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Igor07

Mitglied
Hi, liebe Mitglieder,

mir ist echt aufgefallen, dass man diesen Begriff leicht missverstehen kann.

Im Sutta S.36.6 Durch einen Pfeil - 6. Salla Sutta kann man sehr gut erkennen, dass körperliche Schmerzen – und ich nehme an, auch seelische – weiterhin bestehen bleiben. Aber nur meine eigene Reaktion oder innere Einstellung kann ich verändern.

Anders ausgedrückt: Der Buddhismus heilt keine Krankheiten. Selbst der Buddha hat unter Schmerzen gelitten. Daran sieht man, dass das Wort in diesem Zusammenhang nicht ganz die richtige Bedeutung abdeckt. Ich schlussfolgere daraus, dass es hier eher um die Nicht-Identifikation geht – auf Deutsch ausgedrückt.

Bei Anālayo habe ich gelesen, dass der Körper leidet, aber nicht der Geist. Mit „Geist“ ist hier wohl eher „Mind“ gemeint, also nicht so eng gefasst. Leider finde ich die Stelle auf Englisch gerade nicht.

In diesem Sinne denke ich, dass es richtig verstanden ist: Meine eigenen Ängste, Depressionen oder was auch immer – sie bleiben bestehen. Ich werde alt, krank und irgendwann sterben. Denn alles, was bedingt ist, vergeht. Nur Nibbana ist unbedingt – so habe ich es eins zu eins bei Bhikkhu Bodhi in In den Worten des Buddha gelesen.

Noch ein Gedanke: Wenn ich mich nicht so sehr an meine Krankheiten oder Schmerzen klammere, könnte es sein, dass sie allmählich die Kraft verlieren, mich zu beherrschen – mich zu versklaven. Aber zu sagen, dass ich durch den Dharma geheilt werde, würde niemals stimmen.


Meditation ist kein Hokuspokus, der mich gesund macht. Wenn ich beispielsweise nach einem Autounfall gelähmt wäre oder an einer schlimmen, vielleicht sogar tödlichen Krankheit leiden würde, könnte das nicht geheilt werden. Aber ich könnte in meinem Inneren so wie eine Art existenzielle Freiheit erlangen – mehr nicht.


Wie seht ihr das?
LG.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Der Begriff dukkha ist wohl schwer ins Deutsche zu übersetzen. Es scheint keinen entsprechenden Begriff im Deutschen zu geben, der die Bedeutung genau wiedergibt.

Nyanatiloka übersetzt ihn mit Leiden, Leidunterworfensein, Unzulänglichkeit, Elend, Übel. Einer unserer Übersetzer in unseren Zentrum übersetzt dukkha mit Frustration. In der Lehrrede von den vier Wahrheiten nennt Buddha Sakyamuni im Zusammenhang mit den wahren Leiden acht Aspekte. Diese sind keine reine Aufzählung, sondern sie drücken drei Arten von wahren Leiden aus: Leid des Schmerzes, Leid des Wandels und allesdurchdringendes Leid. Dabei ist die letztere Art die Grundlage für die beiden vorherigen Arten des Leidens. Dies alles zeigt, dass der Begriff dukkha komplex und facettenreich ist. Diese Komplexität der Bedeutung von dukkha kann man anscheinend nicht mit einem einzigen deutschen Begriff ausdrücken.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Dabei ist die letztere Art die Grundlage für die beiden vorherigen Arten des Leidens. Dies alles zeigt, dass der Begriff dukkha komplex und facettenreich ist. Diese Komplexität der Bedeutung von dukkha kann man anscheinend nicht mit einem einzigen deutschen Begriff ausdrücken.
Na ja, aber die dritte edle Wahrheit spricht sehr eindeutig über das Ende des Dukkha oder die Beendigung des Leidens. Und das ist echt verwirrend, denn der Schmerz bleibt bestehen. Ich zitiere also ein Sutta und markiere, was ich meine. Irgendwo im Buch sagt Bhikkhu Bodhi etwas Ähnliches. Wenn ich diese Stelle finde, würde ich sie abschreiben.

