Wie ich es verstehe, ist die duale Sprache einfach nicht imstande, die unbedingte oder absolute Wahrheit wie Nirvana auszudrücken. Das wusste schon Ludwig Wittgenstein und die ganze existenzielle Philosophie.

So:

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
Quelle: Tractatus logico-philosophicus (Logisch-philosophische Abhandlung), 1921, 5.6.

Über Nirvana kann man so viel reden, aber es niemals erfassen. Rahula sagt dazu im Buch „Was der Buddha lehrt“ auf Seite 69, dass nach dem Lankavatara-Sutra das unwissende Volk in Wörtern stecken bleibt wie ein Elefant im Schlamm.


Es ist echt bemerkenswert, dass der Buddha nach dem Erwachen nicht reden wollte und dreimal dazu überredet werden musste, weil die Wahrheit nicht in den Wörtern steckt. Man kann alles lesen, alles wissen, aber man wäre dann nur der Gelehrte. Er ist wie eine KI, also kann er alles hinzitieren und auch erklären.


Der Weise schweigt meistens. Er weiß, dass die Wörter, egal welche, nicht imstande sind, das Absolute und Unbedingte zu vermitteln. Nur als Hinweis dienen sie, mehr nicht.


So etwas. Ich kann es nicht besser erklären.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Wie ich es verstehe, ist die duale Sprache einfach nicht imstande, die unbedingte oder absolute Wahrheit wie Nirvana auszudrücken.
Sehe ich auch so. Die Sprache gehört wohl mit zu dem Floß, mit dem man ans andere Ufer (Nirvana) gelangt. In diesem Sinne schreibe ich hier - Gespräche von Floß zu Floß sozusagen.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Sehe ich auch so. Die Sprache gehört wohl mit zu dem Floß, mit dem man ans andere Ufer (Nirvana) gelangt. In diesem Sinne schreibe ich hier - Gespräche von Floß zu Floß sozusagen.
Ja, das ist gut ausgedrückt. Wir benutzen das Vehikel, also nur das Wort als den Ver-mittl-er, um auf etwas hinzuweisen, das sozusagen die Welt transzendiert (eher als Metapher).


Wenn Jesus sagt, nur wer ein reines Herz hat, kann mich sehen und mir folgen, dann passt das auch zum Buddhismus .


Normalerweise sind wir alle vollgestopft mit eigenen Vorstellungen und mentalen Schablonen davon, was diese absolute Freiheit bedeutet (Mukti – der Begriff dazu). Und wir identifizieren uns immer wieder mit all dem Vergänglichen, also den Skandha-s. Deswegen treibt uns dieser unersättliche Durst durch Samsara , und wir werden immer wieder wiedergeboren und leiden.


Die ganze Lehre geht unter den Strich sozusagen . Einfach nur rein intellektuell zu vergegenwärtigen, dass es absolut nichts gibt, das mir gehört und das sogenannte Ich ausmacht, kann den normalen Menschen in schiere Verzweiflung treiben. Für ihn existiert nur dieses Leben, in dem jemand geboren wird und dann unter der Erde landet. Punkt. Aber das Dasein hat keinen Anfang. Durch unsere Verblendung vom blendenden Schein der Dinge – also wenn das Begehren nicht erlöscht wäre – würde es weiterlaufen.


Der Buddha, scheint mir, wenn ich darüber nachdenke, war klug genug, nicht nur über diese Leerheit zu reden, denn die Leute konnten damals wie auch heute nichts damit anfangen.


Für den normalen Menschen fühlt sich diese Leerheit oder der totale Verlust der Identifikationen wie ein Verschwinden an, wie ein gähnender Abgrund. Er bekommt Angst, und was macht er? Er sucht im Vergänglichen etwas Festes und Sicheres, was nur noch mehr Leiden verstärkt.


Tivagaro Bhikkhu erzählt im Buch über die Katze eine interessante Meditation : Alles, was man sieht, hört oder schmeckt usw., sollte man mit dem Aufkleber „Nicht sicher“ versehen.


Ha, dann frage ich mich, wie lange man das aushalten kann?


Ein anderes Experiment machte E. Conze. Er hatte versucht, ohne das Wort „Ich“ auszukommen. Wie er selbst dazu schreibt, bekam er so etwas wie die Symptome einer klinischen Depersonalisation.

Kann sein, dass eine rein theistische Religion, also mit Gott oder einem Schöpfer, etwas weniger radikal und heimeliger klingt, aber es wäre kein Buddhismus.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Tivagaro Bhikkhu erzählt im Buch über die Katze eine interessante Meditation: Alles, was man sieht, hört oder schmeckt usw., sollte man mit dem Aufkleber „Nicht sicher“ versehen.

Ha, dann frage ich mich, wie lange man das aushalten kann?
Das kann man durchaus aushalten, denn es vertieft das Verständnis des abhängigen Entstehens.

