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Igor07

Mitglied
Manchmal lese oder höre ich, man sollte praktizieren, denn das ganze Wissen sei im eigenen Geist zu finden. Warum der historische Buddha dann etwa 45 Jahre die ganze Lehre verbreitet und ausführlich erörtert hat, bleibt mir nicht einleuchtend.
Dann gibt es andere Richtungen wie Mahayana , Zen und noch mehr. MMK wird in westlichen Universitäten studiert, dann folgen Prüfungen, aber am Ende verstehen es nur einige davon, wenn überhaupt.
Es gibt auch Chan -Lyrik, Gedichte, Haiku, Mantren, Visualisationen, es gibt Ikonografie und Gemälde, es gibt Parabeln und Legenden.
Ich denke, der Buddhismus vereint in sich alles, sowohl vielschichtige Philosophie als auch Religion und Kunst. Das alles kann das innere Leben enorm bereichern, wenn jemand gründlich darüber kontempliert und wenn es Freude bereitet oder Spaß macht.
Noch eine Bemerkung: Ich mache Yoga, weil es mir einfach gefällt. Ich denke nicht viel darüber nach, es ist wie Zähneputzen. In diesem Sinne könnte man sagen, dass ich etwas praktiziere.
Alles, was dem Leben Sinn und Halt gibt, mein Herz läutert und nicht finster macht, geschieht einfach, aber nicht, weil ich etwas extra praktiziere. Was mich erwartet, wenn mein Körper stirbt, interessiert mich wenig, ebenso wenig das Leben danach. Es spielt für mich keine Rolle. Wichtig ist für mich, was ich im Hier und Jetzt mache und wie wachsam und bewusst ich handle – im Körper, durch Sprache und im Geist.
Selbst kann ich es nicht als Praxis bezeichnen, aber man kann es eher als die Kunst des Lebens betrachten, das Leben, so wie es ist, zu genießen, denn es kann der letzte Tag oder die letzte Stunde sein. Warum denn nicht? Todsicher. Das Wort „Leben-sicher“ gibt es leid-er nicht.

Was sind eure Gedanken dazu?

LG.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Was ich dazu noch sagen wollte. Der Buddhismus ist ohne echte Freude und Glück kaum vorstellbar.
Die Leute denken so oft, dass das Leben Leiden ist, also dukkha . Aber das Leben ist echt so schön und einzigartig. Ich dachte zuerst, dass ich spinne. Dann habe ich sehr aufmerksam dieses Kapitel aus der neuen Version von Buddhadhamma gelesen, und es war für mich wie eine Bestätigung.
Kann sein, wir können das Leben, wie es ist, wirklich wertzuschätzen und mit vollen Zügen genießen, wenn wir die Vergänglichkeit in allem anerkennen, die auch diese Wunder um uns herum einfach erlaubt, macht das ganze Mysterium möglich.
Oder anders ausgedrückt, wegen der Vergänglichkeit lohnt es sich, glücklich zu sein. Im Hier und jetzt.
Da verlinke ich den Text, echt toll, das wenigstens zu wissen. Viel Spaß beim Lesen.(y)

Der Buddhismus ist ein System der Entwicklung von Glück.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Studieren ist auch ein Teil der Praxis, es ist nicht Selbstzweck. Die ganze Praxis hat den Zweck, Gier, Hass und Verblendung zu beseitigen. Die Lehre vermittelt dieses Wissen und die Anleitung, wie man das macht, nur studieren ohne danach zu handeln hat wenig Sinn.

Die Lehre verweist auf den eigenen Geist - z.B. "Begehren ist die Ursache von Leid": Erfahre ich es so? Entstehen meine Leiden aufgrund von Begehren? Das muss ich in mir selber finden. Wenn ich erkenne, dass es tatsächlich so ist, befasse ich mich mit den Methoden, die zur Auflösung des Begehrens führen und finde heraus, welche ich in meiner Situation anwenden kann. Manchmal durch Einsatz der Willenskraft, manchmal durch lesen oder Vorträge hören, durch Nachdenken, durch Fixierung auf ein einziges Meditationsobjekt, durch bestimmte Gespräche, durch Ersetzen eines niederen Genusses durch einen höheren, durch Betrachtung der khandha als Nicht-Selbst, durch zulassen des Begehrens und erkennen des darauf folgenden Leids, durch die Betrachtung des aufsteigenden Begehrens ohne es zu ergreifen, durch Besinnung auf die Vergänglichkeit, durch allumfassende Güte und Wohlwollen, usw. Wenn ich das Wissen erfolgreich anwende, kann Weisheit und Befreiung entstehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Es gibt auch ein gutes, eher "heilendes" Verlangen oder Begehren, das entsteht, wenn ich ein reines Interesse aufbringe und mich so an der Vollkommenheit der Dinge erfreue. Das betrifft nicht nur den Buddhismus, sondern gilt eigentlich allgemein.


Wenn ich mit echtem Genuss etwas studiere oder lese, dann nicht, weil ich besser sein will als andere, sondern weil es mir echte Freude bereitet.
Oder wenn ich Schach spiele, dann nicht, um zu gewinnen, sondern um die taktischen Raffinessen besser zu verstehen.


Ein echter Gärtner pflegt Pflanzen und Bäume, weil er die Natur liebt, nicht wegen der Entlohnung.
Ein echter Politiker würde alles für das Volk unternehmen, weil er gar nicht anders kann – nicht, um Wahlen zu gewinnen und weiter zu regieren.
Und ein Arzt behandelt seine Patienten mit ganzem Herzen, nicht, um möglichst viel Geld abzukassieren.


