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mukti

Mitglied
Buddh. Richtung:
Theravada
Wieder mal, dieses Thema beschäftigt mich sehr. Weniger als gedankliche Überlegung, vielmehr als das Richten der Aufmerksamkeit auf das Wahrnehmen selbst, anstatt nur auf die wahrgenommenen Objekte. Die Wahrnehmung macht nichts aus den Sinneseindrücken, Gedanken, Gefühlen und Willensregungen sondern nimmt sie eben einfach nur wahr. Sie muss nicht willentlich erzeugt oder irgendwie gestaltet werden, sie ist immer da so wie sie ist, jetzt und in jedem Augenblick. Gewöhnlich beachtet man sie nicht und ist in die Objekte versunken und verwickelt aber wenn man sie beachtet, bewirkt das allmählich Befreiung, Erkenntnis und wahres Glück. Der Vorgang ist das "Beobachten", ein interessantes Wort: Ob bedeutet oberhalb von, über. Acht bedeutet Aufmerksamkeit, Beachtung. Achtsamkeit auf die sechs Sinnesobjekte, oberhalb von ihnen, also unbeeinträchtigt davon, unbewegt und immer in der Gegenwart.
 
Re: Praxis Wahrnehmen
Die Wahrnehmung macht nichts aus den Sinneseindrücken, Gedanken, Gefühlen und Willensregungen sondern nimmt sie eben einfach nur wahr.
Mein lieber Freund, es wäre dann Jñāna, wie ich es sehe. Alles, was außerhalb des eigenen Geistes stattfindet, wird ausgeblendet, und der Geist ruht in sich selbst.

Das ist aber eine Angelegenheit, denn du schreibst weiter:

Der Vorgang ist das "Beobachten", ein interessantes Wort: Ob bedeutet oberhalb von, über. Acht bedeutet Aufmerksamkeit, Beachtung. Achtsamkeit auf die sechs Sinnesobjekte, oberhalb von ihnen, also unbeeinträchtigt davon, unbewegt und immer in der Gegenwart.
Wovon unbeeinträchtigt?

Ich zitiere kurz: 16.2.6 Wesentlicher Gehalt von Satipaṭṭhāna
Der Kern des „Beobachtens und Erkennens im Augenblick“ besteht darin, die Dinge so zu sehen und zu erkennen, wie sie in jenem Moment sind: sehen, erkennen und verstehen, was gerade wie geschieht und welches Ergebnis sich zeigt. Man ist dem Geschehen unmittelbar gegenwärtig, nimmt wahr, betrachtet und versteht, folgt ihm in jedem Augenblick – und das ist alles. Man erzeugt keinerlei Reaktion im Geist. Es gibt kein wertendes Einordnen, kein Beurteilen, kein Urteil über gut oder schlecht, richtig oder falsch und dergleichen. Man legt keine Gefühle, keine inneren Neigungen und kein Festhalten hinein, kein „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“, kein „mag ich“ oder „mag ich nicht“ und dergleichen. Man sieht und versteht einfach, wie die Sache ist, wie jener Vorgang ist, so wie er in diesem Aspekt für sich allein ist – ohne den Gedanken hinzuzukonstruieren: „meins“, „seins“, „mein Ich“, „sein Ich“, „Herr A“, „Herr B“ und so weiter.
Also, man beobachtet, ohne sich innerlich mit dem Objekt zu identifizieren. Im Sehen nur Sehen, usw.. so wie der Buddha Bāhiya rät.

I.10. BĀHIYO

"Was das angeht, Bāhiyer, kannst du dich so üben: 'Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes, sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes.' So kannst du dich üben, Bāhiyer. Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes gelten wird sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes, dann, bist 'du' nicht 'dort' Bāhiyer, dann ist 'das' nicht 'deine' Sache, dann Bāhiyer, bist 'du' weder 'hier' noch 'jenseits' noch 'dazwischen': Das eben ist das Ende des Leidens. "[18]
 
