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traditionsübergreifend

Losang Lhamo

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Für mich ist schon immer eine große Sorge beim Sterben, dass ich meinen Angehörigen damit Kummer bereiten könnte.
Man hört ja von erwachsenen Söhnen, die den Tod der Mutter nicht verwinden können und dadurch in eine tiefe Depression fallen. Also, dafür hab ich die Jungs nicht zur Welt gebracht.

Ich gebe mir Mühe, sie loszulassen und ihre Eigenständigkeit zu fördern. In Zeiten der Not kommen sie aber noch zu mir und stützen sich auf ein Gespräch mit mir.
Daher ist mir unklar, wie gut sie meinen Tod verwinden könnten.

Mein Plan ist, möglichst spät zu sterben, damit meine Angehörigen es gut akzeptieren können. Es ist viel leichter zu verstehen, wenn jemand stirbt, die sehr alt ist.
 

mukti

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Der Vorgang des Sterbens könnte äußerst unangenehm sein, davor habe ich schon Angst. Eher vor körperlichen Qualen, das geistige Loslassen des Lebens könnte man wohl hinkriegen.
Vor dem Tod an sich hätte ich keine Angst wenn ich wüsste dass damit alles zu Ende wäre, wenn ich nicht mehr bin kann ich mich ja vor nichts mehr fürchten. Für wahrscheinlicher halte ich dass der Tod eine Art Transformation ist, und da weiß man halt nicht unter welchen Umständen man danach existiert. Kurzum ich habe Angst vor großen Leiden, deshalb strebe ich nach Befreiung.
 

Auf dem Weg

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Mein Bruder ist im Jugendalter verstorben. Ich habe erleben müssen, wie meine Eltern diese Belastung getragen oder besser gesagt nicht getragen haben. Es war Ende der 60iger und damals gab es noch keine Psychotherapie. Meine Mutter kenne ich seit dieser Zeit nur krank. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater sind nicht sehr alt geworden. Meine Schwester ist vor einigen Jahren verstorben. Wichtig für das Weiterleben der Angehörigen ist, so glaube ich, dass man weiß, wie sie verstorben sind, die letzten Stunden. Da bei meiner Mutter kein Anruf vom Krankenhaus kam, sie sogar vergessen hatten, uns über den Tod zu informieren, wir in das Zimmer gingen und da lag keiner mehr, erfüllt mich dieses mit sehr großer Trauer, wenn ich daran denke.

Durch mein Ehrenamt komme ich mit Menschen in Berührung, die wissen, dass sie nicht mehr viel Zeit haben. In medizinischer Hinsicht hat sich einiges getan. Keiner muss Schmerzen erleiden und das ist gut so. Die Weichen müssen entsprechend von den Angehörigen gestellt werden, dass die letzten Wochen/Monate erträglich werden. Im Krankenhaus selbst ist das schwierig. Hier fehlt die Zeit. Die Zeit zwischen Mitteilung Diagnose, der nicht mehr langen Lebenserwartung und dem Zeitpunkt der Sedierung - das ist eine Zeit des Abschlusses, die sehr unterschiedlich erlebt wird. Das ist nicht unbedingt vom Alter abhängig. Es gibt Menschen um die 60, die "bereit" sind, weil sie nichts mehr erledigen müssen. Andere mit 80 hatten noch so viele Pläne. Es gibt Frauen und Männer, die an ihre Angehörigen denken, wenn sie zurückbleiben und andere nicht. Es gibt die Frau, die alles vorbereitet hat für ihren Tod, Anzeige, Rede usw.usw., weil sie wusste, dass ihr Mann damit vollkommen überfordert gewesen wäre.

Für mich selbst wäre es sehr schlimm, über Jahre ein Pflegefall zu sein und so die Angehörigen zu belasten. Das Auf und Ab, die Hoffnungen kommen und gehen, das ist sehr zehrend.

