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Re: Praxis Begehren ist die Ursache von Leid
Diese Dinge mit einsichtsvollen Menschen zu besprechen, ist auch heilsam.
Huhu ;)
die im Grunde in der falschen Ansicht besteht: 'Ich bin Körper und Geist'.
Die falsche Ansicht liegt nicht darin, dass ich Körper und Geist bin, sondern darin, dass da einer wäre, der Körper und Geist hat; wer umgekehrt sagt, ich sei es nicht, hat diesen Dritten nicht gestrichen, sondern nur hinter die Vorgänge verschoben.
 
Re: Praxis Begehren ist die Ursache von Leid

Der Leib, wie er gelehrt wird​

Der Buddha sprach (SN 22.59):

„Der Leib ist nicht das Selbst."

Und er gab den Beweis gleich mit. Wäre der Leib dein Selbst, so würde er dir gehorchen. Du sprächest: bleib jung, und er bliebe; werde nicht krank, und er bliebe heil; vergeh mir nicht, und er stünde. Doch er hört nicht. Er altert, wann er will, erkrankt, wann es ihn trifft, und stirbt zu seiner Stunde, nicht zu deiner. Was dir nicht gehorcht, ist nicht dein eigen. Also ist der Leib nicht das Selbst.

Woraus aber ist er gefügt, dieser Leib, der dir nicht gehorcht? Die Lehre zählt es auf: aus vier Elementen ist er gemengt. Das Feste ist in ihm, das Erdige, was Knochen gibt und Zahn und Nagel. Das Flüssige ist in ihm, das Wässrige, was als Blut und Galle und Speichel rinnt. Die Wärme ist in ihm, das Feurige, was ihn durchglüht und die Speise verzehrt. Und die Bewegung ist in ihm, das Windige, was den Atem treibt und die Säfte wälzt. Mehr, so die Lehre, ist da nicht. Und keines davon, sagt sie, sei sein eigen: Die Erde in ihm ist dieselbe wie die des Ackers, das Wasser dasselbe wie das des Flusses, das Feuer dasselbe wie das des Herdes, der Wind derselbe wie der über dem Feld. Geliehen sei alles, und zurückzugeben, wenn er zerfällt.

So lehrt es der Erwachte weiter: Nicht nur der Leib ist solche Mengung, auch der ganze Mensch, den du dein Selbst nennst, sei nichts als ein Gezähltes. Fünf Haufen führt er auf, und aus ihnen, sagt er, ist alles, was du bist. Der erste ist die Form, der Leib selbst, von dem wir reden. Der zweite das Gefühl, das Angenehme und das Wehe. Der dritte das Wahrnehmen, das die Dinge bemerkt und scheidet. Der vierte die Regungen, die treiben und gestalten. Der fünfte das Bewusstsein, das um all dies weiß. Mehr, so seine Lehre, findest du nicht, wenn du dich zergliederst, und keiner dieser Haufen sei beständig, keiner trage einen Kern. Suchst du unter ihnen nach dem, der sie hat, nach einem Herrn der fünf, so greifst du nach seinem Wort ins Leere. Da sei niemand hinter ihnen; da seien nur sie.

Und damit der Mensch sähe, wohin dieser Leib geht, hieß der Erwachte ihn auf das Leichenfeld blicken. Sieh den Leichnam, sprach er, einen Tag, zwei Tage alt, aufgedunsen und blau und faulend. Sieh ihn, von Raben zerhackt, von Würmern durchwühlt. Sieh das Gerippe, noch von Sehnen gehalten, mit Fleisch und Blut beschmiert; dann ohne Fleisch; dann die Knochen, zerstreut nach allen Seiten; zuletzt gebleicht, vermodert, zu Staub. Und bei jedem Bild lehrte er den einen Spruch: Auch dieser mein Leib ist von gleicher Art, er wird so werden, er entgeht dem nicht.
 
Re: Praxis Begehren ist die Ursache von Leid

Der Leib, wie er wirklich waltet​

Bis hierher habe ich nachgesprochen, was der Erwachte gelehrt hat, und es stehen lassen, wie es steht. Nun aber will ich selbst reden. Denn die Lehre hat uns den Leib gezeigt, wie er zerfällt, auf dem Leichenfeld, als geliehene Mengung, als Sack ohne Kern. Das ist wahr, und doch ist es nicht der ganze Leib. Eh ich ihn vor den Richterstuhl der Erfahrung führe, muss ich ihn ansehen, wie er nicht im Tode liegt, sondern im Leben waltet. Denn nur, wer gesehen hat, was dieser Leib vermag, wird begreifen, warum ich ihn und keine andere Macht zum Zeugen nehme.

