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Helmut

Mitglied
Buddh. Richtung:
Madhyamaka, Lamrim
In seinem Eigen-Kommentar zum Madhyamakavatara schreibt Candrakirti in Bezug auf die ethische Disziplin:

"Weil sie [die ethische Disziplin] auf Leidenschaften sich nicht einlässt und negative
Handlungen nicht auftreten lässt, bringt sie deren Feuer, das den Geist beeinträchtigt, zum Verlöschen ..."

Dies erinnert mich an das Feuer-Sutta (SN 35.28) Dort erklärt der Buddha den Mönchen:

"Alles, ihr Mönche, ist in Brand. Was alles, ihr Mönche, ist in Brand?
Das Auge, ihr Mönche, und die Formen,
das Ohr und die Töne,
die Nase und die Düfte,
die Zunge und die Säfte,
der Körper und die Gegenstände,
der Geist und die Dinge sind in Brand.
[...]
Durch Feuer der Gier, Feuer des Hasses, Feuer der Verblendung ist es in Brand."


Das Feuer ist also eine Analogie für die Leidenschaften unter deren Macht unsere Sinneskräfte und die zugehörigen Bewusstseine stehen. Die ethische Disziplin ist das Gegenmittel gegen diese Leidenschaften, weil sie die Kraft hat, das Feuer der Leidenschaften endgültig zum Verlöschen zu bringen.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Die ethische Disziplin ist das Gegenmittel gegen diese Leidenschaften,
Sehr schönes und vielschichtiges Sutta, aber mir scheint, es geht hier in erster Reihe um die Sinneszügelung.
Siehe hier, das lohnt sich.

Wiederum, mit der Suche nach Sinnesbefriedigung als Grund, der
Suche nach Sinnesbefriedigung als Quelle, der Suche nach Sinnesbefriedigung
als Ursache, einfach weil die Ursache davon die Suche nach
Sinnesbefriedigung ist, streiten Könige mit Königen, Adlige mit Adligen,
Brahmanen mit Brahmanen, Haushälter mit Haushältern, streitet
eine Mutter mit ihrem Kind, das Kind mit der Mutter, der Vater mit
dem Kind, das Kind mit dem Vater, der Bruder mit dem Bruder, die
Schwester mit der Schwester, der Bruder mit der Schwester, die
Schwester mit dem Bruder, der Freund mit dem Freund. Und in ihrem
Streit, ihren Auseinandersetzungen, ihrem Zank greifen sie einander
mit Fäusten oder mit Stöcken oder mit Messern an, wodurch sie sich
den Tod oder tödliches Leid zuziehen. Auch dies ist ein Nachteil der
Suche nach Sinnesbefriedigung: Diese Masse an Leiden, die hier und
jetzt sichtbar ist, entsteht aus der Suche nach Sinnesbefriedigung …
einfach, weil die Suche nach Sinnesbefriedigung die Ursache dafür
ist.“
S. 56, PDF

Thānissaro Bhikkhu

Der Geist – wie ungebundenes Feuer. Eine Metapher aus den frühbuddhistischen Lehrreden

Kategorie(n): Geist – Herz – Bewusstsein

veröffentlicht Mai 2000

Der frühe Buddhismus leitete zwei seiner zentralen Begriffe aus der Funktion des Feuers ab: Da ist zum einem der Begriff Upadana oder „Anhaftung“, welcher sich ursprünglich auf den Brennstoff bezog, der ein Feuer ernährt und brennen lässt und zum anderen Nibbana , der Name vom Ziel der buddhistischen Praxis, welcher eng mit dem Verlöschen eines Feuers assoziiert wurde. Anhand von Zitaten aus den Upanishaden und den Lehrreden des Pali -Kanons erläutert Thānissaro Bhikkhu sowohl das Bedeutungsspektrum der Feuer-Metapher in vorbuddhistischer Zeit als auch den Bedeutungswandel, den diese Metapher durch die Aufnahme in die Lehre des Buddha erfahren hat. Welche Schlussfolgerungen zogen die frühen Buddhisten aus der Beobachtung von Feuer? Wie verwendete der Buddha die den Menschen seiner Zeit vertraute Feuer-Metapher im Kontext seiner Befreiungslehre? Der Autor zeigt, welches Licht diese Perspektive auf die buddhistische Lehre im Allgemeinen und auf die Praxis der Meditation im Besonderen wirft. Aufgrund seiner umfangreichen neu-übersetzten Lehrredenzitate aus dem Pali-Kanon ist diese Arbeit auch für diejenigen eine nützliche Quelle, welche die buddhistischen Lehren in ihrem frühesten bekanntesten Kontext kennenlernen möchten.