Dazu gibt es ein sehr interessantes Video von Tivagaro Bhikkhu :

Was der Mensch leisten muss – und was ihn niemals befrieden wird

5:52
5 Minuten, 52 Sekunden
Tanha will etwas dafür bekommen. Chanda will, dass etwas Richtiges geschieht. Tanha fragt: "Was bringt mir das?"
6:00
6 Minuten
Tschanda fragt: "Was braucht die Sache zur Vollendung?"
6:05
6 Minuten, 5 Sekunden
Dieser Unterschied wirkt zunächst unscheinbar, doch er verändert die gesamte innere Ökonomie des Handelns.
6:12
6 Minuten, 12 Sekunden
Denn wer aus Tanha, braucht stets ein Ergebnis, das die Anstrengung rechtfertigt. Bleibt das Ergebnis aus,
6:19
6 Minuten, 19 Sekunden
bricht die Motivation zusammen. Wer aus Chanda handelt, steht vor einer grundlegend anderen Situation. Das Tun
6:27
6 Minuten, 27 Sekunden
selbst ist bereits das, worauf es ankommt. Und hier liegt eine Insicht,
6:32
6 Minuten, 32 Sekunden
die leicht übersehen wird. Eine heilsame Handlung ist deshalb heilsam, weil sie zu einem günstigen Ergebnis führen wird.
6:40
6 Minuten, 40 Sekunden
Sie ist heilsam, während sie geschieht.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Es gibt auch ein gutes, eher "heilendes" Verlangen oder Begehren, das entsteht, wenn ich ein reines Interesse aufbringe und mich so an der Vollkommenheit der Dinge erfreue. Das betrifft nicht nur den Buddhismus, sondern gilt eigentlich allgemein.

Wenn ich mit echtem Genuss etwas studiere oder lese, dann nicht, weil ich besser sein will als andere, sondern weil es mir echte Freude bereitet.
Oder wenn ich Schach spiele, dann nicht, um zu gewinnen, sondern um die taktischen Raffinessen besser zu verstehen.

Ein echter Gärtner pflegt Pflanzen und Bäume, weil er die Natur liebt, nicht wegen der Entlohnung.
Ein echter Politiker würde alles für das Volk unternehmen, weil er gar nicht anders kann – nicht, um Wahlen zu gewinnen und weiter zu regieren.
Und ein Arzt behandelt seine Patienten mit ganzem Herzen, nicht, um möglichst viel Geld abzukassieren.

Es ist halt keine ungetrübte und dauerhafte Freude, weil alle Dinge mit dukkha, anicca und anatta verbunden sind. Auch die Lehre des Buddha, die ja mit einem Floß verglichen wird. Das Floß macht nur deshalb Freude, weil es allmählich zum Ende von dukkha führt, nicht weil es selber ohne dukkha wäre, nur das andere Ufer (Nibbana ) ist ohne dukkha.
Etwa das Entsagen unheilsamer Gewohnheiten ist mit dukkha verbunden, viel einfacher ist es, dukkha durch eine Sinnesfreude zu verdrängen.
Die Lehre kann verschwinden, in Vergessenheit geraten oder verfälscht werden (anicca).
Ich kann durch die Lehre kein ewig glückseliges Leben erreichen (anatta).

In dem Video heißt es: "Heilsames Tun ist in sich heilsam, als unmittelbare Tatsache" (7.10).
Wenn im Geist alle heilsamen Eigenschaften voll entwickelt sind, muss keine Befreiung mehr angestrebt werden. Für diese Entwicklung muss ich die heilsamen Eigenschaften auch außerhalb des Studierens beibehalten, in jeder Situation. Deshalb studiere ich die Lehre auch wie eine Gebrauchsanleitung, nicht nur weil ich unmittelbar Freude dabei habe.

Nur ein paar meiner unmaßgeblichen Gedanken dazu. Der Unterschied zwischen heilsamen Wollen und unheilsamer Begierde, der im Video angesprochen wird, ist wirklich interessant.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Es ist halt keine ungetrübte und dauerhafte Freude, weil alle Dinge mit dukkha, anicca und anatta verbunden sind. Auch die Lehre des Buddha, die ja mit einem Floß verglichen wird. Das Floß macht nur deshalb Freude, weil es allmählich zum Ende von dukkha führt, nicht weil es selber ohne dukkha wäre, nur das andere Ufer (Nibbana ) ist ohne dukkha.
Etwa das Entsagen unheilsamer Gewohnheiten ist mit dukkha verbunden, viel einfacher ist es, dukkha durch eine Sinnesfreude zu verdrängen.
Die Lehre kann verschwinden, in Vergessenheit geraten oder verfälscht werden (anicca).
Ich kann durch die Lehre kein ewig glückseliges Leben erreichen (anatta).

Da sehe ich einfach alles anders. Entschuldigung.


Nirvana ist nur im Hier und Jetzt erfahrbar oder erlebbar, also wie ein Prozess – nicht etwas, das man endgültig erlangen kann.


Auch die Sinnesfreude ist per se, finde ich, etwas Normales, gerade weil alles vergänglich ist.


Genau deshalb ist echtes Genießen möglich, ohne daran zu klammern oder anzuhaften.


Aber das sind meine eigenen Erfahrungen, also nicht das, was in den Büchern oder Sutren steht.