Wird aber der erfahrene edle Jünger, ihr Mönche, von einem Wehgefühl getroffen, dann ist er nicht traurig, beklommen, jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend an die Brust, gerät nicht in Verwirrung. So empfindet er nur ein Gefühl, ein körperliches, kein gemütmäßiges.





Gleichwie, ihr Mönche, wenn da ein Mann von einem Pfeil angeschossen würde, aber kein zweiter Pfeil würde nach ihm geschossen. Dieser Mensch, ihr Mönche, wird also nur das Gefühl von e i n e m Pfeil empfinden. Ebenso nun auch, ihr Mönche, wenn der belehrte edle Jünger von einem Wehgefühl getroffen wird, dann ist er nicht traurig, beklommen, jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend an die Brust, gerät nicht in Verwirrung:
Nur ein Gefühl empfindet er, ein körperliches, kein gemüthaftes.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Etymologie Dukkha
Es gibt unterschiedliche Übersetzungsmöglichkeiten des Palibegriffs dukkha; wichtig ist stets der Kontext. Meist wird dukkha mit Leiden übersetzt, aber auch mit schwer zu (er-)tragen, Unzulänglichkeit, Elend, Unerfülltheit oder Unbefriedigtheit u.v.m. … Dukkha: Leid, Elend, Unzufriedenheit, Schmerz, Stress: Wörtlich, „schwer auszuhalten“, „schwer zu ertragen“ ... Im engeren Sinne ist dukkha die Qualität des Erlebens, die entsteht, wenn im Geist durch avijjá die Bedingungen für Verlangen, Anhaften, Egoismus und Selbstsucht geschaffen werden. Das „dukkha-Gefühl“ nimmt Formen an wie Enttäuschung, Unzufriedenheit, Frustration, Aufregung, Jammer, Unbehaglichkeit und Verzweiflung - von den gröbsten bis zu den feinsten Stufen. In seiner universellen Bedeutung ist dukkha in allen unbeständigen, bedingt entstandenen Dingen der ihnen eigene, innewohnende Zustand des Nicht-Zufriedenstellend-Seins, der Häßlichkeit und des Elends. Diese zweite grundlegende Eigenschaft ist ein Ergebnis von anicca ; wechselhafte Dinge können unsere Wünsche und unser Verlangen nicht befriedigen, ganz egal, wie sehr wir es versuchen. Der den Dingen innewohnende Verfall und ihre Auflösung ist Elend. Quelle: Worterklärungen häufig gebrauchter Pālibegriffe _The Pali Text Society, Pali-English Dictionary, Oxford 1999

Noch ein Gedanke: Wenn ich mich nicht so sehr an meine Krankheiten oder Schmerzen klammere, könnte es sein, dass sie allmählich die Kraft verlieren, mich zu beherrschen – mich zu versklaven. Aber zu sagen, dass ich durch den Dharma geheilt werde, würde niemals stimmen.
In meinem 27 Lebensjahr wurde bei mir Morbus Bechterew diagnostizierṭ. Ich wollte mit den Schmerzen zurechtkommen, und weder immobil noch krumm werden. ... Mein damaliger Lehrer (Dzogchen ) sagte, das läge an mir - ein disziplinierter Geist sei die Voraussetzung. Ich lernte, Empfindungen und Funktionen des Körpers sind von meinem Geist abhängig. Ich wehre mich nicht gegen die Erkrankung - ich akzeptiere sie - entspannt. Entspannt funktioniert auch mein Körper, der vor allem Wohnstatt des Geistes ist, und wenn der Geist sich wohlfühlt, funktioniert mein Körper. Eines greift ins andere. ... Das ist nun über vier Jahrzehnte her; ich kam und komme ohne Medikation klaṛ. Ohne die Lehren des Dharma und ohne die Meditation hätte ich das nicht geschaffṭ ...
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
der vor allem Wohnstatt des Geistes
Ja, genau so verstehe ich es auch. Ajahn Chah war mehr als zehn Jahre gelähmt und konnte nicht sprechen. Aber er hat bestimmt nicht gelitten – man kann es nachlesen.
Also kann es im Umkehrschluss bedeuten, dass das Dharma tatsächlich heilen kann. Aber nicht den "Körper", am Rande bemerkt.
Danke für die Offenheit, liebe @mkha' . Respekt! (y)