Der Buddha, scheint mir, wenn ich darüber nachdenke, war klug genug, nicht nur über diese Leerheit zu reden, denn die Leute konnten damals wie auch heute nichts damit anfangen.
Der Buddha hat ja nicht nur die Leerheit von inhärenter Existenz gelehrt. Diese hat er nur denen gelehrt, die diese Lehre auch verstehen konnten. Anderen SchülerInnen hat es anderes gelehrt. So hat er
  • einigen die Lehren gegeben mit denen sie ihr unheilsames Handeln aufgeben konnten
  • anderen hat Ethik gelehrt, damit sie heilsame Handlungen begehen
  • einigen hat er die Dualität von Subjekt und Objekt gelehrt
  • anderen hat gelehrt, dass Subjekt und Objekt nicht von verschiedener Entität sind, weil beide aus einer gemeinsamen Ursache entstehen.
Dann gab es noch einige wenige, denen er den Pfad der Leerheit erklärt hat, der das Wesen des großen Mitgefühls (Mahakaruna) besitzt. Auf diesem Pfad sind die Erkenntnis der Leerheit von inhärenter Existenz und die Übung des großen Mitgefühls vollkommen miteinander verbunden.

Um seine Lehre, den Dharma, zu vermitteln, musste sich der Buddha der Sprache bedienen. Da er das andere Ufer bereits erreicht und das Floß aufgegeben hatte, hatte er dabei aber nicht die Sprache so wie das Floß hinter sich gelassen. Wenn wir in der Sprache Worte benutzen mit denen wir Sätze und damit Aussagen formulieren, dann sind diese Worte keine reinen Ver-mittl-er, denn sie haben keine Bedeutung aus sich heraus.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Dann gab es noch einige wenige, denen er den Pfad der Leerheit erklärt hat,
Genau, aber dann bleibt die Frage, warum es nur die wenigen waren, wenn es um die Essenz der ganzen Lehre geht?


Sieh hier:

Jene vom
Vollendeten gesprochenen Lehrreden, die tiefen, tiefsinnigen,
überweltlichen, die von der Leerheit handelnden: Wenn diese
vorgetragen werden, nicht hören sie da aufmerksam hin, nicht
schenken sie Gehör, nicht wecken sie in sich den Wunsch, sie zu
verstehen, nicht halten sie es für nötig, diese Dinge zu lernen und
sich einzuprägen. Jene Lehrreden aber, die von Dichtern verfasst
sind, Verswerke, die schön klingenden, von fremder Herkunft, von
den Jüngern (anderer) gesprochen - wenn diese vorgetragen werden,
dann hören sie aufmerksam hin, schenken Gehör, wecken in sich
den Wunsch, sie zu verstehen, halten es für nötig, diese Dinge zu
erlernen, sich einzuprägen. In solcher Weise wird es dann eben zum
Verschwinden jener vom Vollendeten gesprochenen Lehrreden
kommen, der tiefen, tiefsinnigen, überweltlichen, der von der Leerheit
handelnden.
Daher, ihr Mönche, sollt ihr euch darin üben: „Jene vom Vollendeten
gesprochenen Lehrreden, die tiefen, tiefsinnigen, überweltlichen,

die von der Leerheit handelnden, wenn diese vorgetragen werden:
Aufmerksam wollen wir dann hinhören und Gehör schenken, wollen
den Wunsch in uns wecken, sie zu verstehen, und wollen es (wohl) für
nötig halten, diese Dinge zu erlernen und uns einzuprägen.“ So, ihr
Mönche, sollt ihr euch üben.“

~ S 20.7
Na ja, das sollte man mit dem Buddha höchstpersönlich abklären.

Ich zitiere noch dazu L. Wittgenstein:

Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.

Quelle: Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus (Logisch-philosophische Abhandlung), 1921. Vorwort

Schönen Abend noch.🙏
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Wenn wir in der Sprache Worte benutzen mit denen wir Sätze und damit Aussagen formulieren, dann sind diese Worte keine reinen Ver-mittl-er, denn sie haben keine Bedeutung aus sich heraus.
Wörter, Wörter, immer die Wörter, die nicht als blasses Abbild der lebendigen unmittelbaren Erfahrung dienen.
Für dich, lieber @Helmut , erzähle ich eine kleine Geschichte (von Hellmuth Hecker).


Also …


Ein Mönch wollte wissen, was Nirvana sei. Er fragte einen Lehrer. Der schwieg. (Tja, das klingt schon nach Zen , oder?) Er ging zu einem zweiten Lehrer. Der lächelte (auch das klingt nach der berühmten Zen-Geschichte). Er war damit ebenfalls nicht zufrieden und ging zu einem dritten, dem er berichtete, was er bei den beiden anderen erlebt hatte. Der dritte Lehrer erwiderte: „Das Nirvana ist das Jenseits der Sprache. Darum ist Schweigen die angemessenste Antwort und das Lächeln die feinste, weil es den stillen Hinweis gibt, dass es unmöglich ist, das Sprachlose ausdrücken zu wollen.“

Das alles hier von mir Zitierte entspricht dem, was L. Wittgenstein so genau gesehen hat:

Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.
Ludwig Wittgenstein – Philosophische Untersuchungen
Hier


Ich würde hier eher von der innewohnenden Vergewaltigung der inneren Realität, also der QualiaQualia, durch Sprache zum Ausdruck bringen. Das kann nur schiefgehen. Deswegen wollte der Buddha nicht reden.


Ich denke, L. Wittgenstein könnte das bestimmt nachvollziehen, aber wir klammern uns an die Sprache – kann sein, wir verpassen das, was jenseits der Grenzen der Sprache liegt? Hm? Oder?:unsure:
 
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