In SN 22.59 negiert der Buddha nicht die Existenz eines Selbst. Er negiert, dass
Skandhas und Selbst identisch sind. Dies geht nur, wenn er über Existierendes spricht. Der Buddha negiert nicht generell ein Selbst, sondern er negiert atta. Mit
anatta werden zwei Auffassungen verneint, nämlich dass
- es ein unabhängiges, teileloses und beständiges Selbst gäbe
- es ein eigenständig-substanzielles Selbst gäbe.
Mehr verneint anatta nicht, denn es gibt ein in Abhängigkeit von den Skandhas benanntes Selbst oder Ich, das handelt und erlebt.
Im letzten Abschnitt von SN 22.59 sagt der Buddha, dass man der Wirklichkeit entsprechend es so zu betrachten hat, dass die einzelnen Skandhas nicht identisch sind mit dem Selbst. Wenn man die falsche Sichtweise, dass die Skandhas und das Selbst identisch sind, aufgegeben hat, wird der edle Jünger entsüchtet und durch die Entsüchtung wird er befreit.
Von welcher Sucht wird er befreit? Von der Sucht, die in der Ansicht der vergänglichen Skandhas als wahrhaftes Ich und Mein besteht. Diese Ansicht ist die Wurzel Samsaras. Von ihr müssen wir uns befreien, weil wir sonst wie von einer Sucht getrieben ständig durch
Samsara kreisen werden.