Es ist des Menschen Absichtsgier nach Sinnendingen,
Nicht die schönen Sinnesobjekte in dieser Welt
Es ist des Menschen Absichtsgier nach Sinnendingen.
Das Schöne in der Welt bleibt wie es ist,
Doch die Weisen wenden
Ihr Verlangen davon ab.

AN 6:63
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Ich denke, es geht in dem Sutta um mehr als nur Sinneszügelung; auch wenn diese wichtig ist. Ich denke, es geht hauptsächlich darum, die vernichtende Kraft der Leidenschaften zu erkennen. Deshalb hat Buddha Sakyamuni sie ja mit Feuer verglichen. Wir müssen diese Leidenschaften, die wie ein vernichtendes Feuer sind, als unseren eigentlichen Feind erkennen. Diesen Feind müssen wir überwinden, um das dauerhafte Glück der Befreiung aus Samsara zu verwirklichen und zu erleben: Die dritte edle Wahrheit.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Wir müssen diese Leidenschaften, die wie ein vernichtendes Feuer sind, als unseren eigentlichen Feind erkennen. Diesen Feind müssen wir überwinden, um das dauerhafte Glück der Befreiung aus Samsara zu verwirklichen und zu erleben: Die dritte edle Wahrheit.
Das ist das Problem mit deutschen Begriffen, denke ich, Helmut.


Ist es nicht meine eigene Leidenschaft, eigentlich, diese dritte Wahrheit zu verwirklichen?


Manche Mönche waren schier besessen, was die Lehre betrifft, aber das wäre etwas anderes, als von etwas "Dämonen" besessen zu sein.


Und noch eins.


Wenn ich etwas als einen eigenen Feind betrachte, dann verdränge oder rationalisiere ich es, aber es geht einfach nicht weg. Schatten-Dynamik, in diese Richtung.


Nur wenn ich ein wenig diese Weisheit besitze, wenn ich innerlich anerkenne/ver-inner-lich-e/, dass es im Leben, wie es ist, keine echte Befriedigung überhaupt gibt, dann kann ich es loslassen, ansonsten würde es einfach nicht funktionieren.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Habe im Buch „Der Buddha und sein Orden“ nachgeschaut. Das war für die Mönche vorgesehen, alle ehemalige Flechtensketen. Und während der Darlegung waren sie sofort von den Trieben befreit. Echt beeindruckend(y). Tausend Mönche! (S.48).
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Wir müssen diese Leidenschaften, die wie ein vernichtendes Feuer sind, als unseren eigentlichen Feind erkennen. Diesen Feind müssen wir überwinden, um das dauerhafte Glück der Befreiung aus Samsara zu verwirklichen und zu erleben: Die dritte edle Wahrheit.
Was ist denn nun die ethische Disziplin nach Candrakirti?
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Die ethische Disziplin wird in drei Aspekte gegliedert:
  • Das Aufgeben von leiderzeugenden Handlungen
  • Das Ansammeln von heilsamen Geistespotenzialen
  • Das heilsame Handeln zum Wohl aller fühlenden Wesen
Beim ersten Aspekt geht es hauptsächlich um das Unterlassen der zehn unheilsamen Handlungen. Man hat die Motivation die drei körperlichen und die vier sprachlichen Handlungen aufzugeben, weil man sich mit dem Leiden der Wesen nicht abfindet und deshalb nicht zu ihrem Leiden beitragen will. Um dies zu erreichen, gibt man die drei unheilsamen Handlungen des Geistes auf, indem man sich in den zehn heilsamen Handlungen schult.