Ach, klar, diese Trennung von Geist und Körper ergibt eigentlich keinen Sinn – ähnlich wie bei nāma und/ gegen/ rūpa.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Etymologie Dukkha
Es gibt unterschiedliche Übersetzungsmöglichkeiten des Palibegriffs dukkha; wichtig ist stets der Kontext. Meist wird dukkha mit Leiden übersetzt, aber auch mit schwer zu (er-)tragen, Unzulänglichkeit, Elend, Unerfülltheit oder Unbefriedigtheit u.v.m. … Dukkha: Leid, Elend, Unzufriedenheit, Schmerz, Stress: Wörtlich, „schwer auszuhalten“, „schwer zu ertragen“ ... Im engeren Sinne ist dukkha die Qualität des Erlebens, die entsteht, wenn im Geist durch avijjá die Bedingungen für Verlangen, Anhaften, Egoismus und Selbstsucht geschaffen werden. Das „dukkha-Gefühl“ nimmt Formen an wie Enttäuschung, Unzufriedenheit, Frustration, Aufregung, Jammer, Unbehaglichkeit und Verzweiflung - von den gröbsten bis zu den feinsten Stufen. In seiner universellen Bedeutung ist dukkha in allen unbeständigen, bedingt entstandenen Dingen der ihnen eigene, innewohnende Zustand des Nicht-Zufriedenstellend-Seins, der Häßlichkeit und des Elends. Diese zweite grundlegende Eigenschaft ist ein Ergebnis von anicca ; wechselhafte Dinge können unsere Wünsche und unser Verlangen nicht befriedigen, ganz egal, wie sehr wir es versuchen. Der den Dingen innewohnende Verfall und ihre Auflösung ist Elend. Quelle: Worterklärungen häufig gebrauchter Pālibegriffe _The Pali Text Society, Pali-English Dictionary, Oxford 1999
Aber welche wunderbare Definition! Der gewöhnliche, eher normale Mensch, der von Dharma nichts weiß, geht oberflächlich durchs Leben, schwimmt wie Treibholz und stellt keine Fragen. Thanissaro Bhikkhu spricht in diesem Zusammenhang von der Sperberäugigkeit des jungen Prinzen Siddhartha, der dieses endlose Elend wirklich sah. Es war diese immense Dringlichkeit, den Ausweg aus dem Samsara zu finden - so zum Begriff Samvega. Und auch die tiefste Zuversicht, dass es diesen Ausweg gibt - so zum Begriff Pasada. Wenn man die Welt genau so wahrnimmt, dass einem absolut nichts gehört, alles sozusagen"mir" entgleitet, wie auch "Ich" selbst sich als Illusion entpuppt, dann kann der Mensch nicht anders, als dem Weg des Dharma zu folgen. Er kann einfach nicht dafür. Wow! Danke nochmal. Echt erhellend.!
 

Anhänge


Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Dukkha ist ein durch die sechs Sinne verursachtes unangenehmes Gefühl, im Gegensatz zu sukkha, das angenehme Gefühl. Wenn man beides loslässt entsteht pīti, übersinnliches Glück.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Pīti ist vergänglich, wie alle bedingten Phänomene.

Ich meine damit, dass alles dukkha ist – auch pīti –, außer Nibbāna.

In diesem Zusammenhang verliert das Wort „Glück“, wie wir es gewöhnlich verstehen, seine Bedeutung.

Es ist das Ungestaltete, das Unbedingte, das Ziel, das Trieblose, die
Wahrheit, das jenseitige Ufer, das Feine, das gar schwer zu Sehende,
das Unverwelkliche, das Unauflösliche, das Unsichtbare, das nicht
Ausgebreitete, das Stille, das Todlose, das Erlesene, das Glück, der
Frieden, die Durstversiegung, das Erstaunliche, das Außerordentliche,
das Notlose, das notlose Ding, Nibbāna, das Unbedrängte, die
Entreizung, das Lautere, die Erlösung, das Haftlose, die Insel, die
Geborgenheit, der Schutz, die Zuflucht , das Ende.
~ S 43. 1-44