Ich würde keine meiner Wünsche – egal welche – mit Gewalt unterdrücken, nur weil sie als unedel gelten.


Es kann sein, dass ich in einer Stunde mause-tot bin – also warum nicht?


Das Problem liegt im Anhaften, als ob etwas mir gehört – aber so ist es nicht. Punkt.


Ich habe doch erzählt, wie Ajahn Chah rauchte und Betelnuss kaute.


Das Leben ist kurz. Da sollte ich einmal alle Bücher verbrennen, denn in den Sarg kann ich sie alle nicht mitnehmen.


Und wie ich schon bei Heinrich Dumoulin gefunden habe: Man sollte den Buddha „töten“, wenn jemand sich an ihn als Stütze klammert.


Genau diese Stütze kann ich als Schlupfloch für ein Atman betrachten.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Da sehe ich einfach alles anders. Entschuldigung.
Da sehe ich nichts, was zu entschuldigen wäre.

Nirvana ist nur im Hier und Jetzt erfahrbar oder erlebbar, also wie ein Prozess – nicht etwas, das man endgültig erlangen kann.
Erfährst du es Hier und Jetzt? Meine Wenigkeit muss das erst anstreben.

Auch die Sinnesfreude ist per se, finde ich, etwas Normales, gerade weil alles vergänglich ist.
Genau deshalb ist echtes Genießen möglich, ohne daran zu klammern oder anzuhaften.
Aber das sind meine eigenen Erfahrungen, also nicht das, was in den Büchern oder Sutren steht.
Meine Erfahrung ist, dass Sinnesleiden ebenso natürlich und normal sind, deshalb ist echtes Leiden möglich, ohne daran zu klammern und anzuhaften. Sutren haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass Freuden und Leiden vergänglich sind.

Ich würde keine meiner Wünsche – egal welche – mit Gewalt unterdrücken, nur weil sie als unedel gelten.
Würde ich gerne tun, wenn sie dann nicht wieder kämen.

Es kann sein, dass ich in einer Stunde mause-tot bin – also warum nicht?
Kann auch sein, dass ich in einer Stunde ein anderes Dasein beginne, dann geht der Zirkus von vorne los.

Das Problem liegt im Anhaften, als ob etwas mir gehört – aber so ist es nicht. Punkt.
Begehren nach Dasein und Besitz ist wahrlich das Problem.

Ich habe doch erzählt, wie Ajahn Chah rauchte und Betelnuss kaute.
Da bin ich mir jetzt nicht sicher, bei so manchen Ajahns trifft das jedenfalls zu. Gefällt mir nicht, so wie mir ein kleiner Fliegenschiss auf einem Rosenblatt nicht gefällt, wenn ich durch einen unermesslich wunderbaren Garten gehe.

Das Leben ist kurz. Da sollte ich einmal alle Bücher verbrennen, denn in den Sarg kann ich sie alle nicht mitnehmen.
Herschenken ginge auch, vielleicht sind sie ja für andere von Nutzen.

Und wie ich schon bei Heinrich Dumoulin gefunden habe: Man sollte den Buddha „töten“, wenn jemand sich an ihn als Stütze klammert.
Genau diese Stütze kann ich als Schlupfloch für ein Atman betrachten.
Für mich ein Schlupfloch für die Hölle, den Buddha zu töten. Buddha, Dhamma , Sangha sind meine Stütze und Zuflucht .
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Erfährst du es Hier und Jetzt? Meine Wenigkeit muss das erst anstreben.
Wenn ich etwas anstrebe, verpasse ich genau das Hier und Jetzt. Ich hänge dann woanders fest, wie in einem Traum. Das ist leicht zu verstehen, denn Zeit ist nur eine Konstruktion des eigenen Denkens – mehr nicht.

Für mich ein Schlupfloch für die Hölle, den Buddha zu töten. Buddha, Dhamma , Sangha sind meine Stütze und Zuflucht .
Das Zitat gehört einem sehr guten Mönch aus der Zen-Richtung. Damit ist niemals gemeint, jemanden real zu töten – das ist absolut offensichtlich, scheint mir.


Das war eigentlich mein Anliegen: über den Dharma selbstständig zu reflektieren. Nicht weil es alles in den Sutren steht.


Der Buddha ist für mich der sterbliche Mensch , aber kein Jesus nach der Auferstehung. Ich mache mir keine Illusionen darüber, was mich nach dem Tod erwartet – das ist reine Zeitverschwendung. Usw.

Wenn es dir nicht gefällt, mein Freund, kann ich nichts dafür.

P.S.
Die Idee von Leben nach dem Tod und Wiedergeburt war in damaliger Zeit sehr präsent. Das war schon in den Veden oder den Upanishaden enthalten. Der historische Buddha sollte dieses Gedankengut in seine eigene Lehre integrieren, was später bei Nāgārjuna seine Krönung erreichte. Das Tetralemma bedeutet, alle vier möglichen Positionen loszulassen. Dann bleibt kein Anhaften mehr: kein Nirvana gegen Samsara , sondern das Leben genau in diesem einzigen Augenblick an der Schnittstelle zwischen Zeit und Ewigkeit.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Kann auch sein, dass ich in einer Stunde ein anderes Dasein beginne, dann geht der Zirkus von vorne los.
Siehe hier, @mukti :