Dadurch entsteht auch die Verbindung zur zweiten Art. Indem man sich in den zehn heilsamen Handlungen sowie den elf heilsamen Geistesfaktoren schult, übt man sich in den Gegenmitteln gegen die unheilsamen Handlungen und sammelt dadurch heilsame karmische Prägungen im eigenen Geist an. Diese wirken auf das zukünftige eigene Denken und Handeln positiv zurück. Diese Art der Ethik dient auch dazu, die bereits angesammelten heilsamen karmischen Prägungen nicht degenerieren zu lassen.

Die dritte Art der Ethik umfasst alle Handlungen, die auf das Glück und Wohlergehen der anderen Wesen ausgerichtet sind. Mit ihnen will man dazu beitragen, dass sie sie ihr Glück und Wohlergehen auf angemessene Weise und ohne Fehlverhalten verwirklichen können.

Die erste Art der Ethik ist grundlegend für die beiden anderen Arten.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Ist es nicht meine eigene Leidenschaft, eigentlich, diese dritte Wahrheit zu verwirklichen?
Wenn es eine Leidenschaft wäre, die dritte edle Wahrheit - also Nibbana - zu verwirklichen, dann wäre auch der achtfache Pfad eine Leidenschaft. Dann wäre er kein Gegenmittel gegen die wahren Ursprünge des Leidens.

Wenn ich etwas als einen eigenen Feind betrachte, dann verdränge oder rationalisiere ich es, aber es geht einfach nicht weg. Schatten-Dynamik, in diese Richtung.
Als Feind wird derjenige betrachtet, der uns Schaden zufügt, durch den wir Probleme erleben, die uns ärgerlich oder wütend machen. Diesen Feind verorten wir gewöhnlich im Außen. Er hat mich ärgerlich, wütend gemacht. Aber dieser Feind ist nicht das eigentliche Problem, sondern nur ein vorübergehendes.

Wenn der Buddha in SN 35.28 sagt, alles brennt, dann ist nicht ein derartiger äußerer Feind die Ursache des Feuers. Die eigentliche Ursache des Feuers sind unsere Leidenschaften. Unsere Leidenschaften sind unser eigentlicher Feind, weil sie uns über lange Zeit steten Schaden zufügen. Sie fügen uns einen viel größeren Schaden zu als vermeintliche äußere Feinde. Mit der Analogie des Feuers - alles brennt - verdeutlicht der Buddha dies.

Es ist aber nicht so, dass das Feuer der Leidenschaften, durch das wir gequält werden, nicht beendet werden kann. Dies geschieht gerade durch den achtfachen Pfad und wenn wir dadurch die wahren Beendigungen verwirklicht haben, ist das Feuer der Leidenschaften ein für alle mal verloschen. Aber die Praxis des achtfachen Pfades ist langwierig.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
das Feuer der Leidenschaften, durch das wir gequält werden, nicht beendet werden kann.
Für mich klingt es sehr radikal, denn dieses Sutta war für die Mönche vorgesehen.

Dank dieser enormen Kraft der Leidenschaften haben wir die Kultur, schöne Musik, Gedichte, Gemälde usw.


Ohne diese innere Leidenschaft, aber richtig verstanden, gäbe es keinen Buddhismus, denn der junge Prinz war innerlich ergriffen, als er den Tod sah.


Da sollte man differenzieren, scheint mir.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Die ethische Disziplin wird in drei Aspekte gegliedert:
  • Das Aufgeben von leiderzeugenden Handlungen
  • Das Ansammeln von heilsamen Geistespotenzialen
  • Das heilsame Handeln zum Wohl aller fühlenden Wesen
Das kann ein ziemlich langer Weg sein, bis alle Leidenschaften ausgerottet sind, weil sie schon recht tief sitzen. Aber jeder Schritt geht in die richtige Richtung, wenn man eine heilsame Orientierung hat.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
, bis alle Leidenschaften ausgerottet sind,
Ich würde bestimmt meine Leidenschaft für den Buddhismus nicht ausrotten, so wie auch Kay Zumwinkel bestimmt auch seine Leidenschaft für die existenzielle Philosophie...