1.14) „Aber, Māgandiya, wenn du jenes von früheren Wanderasketen
in der Tradition der Lehrer gehört hast, was ist jene Gesundheit, was
ist jenes Nibbāna?“
Nach diesen Worten, rieb der Wanderasket Māgandiya seine Glieder
und sagte: ,,²Dies ist jene Gesundheit, Meister Gotama, dies ist jenes
Nibbāna; denn jetzt bin ich gesund und glücklich und nichts bereitet
mir Leid.“…
„Ebenso, Māgandiya, sind die Wanderasketen anderer Sekten blind
und ohne Schauung. Sie kennen Gesundheit nicht, sie sehen Nibbāna
nicht, und doch äußern sie diesen Vers so: „Das größte Gut ist die
Gesundheit, Nibbāna ist das größte Glück.“
Folgendes Gedicht wurde von den früheren Verwirklichten, vollständig
Erleuchteten geäußert:
„Das größte Gut ist die Gesundheit, Nibbāna ist das größte Glück,
Der beste Pfad ist der Achtfache, der sicher zum Todlosen führt.“
Im Laufe der Zeit wurde es unter Weltlingen geläufig. Und obwohl
dieser Körper, Māgandiya, eine Krankheit, ein Geschwür, ein Stachel,
ein Unglück, ein Leid ist, sagst du in Bezug auf diesen Körper: ‘Dies ist
jene Gesundheit, Meister Gotama, dies ist jenes Nibbāna.’ Du besitzt
nicht jene edle Schauung, Māgandiya, mit deren Hilfe du Gesundheit
kennen und Nibbāna sehen könntest.“
~ M 75.19-21 (Bhikkhu Ñāṇamoli & Bhikkhu Bodhi trans.)
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Jedenfalls ist pīti eines der sieben Erleuchtungsglieder, die zu Nibbana führen.

 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Na ja, wer würde das bestreiten? Der Haken bei der ganzen Angelegenheit besteht jedoch darin, dass all diese "Glieder" bedingt entstanden sind. Anders ausgedrückt: Man kann Nibbāna nicht erzwingen, wenn man einfach nur dem ganzen Pfad folgt. Auf die normale Sprache übersetzt, kann der Weg zum Erwachen, dem der Mensch folgt, mit einer Leiter verglichen werden. Aber die Leiter sollte nicht überschätzt werden, im Sinne dessen, dass sie das Mittel, das Vehikel ist – so wie die ganze Lehre nur die Fähre ist, nicht mehr. Und das ist die Essenz, eigentlich:

14. "Ihr Bhikkhus, wenn ihr das Gleichnis vom Floß versteht, solltet ihr sogar gute Zustände aufgeben, um wieviel mehr schlechte Zustände

Das Gleichnis vom Floß

13. "Ihr Bhikkhus, ich werde euch zeigen, wie das Dhamma einem Floß ähnlich ist, indem es zur Überfahrt da ist, nicht zum Festhalten. Hört zu und verfolgt aufmerksam, was ich sagen werde." -


Das bedeutet, egal welche himmlischen Zustände man erreicht, man sollte sie loslassen, aufgeben und hinter sich lassen. Wenn der Mensch an ihnen festhält, verpasst er Nibbāna, denn es ist un-be-ding-t. Nibbāna wird anders ausgedrückt, kein Ding, wie es bei der Leiter der Fall ist.
Aber ohne diese Glieder es wäre auch nicht möglich.
Die Voraussetzung, die Be-ding-ung , so wie ich die ganze Materie verstehe.

Noch anders: diese ganzen Erleuchtung -s-stufen( von der Leiter) sind Teile des Prozesses von Pratītya-Samutpāda, aber sie sind nicht Nibbāna.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Demnach ist jegliches Dasein mit dukkha verbunden, auch der Weg der aus dukkha herausführt, erst mit Nibbana ist dukkha zu Ende.

Es gibt ja diese zwei Arten Nibbana:
Die eine Art zur Lebenszeit noch mit Bezug besteht - jedoch die Daseinsader ist versiegt; die von Bezügen freie jenseits liegt, wo gänzlich alles Werdesein entweicht. It.44

Im Nibbana mit Bezug dürfte es auch noch einen Rest von dukkha geben - Gier, Hass und Verblendung sind zwar erloschen, aber das Dasein nicht, es gibt noch einen Bezug zu Körper, Geist und den Sinnesobjekten.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Der Rest von Dukkha? Aber das alles gehört mir nicht, denn für einen Arahat gibt es kein „Ich“ und „Mein“ mehr.