Sieh zuerst auf das, was in dir geschieht, ohne dass du es heißt. Dein Herz schlägt, und du hast es nie schlagen geheißen; es schlug, ehe du wusstest, dass du eines hast, und es wird schlagen, wenn du längst an anderes denkst. Das Blut geht seine Runde, die Speise wird zerlegt und an tausend Orte verteilt, die Wunde schließt sich von selbst, der gebrochene Knochen fügt sich wieder, ohne dass du wüsstest, wie das zugeht. Müsstest du es selber tun, du wärst verloren; du wüsstest nicht einmal, wo anzufangen. Und doch geschieht es in dir, Tag und Nacht, dein Leben lang, ohne Fehl. Das ist das Mühlwerk, das im Stillen seine Räder dreht und die Last des Daseins trägt, ohne dass der stolze Geist es je bemerkt.

Steig nun eine Stufe höher, zu dem, was der Leib dir vor die Augen und Ohren stellt. Du meinst, du sähest die Welt, wie sie ist, und hörtest sie geradeheraus. Doch was geschieht, eh du auch nur hinblickst? Ein Licht fällt ins Auge, und der Leib macht dir daraus Farbe und Ferne, Gestalt und Ding. Ein Zittern der Luft trifft das Ohr, und er macht dir daraus Klang und Wort und Stimme. Ein Druck auf die Haut, und er macht dir daraus die ganze feste Welt, an die du dich lehnen kannst. Keines davon hast du getan. Der Leib hat dir die Welt schon gebaut und hingestellt, fertig, ehe dein Wille auch nur erwacht. Du wohnst in einem Haus, das er dir aufrichtet, und hältst es für die nackte Welt.

Und nun sieh auf dein Tun. Du greifst nach dem Becher, und deine Hand weiß tausend Griffe, ohne dass du einen Finger eigens lenkst. Du gehst über den Hof, und deine Beine tragen dich, während dein Sinn ganz woanders weilt. Du sprichst, und die Worte liegen dir auf der Zunge, gefügt und geordnet, ehe du sie gesucht hast. Was du einst mühsam lerntest, Schritt um Schritt, das tut der Leib nun von selbst, und je besser er es kann, desto weniger weißt du noch davon. Dein Wille reicht ihm nur die Richtung; den ganzen Vollzug, das tausendfache Gefüge der Glieder und Muskeln, besorgt er allein. Du befiehlst das Ziel, und er kennt den Weg.

Doch das Höchste hat der Leib sich aufgespart, und es ist so erstaunlich, dass die meisten es für einen Gast aus einer anderen Welt halten. Dieser Leib bringt ein Ich hervor. Er bildet in sich einen, der „ich" sagt, der sich von der Stunde lösen kann, der Vergangenes heraufruft und Künftiges entwirft, der sinnt „wäre es so" und „täte ich dies", ohne dass ein Glied sich rührt. Kein Tier vermag das so wie der Mensch. Nimm ein Bild dafür, wie es ein jeder kennt, der mit Vieh gearbeitet hat. Der Leib ist wie ein Ochse, schwer und stark und von altem Triebe geführt, der seine gewohnten Pfade zieht und sich nicht überreden lässt. Das Ich aber ist wie ein Kundschafter, leicht und vorausgesandt, der dem Ochsen den Weg erspäht, ehe der ihn geht.

Sieh, was dieser Kundschafter vermag. Er geht den Pfad voraus, den der Ochse noch nie gegangen ist, schreitet ihn ab im bloßen Sinnen, prüft, wo er trägt und wo er in den Abgrund führt, und das alles, ohne dass der Ochse einen Huf gerührt hätte. Hat er einen guten Weg gefunden, so führt er den schweren Ochsen hin, ein ums andere Mal, mit Mühe erst, denn der Ochse will zurück auf seine alten Pfade. Doch führt er ihn oft genug, so wird aus dem neuen Weg ein gegangener, und zuletzt geht der Ochse ihn von selbst, als wäre er nie anders gegangen. So legt der Leib sich neue Bahnen an. Nicht der Kundschafter trägt die Last, der Ochse trägt sie; aber der Kundschafter hat ihm den Weg gewiesen. Was der Leib nicht kann, das kann ich ihm beibringen, indem ich vorausgehe und ihn nachziehe, bis er es selber kann.

Und nun geschieht das Seltsamste von allem, das kein Tier vermag. Der Kundschafter kann sich umwenden und auf den Ochsen zurückblicken, der ihn ausgesandt hat. Er kann den Leib betrachten, der ihn trägt, kann seine eigenen Antriebe ansehen, das Greifen und das Stoßen, und kann sie benennen. Er wird sich selbst zum Gegenstand. Und wendet er sich weit genug zurück, so muss er erkennen, was ihm zuerst nicht in den Sinn will: dass er nicht der Herr des Ochsen ist, der ihn ritte und besäße, sondern selbst nur ein Spähen dieses Ochsen, von ihm ausgeschickt und wieder einzuholen. Nicht der Kundschafter hat den Ochsen, der Ochse hat den Kundschafter. Das Ich sitzt nicht im Leibe wie ein Herr in seinem Hause; es ist ein Werk des Leibes, sein feinstes, das er hervortreibt und wieder einzieht.