Allen einen schönen Tag
🙏
 

Auf dem Weg

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
In der Patientenverfügung is es gut, wenn jemand als entscheidungsbefugt eingetragen ist, der in erster Linie nicht an sich und seinen Verlust denkt, sondern an den Kranken. Dieser "jemand" muss in der Lage sein, dieses auch gegenüber den Ärzten durchzusetzen. Für wenige Wochen Leben ist das damit verbundene Leiden oft nicht sinnvoll.
 

Sherab

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
In der Patientenverfügung is es gut, wenn jemand als entscheidungsbefugt eingetragen ist, der in erster Linie nicht an sich und seinen Verlust denkt, sondern an den Kranken. Dieser "jemand" muss in der Lage sein, dieses auch gegenüber den Ärzten durchzusetzen. Für wenige Wochen Leben ist das damit verbundene Leiden oft nicht sinnvoll.
Das ist oft gar nicht so einfach so eine Person zu finden. Menschen verändern sich auch. Wir haben noch eine Ex Freundin in der Patientenverfügung drinnen, die sich mittlerweile einer Sekte angeschlossen hat. Zunächst haben meine Frau und ich natürlich uns gegenseitig eingesetzt. Aber würden wir beide gleichzeitig im Koma fallen hat diese Frau noch Befugnisse (keine finanziellen). Trotzdem müssen wir das dringend ändern und haben auch schon Ersatz gefunden.
 

Martin1980

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
In den letzten Monaten entstand in mir eine gewisse Reizlosigkeit gegenüber dem Leben.

Ich war noch dazu auch körperlich ziemlich erschöpft.

Vor einiger Zeit legte ich die buddhistische Lehre in meinem Herzen zu den Akten.

Ich ging nicht mehr zu Retreats, hörte keine Dhammatalks mehr, und meine Mala war auch nur noch eine Zierde.


Für mich ist die Welt eine Täuschung, und wenn ich an diese Täuschung glaube und anhafte, dann werde ich enttäuscht.

Diese Stille des Herzens kann die ganze Welt in einem Augenblick enttarnen.

Auf dieser Ebene gibt es nichts mehr zu tun und zu befreien, keine Geburt und keinen Tod.

Aber man darf deshalb nicht behaupten, dass es diese Dinge nicht gibt. Für jede noch so kleine Befreiung des Herzens, verschwindet ein Teil der Welt.
Aber bis dahin wird man sterben, leben, lieben, hassen.

Das Universum strahlt durchs Herz, und das Herz strahlt durchs Universum.

Aber weil mein Herz noch selbstgemachte Makel hat, geht der Geist noch manchmal raus und sieht sich getrennt von der Welt.

In Wirklichkeit stirbt ja nur eine Sache, und diese Sache hat Angst vor dem Tod und dem Alleinsein.


Ich musste vor kurzem über mein 26 jähriges Ich lachen.

Fit wie ein Turnschuh hat dieser junge Mann im Kloster ganz selbstverständlich den Tod visualisiert, kontempliert, und scheinbar auch akzeptiert.

Ehrlich aber auch ziemlich naiv.


Jetzt verfärben sich die Haare (Friedhofsblond) , und der Sportwagen ist einem bequemen Suv gewichen.


In der Theorie weiß man alles, aber weil man nicht weiß, wer das alles weiß oder nicht weiß, leidet man manchmal doch wie ein Hund, wenn dieser Elementehaufen langsam zum Komposthaufen wird.


Mir wird immer mehr bewusst, dass ich nicht auf alle Fragen eine Antwort habe und finden werde , und das dieses Herz voll von Unwissenheit und Chaos ist.

Aber wenn man zumindest einen Hauch von Güte, Geduld und inneren Abstand verwirklicht hat, glaubt man der Unwissenheit, der Einsamkeit, der Angst, den Gedanken nicht mehr blind.


Diese Ängste sind wie ein Liter roter Farbe.