Das ist eine wirklich komplizierte Frage.

Wer❓ erfährt Dukkha?

So finde ich im Text von P.A. Payutto: (Über die Erleuchtungsglieder)



Asankhata-dhamma, das Nichtbedingte, wird weder erschaffen noch durch es

bedingende Faktoren unterstützt.
Es wird auch visankhara genannt: der Bereich, welcher

die fünf Aggregate transzendiert, oder eben Nibbana. S. 12


Egal, ob mit oder ohne den Rest – es gibt kein Dukkha mehr.


"Es besteht[121] ein Reich, ihr Mönche,
wo es keine Erdenart gibt,
Wasserart nicht, Feuerart nicht,
Luftart nicht, wo kein Bereich ist
eines unbegrenzten Raumes,
oder endlosen Erfahrens,
oder 'Nicht-Etwas', und auch nicht
'Weder-Wahrnehmung noch keine',
'Diese Welt' und 'jene' – beides
gibt's dort nicht, auch 'Sonne', 'Mond' nicht.



Kommen gibt's dort nicht, so sag ich,
Gehen nicht und kein Sichstützen,[122]
Schwinden nicht und Wiederkommen:
Frei von Stützen, frei von Fort-Gang:
So ist es ganz unabhängig.
Wahrlich: Das ist Leidens Ende."
Ud.VIII.1. NIRVĀNA (1)
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Der Rest von Dukkha? Aber das alles gehört mir nicht, denn für einen Arahat gibt es kein „Ich“ und „Mein“ mehr.

Das ist eine wirklich komplizierte Frage.

Wer❓ erfährt Dukkha?

Wahrscheinlich gibt es für einen Arahat noch ein "Ich" und "Mein", er weiß aber dass es nur eine Vorstellung ist. Wenn er Angenehmes oder Unangenehmes erfährt ergreift er es nicht mit Gier oder Hass, aber er erfährt es.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Ja, das stimmt. Ich kann es anders ausdrücken: Er spürt den Schmerz, genau wie der Buddha (Krankheit, Vergiftung usw.), aber kein Leiden.

Das ist ein weiterer Beweis für das Thema hier – wie schwer es ist, den gesamten Begriff Dukkha richtig zu erfassen.

Ein Arahat erfährt Gefühle, aber er re-agiert nicht darauf. Er hat keine innere Identifikation mehr, aber das Leben (das "Dasein") geht weiter.

P.S. Siehe Seite 17 im Buch von Bhikkhu Bodhi, @Helmut.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wer❓ erfährt Dukkha?
Wahrscheinlich gibt es für einen Arahat noch ein "Ich" und "Mein", er weiß aber dass es nur eine Vorstellung ist. Wenn er Angenehmes oder Unangenehmes erfährt ergreift er es nicht mit Gier oder Hass, aber er erfährt es.
"Wer"/ "er" erfährt Dukkha? ... solange man lebt, (ob nun bereits Arahat oder nicht), die Person, zusammengesetzt aus den fünf Aggregaten, einer Gruppe sich ständig ändernder, physischer und geistiger Bestandteile. ...

:unsure: Weshalb die Antwort auf diese Frage nicht einfach ist? (Die Antwort wollte ich eigentlich in ein "Kästchen" setzen, finde es aber nicht mehr (es war früher mal durch Anklicken der drei Punkte zu findeṇ Dann zeigte sich ein Auge, und das Kästchen klappte auf.)

Die Person
Bei den Aussagen der Prāsangika-Mādhyamikas über die Subjekte wird zuerst eine Darstellung der Person gegeben. Das Definiens der Person ist das bloße Ich, das als Benennung in Abhängigkeit von den Aggregaten existiert.