Re: Praxis Wahrnehmen
mukti schrieb:
Die Wahrnehmung macht nichts aus den Sinneseindrücken, Gedanken, Gefühlen und Willensregungen sondern nimmt sie eben einfach nur wahr.
Mein lieber Freund, es wäre dann Jñāna, wie ich es sehe. Alles, was außerhalb des eigenen Geistes stattfindet, wird ausgeblendet, und der Geist ruht in sich selbst.
Ein weiterer Begriff macht es nur unnötig kompliziert, ich meine schlicht die Wahrnehmung. Du nimmst gerade jetzt Sinnesobjekte, Gedanken, Gefühle und Willensregungen wahr, nicht? Und denkt die Wahrnehmung, fühlt sie oder will sie etwas? Sie nimmt doch dies alles einfach nur wahr, oder? Sie ist keines der fünf Sinnesobjekte, sie ist auch kein Gedanke, kein Gefühl, keine Willensregung, sie ist nicht das, was sie wahrnimmt, sondern eben das Wahrnehmen dieser Dinge. Ist das nicht klar und deutlich?

mukti schrieb:
Der Vorgang ist das "Beobachten", ein interessantes Wort: Ob bedeutet oberhalb von, über. Acht bedeutet Aufmerksamkeit, Beachtung. Achtsamkeit auf die sechs Sinnesobjekte, oberhalb von ihnen, also unbeeinträchtigt davon, unbewegt und immer in der Gegenwart.
Wovon unbeeinträchtigt?
Eben unbeeinträchtigt von den sechs Sinnesobjekten. Z..B ein Gefühl des Schmerzes oder ein Gefühl der Freude - die Wahrnehmung ist davon unberührt, sie leidet nicht und freut sich nicht, sie nimmt diese Gefühle wahr. Man muss nichts dafür tun, sie tut das von sich aus, es ist ihre Natur, ihre Eigenschaft. Wenn man die Aufmerksamkeit auf sie richtet, erkennt man, dass sie immer hinter oder über jeder Bewegung steht, ohne sich mitzubewegen, immer dieselbe Wahrnehmung.
Also, man beobachtet, ohne sich innerlich mit dem Objekt zu identifizieren. Im Sehen nur Sehen, usw.. so wie der Buddha Bāhiya rät.
Ja. Wenn man z.B. an einem unangenehmen Gefühl leidet, kann man sich erinnern: 'Beobachten!' Und wenn man das Gefühl beobachtet, ist man nicht mehr der Fühlende, sondern der Beobachtende. Man hat sich das Wahrnehmen vergegenwärtigt das immer schon da war, aber man hat es nicht beachtet, weil man nur auf das Gefühl geachtet hat, als wäre es das Selbst oder dessen Besitz.
So ist dieses Beobachten eine Übung, durch die sich allmählich und zunehmend das Glück der Befreiung erfahren lässt.
 
Re: Praxis Wahrnehmen
Und denkt die Wahrnehmung, fühlt sie oder will sie etwas? Sie nimmt doch dies alles einfach nur wahr, oder? Sie ist keines der fünf Sinnesobjekte, sie ist auch kein Gedanke, kein Gefühl, keine Willensregung, sie ist nicht das, was sie wahrnimmt, sondern eben das Wahrnehmen dieser Dinge. Ist das nicht klar und deutlich?
Kann sein, dass du den Begriff Wahrnehmung mit dem Gewahrsein verwechselst, denn du sprichst eigentlich über das Zweite.

Ich versuche es anders.

Der Prozess der Wahrnehmung verläuft immer wie vorprogrammiert. Wenn ich etwas sehe oder höre, etikettiere ich es als die Katze oder diese Buchstaben. Dann entstehen bestimmte Empfindungen. Wünsche ich zum Beispiel, dass alles abgetippt wird, und sollte ich es unterlassen, wird mein Verhalten durch dieses Netz der Entscheidungen gestaltet, im Körper, durch Sprache oder im Geist, durch meine Gedanken.

Das alles läuft blitzschnell ab, ansonsten könnten wir als Menschen nicht funktionieren. Und auch nicht kommunizieren.


Eben unbeeinträchtigt von den sechs Sinnesobjekten. Z..B ein Gefühl des Schmerzes oder ein Gefühl der Freude - die Wahrnehmung ist davon unberührt, sie leidet nicht und freut sich nicht, sie nimmt diese Gefühle wahr. Man muss nichts dafür tun, sie tut das von sich aus, es ist ihre Natur, ihre Eigenschaft. Wenn man die Aufmerksamkeit auf sie richtet, erkennt man, dass sie immer hinter oder über jeder Bewegung steht, ohne sich mitzubewegen, immer dieselbe Wahrnehmung.
Na ja, das ist Sati als der Weg zur Befreiung. Du benutzt das Wort „Wahrnehmung“, aber egal, ob buddhistisch oder rein neurowissenschaftlich betrachtet, es ist etwas anderes.