Leert man diesen Liter in eine Badewanne voller Wasser, wird alles rot sein.

Leert man diesen Liter in einen See, wird sich der See nicht komplett verfärben.

Und mitten im offenen Meer schaut die Sache noch einmal ganz anders aus.


Ich bin nicht unbedingt klüger geworden in Bezug auf die buddhistische Lehre, aber ich identifiziere mich nicht mehr (so oft) mit diesen Dingen, und meine Metta -praxis gibt mir die möglichkeit zur Heilung.

Habe ich Angst vor dem Tod? Ich glaube nicht.
Die Dinge die ich nicht weiß treffen auf das tiefe Vertrauen und die Liebe zur buddhistischen Lehre.
Ich bin nicht unbewaffnet und machtlos, in Bezug auf das Leiden der Welt.


LG Martin
 

Nyinje ☼

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Ich habe Angst vor dem Tod. Ich habe Angst bis dahin nicht genug verstanden zu haben, nicht genug praktiziert und ich habe Angst durch meinen Tod Leid zu verursachen. Ich bin mit 27 fast gestorben. Seitdem habe ich immer das Gefühl von geliehener Zeit zu leben. Als wäre ich damals durch einen Trick am Leben geblieben. Das ist natürlich Quatsch. Trotzdem ist das Gefühl oft da. Ich glaube immer, dass ich in diesem Leben nicht sehr alt werde. Das Gefühl hatte ich schon als Kind. Dadurch fühle ich mich immer wie der Hase bei Alice im Wunderland. Ich habe keine Zeit. Gleichzeitig lähmt mich das oft und hindert mich das Leben voll auszuschöpfen. Es kommt mir dann alles so sinnlos vor. Diese Angst begleitet mich schon mein ganzes Leben. Meine Mutter meinte Angst war eins meiner ersten Worte. Ich konnte das lange aber gar nicht als Angst vor dem Tod benennen. Ich dachte immer, ich hätte Angst vor dem Leben. Erst in letzter Zeit wird mir klar, dass die Angst vor dem Tod mich am Leben hindert.

Das klingt so destruktiv, ist aber gar nicht so gemeint. Im allgemeinen bin ich ein fröhlicher Mensch. Es ist nur ein Teil von mir, der aber natürlich auch eine Rolle spielt. :)
 

Nyinje ☼

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Wie hat es sich denn damals angefühlt? Hattest Du Angst?
Nein. Ich bin fast verblutet. Man driftet weg, das ist eigentlich ganz angenehm. Ich wurde erst sehr schwer und dann ganz leicht. Außerdem hab ich meine Gliedmaßen nicht mehr gespürt und irgendwann den Körper nicht mehr. Daran erinnere ich mich. Das war angenehm, da ich davor ziemlich starke Schmerzen hatte. Und ich erinnere mich an ein Geräusch, wie ein Bienenschwarm vielleicht. Es war nicht beängstigend, eher erleichternd. Aber es ist auch schwer, das nach den Jahren genau zu rekonstruieren. Das war ja im allgemein eine sehr leidvolle Zeit für mich. Mein Sohn ist ja tatsächlich am nächsten Tag gestorben. dadurch ist diese Erfahrung immer eng damit verknüpft. Unser Gedächtnis ist da glaube ich nicht sehr zuverlässig. Ich weiß heute nicht mehr genau, wie es damals wirklich war.
 

Auf dem Weg

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Beim Lesen Deiner Zeilen liebe @Nyinje ☼ sind mir sofort Fragen in den Sinn gekommen, warum, wann, wie alt war dein Sohn ect., aber das ist gar nicht wichtig.

Ich umarme Dich 🤗 und es ist schön, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

🙏
 

Nyinje ☼

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Beim Lesen Deiner Zeilen liebe @Nyinje ☼ sind mir sofort Fragen in den Sinn gekommen, warum, wann, wie alt war dein Sohn ect., aber das ist gar nicht wichtig.