Wenn dann die Frage erscheint „Wo war ich, bevor ich da war?“, so setzt sie in ihrer Grundannahme bereits dieses feste Ich voraus. Aus buddhistischer Sicht liegt der Fehler jedoch schon in eben dieser Grundannahme selbst: in der Vorstellung, es gäbe ein stabiles Ich. Woher kommt es? Wohin geht es? All diese Fragen führen den menschlichen Verstand allzu schnell auf Irrwege. Zusätzliche Konzepte werden nötig: eine Seele, ein höheres Selbst, wie auch immer man es benennen mag. Doch diese Konzepte sind vage; sie halten bei genauer Betrachtung nicht stand. Wie sollte diese Seele aussehen? Wo war sie vorher, und wer hat sie erschaffen? Wo ist ein Gott, und wenn er wirklich guter Absicht sein sollte, wieso handelt er dann nicht, wenn schlimme Dinge geschehen?
Wo war ich, bevor ich da war?
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
P.S.
Die Idee von Leben nach dem Tod und Wiedergeburt war in damaliger Zeit sehr präsent. Das war schon in den Veden oder den Upanishaden enthalten. Der historische Buddha sollte dieses Gedankengut in seine eigene Lehre integrieren, was später bei Nāgārjuna seine Krönung erreichte. Das Tetralemma bedeutet, alle vier möglichen Positionen loszulassen. Dann bleibt kein Anhaften mehr: kein Nirvana gegen Samsara, sondern das Leben genau in diesem einzigen Augenblick an der Schnittstelle zwischen Zeit und Ewigkeit.
Welche vier möglichen Positionen werden nach deiner Nagarjuna-Interpretation denn mittels des Tetralemma losgelassen?
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Welche vier möglichen Positionen werden nach deiner Nagarjuna-Interpretation denn mittels des Tetralemma losgelassen?
Steht sogar in Wikipedia:

Der „Urteilsvierkant“ als theoretisches Modell bezieht in seiner Grundstruktur sowohl den Satz vom Widerspruch als auch den Satz vom ausgeschlossenen Dritten mit ein:


  1. Etwas ist (so)
  2. Etwas ist nicht (so)
  3. Etwas ist sowohl (so) als auch nicht (so)
  4. Etwas ist weder (so) noch nicht (so)
Und, apropos, gibt es eine fünfte Position!


So lese ich im Buch „Der Tiefe Wunsch nach Lebendigkeit“ von Ch. Dillo:

Der deutsche Logiker Matthias Varga von Kibéd nennt diese Leerheit der Leerheit die fünfte Position des Tetralemmas und formuliert sie wie folgt: All dies nicht – und selbst das nicht!‘“
S. 302.

Christian Dillo Der tiefe Wunsch nach Lebendigkeit Ein buddhistischer Wegweiser für das 21. Jahrhundert

Und wenn wieder die Antwort nach als ob" meiner" Interpretation gefragt wird, dann ist es eine Koan -Frage, also gibt es keine – außer:

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ (Tractatus logico-philosophicus, Satz 5.6)
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Wenn ich etwas anstrebe, verpasse ich genau das Hier und Jetzt. Ich hänge dann woanders fest, wie in einem Traum. Das ist leicht zu verstehen, denn Zeit ist nur eine Konstruktion des eigenen Denkens – mehr nicht.
Grau ist alle Theorie, wie die grauen Buchstaben. Leider bin ich gezwungen, ständig etwas anzustreben wenn ich am Leben bleiben will und das nicht unter allzu unangenehmen Umständen. Ich kann mich dabei möglichst oft auf das Hier und Jetzt besinnen und zwischendurch versuchen, überhaupt nur im Hier und Jetzt zu sein, von selber geschieht das nicht. Von selber hat mich nur Mara am Wickel.

Das Zitat gehört einem sehr guten Mönch aus der Zen-Richtung. Damit ist niemals gemeint, jemanden real zu töten – das ist absolut offensichtlich, scheint mir.
Klar, aber Ich weiß nicht genau, was er damit gemeint hat. Ich werde den Buddha keinesfalls in mir töten, solange ich von ihm abhänge und nach der vollkommenen Befreiung brauche ich ihn auch nicht zu töten. Vielmehr werde ich ihn immer verehren.

Das war eigentlich mein Anliegen: über den Dharma selbstständig zu reflektieren. Nicht weil es alles in den Sutren steht.
Wissen entsteht durch Nachdenken, durch Lernen von anderen und durch Geistesentfaltung. (D.33.1)

Der Buddha ist für mich der sterbliche Mensch , aber kein Jesus nach der Auferstehung. Ich mache mir keine Illusionen darüber, was mich nach dem Tod erwartet – das ist reine Zeitverschwendung. Usw.

Wenn es dir nicht gefällt, mein Freund, kann ich nichts dafür.
Offensichtlich ist er vor über 2500 Jahren gestorben und hat nicht verkündet, dass er auferstehen wird. Er hat die Lehre hinterlassen und wer die Lehre sieht, der sieht den Buddha.

Du hast eine andere Vorstellung als ich, was nach dem Tod ist. Das ist ja jedem seine Sache.

P.S.
Die Idee von Leben nach dem Tod und Wiedergeburt war in damaliger Zeit sehr präsent. Das war schon in den Veden oder den Upanishaden enthalten. Der historische Buddha sollte dieses Gedankengut in seine eigene Lehre integrieren, was später bei Nāgārjuna seine Krönung erreichte.
Für mich ist die Idee nicht annehmbar, dass der Buddha etwas Falsches gelehrt hätte, weil andere es gelehrt haben.