Die Definition der Person, die von den verschiedenen Schulen akzeptiert wird, lautet: Das Ich, welches in Abhängigkeit von den vier oder fünf Aggregaten benannt wird, die seine Benennungsgrundlage bilden.
….
Untersucht man aber das Definiens der Person, das heißt, welcher Faktor genau als Person benannt wird, so gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen:
  • die Svātantrika-Mādhyamikas beispielsweise sagen, das Definiens der Person sei das Kontinuum des Geistigen Bewusstseins, während
  • die Cittamātrin vom Allem- zugrundeliegenden Bewusstsein sprechen.
  • die Pråsangikas teilen diese Auffassungen nicht. Nach ihrer Darstellung ist das Definiens der Person das bloße Ich, das als Benennung in Abhängigkeit von den Aggregaten existiert, welche die Benennungsgrundlage bilden. Deshalb ist nach Prāsangika-Meinung die Person in jedem Fall ein nicht-bewusstseinshafter Gestaltender Faktor. Es gibt kein spezielles Bewusstsein, das die Person wäre, wie es zum Beispiel von den Svātantrika-Mādhyamikas angenommen wird.
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
"Wer"/ "er" erfährt Dukkha? ... solange man lebt, (ob nun bereits Arahat oder nicht), die Person, zusammengesetzt aus den fünf Aggregaten, einer Gruppe sich ständig ändernder, physischer und geistiger Bestandteile. ...
Na ja, ich zitiere wieder:

"
Der Arahat muß nicht mit den Leuten sprechen, sie bitten, ihn
von seinen Schmerzen zu befreien oder sich bei ihnen über seine
Schmerzen beschweren, da er keinen Gram oder Wehklagen
kennt. Damit Gram und Wehklagen sein kann, müßte er denken:
„Ich habe Schmerzen“. Aber solche Gedanken sind für ihn nicht
mehr möglich. Jegliche Schmerzen, die ihm begegnen, erträgt er
einfach.

Noch einmal: Der Buddha sagt, daß für den puthujjana alles Leiden
ist. Wenn es sich auf Gefühle bezieht, bedeutet das, daß die
Gefühle des puthujjana immer Leiden mit sich bringen, egal ob
sie angenehm, unangenehm oder neutral sind. Es sind nicht nur
die unangenehmen Gefühle, die leidvoll sind, sondern alle.121
Genau das ist es, was so schwer zu sehen ist. Und daher kommt
die Schwierigkeit die erste edle Wahrheit zu erkennen."


Die Quelle: Die Lehre des Buddha
und ihre wesentliche Bedeutung
von
R. G. de S. Wettimuny

Noch dazu aus dem Buch:

"
Die einzigartige Entdeckung, die der Buddha machte, war genau
dies: Es kann die fünf Gruppen ohne Ergreifen geben. Mit
anderen Worten, es kann ein Individuum geben, das ohne die geringste
Vorstellung eines „Selbst“, „Ich“ und „Mein“ ist.
So ein
Individuum wird Arahat genannt. Der Arahat betrachtet rein gar
nichts als „Mein“. Der Buddha hat diesen Zustand in sich selbst
erfahren. Damit war er der erste Arahat , der in der Welt unserer
Zeit erschienen ist."
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Ja, so ist eṣ.
 
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Ein gewöhnlicher Mensch erlebt das Leben so, dass" Leiden" für ihn praktisch unvermeidlich ist. Das liegt daran, dass er sich innerlich mit khandha identifiziert. Ein Arahat hingegen erfährt nur körperlichen Schmerz, aber kein Leiden. Trotzdem bleibt er ein Individuum, das handeln und sein Leben bewusst durch Absicht (cetana) bestimmen kann. Für mich ergibt das Sinn.
Das kann doch jeder verstehen, oder? LG.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Na ja, ich zitiere wieder:

"

Noch einmal: Der Buddha sagt, daß für den puthujjana alles Leiden
ist. Wenn es sich auf Gefühle bezieht, bedeutet das, daß die
Gefühle des puthujjana immer Leiden mit sich bringen, egal ob
sie angenehm, unangenehm oder neutral sind. Es sind nicht nur
die unangenehmen Gefühle, die leidvoll sind, sondern alle.121
Genau das ist es, was so schwer zu sehen ist. Und daher kommt
die Schwierigkeit die erste edle Wahrheit zu erkennen."
Der puthujjana ist ein Weltling, der noch sämtliche 10 Fesseln besitzt und noch keine der vier Stufen der Heiligkeit verwirklicht hat. Auch wenn so eine Person in Samara viel Leid erlebt, ist nicht alles Leiden was sie in Samsara erlebt. Wenn diese Person Freigebigkeit übt, dann erfährt sie Glück und kein Leid und die Prägungen, die die Freigebigkeit im Geist hinterlässt, bewirken bereits in Samsara Glück und kein Leid. Auch wenn dieses Glück vergänglich ist, ist es kein Leid. Deshalb würde ich dem ersten Satz der zitierten Interpretation von R. G. de S. Wettimuny nicht zustimmen.