Dieses Dasein mit ständiger Achtsamkeit und klarem Gewahrsein (sati-sampajañña) hat ein wesentliches Merkmal, das man als „in der Gegenwart leben“ oder „das Leben im gegenwärtigen Augenblick führen“ bezeichnet. Das heißt: Achtsamkeit (sati) folgt dem, was gerade geschieht, sich gerade entfaltet oder gerade getan wird, in jedem einzelnen Augenblick, ohne es aus den Augen zu verlieren. Man bleibt nicht an einem bereits vergangenen Objekt hängen, haftet nicht daran und verweilt nicht bei ihm.

Die Quelle ist dieselbe.

Auch bei Anālayo kann man das Ganze finden.

Was ich sagen wollte: Du benutzt die Begriffe mit einer anderen Bedeutung, als wenn du ihnen selbst zuschreibst. Eher im Sinne von Advaita-Vedānta.

Ich habe damit kein Problem, aber es ist nicht korrekt oder methodologisch sauber.

Nur meine persönliche Meinung. Nichts persönlich gemeint.
So ist dieses Beobachten eine Übung, durch die sich allmählich und zunehmend das Glück der Befreiung erfahren lässt.
Dem kann jeder zustimmen, denke ich. Aber Beobachtung und Wahrnehmung sind zwei verschiedene Schuhe.🤷‍♂️
 
Re: Praxis Wahrnehmen
Kann sein, dass du den Begriff Wahrnehmung mit dem Gewahrsein verwechselst, denn du sprichst eigentlich über das Zweite.
Wie auch immer, du weißt was gemeint ist:

Dieses Dasein mit ständiger Achtsamkeit und klarem Gewahrsein (sati-sampajañña) hat ein wesentliches Merkmal, das man als „in der Gegenwart leben“ oder „das Leben im gegenwärtigen Augenblick führen“ bezeichnet. Das heißt: Achtsamkeit (sati) folgt dem, was gerade geschieht, sich gerade entfaltet oder gerade getan wird, in jedem einzelnen Augenblick, ohne es aus den Augen zu verlieren. Man bleibt nicht an einem bereits vergangenen Objekt hängen, haftet nicht daran und verweilt nicht bei ihm.
Das ist es, wovon ich spreche.
 
Re: Praxis Wahrnehmen
Statt wahrnehmen kann man auch sagen gewahren, bewusst sein oder erfahren, ich meine damit immer das Erscheinen der Sinneseindrücke. Die Wahrnehmung selber ist keine Erscheinung der sechs Sinneseindrücke, aber weil Sinneseindrücke erscheinen weiß man eben, dass es sie gibt. Man kann sie nicht untersuchen wie ein Objekt, es lässt sich nur die Eigenschaft "wahrnehmen" erkennen. Verschiedene Ansichten haben sich gebildet, etwa dass es im Grunde unabhängig wäre, allgegenwärtig, allwissend, ohne Anfang und Ende, ein wahres Selbst, der Ursprung von allem, ein Funke Gottes, usw. Das Paliwort ist viññāna, gewöhnlich mit Bewusstsein übersetzt. Sanna wird mit Wahrnehmung übersetzt, meint aber nicht das Wahrnehmen an sich, sondern die Art und Weise der Wahrnehmung. Nach der Lehre des Buddha hängt viññāna von nāma rūpa ab und existiert nicht aus sich selbst heraus. Meine Wenigkeit weiß nur, dass es das Wahrnehmen der sechs Sinneseindrücke gibt und in diesem Punkt müssten sich eigentlich alle einig sein.

Ich kann mich weder in den körperlichen und geistigen Erscheinungen, noch in der Wahrnehmung finden. Genau betrachtet erscheine ich selber in der Wahrnehmung, bin demnach Objekt, nicht Subjekt. Obwohl wahr, ist das eine sehr ungewöhnliche Sichtweise. Daraus leitet sich zunächst ein unbezweifelbares Konzept ab: Es gibt nur Wahrnehmung und Wahrgenommenes, das Ich ist eine geistige Gestaltung. Da wird es entweder gruselig, oder leicht ums Herz.
 
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