Selbst gesehen habe ich Wesen mit schlechtem Wandel in Werken Worten und Gedanken, Tadler der Edlen, mit falscher Ansicht, in ihrem Handeln von falscher Ansicht bestimmt - wie sie bei Zerfall des Leibes, nach dem Tode auf den Abweg, auf schlechte Fährte, ins Verderben, zur Hölle hinab gelangten. Und nicht weil ich es von einem andern Asketen oder Priester gehört habe, sag ich das: was ich vielmehr selber erkannt, selber gesehen, selber erfahren habe, davon nur sag ich dieses.
Selbst gesehen habe ich Wesen von gutem Wandel in Werken, Worten und Gedanken, keine Tadler der Edlen, mit rechter Ansicht, in ihrem Handeln von rechter Ansicht bestimmt - wie sie bei Zerfall des Leibes, nach dem Tode auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangten.
(Itivuttakam70)
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Siehe hier, @mukti :

"Wenn dann die Frage erscheint „Wo war ich, bevor ich da war?“, so setzt sie in ihrer Grundannahme bereits dieses feste Ich voraus. Aus buddhistischer Sicht liegt der Fehler jedoch schon in eben dieser Grundannahme selbst: in der Vorstellung, es gäbe ein stabiles Ich. Woher kommt es? Wohin geht es? All diese Fragen führen den menschlichen Verstand allzu schnell auf Irrwege. Zusätzliche Konzepte werden nötig: eine Seele, ein höheres Selbst, wie auch immer man es benennen mag. Doch diese Konzepte sind vage; sie halten bei genauer Betrachtung nicht stand. Wie sollte diese Seele aussehen? Wo war sie vorher, und wer hat sie erschaffen? Wo ist ein Gott, und wenn er wirklich guter Absicht sein sollte, wieso handelt er dann nicht, wenn schlimme Dinge geschehen?"
Wo war ich, bevor ich da war?
Eine Seele scheint mir unauffindbar, ein festes Ich ist eine durch Verblendung bedingte Vorstellung, die eben erst wegfällt, wenn diese Bedingung erloschen ist. Meines Erachtens hat sich der Buddha nicht so sehr bemüht das zu erreichen, um dann den Rest seines Lebens Spaß zu haben, seinen Schülern was vorzuflunkern und nach dem Tod in ein absolutes Nichts einzugehen, genau wie alle unwissenden Wesen.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Klar, aber Ich weiß nicht genau, was er damit gemeint hat. Ich werde den Buddha keinesfalls in mir töten, solange ich von ihm abhänge und nach der vollkommenen Befreiung brauche ich ihn auch nicht zu töten. Vielmehr werde ich ihn immer verehren.
Also, wenn ich in Google eingebe: „Töte Buddha, wenn du ihn triffst“, dann erscheint sofort etwas, das ich zitieren kann, um fruchtlose Diskussionen nicht weiterzuführen:

Triffst du Buddha, töte ihn“ ist ein bekanntes Zen-Koan, das dazu auffordert, Anhaftungen, Konzepte und festgelegte Vorstellungen von Spiritualität loszulassen. Es bedeutet nicht, eine physische Person zu töten, sondern interne mentale Bilder und falsche Guru-Verehrung zu zerstören, um wahre, eigene Erfahrung zu finden
So. Im Buch von Heinrich Dumoulin, „Geschichte des Zen-Buddhismus“, neueste Auflage, Band 1, lese ich auf Seite 208, dass diese Aussage dem berühmten Mönch Lin-chi gehört, und zwar 18. Rede. Weiter kannst du selbst suchen.

Viel Spaß.

Du hast eine andere Vorstellung als ich, was nach dem Tod ist.

Da schert mich null Komma null, denn die Ver-antwort-ung für alles, was ich mache, spreche oder denke, trage ich selbst.


Ich brauche keinen Glauben an metaphysische Konzepte, die man weder beweisen noch widerlegen kann – denn ich kann vor meinem eigenen Gewissen nicht fliehen, nicht verstecken, das ist mein eigener Standpunkt.


Was in den Sutren steht, kann ich auch sehr gut zitieren, aber ich versuche, in diesem Faden selbstständig zu reflektieren, ohne das Ganze zu zitieren, denn das macht keinen Sinn.


Für mich war der Buddha sterblich, er hat auch Fehler gemacht, aber er war eindeutig genial und einzigartig in der Geschichte.


Karma bedeutet für mich, dass wenn ich etwas Böses oder Schlimmes mache, ich selbst darunter leiden würde – nicht, weil es irgendwo steht, sondern weil ich es so sehe. Spüre, fühle, empfinde.. usw...


Das sind meine eigenen Erfahrungen.


Wenn du, mein Lieber, immer Sutren zitieren würdest, dann würde ich nicht weiter darauf eingehen.


Denn du weißt sehr gut, das kann ich auch. Oder?


Schönen Abend noch.
 
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Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Also, wenn ich in Google eingebe: „Töte Buddha, wenn du ihn triffst“, dann erscheint sofort etwas, das ich zitieren kann, um fruchtlose Diskussionen nicht weiterzuführen: .....
Wie gesagt, werde ich meine Konzepte und das mentale Bild vom Buddha nicht zerstören sondern ihn als Guru verehren, sonst werde ich keine wahre, eigene Erfahrung finden. Du wirst da wohl nichts dagegen haben, jeder nach seiner Art, unnötig weiter darüber zu diskutieren.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Wie gesagt, werde ich meine Konzepte und das mentale Bild vom Buddha nicht zerstören sondern ihn als Guru verehren, sonst werde ich keine wahre, eigene Erfahrung finden. Du wirst da wohl nichts dagegen haben, jeder nach seiner Art, unnötig weiter darüber zu diskutieren.
Das ist deine Wahl und deine Freiheit.