Wenn für den puthujjana alles Leid ist, dann wäre für ihn auch die Übung des achtfachen Pfades mittels dem er die wahren Ursprünge des Leidens überwinden will Leid. Dann kann die Übung des achtfachen Pfades aber kein Gegenmittel gegen die Leidensursachen sein.

Ich denke, man erschwert sich das Verständnis der ersten edlen Wahrheit unnütz durch die Auffassung, dass alles Leiden ist, weil dies nicht der Realität entspricht. Der wirklich schwierige Aspekt der ersten edlen Wahrheit ist der letzte Punkt in der Aufzählung, die Buddha Sakyamuni in SN 56.11 gibt: "kurz: die fünf Anhaftungsgruppen sind Leiden."
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Wenn für den puthujjana alles Leid ist, dann wäre für ihn auch die Übung des achtfachen Pfades mittels dem er die wahren Ursprünge des Leidens überwinden will Leid. Dann kann die Übung des achtfachen Pfades aber kein Gegenmittel gegen die Leidensursachen sein.
Das kann ich nicht bewerten, aber Edward Conze schreibt in seinem Buch Buddhistisches Denken sehr eindeutig, dass es extrem schwierig ist, zur Einsicht zu gelangen, dass alles Abhängige voller Leiden sei (Seite 44). Wenn der normale Mensch diese Wahrheit tatsächlich so sehen würde, wie ich es bereits früher ausgeführt habe – also mit einem Gefühl des reinen Entsetzens –, dann wären wir wieder beim Begriff Samvega, wie Thanissaro Bhikkhu ihn beschreibt.

Doch wie verhält sich der gewöhnliche Mensch? Meistens verdrängt er die schiere und offensichtliche Tatsache, dass er in jedem Moment sterben kann. Er könnte jederzeit eine schlimme Diagnose erhalten, immense Schmerzen erleiden – und so weiter. All das wird normalerweise ausgeblendet, denn es wäre sehr schwer, unter dieser Erkenntnis weiter ein "normales" Leben zu führen und einfach in der Gesellschaft zu funktionieren.

David Loy hat in einer interessanten Abhandlung aufgezeigt, dass der Mensch unbewusst ahnt, dass es im Leben keinen inneren Schutz gibt. Deshalb sucht er Zuflucht in sinnlichen Dingen – sei es Sex, Ansehen, Bücher (auch die Sucht danach). Doch absolut alle bedingten Dinge sind vergänglich. Der gewöhnliche Mensch schaut also in einen inneren, leeren Abgrund. Und um dieser gähnenden Kluft zu entfliehen, sucht er weiter und weiter. Das ist Tṛṣṇā, das Verlangen – man muss nur ein wenig Schopenhauer lesen, um das zu verstehen.


Ohne dieses Elend oder "Kummer-tal" sehr klar zu sehen, wäre eine echte Abwendung vom Leben, wie es ist, nicht möglich. Das ist nicht nur meine eigene Meinung – diese Argumentation findet man genauso bei Mettiko Bhikkhu oder Samanera Bodhesako.


Am Rande bemerkt: Es ist sehr interessant, MN 82 zu lesen. Dort wird dasselbe Thema behandelt – nur verdichteter und sogar poetischer. LG.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Der Beginn des Erkennens der vier Wahrheiten ist sicher Leid. Darum geben viele diesen Weg wieder auf. Die Medizin ist ihnen zu bitter.
Sein Leid erkennen und vermindern, ist immer mit Leid verbunden.

