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Zwei Arten der Meditation im Vajrayana

Grundsätzlich kann man Meditation im Vajrayana in zwei Hauptarten einteilen:
  • die konzentrative (einspitzige) und
  • die analytische Meditation.
Bei der konzentrativen Meditation übt man sich darin, die Aufmerksamkeit des Geistes auf ein innerlich vorgestelltes Objekt auszurichten und sie darauf zu halten. Bei den analytischen Meditationen durchdringen wir ein Thema mit Begründungen, hinterfragen getäuschte, oder unheilsame Sichtweisen, etc. und kommen zu einem bestimmten positiven Ergebnis, einer Einsicht , die wir dann im Geist stabilisieren.

Die Atemmeditation zählt im Prinzip zu der konzentrativen Meditation, ist aber ein vielfältiges Thema, sodass sie auch in den analytischen Bereich überwechseln kann. Unter anderem wird sie auch als "Werkzeug" benutzt, sprich, bei "Abschweifen" während einer komplexen Meditation oder Visualisierung nimmt man den Geist durch bewusstes Atmen, Verfolgen des Atemverlaufs usw., wieder "an die Leine", und kehrt sanft zur eigentlichen Meditation zurück. "Gom", der tibetische Begriff für Meditation, bedeutet in etwa: "das Sich-gewöhnen-an". Sehr bezeichnend, finde ich.

Meditation ist nichts, was der Mensch durch Zwang herbeiführen könnte. Je lockerer die Zügel, desto entspannter der (geübte!) Geist. Es ist wie beim Anlernen junger, unbändiger Pferde: zuerst herumspringen lassen, dann langsam und bedächtig an die Übung heranführen, eine Zeitlang üben, das (dann doch wieder übermütig) auskeilende Tier mit leiser Stimme besänftigen, immer wieder und immer wieder an die Übung heranführen. Und das alles mit viel Verständnis, und ohne jeglichen Zwang. Gerade deshalb wird es eines Tages ein hervorragendes Reitpferd sein. Eines, das mit seinem liebevollen Reiter zu einer Einheit verschmilzt, und ohne Worte versteht.

Hat man die ersten Bücher über Buddhismus und Meditation gelesen, um herauszufinden, welche Art der Meditation für uns selbst geeignet ist, ist es von Vorteil, zunächst einige Meditationsmethoden auszuprobieren. Letztendlich ist es jedoch angezeigt sich für eine Art zu entscheiden, anstatt heute mal hier und morgen mal davon einen Teil zu probieren, also: mit Bedacht eine Meditationsart aussuchen, bei der man sich wohlfühlt und diese dann vervollkommnen.

Fühlt man sich selbst nach dem Lesen der Anleitungen noch unsicher, dann ist es von Vorteil einen Einführungskurs zu besuchen. Falls einem dies liegt, besteht die Möglichkeit sich einer Gruppe (mit einem guten Lehrer) anzuschließen. So kann man jedenfalls sicher sein, von Beginn an mögliche Fehler auszuschließen.
 
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kilaya

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Arten der Meditation im Buddhismus
Shamatha (ruhiges Verweilen), ein [...] zur Ruhe gekommener Geist, [...] der von den Hindernissen für Konzentration befreit und einzig auf ein bestimmtes Objekt ausgerichtet oder in einem bestimmten Zustand zur Ruhe gekommen ist. Er ist also mehr als lediglich vertiefte Konzentration. Zusätzlich wird er von einem weiteren geistigen Faktor begleitet, nämlich einem Gefühl von physischer und geistiger Leistungsfähigkeit (Geschmeidigkeit, Beweglichkeit).

Zusätzlich [...] beinhaltet Vipashyana außerdem noch [...] das Gefühl, die subtilen Einzelheiten von allem unterscheiden und voll und ganz verstehen zu können. Vipashyana muss nicht unbedingt auf die Leerheit oder die vier edlen Wahrheiten ausgerichtet sein [...]. Es kann auf jedes der Objekte gerichtet sein, auf das wir uns konzentriert haben, um Shamatha zu erreichen.