Aber das erinnert mich sehr an das Buch von Chögyam Trungpa über den spirituellen Materialismus.


Ich werde aus einem Menschen keinen Gott und keinen Guru machen.


Apropos: Im Buddhadhamma von Phra Ajahn Payutto steht, dass die bedingte Entstehung eigentlich keinen Buddha braucht. Das sind alles Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel die Gravitation. Wenn ich dagegen verstoße, ist es dasselbe, wie wenn ich bei roter Ampel über die Straße gehe – selbst schuld.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Das ist deine Wahl und deine Freiheit.
So wie du deine Wahl und deine Freiheit hast.

Ich werde aus einem Menschen keinen Gott und keinen Guru machen.
Ich mache auch keinen Gott aus einem Menschen und ein Guru (Lehrer, Meister) war der Buddha von sich aus, hat er doch beschlossen, zu lehren.

Das nehme ich an und es stört mich nicht, wenn andere es nicht annehmen:

Jener Erhabene ist ein Verwirklichter, ein vollständig Erleuchteter, vollkommen im wahren Wissen und erhaben im Verhalten, vollendet, Kenner der Welten, unvergleichlicher Meister bezähmbarer Menschen, Lehrer himmlischer und menschlicher Wesen, ein Erwachter, ein Erhabener. Er erläutert diese Welt mit ihren Himmelswesen, ihren Māras und Brahmās, er erläutert diese Generation mit ihren Mönchen und Brahmanen, ihren Prinzen und dem Volk, was er mit höherer Geisteskraft selbst verwirklicht hat. Er lehrt das Dhamma, das gut am Anfang, gut in der Mitte und gut am Ende ist, mit der richtigen Bedeutung und der richtigen Ausdrucksweise, er enthüllt ein heiliges Leben, das äußerst vollkommen und rein ist.
M.41 u.a.

Apropos: Im Buddhadhamma von Phra Ajahn Payutto steht, dass die bedingte Entstehung eigentlich keinen Buddha braucht. Das sind alles Gesetzmäßigkeiten, wie zum Beispiel die Gravitation. Wenn ich dagegen verstoße, ist es dasselbe, wie wenn ich bei roter Ampel über die Straße gehe – selbst schuld.
Ein Buddha hat Gesetzmäßigkeiten wie die bedingte Entstehung gesehen. Ohne solchen Lehrer wäre ich nicht auf das alles draufgekommen. So wie ich gelernt habe, bei roter Ampel nicht über die Straße zu gehen, hat mich die Lehre vor manch unheilsamer Handlung bewahrt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Ein Buddha hat Gesetzmäßigkeiten wie die bedingte Entstehung gesehen. Ohne solchen Lehrer wäre ich nicht auf das alles draufgekommen. So wie ich gelernt habe, bei roter Ampel nicht über die Straße zu gehen, hat mich die Lehre vor manch unheilsamer Handlung bewahrt.
Na gut, das habe ich nicht ganz korrekt ausgedrückt. Die moderne Physik oder Chemie funktioniert nach bestimmten Gesetzen. Es ist also egal, ob Isaac Newton oder Albert Einstein – diese Gesetze sind von unserem Willen absolut unabhängig.


Der Buddha sagt an vielen Stellen, dass man seine Lehre nicht mit seinem „fauligen“ Körper gleichsetzen sollte.


Was auch immer entstanden ist, muss wieder vergehen – ohne Ausnahme, egal ob der Buddha oder ich.


Für die bedingt entstandenen Phänomene macht das keinen Unterschied.


Und jetzt kann ich tausend Zitate dazu finden – das ist heutzutage nicht so kompliziert.


Sich selbstständig Fragen zu stellen und keine Antworten darauf zu finden, das ist wohl dem Menschen vorbehalten, hoffe ich.


Der Buddha hat diese Gesetze entdeckt, aber sie sind zeitlos – eigentlich wie das Dharma selbst.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Warum praktiziert man?
Wie praktiziert man?
Was hat sich durch das Studium der Bücher/Texte/Übersetzungen verändert in meinem Leben ?

Habe ich Frieden und Freiheit gefunden?

Ich habe meditiert, und dann habe ich meditiert, und danach auch . So habe ich es von meinen Lehrern in Thailand gelernt.
Ich bin immer wieder mal hingefallen im Leben, und ich bin immer wieder aufgestanden.

Ich bin nicht sehr gebildet und ich war sehr verzweifelt. Aber ich hatte Ausdauer, Vertrauen und Geduld .
Ich schreibe eigentlich nur über meine Erfahrungen, weil ich nicht viele Bücher/Schriften studiert habe .
Was habe ich studiert? Dieses Herz, und das reicht mir vollkommen.
Hier im aufgeklärten Westen lächelt man manchmal über die mystischen Geschichten der thailändischen Waldtradition , aber ich weiß inzwischen, dass es zwischen Himmel und der Erde mehr gibt, als wir es uns vorstellen können.