"Der Buddha sagt, daß für den puthujjana alles Leiden
ist. Wenn es sich auf Gefühle bezieht, bedeutet das, daß die
Gefühle des puthujjana immer Leiden mit sich bringen, egal ob
sie angenehm, unangenehm oder neutral sind. Es sind nicht nur
die unangenehmen Gefühle, die leidvoll sind, sondern alle.
Genau das ist es, was so schwer zu sehen ist. Und daher kommt
die Schwierigkeit, die erste edle Wahrheit zu erkennen."

Das sind zwar nicht die Worte, die Buddha genau so verwendet hat, und doch hat er es genauso erkannt.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Ich denke, man erschwert sich das Verständnis der ersten edlen Wahrheit unnütz durch die Auffassung, dass alles Leiden ist, weil dies nicht der Realität entspricht.
Nochmal.

Das Problem des gewöhnlichen Menschen besteht genau darin, dass er nicht in der Lage ist, die Täuschung des "Ich" wie eine Luftspiegelung zu durchschauen. Wenn man argumentiert – wie ich in diesem Buch auf Seite 107 lese –, dass es nirgends ein ewiges, aus sich selbst existierendes Ding gibt, wäre ein Buddha nicht nötig; ein David Hume würde völlig ausreichen. Und das ist Mādhyamaka-Philosophie, oder?


Da der normale Mensch die Täuschung des "Ich" nicht erkennen kann – weil es immer dieses tief verborgene Gefühl der eigenen Subjektivität gibt, das sozusagen versucht, das innere Vakuum auszufüllen –, klammert er sich an die Dinge. --Sehr vereinfacht ausgedrückt--, setzt sich so der Prozess des Werdens (bhava) fort.


Die Zen -Tradition hat das Problem der nicht existierenden Subjektivität auf ihre eigene Weise erfasst. Es gibt keinen Spiegel, der poliert werden müsste – und so fällt das ganze Gebäude zusammen wie ein Kartenhaus.


Wenn ich in einem anderen Faden sagte, dass dukkha auf allen Ebenen präsent ist, dann würde das niemals bedeuten, dass es keinen Ausweg gibt. Man kann Nibbāna erfahren – aber wer erfährt es? Denn es gibt keine Person mehr; sie ist erloschen. Das zeigt, dass das Problem des Verstehens viel tiefer liegt, als es gewöhnlicherweise angenommen wird.
 
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
| Mein Blickwinkel: Ich schreibe nicht zwangsläufig aus dem Blickwinkel der Gelug-Prasangika-Madhyamaka, sondern dem Standpunkt meiner Gesprächspartner entsprechend, (auf die ich bemüht bin, einzugehen), sodass es uns möglich ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Re: Dharma Dukkha richtig verstehen
Das Problem des gewöhnlichen Menschen besteht genau darin, dass er nicht in der Lage ist, die Täuschung des "Ich" wie eine Luftspiegelung zu durchschauen.
.......

Man kann Nibbāna erfahren – aber wer erfährt es? Denn es gibt keine Person mehr; sie ist erloschen. Das zeigt, dass das Problem des Verstehens viel tiefer liegt, als es gewöhnlicherweise angenommen wird.
Der gewöhnliche Mensch hält die Luftspiegelung für die Wirklichkeit, ein Erwachter nimmt die Luftspiegelung auch wahr, aber er weiß dass es nur eine Spiegelung ist ohne Substanz.
.......

Das ist mit dem Verstand kaum erfassbar. Eine mögliche Erklärung wäre vielleicht, dass eine Person ohne Gier, Hass und Verblendung Nibbana als wirklich und Samsara als unwirklich wahrnimmt. Man könnte es mit einem Traum vergleichen, in dem man weiß, dass man gerade träumt. Aber das Verstehen ist unzulänglich, wenn es nicht aus der Erfahrung kommt sondern aus mentaler Überlegung.

Der puthujjana ist ein Weltling, der noch sämtliche 10 Fesseln besitzt und noch keine der vier Stufen der Heiligkeit verwirklicht hat. Auch wenn so eine Person in Samara viel Leid erlebt, ist nicht alles Leiden was sie in Samsara erlebt.
Vom Puthujjana aus gesehen gibt es Glück, vom Arahat aus gesehen ist dieses Glück minderwertig und verglichen mit Nibbana eigentlich auch nur dukkha.
 
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