Dazu P. A. Payutto:


Jenes chanda, auf welches im Zusammenhang mit der Dhamma -Praxis am
häufigsten Bezug genommen wird, ist das Verlangen und der Enthusiasmus, wie
er in der Lehre über die vier rechten Anstrengungen (sammappadh¯ana; „vollständige
Anstrengung“) zu finden ist:
Derjenige, der das Verlangen nach dem Nichterscheinen unheilsamer Zustände
erzeugt, bemüht sich, erweckt Energie, erhebt den Geist und bleibt
beharrlich. Er erzeugt das Verlangen nach dem Aufgeben der entstandenen,
üblen unheilsamen Zustände (...) nach dem Entstehen der nicht entstandenen
heilsamen Zustände (...) nach der Aufrechterhaltung der entstandenen
heilsamen Zustände, nach ihrem Nichtverfall, ihrer Zunahme, ihrer Ausdehnung,
ihrer Erfüllung und ihrer Entwicklung.
S.1041, PDF.

 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Dank dieser enormen Kraft der Leidenschaften haben wir die Kultur, schöne Musik, Gedichte, Gemälde usw.
Diese Auffassung von Leidenschaften hat der Buddha im Feuer-Sutta ganz bestimmt nicht vertreten. Schließlich ging es ja darum, das Feuer der Leidenschaften Gier, Hass und Verblendung vollkommen aufzugeben wie man dem Schlussteil der Lehrrede entnehmen kann.

Leidenschaften sind Geistesfaktoren, die in dem Moment ihres Auftretens den eigenen Geist in einen äußerst unausgeglichenen Zustand versetzen. Das beschreibt Buddha mit dem Bild vom Feuer. In der Lehrrede selber sind nur die drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung genannt, aber zu den Wurzelleidenschaften zählen ja auch noch Stolz, Zweifel und die leidenschaftsverbundenen Ansichten. Leidenschaften ist eine gute Übersetzung von klesas. Sie sind die Geistesfaktoren, die die Leiden erschaffen, verursachen, bewirken.

Für mich klingt es sehr radikal, denn dieses Sutta war für die Mönche vorgesehen.
Dass der Buddha das Feuer-Sutta Mönchen gelehrt hat, zeigt ja, dass sie noch nicht von den Leidenschaften befreit waren, dass sie die Wurzel Samsaras noch nicht aufgegeben hatten. Für uns gilt dies natürlich noch vielmehr.

Ohne diese innere Leidenschaft, aber richtig verstanden, gäbe es keinen Buddhismus, denn der junge Prinz war innerlich ergriffen, als er den Tod sah.

Da sollte man differenzieren, scheint mir.
Aber die Differenzierung kann meines Erachtens nicht darin bestehen, dass man den Begriff Leidenschaften in gegensätzlichen Bedeutungen benutzt. In Bezug auf die Praxis des Dharma würde ich nicht davon sprechen, dass man sie mit Leidenschaft ausübt, sondern davon, dass man den Dharma mit Enthusiasmus, Freude usw. praktiziert.
 
Re: Mahayana Alles brennt - das Feuer-Sutta
Leidenschaften ist eine gute Übersetzung von klesas. Sie sind die Geistesfaktoren, die die Leiden erschaffen, verursachen, bewirken.
Na ja, schauen wir es zusammen:

Im Buddhismus meint Klesha oder Kilesa die „Verunreinigungen“, „die den Geist trübenden Leidenschaften“.[2]
So Wikipedia.

Also das „trübende“ des Geistes intendiert schon, dass es das Andere gibt, also wie das „Verlangen“ nach Dhamma, so das Zitat im Beitrag #11.

Bei Nyānatiloka:

('geistige Qual')


'Befleckungen', nennt man die den Geist trübenden Leidenschaften.
kilesa

Dass der Buddha das Feuer-Sutta Mönchen gelehrt hat, zeigt ja, dass sie noch nicht von den Leidenschaften befreit waren, dass sie die Wurzel Samsaras noch nicht aufgegeben hatten. Für uns gilt dies natürlich noch vielmehr.
Ach ja, bleibt nur die Frage, warum tausend Mönche während der Lehrdarlegung /also sofort/ von den Trieben befreit waren.

Das weiß @mukti bestimmt.
 
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