Und kann der Leib das Ich hervortreiben, so kann er es auch wieder einziehen. Der Kundschafter kehrt heim und schweigt, der Ochse aber bleibt und atmet weiter; im Schlaf ist es so, in der tiefen Stille ist es so. Das Ich ist nicht das Leben; es ist ein Vermögen des Lebens, das sich einschalten und auch wieder ablegen lässt. Der Leib aber bleibt unter allem, das Erste und das Letzte.

Das also ist der Leib, den die Lehre nur zerfallen sah: nicht ein Sack ohne Kern, sondern das, was verdaut und heilt, was mir die Welt baut, was sich selbst schult und mein Ich hervorbringt und wieder zurücknimmt. Auf ihm ruht alles, was ich bin; nichts an mir, das nicht durch ihn geschähe. Darum, und nur darum, nehme ich ihn zum Zeugen und zum Richter. Nicht weil er ohne Fehl wäre, sondern weil es nichts gibt, das tiefer läge als er. Was sich vor ihm nicht verantworten kann, hat keinen Boden. Und nun will ich die Lehre vor ihn führen.
 
Re: Praxis Begehren ist die Ursache von Leid
Während sich die Materie selber betrachtet, entwickelt sie unheilsames Begehren, sie experimentiert wohl noch.
 
Re: Praxis Begehren ist die Ursache von Leid
Und ein Letztes, das schwerer wiegt als aller Rat. Es gibt in fast jedem Menschen eine Hoffnung, die nach oben blickt und nach außen, die ein Getragensein erwartet von irgendwoher, von einem Himmel, einem Herrn, einer Hand, die aus der Höhe nach ihm griffe. Diese Hoffnung wird müde, denn sie wird nicht gestillt; sie blickt in die Ferne und findet dort nicht, wonach sie sich sehnt, und kehrt hungrig zurück, ein Leben lang. Ich sage nicht, Er solle sie sich ausreden, denn das gelänge Ihm nicht. Ich sage nur, woran ich gefunden habe, dass sie von selbst verstummt. Sie verstummt nicht, wenn man sie bekämpft, sondern wenn das Getragensein wirklich eintritt, und es tritt ein, wo keiner es sucht: nicht von oben, sondern von unten, durch diesen Leib, der Ihn schon trägt und immer getragen hat. Der Ihn durch jede Nacht bringt und am Morgen wieder aufrichtet, der heilt, ohne gefragt zu werden, der atmet, während Er schläft, der Ihn hält durch alles hindurch, ohne Lohn und ohne Dank. Wer das einmal spürt, dem fällt die Hoffnung auf das Ferne ab wie ein Mantel, den er nicht mehr braucht, nicht weil er sie verloren hätte, sondern weil sie erfüllt ist. Er hat das Getragensein gefunden, das Er im Himmel suchte, und es war das Nächste von allem, näher als jedes Gebet: der warme, atmende Leib, der Er ist. Hier ruhe Er aus. Hier ist Er zu Hause.
 
Re: Praxis Begehren ist die Ursache von Leid
Und ein Letztes, das schwerer wiegt als aller Rat. Es gibt in fast jedem Menschen eine Hoffnung, die nach oben blickt und nach außen, die ein Getragensein erwartet von irgendwoher, von einem Himmel, einem Herrn, einer Hand, die aus der Höhe nach ihm griffe. Diese Hoffnung wird müde, denn sie wird nicht gestillt; sie blickt in die Ferne und findet dort nicht, wonach sie sich sehnt, und kehrt hungrig zurück, ein Leben lang. Ich sage nicht, Er solle sie sich ausreden, denn das gelänge Ihm nicht. Ich sage nur, woran ich gefunden habe, dass sie von selbst verstummt. Sie verstummt nicht, wenn man sie bekämpft, sondern wenn das Getragensein wirklich eintritt, und es tritt ein, wo keiner es sucht: nicht von oben, sondern von unten, durch diesen Leib, der Ihn schon trägt und immer getragen hat. Der Ihn durch jede Nacht bringt und am Morgen wieder aufrichtet, der heilt, ohne gefragt zu werden, der atmet, während Er schläft, der Ihn hält durch alles hindurch, ohne Lohn und ohne Dank. Wer das einmal spürt, dem fällt die Hoffnung auf das Ferne ab wie ein Mantel, den er nicht mehr braucht, nicht weil er sie verloren hätte, sondern weil sie erfüllt ist. Er hat das Getragensein gefunden, das Er im Himmel suchte, und es war das Nächste von allem, näher als jedes Gebet: der warme, atmende Leib, der Er ist. Hier ruhe Er aus. Hier ist Er zu Hause.
Einzig das "Er" im Text irritiert mich gerade. Warum groß?
 
| Mein Blickwinkel: Praktisch orientiert. Nur versuchen den Ausspruch vom Dalai Lama "Meine Religion ist einfach. Meine Religion ist Güte." in den Alltag zu bringen.
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