Dieser neue modifizierte und effektive Dhamma ist nichts für mich. Ich habe alle Zeit der Welt (en). Ich muss nirgends wohin.
Meine Lehrer waren teilweise sehr einfache Leute , aber Sie konnten mir Antworten auf Fragen geben, die ich mir nicht einmal vorstellen konnte.

Was mich fasziniert hat, war die Tatsache, dass sie mich besser kannten als ich mich selber.
Sie wussten genau wo ich in der Meditation war .

Ob mein Weg für alle Menschen gut ist, weiß ich nicht. Aber durch meine langsame Verwandlung, habe ich auch mein Umfeld berührt und verwandelt.

Brauchen wir das ganze? Ich kann das nur für mich alleine entscheiden. Ich freue mich für die anderen.

Mögen wir alle Frieden finden!
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Was habe ich studiert? Dieses Herz, und das reicht mir vollkommen.
Hier im aufgeklärten Westen lächelt man manchmal über die mystischen Geschichten der thailändischen Waldtradition , aber ich weiß inzwischen, dass es zwischen Himmel und der Erde mehr gibt, als wir es uns vorstellen können.
Wieder WIE WAHR!: So sieht man – und ich bin kein Hellseher –, dass du, Martin, aus eigener Erfahrung sprichst. Die Meditation stellt eigentlich, also im Grunde genommen, eine innere Ver-wandl-ung des Herzens dar – eher des Herz-Geistes, wie die Gelehrten es als Citta bezeichnen.


Ich denke, es wäre dir letztlich egal, was ich schreibe. Denn du kennst dieses ewige Dharma im eigenen Körper, nicht nur aus allen möglichen Schriften zusammengewürfelt.


Das bedeutet aber nicht, dass jemand, der diesen unfassbaren Geschmack gespürt hat, ewig leben oder als heilig gelten sollte. Vielmehr bedeutet es, das Dharma in sich selbst zu studieren – nicht bloß alle Texte . Am Ende sollte man diese alle sogar loslassen.

So spricht Zen vom Töten und Verbrennen – dass nichts heilig ist usw. –, was jedoch niemals wörtlich oder buchstäblich verstanden werden sollte.


Denn das echte Dharma kann man nur in sich selbst entdecken, erfahren und verkörpern. Ich sehe darin keinen anderen Weg.

Danke für den Beitrag, herzlich.


Deswegen steht bei dir: „keine Lehre mehr“. Das eigene Herz braucht keine Bücher und Schriften.


Das ist der Unterschied zwischen dem Gelehrten und dem Weisen.

P.S.


@mukti, hatte der Buddha Rückenschmerzen? Hatte er Durst nach der Vergiftung? Er hatte tatsächlich" tödliche" Schmerzen, das alles kann ich zitieren. Mein Zugang zum Dharma geht nicht durch alle Schriften, aber ich spreche niemals über rein Persönliches. Das ist alles.



Als ich etwa sechs war, war mein Opa sehr krank nach dem Schlaganfall, danach war er nicht mehr da. Ich habe meine Oma dann gefragt: Wo ist er jetzt?


Dann hat sie den Arm nach oben ausgestreckt, in den blauen Himmel. So suche ich das sogenannte „Todlose“ ein Leben lang. Bald treffe ich sie alle wieder, auch meinen Vater. Wer weiß?
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Der Buddha sagt an vielen Stellen, dass man seine Lehre nicht mit seinem „fauligen“ Körper gleichsetzen sollte.
Durch diesen Körper hat sich halt die Lehre ausgedrückt, durch die Sprache und das allgemeine Verhalten. Das macht ihn nun mal zu einem besonderen, ehrwürdigen Menschen. Wie hätten wir sonst von der Lehre erfahren sollen? Sie ist äußerst tiefgründig, manche Wahrheiten können wir bereits erkennen und ihre befreiende Wirkung erfahren. Das ist schon ein Anlass für Dankbarkeit finde ich und sehe mich erst am Ufer eines unermesslichen Ozeans der Weisheit stehen. Wie viele faulige Körper habe ich bewundert und der des Buddha, das verkörperte Dhamma, sollte mir gleichgültig sein? Das käme mir ziemlich abgehoben und Realitätsfremd vor.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Wie viele faulige Körper habe ich bewundert und der des Buddha, das verkörperte Dhamma, sollte mir gleichgültig sein? Das käme mir ziemlich abgehoben und Realitätsfremd vor.
Da meine ich doch wieder das andere. Absolut!


Was mich total besticht und nicht loslässt, sind diese Überlegungen von Tivagaro Bhikkhu im Buch über den historischen Buddha.
So hat der Buddha sofort nach der Geburt gesprochen, er hat alle möglichen Wunder demonstriert und er konnte sehr vieles vorhersehen und beherrschen.
Auf der anderen Seite kann man den sterblichen Menschen sehen, der wegen des unermesslichen Mitgefühls handelt. Bis zum letzten Augenblick.


Als ob wir zwei Buddhas hätten: aus einem haben wir den echten Guru gemacht, das kann man so im Grunde genommen wie im Christentum betrachten.
Der andere Buddha wurde allmählich wie ausgeblendet, der Mensch als Wesen, der trotz allen Wissens sowieso zugrunde geht, als Körper. Punkt!


Die Geschichte aller Religionen braucht den Messias, die Götzen. Warum sollte der Buddhismus hier eine Ausnahme sein?