Ich umarme Dich 🤗 und es ist schön, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

🙏
Es war bei seiner Geburt. Eine komplikative Schwangerschaft. Er wurde nur drei Tage alt und starb an Hirn- und Lungenblutung. Ich selbst bin fast verblutet, da aufgrund von einmonatigem Krankenhausaufenthalt mit Wehenhemmer und Trombosespritzen die Blutgerinnung nicht mehr funktionierte und sich nach dem Kaiserschnitt die Wunde nicht schloss. Mein Sohn wurde im 7. Monat geboren. Knapp 900g schwer, aber mit voll funktionsfähiger Lunge. Leider treten bei Frühchen häufig Hirn- und Lungenblutungen auf. Ich glaube fast jedes zweite stirbt daran. Ich hatte ein Hämatom im Unterleib, da ich bei unserem Umzug damals gegen einen Küchenschrank gelaufen bin. Das Hämatom ist einfach nicht verheilt, zusätzlich zu einer Gebährmutteranomalie hatte mein Kleiner da leider wenig Chancen. Das ist jetzt 14 Jahre her und manchmal ist es wie ein Traum. Es war auf jeden Fall in einem anderen Leben. Ich habe noch einen Sohn. Er war damals schon auf der Welt. Er war ein sehr guter Grund weiter zu leben. 🥰

Ich weiß du schreibst es ist nicht so wichtig. Ich wollte nur kurz erzählen, was passiert ist. Für mich war das sehr einprägsam. Der Tod wurde dadurch sehr real in meinem Leben.
 

Losang Lhamo

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Ich habe Angst vor dem Tod. Ich habe Angst bis dahin nicht genug verstanden zu haben, nicht genug praktiziert und ich habe Angst durch meinen Tod Leid zu verursachen. Ich bin mit 27 fast gestorben. Seitdem habe ich immer das Gefühl von geliehener Zeit zu leben. Als wäre ich damals durch einen Trick am Leben geblieben. Das ist natürlich Quatsch. Trotzdem ist das Gefühl oft da. Ich glaube immer, dass ich in diesem Leben nicht sehr alt werde. Das Gefühl hatte ich schon als Kind. Dadurch fühle ich mich immer wie der Hase bei Alice im Wunderland. Ich habe keine Zeit. Gleichzeitig lähmt mich das oft und hindert mich das Leben voll auszuschöpfen. Es kommt mir dann alles so sinnlos vor. Diese Angst begleitet mich schon mein ganzes Leben. Meine Mutter meinte Angst war eins meiner ersten Worte. Ich konnte das lange aber gar nicht als Angst vor dem Tod benennen. Ich dachte immer, ich hätte Angst vor dem Leben. Erst in letzter Zeit wird mir klar, dass die Angst vor dem Tod mich am Leben hindert.

Das klingt so destruktiv, ist aber gar nicht so gemeint. Im allgemeinen bin ich ein fröhlicher Mensch. Es ist nur ein Teil von mir, der aber natürlich auch eine Rolle spielt. :)
Nö, ich finde, das klingt einfach nur sehr ehrlich - auch mit Dir selbst.

Bei mir war es in jungen Jahren ähnlich. Im Alter von ungefähr 46 habe ich mit der Vajrasattva -Meditation angefangen und das so etwa 3,5 Jahre täglich durchgezogen. Das hat bei mir irgendso einen Knoten gelöst.
 

Nyinje ☼

Moderation
Teammitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Nö, ich finde, das klingt einfach nur sehr ehrlich - auch mit Dir selbst.