[Bei] Vipashyana handelt es sich [...] notwendigerweise um einen Zustand, in dem beides miteinander verbunden ist: Shamatha und Vipashyana. [...] wir [können] zwar auf Vipashyana hinarbeiten, bevor wir Shamatha erlangt haben, aber wir können Vipashyana nicht tatsächlich erreichen, ohne zuerst Shamatha verwirklicht zu haben.

Dr. Alexander Berzin
Quelle:
 
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Sherab

Mitglied
Re: Dharma Arten der Meditation im Buddhismus
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Schmu

Mitglied
Re: Dharma Arten der Meditation im Buddhismus

Persönlicher Zugang zu Meditation​


Die Frage "Was ist Meditation und welche Formen gibt es?" ist nicht so einfach zu beantworten. Noch verwirrender wird es, wenn ich frage: "Welchen Zweck hat sie?"

Wenn ich "Meditationskurse" in meine Suchmaschine eingebe und mir auf 10 verschiedenen Seiten die Kurzbeschreibung durchlese, komme ich zu dem Schluss, dass offenbar alles Mögliche damit gemeint sein kann. Auch wenn ich nur "buddhistische Meditation" versuche zu verstehen, ist es immer noch eine breite Palette.

Ich werde am Anfang nicht drumherum kommen, einiges auszuprobieren. Wenn ich mich sowieso schon von Meditation angezogen fühle, dann werde ich das auch gerne machen. Meiner Meinung nach kommt es dann irgendwann mehr und mehr zu der Frage: "Welchen Zweck hat Meditation für mich, warum möchte ich das machen?" Danach richtet sich, bei welcher Art von Meditation ich landen werde, welches meine Meditation wird.

Die grundsätzliche Einteilung von mkha' in konzentrative und analytische Meditation kann man meiner Meinung nach als grobe Richtschnur stehen lassen. Natürlich gibt es aber noch mehr dazu zu sagen, das hängt davon ab, wie weit ich differenziere und aus welcher Richtung / Tradition ich es betrachte.

Aus meiner Sicht ist das mit ein Grund, warum Kodo Sawaki schließlich (fast provokativ) gesagt hat:

"Zazen ist gut für nichts!"

Das ist auch unserer Zeit geschuldet, wo 10 verschiedene Leute 10 unterschiedliche Ziele nennen, wozu Meditation angeblich dienen soll.

Ein anderer Zen -Meister, Bankei, würde wahrscheinlich sagen:

"Meditation ist das Umformen des Geistes in den ungeborenen Buddha-Geist und das dort Verweilen."

Das ist natürlich sehr universell ausgedrückt und bringt mir am Anfang erstmal noch nicht viel. Denn ich stehe ja da und stelle mir Fragen, wie: "Soll ich mich auf den Atem konzentrieren? Ist das gut? "Soll ich ein Bild in meinem Kopf entstehen lassen?" "Soll ich meine Gedanken beobachten?" "Was soll ich mit meinen Gedanken machen?" usw.

Mein Fazit wäre:

Egal, wie viele Anleitungen ich gelesen, wie viele Kurse ich besucht habe, ich werde meine Meditation, mein Zazen, finden wollen. Voraussetzung ist, dass mir Meditation Freude bereitet, dass ich mich davon angezogen fühle, dass ich darin eine Entwicklung finde, die mir guttut.
 
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Shoujin

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Arten der Meditation im Buddhismus

Shikantaza und Zazen​


Die Begriffe Shikantaza und Zazen würde ich für einen Anfänger als geradezu gleichwertig bezeichnen. Die unten von mir beschriebene Herangehensweise entstammt zwar - eben weil ich aus dieser Richtung komme - eher dem Soto Zen, aber auch im Rinzai Zen, beim Zählen, geht es darum, in die Stille einzutauchen.

Unterscheidet man Shikantaza und Zazen begrifflich, geht es zumeist um die Unterschiede zwischen dem Zen der stillen Erleuchtung (Mokusho-Zen) und dem Zen der Koan -Betrachtung (Kanna-Zen).