Was macht Dharma zeitlos? Nur die ewigen Gesetze und nicht alles, was schon von der modernen Wissenschaft nachweisbar ist, das ist ein Aspekt.
Der andere Aspekt ist, es geht um mein persönliches Problem, mein Dasein in der Welt, das zugleich mein eigener Körper ist, denn es ist keine eigene oder unabhängige Welt. Das verbindet sogar die moderne Physik mit der zeitlosen Lehre, die immer bleibt.


Und ich habe niemals behauptet, dass ich den historischen Buddha nicht bewundere. Um es eindeutig klarzustellen.


Aber ich sehe in ihm, wie es auch Tivagaro Bhikkhu versucht zu vermitteln, den vergänglichen Menschen aus Fleisch und Blut. Das war von mir gemeint.


Kann sein, es hängt damit zusammen, dass der Autor selbst kaum überlebt hatte dort und er selbst geschrieben hat, dass es bei ihm Krebs war.


Auch hat er allein sehr viel studiert, also nur in sich versunken zu sitzen ging einfach nicht. So zurück zum Thema.
 
Re: Dharma Brauchen wir, das Dharma zu studieren?
Was mich total besticht und nicht loslässt, sind diese Überlegungen von Tivagaro Bhikkhu im Buch über den historischen Buddha.
So hat der Buddha sofort nach der Geburt gesprochen, er hat alle möglichen Wunder demonstriert und er konnte sehr vieles vorhersehen und beherrschen.
Auf der anderen Seite kann man den sterblichen Menschen sehen, der wegen des unermesslichen Mitgefühls handelt. Bis zum letzten Augenblick.
Also ich glaube auch nicht alles, was ich lese. Manches scheinen mir Ausschmückungen und Übertreibungen zu sein, die das Besondere am Buddha darstellen sollen. Da ist die Frage, was man noch für möglich hält und wo die Grenzen sind, an welcher die Zweifel beginnen. Z.B. an dieser Geschichte gleich nach seiner Geburt zu zweifeln, fällt meines Erachtens nicht unter die Zweifel, die ein Sotapanna überwunden hat. So etwas sehe ich als eine eher unbedeutende Nebensache, vermutlich ist es eine poetische Ausgestaltung. Viele Inder lieben solch emotionalen Überschwang, weil er das Herz öffnet und die Hingabe fördert. Wir sind da nüchterner geworden und nehmen das bloß als naive religiöse Schwärmerei wahr.
In einem indischen Film über den Buddha sieht man, wie bei jedem Schritt, den der Buddha als Baby macht, eine Lotosblume aus der Erde wächst. Wenn ich die gewohnte Wahrnehmung als religiösen Kitsch einmal weglasse, hat das eine Wirkung im Herzen, die nicht unbedingt unheilsam ist, obwohl der Gedanke, dass das so kaum stattgefunden hat, gleichzeitig vorhanden ist. Aber im Allgemeinen ziehe ich die nüchterne Einfachheit vor. Eine Strohhütte hat mehr innige Schönheit als ein vergoldeter Prunktempel.

Als ob wir zwei Buddhas hätten: aus einem haben wir den echten Guru gemacht, das kann man so im Grunde genommen wie im Christentum betrachten.
Der andere Buddha wurde allmählich wie ausgeblendet, der Mensch als Wesen, der trotz allen Wissens sowieso zugrunde geht, als Körper. Punkt!

Die Geschichte aller Religionen braucht den Messias, die Götzen. Warum sollte der Buddhismus hier eine Ausnahme sein?
Guru bedeutet einfach Lehrer, was er auch immer unterrichtet. Bei uns spricht man z.B. vom Börsenguru, wenn einer etwas von der Börse versteht und diese Bezeichnung ist nicht grundsätzlich falsch. Der Buddha war ein Guru bezüglich der Befreiung von dukkha, weil er diese Befreiung selber hatte und aus Mitgefühl unterrichtete, wie sie zu erlangen ist, niemand hat ihn zu einem Guru gemacht.
Jesus Christus hatte wohl auch ungewöhnliche, höhere Fähigkeiten. Dass er ebenso vollkommen befreit war, glaube ich eher nicht, aber ganz sicher weiß ich es nicht. Jedenfalls verlasse ich mich nicht darauf, dass mich ein anderer erlöst, sondern suche die Erlösung bzw. Befreiung lieber in mir selber und die Anleitung des Buddha scheint mir da verlässlich zu sein.

Was macht Dharma zeitlos? Nur die ewigen Gesetze und nicht alles, was schon von der modernen Wissenschaft nachweisbar ist, das ist ein Aspekt.
Der andere Aspekt ist, es geht um mein persönliches Problem, mein Dasein in der Welt, das zugleich mein eigener Körper ist, denn es ist keine eigene oder unabhängige Welt. Das verbindet sogar die moderne Physik mit der zeitlosen Lehre, die immer bleibt.
Das sehe ich auch so.

Und ich habe niemals behauptet, dass ich den historischen Buddha nicht bewundere. Um es eindeutig klarzustellen.

Aber ich sehe in ihm, wie es auch Tivagaro Bhikkhu versucht zu vermitteln, den vergänglichen Menschen aus Fleisch und Blut. Das war von mir gemeint.
Also könnte man sagen, ein vergänglicher Mensch hat ewige Gesetze der Bedingtheit und der Befreiung entdeckt und erfolgreich angewendet, das macht ihn bewundernswert, der Ehre würdig und zu einem Lehrer für alle, die Unwissenheit und Leid beenden wollen. Mit dieser Haltung gehe ich jedenfalls an das Studieren heran, wenn ich auch nicht sehr viel studiere.
 
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