Bei mir war es in jungen Jahren ähnlich. Im Alter von ungefähr 46 habe ich mit der Vajrasattva-Meditation angefangen und das so etwa 3,5 Jahre täglich durchgezogen. Das hat bei mir irgendso einen Knoten gelöst.
Vajrasattva war meine Hauptpraxis nachdem mein Sohn starb. David hatte danach extreme Verlustängste und hat mit Mutismus auf seinen verstorbenen Bruder reagiert. Ich durfte ihn die erste Zeit nicht alleine lassen, nichtmal länger aus dem Raum gehen. Egal, ob noch jemand da war, oder nicht. Deswegen verbrachte ich diese Zeit sehr viel meditierend neben meinem schlafenden Sohn. Ich glaube er hat mich dadurch echt zum Praktizieren gebracht.
Ich habe immer noch Angst, aber es ist nicht mehr so lähmend wie früher. Sie ist viel subtiler geworden. Aber da ist sie immer noch. Ganz extrem war mein erstes Retreat in meiner Hütte in Italien. Da war ich ja eine Woche ganz alleine in der Wildnis, ohne Hunde etc. Die ersten Tage bin ich fast gestorben. Alles war so extrem bedrohlich, ich war kurz davor abzubrechen. Es gab nur keine Möglichkeit, dass mich jemand abholt, ohne Schwierigkeiten. Mein Mann war ja mit dem Auto Zuhause und war wieder arbeiten. Ich habe damals zwei Dinge festgestellt. Erstens, dass mein Stolz größer ist, als meine Angst. Ich hätte zugeben müssen wie groß meine Angst ist um meinen Mann dazu zu bewegen mich zu holen. Und zweitens, dass wenn Angst sich ins unermessliche steigert sie sich von alleine auflösen kann. Es gab so einen Punkt, wie ein Nullpunkt, da war sie plötzlich weg.
 

Losang Lhamo

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Vajrasattva war meine Hauptpraxis nachdem mein Sohn starb. David hatte danach extreme Verlustängste und hat mit Mutismus auf seinen verstorbenen Bruder reagiert. Ich durfte ihn die erste Zeit nicht alleine lassen, nichtmal länger aus dem Raum gehen. Egal, ob noch jemand da war, oder nicht. Deswegen verbrachte ich diese Zeit sehr viel meditierend neben meinem schlafenden Sohn. Ich glaube er hat mich dadurch echt zum Praktizieren gebracht.
Ich habe immer noch Angst, aber es ist nicht mehr so lähmend wie früher. Sie ist viel subtiler geworden. Aber da ist sie immer noch. Ganz extrem war mein erstes Retreat in meiner Hütte in Italien. Da war ich ja eine Woche ganz alleine in der Wildnis, ohne Hunde etc. Die ersten Tage bin ich fast gestorben. Alles war so extrem bedrohlich, ich war kurz davor abzubrechen. Es gab nur keine Möglichkeit, dass mich jemand abholt, ohne Schwierigkeiten. Mein Mann war ja mit dem Auto Zuhause und war wieder arbeiten. Ich habe damals zwei Dinge festgestellt. Erstens, dass mein Stolz größer ist, als meine Angst. Ich hätte zugeben müssen wie groß meine Angst ist um meinen Mann dazu zu bewegen mich zu holen. Und zweitens, dass wenn Angst sich ins unermessliche steigert sie sich von alleine auflösen kann. Es gab so einen Punkt, wie ein Nullpunkt, da war sie plötzlich weg.
Es gibt genau dazu ein tolles Sutra vom Buddha im Palikanon . Eins der wenigen, die ich je gelesen habe. Hab den Namen leider schon wieder vergessen.
 

Losang Lhamo

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Vielleicht fällt es dir ja wieder ein. Oder jemandem? Das würde mich natürlich sehr interessieren. :)

https://www.palikanon.com/majjhima/m004n.htm

... " Schwer lebt es sich aber, o Gotamo, im tiefen Walde, an abgelegenen Orten, schwer ist es Einsamkeit zu pflegen, schwer Alleinsein genießen; die Waldschluchten müssen wohl einem Mönche, der keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe stocken lassen."