Dazu findet man hier etwas von der Sôtô Shû:

https://www.sotozen.com/ger/library/key_terms/pdf/key_terms21.pdf

Und von der Sôtô-Shû zu Shikantaza:

https://www.sotozen.com/ger/library/key_terms/pdf/key_terms01.pdf

Zazen​


Man sitzt mit allem, was kommt, allen Gedanken, egal ob Planungen, Wünsche, Hoffnungen, Ängste, Sorgen oder sonst etwas, ohne sie zu durchdenken. Dass Gedanken aufkommen, ist ganz normal und eine essenzielle Funktion unseres Hirns. Aber wir müssen die Gedanken nicht verfolgen, sondern können betrachten, wie sie kommen und wieder fortziehen - ganz wie Wolken am Himmel. Auf den ersten Blick mag dieses Sitzen, ohne etwas zu tun, langweilig und wie eine Zeitverschwendung erscheinen. Wer es aber selbst ausprobiert, wird merken, dass dieses einfache Sitzen alles andere als einfach ist.

Wieso also sollte man sich dieser Praxis widmen?

Mit der Zeit wird sich der Geist und damit der Gedankenfluss beruhigen. Und mit dem Beruhigen des Gedankenflusses kann man in den stillen Hintergrund eintauchen. Die Erfahrung der Stille fällt nicht einfach weg: Wenn man vom Zazen aufsteht, nimmt man diese Erfahrung mit. Aber wie jede Erfahrung ist sie vergänglich und mit der Handlung selbst nicht zu vergleichen. Daher kehren wir immer wieder zurück und praktizieren Zazen: um die Erfahrung durch unsere Handlung selbst zu erneuern.
 
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kilaya

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Arten der Meditation im Buddhismus
Der Verstand kann nicht erkennen,
was über den konzeptuellen Geist hinaus geht,
und Du wirst niemals das Ungeschaffene
mit den Mitteln zusammengesetzter Phänomene erkennen.

Wenn Du wünschst das zu erlangen oder zu erkennen,
was über den Verstand hinausgeht und ungeschaffen ist,
dann untersuche Deinen Geist genau
und übe Dich in nackter Achtsamkeit.

Erlaube es dem verschlammten Wasser der Gedanken,
sich selbst zu klären.
Versuche nicht, Erscheinungen aufzuhalten oder zu erschaffen.
Lasse sie, wie sie sind.

Wenn Du ohne Annehmen und Ablehnen äußerer Erscheinungen verweilst,
wird alles was erscheint und existiert
durch seine ursprüngliche Natur
aus sich selbst heraus besiegelt und befreit.

Aus Tilopas Mahamudra Upadesha (meine Übersetzung aus dem Englischen)​
 

kilaya

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Arten der Meditation im Buddhismus
Mir fällt noch etwas ein, was ein Kagyü-Lama mal zu Shine/Lhagthong gesagt hat:

Der Geist ist wie eine Kerze in einem dunklen Raum, in dem das Fenster offen ist. Die Kerze flackert so stark, dass man nichts sehen kann. Shine ist dann wie das Schließen des Fensters. Die Kerze beruhigt sich, und der Raum wird erhellt, sodass man alles sehen kann, wie es ist. Das ist Lhagthong.

Und was ich immer wichtig finde, und wo ich erstaunt bin, dass dieser Aspekt bei Berzin oben nicht angesprochen wird: Die Dinge zu erkennen wie sie sind, führt auch dazu, dass es leichter ist, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. So wird diese Praxis zu einer "positiven Feedbackschleife".

Wenn ich sofort verstehe, dass die Kerze flackert, weil das Fenster offen ist, und dass man nichts sehen kann, weil das Licht zu unruhig ist, komme ich schneller auf die Idee, das Fenster zu schließen. Oder ich erkenne in einem anderen Zusammenhang - aus Erfahrung, was zu was führt - die Quelle einer Unruhe schneller.
 
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