... "Da sagte ich mir, Brahmane: 'Alle die lieben Asketen oder Brahmanen, die, an Taten ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr Tun nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich, an Taten nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, übe lauteres Tun: habt ihr Heilige, die, lauter an Taten, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.' Als ich, Brahmane, merkte, diese Lauterkeit des Tuns eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.

"Und ich sagte mir, Brahmane; 'Alle die lieben Asketen oder Brahmanen, die, an Worten ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihre Rede nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich, an Worten nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, übe lautere Rede: habt ihr Heilige, die, lauter an Worten, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.' Als ich, Brahmane, merkte, diese Lauterkeit der Rede eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.


"Und ich sagte mir, Brahmane: 'Alle die lieben Asketen oder Brahmanen, die, an Gedanken ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr Denken nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich, an Gedanken nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, übe lauteres Denken: habt ihr Heilige, die, lauter an Gedanken, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen.' Als ich, Brahmane, merkte, diese Lauterkeit des Denkens eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
Dann wird alles aufgezählt, was zu läutern ist und mittig zum Ende kommt meine Lieblingsstelle:
... Und jene Furcht und Angst, Brahmane, fand sich ein als ich stille stand. Aber weder ging ich da, Brahmane, auf und ab, noch setzte ich mich nieder, noch legte ich mich hin, bis ich stille stehend jener Furcht und Angst begegnet hatte, Und jene Furcht und Angst, Brahmane, nahte mir als ich saß. Aber weder legte ich mich da, Brahmane, hin, noch stand ich auf, noch ging ich umher, bis ich sitzend jener Furcht und Angst begegnet hatte. Und jene Furcht und Angst, Brahmane, kam heran als ich lag. Aber weder hob ich mich da, Brahmane, empor, noch stand ich auf, noch ging ich hin und her, bis ich liegend jener Furcht und Angst begegnet hatte.

Ich glaub, ich hab's aber irgendwo noch anders gelesen. Andere Wortwahl. Und da war auch irgendwie ein Vergleich mit einem Holzklotz, wie der man sich verhalten soll. Also innehalten und sich das angucken mit der Angst.
 

Sherab

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Lisa Freund sprach in diesem Zusammenhang bei der Ausbildung zum Sterbebegleiter von den vielen kleinen Toden und von dem großen Tod.

Ich finde die Analogie sehr schön, die wohl auch im tibetischen Totenbuch steht: Dort vergleicht man das Einschlafen mit dem Sterben, den Schlaf mit dem Bardo und das Aufwachen mit der Wiedergeburt. Man kann dabei tatsächlich wohl ähnliche Prozesse beobachten bezüglich der 5 Elemente wie im Sterbeprozess.
 

Martin1980

Mitglied
Re: Dharma Angst vor dem Tod
Manchmal wenn ich Gehmeditation mache, sehe ich meine verstorbenen Familienmitglieder (auch die vierbeinigen) neben mir gehen.
Wir reden nichts, aber ich habe das Gefühl das alles in Ordnung ist.

Mir wird manchmal klar, dass ich durch die Augen von meinem Großvater sehe und es keinen Grund gibt, ihn zu vermissen.

Ich habe wohl jahrelang gesucht, getrauert und habe komplett jenes ignoriert, dass sucht und traurig ist.
Früher habe ich mich zum Beispiel in der Nacht in der Natur einsam und unwohl gefühlt, und heute Blicke in den Sternenhimmel hoch, und schaue in einen Spiegel.

Die Stille im Herzen, wenn man sich lange genug dem Meditationsobjekt zugewandt hat spricht die selbe Sprache wie die Stille des Universums . Auch wenn ich nicht hundert Prozent weiß was passieren wird, ist mein Leben irgendwie getragen durch ein Gefühl, dass alles in Ordnung ist und sein wird.

Ich bin sehr dankbar dafür.

LG Martin
 
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